Partner von
Partner von

Der gebändigte Strom

Der Rhein war einst ein reißender Fluss. Damit er zur Schifffahrtsstraße werden konnte, musste er begradigt werden.




• Seine Anwohner nannten ihn den "fressenden Rhein". Vor 200 Jahren war er zwischen Mannheim und Basel ein wilder Strom in einem Gewirr von Flussarmen mit mehr als 2000 Inseln. Jahr für Jahr trat er über die Ufer, das Hochwasser nahm den Bauern die Felder, ganze Dörfer gingen in den Fluten unter. Die Schifffahrt war Schwerstarbeit. Stromaufwärts konnten die Kähne nur bis Karlsruhe von Pferden getreidelt werden. Weiter südlich wurde das Ufer unwegsam für die Tiere, sodass oft mehr als 50 Männer die Arbeit übernehmen mussten. Für die Strecke von Karlsruhe nach Straßburg brauchten sie zwei Wochen.

Es war im Jahr 1797, als ein Mann in den Dienst des Markgrafen von Baden trat, der dieses Problem lösen sollte: der Ingenieur Johann Gottfried Tulla. Im Dienste der Badener maß er die Stromgeschwindigkeit und Tiefe des Flusses und notierte die Hochwasserpegel. Dann unterbreitete er seinem Dienstherrn einen Vorschlag: die "Korrektion" des Oberrheins. Der Strom solle sich nicht mehr in tausend Windungen durch die Ebene schlängeln, sondern in einer geraden Linie verlaufen. "Kein Fluss der Erde braucht mehr als ein Bett", sagte Tulla.

Der Markgraf ließ diesen Plan zunächst in Nordbaden umsetzen. Als in dem Dorf Eggenstein die Arbeiten zu Ende waren, trugen die Bürger ein Gedicht zu Ehren Tullas vor:

"Lob und Dank sei diesem Mann,
der durch seinen weisen Plan,
den er nun zu Ende gebracht,
uns vom Rhein hat frei gemacht."

Doch zu Ende war dessen Plan noch lange nicht. Er wollte auch den Rhein weiter südlich bis Basel begradigen. Aber dies erlebte der Ingenieur nicht mehr. Er starb im Jahr 1828 im Alter von 58 Jahren. Sein Nachfolger Max Honsell vollendete die Korrektion nach mehr als 60 Jahren Bauarbeiten. Er war es, der den Rhein zur heute meistbefahrenen Schifffahrtsstraße Europas machte.