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Striche für die Ewigkeit

Auch in kleinen Nischen können Marken groß und stark werden. Zum Beispiel die Filzmarker von Edding.




• Seine Produkte sind dazu bestimmt, dick aufzutragen – er selbst neigt nicht dazu. Per Ledermann, 34, Vorstandsvorsitzender der Edding AG in Ahrensburg bei Hamburg, ist ein schmaler, zurückhaltender Typ. Der Jurist und Betriebswirt versichert, wie froh er sei, dass die Marke vor 50 Jahren nicht nach seinem Vater benannt wurde, sondern – des besseren Klanges wegen – nach dessen damaligem Kompagnon Carl-Wilhelm Edding. "So hört man meinen Kindern nicht gleich am Namen an, dass sie mit unserem Unternehmen verbunden sind."

Edding wurde zum Marktführer und Synonym für Marker. Die Käufer entdeckten die handlich-klobigen Schreibgeräte rasch, die Konkurrenz unterschätzte sie lange. Wer sie fürchten lernte, waren Hausmeister, denn mit einem Edding verfasste Botschaften halten ewig – in etlichen Schulen gilt deshalb ein Edding-Verbot. Für Ledermann der Preis dafür, Gattungsbegriff zu sein, denn gemeint sei natürlich nicht die Marke, sondern der Permanentmarker an und für sich. "Aber wir haben auch Farbstifte oder Schreibstifte, die wunderbar in den Schulalltag passen."

Jüngst, mitten im Krisenjahr 2009, hat die Firma ihr Sortiment für Kinder unter der Submarke Funtastics – damit keine Assoziationen an unauslöschliche Edding-Spuren entstehen – ausgebaut. Und Kalligrafie-Sets auf den Markt gebracht für Leute, die sich gern kreativ betätigen.

Groß geworden ist die Firma mit gewerblichen Kunden. Zuerst bei Lageristen und Spediteuren, die Säcke und Kisten mit Eddings beschrifteten. Später, nach der Masse, kam auch Klasse. So hat man für British Aerospace einen extrem korrosionsarmen Stift entwickelt; für Chirurgen spezielle Hautmarker, für Chiphersteller solche, die so gut wie keine Partikel freisetzen. Und Imker kennzeichnen die Bienenkönigin gern mit Edding. Nur ist das Geschäft mit Firmenkunden sehr konjunkturanfällig: Im vergangenen Jahr wurde die Produktion teilweise auf 50 Prozent zurückgefahren. Im aktuellen Aufschwung liegt die Auslastung auch dank der neuen Produkte bei 150 Prozent.

Dass die Firma mit einem blauen Auge durch die Krise kam, liegt nicht zuletzt an ihren Mitarbeitern. Die lieferten in einer "Strategienacht" bei Pizza und Bier 433 Vorschläge für die Zukunft der Firma und die Ausweitung der Marke. Außerdem zahlt sich mittlerweile ein Zukauf aus: 1998 hatte Edding einen Hersteller digitaler Tafeln übernommen. Mithilfe des Konjunkturprogramms der Bundesregierung schaffen sich viele Schulen solche E-Boards, auf denen man schreiben, im Netz surfen oder Videos zeigen kann, an – mittlerweile trägt dieses Geschäft unter dem Namen Legamaster fast ein Drittel zum Umsatz bei.

Als Ledermanns Senior vor fünf Jahren den Stift an seinen Sohn übergab, waren altgediente Angestellte skeptisch, ob der Junior es packen würde. Die Sorgen sind passé. Jüngst wurde er vom Hamburger Bund Junger Unternehmer zum "Unternehmer des Jahres 2010" ausgezeichnet. Die Ehrung widmete er – bescheiden, wie er ist - den Mitarbeitern und seinem Vater. •

Die Firmengeschichte beginnt in einem Keller in Hamburg-Barmbek. Dort macht sich der Importkaufmann Volker Ledermann 1960 mit seinem Schulfreund Carl-Wilhelm Edding zunächst nebenberuflich selbstständig. Sie handeln mit Schreibwaren. Als Ledermann in seinem Angestelltenjob einen japanischen Marker entdeckt, an dem sein Chef kein Interesse hat, kündigt er und bringt den Stift mit seinem Kompagnon unter dem Namen Edding No. 1 in Deutschland auf den Markt. Der Stummelfilzer wird ein Hit, und die beiden Gründer erweisen sich als starkes Gespann. Ledermann kümmert sich um die Internationalisierung des Geschäfts. Der Tüftler Edding entwickelt immer neue Filzer. 1986 geht die Firma an die Börse, um Kapital für den weiteren Ausbau zu mobilisieren. Und um den Namensgeber auszuzahlen, der nun keine Lust mehr auf Edding hat. Ledermann kauft dessen Anteile in den folgenden Jahren Zug um Zug zurück; heute sind sämtliche Aktien mit Stimmrecht in Familienhand. Nach misslungenen Versuchen mit externen Managern übergibt der Senior 2005 die Geschäfte an den Junior - und mischt sich seither nicht mehr ein. "Das", sagt Per Ledermann, "rechne ich ihm hoch an." Edding AG Mitarbeiter: 600; Umsatz 2009: rund 100 Millionen Euro; Gewinn: 4,8 Millionen Euro; Zahl der produzierten Stifte: rund 200 Mio.