Partner von
Partner von

Eine Drogeriebesitzerin in Nepal

Monatlicher Verdienst, Grundkosten, Altersvorsorge:
Sweta Lama verkauft von 6 bis 18 Uhr Kosmetikartikel in ihrem Laden, sieben Tage die Woche. Nach Abzug der Kosten für ihre Waren, die sie in der fünf Kilometer entfernten Distrikthauptstadt Hetauda einkauft, und der Monatsmiete von drei Euro bleiben ihr monatlich rund 60 Euro zum Leben. Davon kann sie sich und ihren Sohn ernähren und ihn zur Schule schicken. Das Schulgeld beträgt 55 Euro im Jahr. Ein Drittel ihrer Einnahmen, auf die sie wegen des geringen Einkommens keine Steuern zahlt, gibt sie den Schwiegereltern. Eine Kranken- und Rentenversicherung hat sie nicht. Wird sie oder ihr Sohn krank, muss sie die Kosten der Behandlung bar bezahlen.




Was bedeutet Ihnen Ihre Arbeit?
"Sie ist die Erfüllung eines Traumes und macht mich stolz und unabhängig. Ich habe jedoch Angst davor, dass mein Mann bald aus Malaysia zurückkehrt, falls er dort keine neue Arbeit findet. Wenn er sagt, ich müsse den Laden schließen, muss ich ihm gehorchen. Das wäre eine große Enttäuschung. Ich werde ihm daher anbieten, das Geschäft mit mir gemeinsam zu führen, damit er nicht das Gesicht verliert. Ein arbeitsloser Mann mit einer berufstätigen Ehefrau, das ist schwierig in Nepal." Warum ist das so?
"Frauen werden in Nepal – vor allem auf dem Land – als Menschen zweiter Klasse gesehen. Söhne werden häufiger zur Schule geschickt, sie gelten als Altersvorsorge, weil die Eltern später bei ihnen wohnen. Es gibt bei uns ein Sprichwort: Ein Sohn erhellt die ganze Welt, ein Mädchen erhellt nur die Küche." Was ist das Wichtigste in Ihrem Leben?
"Mein Sohn. Er ist alles für mich und verbringt viel Zeit mit mir im Laden. Meinen Mann liebe ich nicht, meine Eltern haben ihn für mich ausgesucht, weil sie ihre Kinder kaum ernähren konnten. Meine Hochzeit bedeutete für sie: ein Esser weniger im Haus. Für mich bedeutet sie: mit Menschen auf engstem Raum zusammenleben zu müssen, die nicht sehr sympathisch sind." Was sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?
"Viele Leute zahlen nicht! Sie sagen, sie bezahlen morgen, aber tun es dann nicht. Ich kenne meine Kunden, seit ich denken kann, weil wir in einem kleinen Dorf leben. Da ist es nicht leicht, sein Recht einzufordern." Wovor haben Sie am meisten Angst?
"In unsere Region kommen immer wieder Menschenhändler und versprechen Kindern ein besseres Leben, wenn sie mit ihnen nach Indien gehen. Meine größte Angst ist, dass mein Sohn darauf hereinfällt und mir weggenommen wird. Deswegen erziehe ich ihn zur Vorsicht und passe gut auf ihn auf." •
Nepal:
Einwohner: 29,5 Millionen
Währung: Nepalesische Rupie (NPR) 91,04 NPR = 1 Euro
BIP pro Kopf: 630 Euro
Human Development Index: Platz 144 (Deutschland: 22 von 182 Ländern)

Aktuelle Durchschnittskosten:
1 kg Reis: 0,32 Euro
1 l Milch: 0,14 Euro
1 l Benzin: 0,72 Euro
1 Herrenhaarschnitt beim Frisör: 0,46 Euro
1 handgestrickte Wollmütze: 0,93 Euro
1 maßgeschneiderte Hose: 1,38 Euro
1 Essen im Mittelklasse-Restaurant: 1,49 Euro
1 Paar Jeans: 6,15 Euro