Als sich das Geld in Rauch auflöste

Die Inflation von 1923 war die schlimmste in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Banknoten wurden zu Spielgeld.




• Wenn selbst Räuber das Interesse an Geldtransporten verlieren, muss die Lage ernst sein. Im Oktober 1923 verzeichnete die Berliner Polizei fast keine Überfälle auf gepanzerte Wagen, obwohl sie in Kolonnen durch die Stadt fuhren. Kein Wunder: Ihre Ladung war kaum mehr etwas wert.

Die Hyperinflation von 1923 war die schlimmste der Geschichte. Der Staat war extrem verschuldet, auf ihm lasteten die gewaltigen Reparationszahlungen für den Ersten Weltkrieg. Doch die Regierungen der Weimarer Republik trauten sich nicht, die Steuern zu erhöhen. Stattdessen druckten sie Scheine, die längst nicht mehr durch Goldreserven gedeckt waren. Zwischen Oktober und November brachte die Reichsbank 400 Trillionen Mark in Umlauf. Die Folge: Es gab zu viel Geld und zu wenige Waren, die Preise galoppierten – ein Theaterbesuch ging in die Millionen.

Kostete 1914 ein Dollar noch 4,20 Mark, waren es im November 1923 unfassbare 4,2 Billionen Mark. Von dieser Entwertung profitierten der Staat und die Unternehmen. Beide zahlten den nominellen Betrag ihrer Schulden ab und kamen so billig davon. Leidtragende waren die Bürger, die keinen Besitz hatten. Arbeiter stopften am Zahltag ihren Lohn in Rucksäcke. Kurz darauf rannten sie in die Geschäfte, um sich mit dem Nötigsten einzudecken, solange es für ihr Geld noch etwas zu kaufen gab.

Die Einführung der Rentenmark im Oktober setzte der Inflation ein Ende. Die Währung wurde durch Gold gedeckt, die Reichsbank gab dem Staat keine Kredite mehr. Bald kostete ein Dollar 4,23 Mark. Aber die Inflation war zum Trauma der kleinbürgerlichen Schichten geworden. Sie machte, wie der Historiker Eric Hobsbawm schreibt, "Mitteleuropa für den Faschismus reif".