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Die Ideen-Lotsen

Wie wird aus einem Geistesblitz ein Produkt? Vier Scouts geben Antwort, wie Tüftler und Hersteller zusammenfinden. Und zwar ohne viel Aufwand.




Der Kontakt-Generator
Erfinder und Unternehmer - zwei völlig unterschiedliche Wesen

Text: Mathias Irle

- "Es darf doch nicht wahr sein, dass trotzdes allgegenwärtigen Innovationsgehabesdas immense Wertschöpfungspotenzial der Privaterfinder eher ignoriert wird", sagt Heinz Frei, und seine Stimme wird dabei deutlich lauter, so sehr regt sich der sonst eher gelassene Schweizer auf. Seit mehr als acht Jahren kämpft der 66-Jährige für eine gesellschaftliche Aufwertung privater Tüftler. "Heute gibt es zwar viele Förderoptionen für Jungunternehmer. Aber die meisten Erfinder haben keine unternehmerischen Firmengründungs-Ambitionen. Sie suchen nur einen Verwerter, der ihre Entwicklung kauft", so Frei.

Im Jahr 2002 hatte er seinen sicheren Job als Architekt beim Planungsamt Zürich gekündigt - unter anderem aus Enttäuschung darüber, dass man seine Erfindung ignoriert und wenig später die gleiche Idee von einem externen Unternehmen zugekauft hatte. Gleich im Anschluss machte er sich mit der Ideenbörse GmbH selbsständig, einem Einmannbetrieb, der Entwicklern bei der Umsetzung ihrer Ideen hilft. Denn, so Frei: "Erfinder denken kreativ, Unternehmer kommerziell. Um sie zusammenzubringen, braucht es einen Übersetzer." Schließlich gelte: "Künstler haben Galeristen, Schriftsteller haben Verleger, Erfinder haben es schwer."

Seit Frei die zu seinem Unternehmen gehörende Internetseite Idee.ch in den vergangenen Jahren professionalisiert hat, wächst seine Kundenkartei, in der mittlerweile Adressen von 4500 Erfindern und Produzenten liegen. 16 000 Besucher zählt er pro Monat. Und teilweise kommt es zu bis zu zehn Kontaktvermittlungen pro Tag. Frei kümmert sich um die Erfinder, spricht mit ihnen über ihre Ideen, hilft ihnen, diese zu präsentieren, gibt Tipps zum Thema Patentierung, vermittelt zwischen Produzenten und Tüftlern. Einmal im Monat ruft er in einem Restaurant zu einem Erfinderstammtisch, bei dem man sich untereinander austauschen kann.

Das alles macht er kostenlos. Nur wenn eine Idee erfolgreich an einen Produzenten weitervermittelt wird, sichert er sich fünf bis zehn Prozent Gewinnanteil. So erhält er mal 5000, mal 10 000 Franken. Nicht genug, damit seinen Unterhalt zu bestreiten, aber Frei bezieht bereits Rente. Der Einsatz für die Ideenbörse ist für ihn, der sich als "Kontakt-Generator" zwischen Unternehmen und Erfindern sieht, eine Leidenschaft.

Warum es vielen Erfindern so schwer fällt, ihre Idee bis zur Produktreife voranzutreiben? Frei hat beobachtet, dass viele ein Problem damit hätten, "für ihre Ideen geeignete Präsentationsmittel zu finden, die dem leider sehr despektierlichen Nachfragemarkt gerecht werden". Umgekehrt hätten auch viele Unternehmen Vorbehalte gegenüber Hobby-Erfindern. Die hoch bezahlten Mitarbeiter in den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen wollten nicht immer akzeptieren, dass einem "Kellerloch-Genie" etwas gelungen ist, wofür sie eigentlich zuständig gewesen wären. "Das Problem der Erfinder ist, dass sie gratis für die Gesellschaft arbeiten - und gratis ist in unserem System gleichbedeutend mit ,nichts wert'", sagt Frei, der sich bemüht, jeder Idee, auch wenn sie noch so abwegig klingt, eine Chance zu geben. Denn: "Auch Furz-Ideen sind wichtig, denn sie animieren zu weiteren Geistesblitzen." -
www.idee.ch

