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Stürmische Zeiten

Erst seit Anfang der siebziger Jahre werden von Bohrinseln in der Nordsee Erdöl und Erdgas gewonnen. Der Aufwand dafür war so teuer wie die Mondlandung - und ebenso riskant.




• Die Nordsee war stürmisch, rau und kalt, was unter dem Meeresboden lagerte, lange ein Geheimnis. Daher übten sich die Pioniere zunächst in Zurückhaltung. "Bei Testbohrungen durch die Plattform Sea Gem wurde Gas produziert, jedoch nicht in ausreichenden Mengen, um kommerziell bedeutend zu sein." Das teilte der Energiekonzern British Petroleum (BP) im September 1965 mit, als er von Explorationen vor der Küste Englands berichtete. Die Skepsis war begründet. Viele Gas- und Ölfelder wurden in dieser Zeit von den Konzernen angebohrt - nur um festzustellen, dass sie unergiebig waren.

Doch schon wenige Tage nach der ersten Meldung stieß die Besatzung der Sea Gem auf eine Gasader. In etwa 3000 Meter Tiefe fand die Crew genügend Erdgas, um eine Stadt mit Energie zu versorgen. Nur ein Jahr später entdeckte die amerikanische Phillips Petroleum eine Erdöllagerstätte vor Norwegens Küste, und im selben Monat meldete die zum Rockefeller-Imperium gehörende Amoco Erfolge. 1970 schließlich fand BP das FortiesÖlfeld, das größte der Nordsee. Von 1969 an förderte Norwegen sein eigenes Erdöl, 1975 folgte Großbritannien.

Es war ein unbarmherziger Kampf – und er forderte Opfer. Im Dezember 1965 sank die Sea Gem, als einer ihrer Pfeiler abbrach, 13 Menschen kamen dabei zu Tode. Die Explosion der zu Phillips gehörenden Plattform Piper Alpha (1988) kostete 167 Arbeiter das Leben. Die Regierungen erließen strengere Sicherheitsvorschriften. Die Firmen brauchten immer bessere Technik, um den Gefahren auf hoher See Herr zu werden – und um immer tiefer bohren zu können. Bis in die achtziger Jahre hatte die Erdölindustrie mehr Geld in die Ausbeutung des Rohstoffs in der Nordsee gesteckt, als die Nasa für die Mondlandung aufgewandt hatte – aber auch die Abhängigkeit Europas von Mineralölimporten verringert.