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Nummer sicher?

Die Allianz zahlt ihren Lebensversicherten im Schnitt deutlich mehr Rendite, als sie aktuell mit sicheren Anlagen am Kapitalmarkt einnimmt. Schuld ist das Zinstief – und das kann noch einige Zeit dauern. Kann der Konzern das durchhalten? Ein Blick in die Bilanz.




Das operative Ergebnis zeigt: Trotz extrem niedriger Zinsen verdient die Allianz mit Lebensversicherungen immer noch ziemlich gut. Das verdankt sie vor allem der zeitlichen Struktur ihrer Anlagen. Heute bekommt man für sichere festverzinsliche Papiere je nach Laufzeit kaum mehr als zwei Prozent Rendite. Der Allianz-Bestand aber stammt zum großen Teil aus Jahren, in denen die Verzinsung deutlich höher war. Bis der komplett abgebaut ist, vergehen Schätzungen zufolge fast zwei Jahrzehnte. Hinzu kommt, dass im Portfolio nicht nur sichere Staatspapiere liegen, sondern auch Schwellenländer- und Unternehmensanleihen mit höherer Rendite. Sieben Prozent sind in Aktien investiert, die von der Börsenerholung des vergangenen Jahres profitierten. Auf diese Weise erbrachte das Gesamtportfolio 2009 im Schnitt eine Rendite von rund fünf Prozent. Selbst bei Neuanlagen kommen die Münchner mit ihrem Anlagemix noch auf 3,7 Prozent. Zum Vergleich: Der Garantiezins, den die Allianz durchschnittlich zahlen muss, lag Ende 2009 bei 3,1 Prozent. Bei Neuverträgen sind 2,25 Prozent garantiert.

Früher war die Allianz vor allem ein Schaden- und Sachversicherer. Heute ist das Geschäft, das von der Risikoübernahme im Falle von Naturkatastrophen bis hin zu privaten Kfz- oder Haftpflichtpolicen reicht, für den Konzern ein Sorgenkind. Eine große Umstrukturierung hat zwar die Kosten gesenkt, aber auch gerade bei Firmenkunden viel Vertrauen zerstört, weil der Service vor Ort gelitten hat. Wettbewerber nehmen dem Platzhirsch Marktanteile ab. Die kleine Huk-Coburg versichert mittlerweile hierzulande genauso viele Autos wie die Münchener. Die Folge: Das operative Ergebnis der Allianz schrumpft von Jahr zu Jahr.

Ausgeglichen wird die Schwäche teilweise durch das Lebensversicherungsgeschäft, von dem die Allianz hofft, dass es durch die steigende Nachfrage nach privater Altersvorsorge beflügelt wird. Bislang ist davon indes nicht viel zu spüren. Im Vergleich sieht das 2009er-Ergebnis vor allem deshalb so gut aus, weil das Geschäft im Krisenjahr 2008 extrem schwach war.

Die einzige derzeit deutlich wachsende Sparte der Allianz ist die Vermögensverwaltung – Fachjargon: Asset Management. Dieser Erfolg ist allerdings weniger der Konzernzentrale als einer überaus erfolgreichen und sehr unabhängig agierenden Tochter zuzuschreiben: dem US-Rentenfondsmanager Pimco, 2001 von der Allianz übernommen. Allein, auch das Fondsgeschäft ist hart umkämpft. Langfristig trauen Analysten Pimco nicht mehr als vier bis fünf Prozent Wachstum pro Jahr zu.

Die Eigenkapitalrendite von knapp 13 Prozent ist nicht schlecht. Der französische Konkurrent Axa etwa schaffte 2009 nur gut sieben Prozent. Dennoch ist die Börsenbewertung vergleichsweise gering. Die Allianz verlor allein von 2007 bis 2009 40 Prozent ihres Wertes. Den Investoren fehlt eine Wachstumsperspektive. Zudem sehen sie diverse Risiken: Bleiben die Zinsen niedrig, mag die Allianz das überbrücken können. Für kleinere Versicherer aber würde es gefährlich – und der Kollaps eines Konkurrenten könnte das Vertrauen in die gesamte Branche erschüttern. Schnell steigende Zinsen sind eine nicht minder große Bedrohung. Die Assekuranz müsste dann hohe Abschreibungen auf die Anleihen in ihrem Bestand vornehmen, die geringer verzinst sind und mit steigenden Sätzen an Wert verlieren. Auch hohe Inflationsraten sind eine Gefahr: Den Versicherern drohen dann hohe Rückstellungen für künftige - und dann teurere – Schäden.

Die Kursentwicklung der Allianz mag enttäuschen, aber solide ist der Konzern. Seit Jahren schüttet er nur rund 40 Prozent des Jahresüberschusses aus, der Rest stärkt das Eigenkapital. Die Allianz braucht ein dickes Polster – unter anderem für eine gute Solvabilitätsquote. Dahinter verbirgt sich eine Kennzahl, die anzeigt, ob ein Versicherer genügend Kapital hat, um jederzeit allen Verpflichtungen aus möglichen Schadensfällen nachkommen zu können. Ist das der Fall, beträgt die Quote 100. Bei der Allianz lag sie Ende 2009 bei 164. Ein Wert, der zum Top-Rating von AA bei Standard & Poor's beiträgt. Dieses Rating, das kein zweiter Assekuranz-Konzern weltweit aufweisen kann, ist ein entscheidender Wettbewerbsvorteil – nicht im Kampf um Aktionäre, wohl aber um Kunden.