Die Ausleser
Eine gute Idee allein reicht nicht - man muss sie auch verkaufen

Text: Mathias Irle

- Tobias Assies - schwarzer Anzug, weißes Hemd mit Manschettenknöpfen - sitzt in Berlin-Charlottenburg in den Büros seiner Firma, der Patentwert PW GmbH. Vor dem 38-Jährigen liegen auf einem Tisch einige der Erfindungen, die er und seine Mitarbeiter in letzter Zeit erfolgreich an Unternehmen wie Tchibo, Aldi, Obi, Kaiser's Tengelmann oder Lidl vermittelt haben, darunter etwa die "Wachkuh", ein Thermometer mit Kuhkopf, das muht, wenn die Milch auf dem Herd überzukochen droht. Oder ein flexibler Sonnenschutz für den Kinderwagen, den "Baby Sun Shade". Oder die "Jubelkugel", ein kleiner Fußball, den man in den Kühlschrank legen kann. Öffnet jemand die Tür, gibt die Kugel "Tor, Tor, Tor" von sich - mit der Originalstimme von Herbert Zimmermann, Kommentator des Fußballwunders von Bern, anno 1954.

Seit 2003 gibt es die Patentwert PW GmbH, weil es "in Deutschland, dem Land der Tüftler, niemanden gab, der den kleinen Erfindern bei der Umsetzung ihrer guten Ideen half", so Assies. Ähnlich wie der Schweizer Frei sieht auch er sich als "Vermittler", der den Erfindern hilft, aus einer Idee ein Produkt zu schaffen. Allerdings betreibt er seine Tätigkeit weniger als Hobby. Das Unternehmen beschäftigt sechs Vollzeitkräfte, die gemeinsam mit einem Netzwerk an Fachleuten die monatlich gut 100 Ideen begutachten, die vor allem Freizeittüftler, aber auch professionelle Produktdesigner wie der Erfinder der Wachkuh, Jochen Schmiddem, einreichen. Mal als einfache Skizze, mal bereits in Form eines fertigen Prototyps.

"Wie können wir den Erfindern helfen, und was müssen wir tun, um ihnen die Berührungsängste gegenüber Dritten zu nehmen? So lauteten die zentralen Fragen, als wir das Geschäftsmodell für Patentwert entwickelt haben", sagt Assies. Antwort: Der Verdienst von Patentwert ist erfolgsabhängig und die Begutachtung der Ideen kostenlos. Ohne versteckte Gebühren. Ohne Risiko für den Erfinder. Erst wenn eine Erfindung für gut befunden wird - meist, weil sie praktisch und alltagstauglich ist -, wird ein Vertrag geschlossen. Darin verspricht Patentwert, sich um die Anmeldung der Schutzrechte sowie um die Optimierung, die Produktion, den Vertrieb und das Marketing zu kümmern. Zudem wird vereinbart, wie vorgegangen werden soll, wenn andere Unternehmen das Urheberrecht verletzen. Im Gegenzug erhält der Ideengeber meist zwischen acht und zwölf Prozent des Umsatzes, der mit der Erfindung am Ende erzielt wird, davon gehen noch Kosten ab, etwa für die Herstellung des Produktes.

Viele Erfinder kostet es Überwindung, sich bei Patentwert zu melden. Wenn sie ihre Neuheit noch nicht haben schützen lassen und sie Assies davon berichten sollen, sagen sie oft: "Aber Sie könnten mir dann ja meine Idee klauen!" "Das stimmt", antwortet Assies in solchen Fällen, "aber Sie müssen es wagen, jemand anderem zu vertrauen." Auch wenn sie von der Gewinnaufteilung hören, schlucken die meisten Bastler erst einmal. Zwar ist das Erfinden für sie eigentlich ein Hobby. "Doch haben private Erfinder eine vermeintlich geniale Idee, fangen einige an, von einem sorgenfreien Leben als Millionär zu träumen."

