Die Küche der Welt

Sie brachte das Rind in die Dose: Die Liebig's Extract of Meat Company hat der Welt den Fleischextrakt gebracht.




• Rindfleisch verarbeitet man am besten dort, wo es viele Rinder gibt. Erst recht, wenn die Kühltechnik noch nicht erfunden ist. Aus diesem Grund erwarb die englische Liebig's Extract of Meat Company Ltd. 1903 eine Pökelfleischfabrik am Uruguay-Fluss. Im Osten Argentiniens hatten die Briten zuvor schon mehrere Farmen erworben und belieferten den lokalen Markt mit Fleisch und Leder. Doch erst mithilfe ihres Teilhabers, des deutschen Chemikers Justus von Liebig, gelang ihnen der große Wurf.

Der Darmstädter hatte ein Verfahren entwickelt, das 30 Kilogramm Fleisch in ein Kilogramm Fleischextrakt verwandelte. Bei 70 Grad Celsius wurde das Fleisch gekocht, die entstandene Brühe filtriert und in Vakuum eingedampft. Liebig's Fleischextrakt wird bis heute Saucen und Suppen als Würze beigegeben. Schon bald lieferte das Unternehmen das neue Produkt in die alte Welt.

Die Fábrica Colón war die zweitälteste Dosenfleischfabrik. "Die Küche der Welt" wurde sie genannt. Nichts wurde darin vergeudet: Blut wurde zu Blutmehl, Fett zu Seife, die Knochenreste zu Kunstdünger, die Haut zu Leder verarbeitet. Täglich wurden in der Fabrik 1500 Rinder geschlachtet; 3500 Arbeiter waren dort beschäftigt. Sie lebten im nahe gelegenen Pueblo Liebig oder kamen mit dem Ruderboot, Straßen gab es keine. Deshalb mussten alle Produkte auf Dampfschiffe verladen werden.

Ab 1950 war der abgelegene Standort hinderlich. Als Europa und die USA ihre Märkte vor ausländischen Agrarprodukten schützten, begann der Niedergang. 1980 verkaufte Liebig's die Fabrik an einen Konkurrenten, der später pleiteging. Heute leben in dem Dorf noch 800 Einwohner. Die Fabrikruine hat wieder einen neuen Besitzer. Er verkauft das Eisen an Schrotthändler.