Zum Wachstum verurteilt

Der Internet-Riese Google legt sich mit Kunden wie Konkurrenten an. Das einst strahlende Image hat gelitten. Kann die Firma sich das leisten? Ein Blick in die Bilanz zeigt: Sie kann nicht nur - sie muss!




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Der Umsatz wächst zwar noch, aber immer langsamer: ein Problem für einen börsennotierten Konzern, der auf Kurssteigerungen angewiesen ist, um Aktionäre und Mitarbeiter die zu einem Gutteil mit Anteilen entlohnt werden - bei Laune zu halten. Seit Jahresbeginn ist der Aktienkurs um fast 20 Prozent gefallen, obwohl die Umsätze in den ersten beiden Quartalen um mehr als 20 Prozent über den Vorjahresperioden lagen. Das bedeutet: Den Investoren reichte dieser Zuwachs nicht. Google muss dringend neue Erlösquellen erschließen - und verfolgt genau dieses Ziel unter anderem mit Google Maps nebst Street View, dem in Deutschland umstrittenen dreidimensionalen Stadtplan, für den systematisch alle Straßen von Google fotografiert werden. Das Projekt fallen zu lassen, angesichts des Unmuts vieler Bürger, die um ihre Privatsphäre fürchten, kommt für Google nicht infrage.

Nach wie vor macht Google den Großteil des Umsatzes - 97 Prozent - mit Anzeigen, die auf den eigenen Seiten oder auf Partner-Websites (Google Network Web Sites) erscheinen, denen Google seine Suchmaschine zur Verfügung stellt. Diese Abhängigkeit von Internet-Werbung ist gefährlich, wie das schwache Wachstum von nur neun Prozent im Krisenjahr 2009 zeigt. Google tut sich indes schwer damit, neue Geschäftsmodelle zu etablieren: Zwei Versuche, in die Domäne der Social Networks wie Facebook einzudringen - Google Buzz und Google Wave -, floppten. Der Verkauf des Google-Handys Nexus wurde mangels Erfolg eingestellt. Gut läuft zwar Android, das Google-Betriebssystem für Handys. In den USA verkaufen sich Mobiltelefone mit Android besser als Apples iPhone. Allein: Google verdient nichts daran, weil es Android verschenkt zum großen Ärger der Konkurrenz. Aber auch dieser Konflikt ist unvermeidlich, will Google weiter wachsen. Denn Android sichert dem Konzern den Zugang zu Mobilfunkkunden. Die sind enorm wichtig, weil sie Experten zufolge schon in zehn Jahren die Mehrheit der Internet-Nutzer stellen werden.

Selbst im Krisenjahr 2009 war Google noch ungeheuer profitabel, das zeigt die Netto-Marge. Sie gibt an, wie viel Prozent vom Umsatz als Gewinn - genauer gesagt: Jahresüberschuss oder Net Income - hängen bleiben. Bei Google waren es rund 6,5 Milliarden US-Dollar oder 28 Prozent des Umsatzes. Zum Vergleich: Apple kommt im Schnitt nur auf 10 bis 15 Prozent.

Der Konzern hat seine Kosten extrem gut im Griff: Geht das Umsatzwachstum zurück wie in 2008 und 2009, wird bei den direkt zurechenbaren Aufwendungen (Cost of Revenues) sofort gegengesteuert, die etwa nötig sind, um Nutzer auf die Google-Seiten zu lotsen (Traffic Acquisition Costs). Ihr Anteil an den Erlösen sinkt. Das gilt selbst für die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (Research & Developement), einen Bereich, in dem der Konzern eigentlich nicht nachlassen darf, will er wettbewerbsfähig bleiben und weiter wachsen. Allerdings investiert Google mit zwölf Prozent des Umsatzes ohnehin mehr als die Konkurrenz - beim Online-Versteigerer Ebay sind es acht, beim Händler Amazon nur vier Prozent.

Die Bilanz ist ein Ausbund an Solidität: Von rund 40 Milliarden US-Dollar Bilanzsumme (Total Assets) steckten Ende 2009 gut 24 Milliarden in Barem oder kurzfristig verkäuflichen Wertpapieren wie US-Staatsanleihen, Mitte des Jahres waren es sogar 30 Milliarden. Vorstandschef Eric Schmidt will flüssig sein, um schnell investieren zu können. Ein Unternehmenskauf pro Monat ist sein Ziel. Kann er sich das leisten? Ja, denn dem Cash stehen praktisch keine Schulden gegenüber, die Eigenkapitalquote liegt bei sagenhaften 88 Prozent, gespeist aus jahrelangen Gewinnen, von denen nie ein Cent ausgeschüttet wurde. Diese Politik setzt Google aber auch unter Druck: Wenn schon keine Dividende, wollen die Aktionäre wenigstens Wachstum und damit Kurssteigerungen sehen.