Dennoch entschließen sich laut Assies nach einer Zeit fast alle zu einer Kooperation. Das liege an dem hohen Risiko, das Patentwert trage, und der geringen Arbeit, die der Erfinder habe. Ein wichtiger Grund sei aber auch: Assies und seine Kollegen begleiten nur sechs bis sieben Ideen parallel und konzentrierten sich damit auf jene, die den meisten Erfolg versprechen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein Produkt wie die Wachkuh oder der Baby Sun Shade am Ende hunderttausendfach verkaufe, sei entsprechend hoch.

"Von 100 Ideen, die uns erreichen, sind durchschnittlich zehn interessant", sagt Assies. Der Rest ist entweder nicht umsetzbar, passt nicht zu Patentwert, ist bereits irgendwo auf der Welt vorhanden oder "einfach Quatsch". Ideen, die vom Team einhellig für gut befunden wurden, werden näher analysiert: Verletzt die Erfindung bestehende Patente? Welcher Produzent käme für die Herstellung infrage? Wie hoch sind die Kosten? Was muss noch verändert werden? Wo könnten wir das Produkt später verkaufen? "Die größte Hürde, wenn man eine Idee verwirklichen will, ist fast immer der Vertrieb. Das gilt sowohl für den kleinen Erfinder als auch für uns", sagt Assies. -

Die Gastgeber
Der Kunde als Freund und Helfer - auch aus Eigeninteresse

Text: Mathias Irle

- "Wir bekommen traditionell viele Briefe von Privatleuten mit Anregungen und Verbesserungsvorschlägen zu unseren Produkten. Irgendwann tauchte deshalb die Frage auf: Wie können wir die Kunden noch besser in unsere Innovationsprozesse einbinden?", sagt der Tchibo-Manager Turadj Schahbasi. Länger als ein Jahr entwickelten der 43-Jährige und seine Kollegen unterschiedliche Konzepte, wie man das kreative Potenzial der Kunden nutzen könnte. Dann, im Mai 2008, ging die neue Internetplattform Tchibo Ideas online, deren Hauptverantwortlicher Schahbasi ist.

Dort können Kunden ihre Ideen und Wünsche für neue Tchibo-Produkte eintragen und in Foren mit anderen diskutieren. Auch ist es möglich, Probleme aus dem eigenen Alltag in Form von "Aufgaben" zu beschreiben, für die man sich eine Lösung in Produktform von anderen Forenteilnehmern wünscht. Regelmäßig werden die interessantesten Probleme und die besten Lösungen bewertet. Die Monats- und Jahresgewinner erhalten von Tchibo Geldpreise bis zu 2000 Euro, im Fall des Jahressieges auch bis 10 000 Euro.

Zudem besteht die Möglichkeit, dass Tchibo Einzelnen eine Zusammenarbeit anbietet, wenn deren Ideen in die Produktpalette des Unternehmens passen. Stimmen die Erfinder zu, nehmen sie am Entwicklungsprozess teil und werden später namentlich und mit Foto auf der Produktverpackung erwähnt. Zudem erhalten sie "je nach individueller vertraglicher Absprache mehrere Prozente" (Schahbasi) des Umsatzvolumens der georderten Menge unabhängig davon, wie sich das Produkt später in den rund 850 Filialen, den 9000 Verkaufsecken in Supermärkten und im Online-Shop verkauft.

"Wir haben gute Möglichkeiten, viel Aufmerksamkeit für eine neue Idee zu generieren", sagt Schahbasi. Dennoch sorgten sich er und seine Kollegen anfangs darüber, ob Tchibo Ideas funktionieren würde. Schließlich wussten sie: Eine Internet-Community kann nur dann laufen, wenn es genügend aktive Mitglieder gibt und Spannendes auf den Seiten passiert. Auch war nicht klar, ob es Tchibo gelänge, den Erfindern ihre Skepsis zu nehmen und sie zu animieren, ihre Ideen öffentlich zu machen.

