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Ein Schluck Arktis gegen den Durst

Wodka mit ein paar Eiswürfeln vom Gletscher? Quellwasser mit rekordverdächtigem ph-Wert? Grönland erkennt das Geschäft mit natürlichen Ressourcen -der Klimawandel macht es möglich.




- Die Grönländer sind eine lustige Truppe. Am Rande der Klimakonferenz in Kopenhagen brachten sie ein ganzes Haus in einem Eisberg unter, und die Kameratrupps am Hafen waren dankbar für das Motiv, um die Weltöffentlichkeit damit zu alarmieren. Im Inneren des Eisbergs von Kopenhagen ging es freilich anders zu. Da zeigte Grönland, was an Rohstoffen unter seiner Eiskappe noch erhältlich ist. Es gab Häppchen. Es gab Musik. Und die Kellner, die sich am ausgestopften Eisbär im Treppenaufgang vorbeigewagt hatten, präsentierten auf ihren Tabletts ein neues Produkt: Grönlandwasser, frisch importiert.

Ganz schön clever, dachte man spontan. Wenn das schmelzende Eis der Arktis so viel Wasser ergibt, dass es den Meeresspiegel um sieben Meter ansteigen lässt, könnte man doch einen Teil davon gewinnbringend verkaufen! Scherzhaft war unter Zaungästen von einer Trinkwasser-Pipeline nach Afrika die Rede.

Dabei wollen die Grönländer überhaupt nicht witzig sein. Sie meinen es ernst. In der Begründung des "Ice and Water Exportation Act" aus dem Mai 2001 hieß es: "Hintergrund ist der rapide angestiegene Bedarf an sauberem Wasser weltweit." Ein Teil des Eises könne gezielt abgeschmolzen, gesäubert und in Plastikflaschen exportiert werden - selbst in die Wüsten Arabiens.

Marc Zulian, der Geschäftsführer der Greenland Springwater AG, deren Produktionsanlagen sich 60 Kilometer vor der Westküste Grönlands auf der Disko-Insel befinden, legt Wert auf die Feststellung, in den Flaschen befinde sich bestes Quellwasser, das bislang allein von den Einheimischen getrunken werde. Übrigens ist sein Wasser "938" nach einem ph-Wert höher als neun benannt, der Gäste exklusiver Restaurants und besonders die Anhänger der basischen Ernährung beglücken soll.

Abfüllung und Vertrieb des Grönlandwassers sind nicht ohne Probleme: In den Monaten zwischen November und März verhindern Eismassen, dass Orte wie Qeqertarsuaq im Nordwesten der Insel von Frachtschiffen angefahren werden können. Und Greenland Springwater wäre nicht das erste Unternehmen, das an den besonders widrigen Umständen der Witterung, Logistik und Arbeitskultur Grönlands scheiterte.

Gelungen ist immerhin, was bei ähnlichen Versuchen in der Vergangenheit gescheitert war: Pipelines und Produktionsanlagen in Qeqertarsuaq sind installiert, die ersten 400000 Flaschen probeweise abgefüllt, und auf dem Markt angekommen sind sie auch. Zumindest im eigenen Land, wo man froh ist, einen Teil des benötigten Mineralwassers nicht mehr importieren zu müssen.

Die Zulassung für den europäischen Markt aber schleppt sich hin, weil die Grönländer 1982 beschlossen hatten, zum Schutz der einheimischen Fischerei aus der damaligen Europäischen Gemeinschaft auszutreten (die Insel gehört zu Dänemark). Nur eine Frage der Zeit, sagt Zulian, von Haus aus Schweizer und Wirtschaftsprüfer. An den Laborwerten liege es jedenfalls nicht.

Überhaupt: die Zeit. Was die Pionierleistung im Eis bedeuten könnte, scheinen er und die Investorengruppe, die Millionen in das Unternehmen steckt, nicht laut aussprechen zu wollen. Die Lizenz, die Zulian aus Grönlands Hauptstadt Nuuk erhielt, gilt für mindestens 20 Jahre - und länger, wenn die Geschäfte gut laufen sollten. Schließlich verdient die Inselverwaltung an jedem Liter mit. So sollen nicht nur die Dorfbewohner profitieren, die dank des Wassers einen Arbeitsplatz bekommen.

"Wir sind froh, wenn wir Leute aus der Gegend einstellen können", sagt Zulian, "aber zum einen geht es derzeit nur um einige Dutzend Arbeitsplätze. Zum anderen kommt es immer auf die richtige Qualifikation an. Und geeignete Kandidaten für die Branche zu finden, das ist in einem Land mit 56000 Einwohnern schwierig." Er weiß, welche Träume den Aufbau einer neuen Wirtschaft für Grönland begleiten. Wenn er in Qeqertarsuaq ist, versucht er sich nicht aufzuführen wie all jene, die immer wieder auf die Rohstoffe der Inuit setzten und wie Kolonialherren auftraten. Daran wird man ihn messen.

Die 20 Millionen Liter "Premiumwasser", die Jahr für Jahr aus der Quelle bei Qeqertarsuaq sprudeln und verkauft werden sollen, möchten vor allem junge Grönländer als Chance nutzen, endlich mit anderen Rohstoffen als Öl, Erz und Gold vor die Welt zu treten. Ein Produkt wie "938" ist dafür ein vielversprechender Anfang.

In Ilulissat, 100 Kilometer entfernt und nur per Schiff erreichbar, machen sich bereits andere Unternehmen daran, aus den 180000 Jahre alten Eisschichten eines Gletschers Trinkwasser zu gewinnen, als Grundlage für ein Eisbier oder als Eiswürfel für Wodka. Sie arbeiten nicht zufällig in genau jener Naturkulisse, die auf Bildern und in Videos zum abschreckenden Beispiel des Klimawandels geworden ist.-

Kontakt:

Greenland Springwater AG
Gewerbestrasse 11
CH-6330 Cham, Schweiz
www.938.ch