Heute weiß Schahbasi: Die anfänglichen Sorgen haben sich als unbegründet erwiesen. 8000 Nutzer haben sich bereits als Mitglieder bei Tchibo Ideas registrieren lassen, darunter Rentner und Jugendliche. 4000 von ihnen gelten als sehr aktiv: Sie beteiligen sich wöchentlich an der Entwicklung von Aufgaben und Ideen. Die Hälfte von ihnen sind Frauen, was insofern beachtlich ist, da der durchschnittliche Tüftler ein Mann ist. Eine Erklärung dafür: Während es vor allem die Frauen sind, die in der Community die Aufgaben stellen, kümmern sich die Männer in der Mehrheit darum, passende Lösungen zu finden.

"Die Menschen wollen ihre Alltagsprobleme loswerden. Sie wollen eine Spur hinterlassen. Sie wollen eine tolle Idee präsentieren. Sie möchten mit einem für sie attraktiven Unternehmen wie Tchibo in Kontakt treten, oder sie wollen Geld verdienen. Das sind die Hauptgründe, warum die Menschen sich beteiligen", sagt Schahbasi. Wie bei der Ideenbörse GmbH und der Patentwert AG hat sich auch bei Tchibo in den vergangenen zwei Jahren bereits ein enges Verhältnis zwischen den Moderatoren der Community und den Erfindern entwickelt. "Einige, die ihre ersten Ideen noch als Skizze gezeigt haben, machen heute anspruchsvolle 3-D-Präsentationen. Es macht uns stolz, wenn wir sehen, wie ein Erfinder sich entwickelt", sagt Schahbasi.

Mittlerweile sind bereits aus 14 Ideen Tchibo-Produkte entstanden, darunter eine neuartige Mehrfachsteckdose, entwickelt von Klaus Mittermeier, einem 46-jährigen Zahntechnikermeister aus Obergolding, oder ein Kabelaufroller, erfunden von Bernd Klawitter, einem 56-jährigen Konstrukteur aus Klingenberg, der auch der Jahressieger 2009 wurde.

Verfolgt man die Diskussionen, die um eine neue Aufgabe entbrennen, zeigt sich, dass die Teilnehmer kenntnisreich, konstruktiv, aber auch kritisch mit den Vorschlägen anderer umgehen. Anders als bei der Ideenbörse oder der Patentwert AG bekommen die Erfinder direktes Feedback auf ihre Vorschläge. Ob durch diese Zusammenarbeit des Kollektivs am Ende auch bessere Ideen entstehen, kann niemand mit Sicherheit sagen. Wohl aber weiß man: "Die Aussicht auf direktes Feedback hat eine disziplinierende Wirkung auf Erfinder. Sie gehen weniger spinnerten Ideen nach. Zudem bekommt man so in den meisten Fällen schnell ein realistisches Bild über die Martkttauglichkeit von Vorschlägen und Lösungen", sagt Andreas Herrmann, Professor für Betriebswirtschaftslehre und Direktor der Forschungsstelle für Customer Insight an der Universität St. Gallen. Dieses Verfahren birgt aber auch ein Risiko: "Man würgt einen Prozess ab, der später ein großer Erfolg hätte werden können."

Tchibo geht dieses Risiko ein. Schließlich gibt es noch zahlreiche weitere Kanäle, über die das Unternehmen an neue Ideen kommt. Und außerdem geht es dem Unternehmen bei der Zusammenarbeit mit den Erfindern nicht nur um die Entwicklung neuer Produkte, sondern auch um Kundenbindung, Einblicke in die Welt der Verbraucher und Öffentlichkeitsarbeit. In Zeiten, in denen auch Aldi oder Kaiser's ähnliche Produkte anbieten, will sich Tchibo abheben und als besonders innovativ wahrgenommen werden. Auch dabei hilft die Zusammenarbeit mit den Tüftlern. Ob sich jedoch eine aufwendige Internet-Community, bei der zeitweise bis zu acht Moderatoren beschäftigt sind, rentiert, ist zumindest fraglich.

Wie auch immer: Schahbasi ist überzeugt von seinem Instrument. Weil er die Erfinder als sehr kooperativ erlebe. Weil die Erfinder bei Tchibo Ideas gut wegkämen. Und weil der Spaßfaktor stimme: "Mit Tchibo Ideas gibt es eine Ideen-Party, deren Gastgeber wir sind." -
www.tchibo-ideas.de

Erfinden und erfinden lassen
Zur Produktreife per Abstimmung und ohne Eigenkapital

Text: Thomas Bischof

- Ben Kaufmann wirkt immer noch wie ein pausbäckiger Universitätsfrischling. Dabei hatte der 23-jährige Vorstandsvorsitzende von Quirky auch ein Studium nicht nötig, um Risikokaptitalgebern sechs Millionen Dollar aus den Taschen zu locken und wildfremde Tüftler aus dem Internet zur Entwicklung seiner Produkte zu überreden. Das ist das Geschäftsmodell von Quirky.

Bisher haben rund 13 000 Nutzer die Einstellungsgebühr bezahlt und sich innerhalb eines Jahres mehr als 50 Produkte ausgedacht - vom knautschbaren Mehrfachstecker bis zu Teilen, durch die sich Notebook-Kabel nicht mehr verheddern. Kaufman lag also nicht so falsch mit seinem Firmenmotto: "Jeder hat eine Produktidee." Was nicht jeder hat, entwickelte Kaufman mit Quirky nach einer China-Reise: eine blitzschnelle kommerzielle Umsetzung der Idee zum Produkt. In 80 Tagen kann er das schaffen.

Die Reise zu den chinesischen Fabriken verschaffte Ben Kaufman eine Lektion in Sachen Crowdsourcing. Er lernte, dass ein Unternehmen nicht immer alles selbst machen muss. Vor allem die aufwendige Entwicklung von Produkten können sich die Firmen sparen - vorausgesetzt, es findet sich jemand, der die Aufgabe übernehmen möchte.

Einer von ihnen lebt in Hamburg. "Das letzte Mal, als ich mich aus meiner Wohnung aussperrte, war das nicht nur blöd", sagt der Mann. Der herbeigerufene Schlüsseldienst verlangte 120 Euro. Um sich diese Summe künftig zu sparen, erfand er ein leuchtendes Tür-Schild - und verdient nun seither mit seiner eigenen Schusseligkeit gutes Geld.

Ohnehin sind es meist Missgeschicke, die aus Menschen Erfinder machen. Etwa wenn bei einer Präsentation vor Publikum wieder etwas vom USB-Stick in den Vortrag rutscht, das da nicht hingehört. Oder wenn neben dem Telefon kein Kugelschreiber zur Hand ist, wenn ein Anrufer eine wichtige Adresse durchgeben will. Wer für derlei Eventualitäten gerüstet sein will, der wird im Sortiment von Quirky fündig.

Auf der Seite werden schnell umsetzbare Produktideen gesammelt. Die Community filtert und entwickelt sie gegen eine Umsatzbeteiligung weiter. Am Ende wird über einen Entwurf abgestimmt, der dann so schnell wie möglich in China, Taiwan oder den USA hergestellt wird. Bisher werden die Produkte nur über die eigene Seite und ein paar Internethändler vertrieben, doch an einem Händlernetz wird schon gearbeitet.

Wer gerade keine geniale Idee in petto hat, kann sich bei Quirky allein durch Abstimmen und Mitentwickeln trotzdem ein kleines Zubrot verdienen. "30 Prozent der Verkaufserlöse schütten wir an die Gemeinschaft der Produktverbesserer aus", sagt Kaufman. Vom Initiator der Idee, dem Namensgeber, dem Einreicher des finalen Designs bis zum Erfinder des Verkaufs-Slogans können unter Umständen 500 Menschen an dem Erlös eines Produktes mitverdienen. Wie viele es auch immer sind: Auf der Verpackung werden sie alle genannt. Die zehn Bestverdiener werden mit ihren Anteilen namentlich auf der Produktseite aufgeführt.

Marc Zech verdiente so innerhalb des vergangenen Jahres 3000 Euro nebenbei. Der Hamburger Werbetexter war der Erste, der es mit seinem USB-Schalter vom Skizzenpapier in die Produktion schaffte. "Das Entwickeln einer Werbekampagne kann schon mal sehr verkopft werden. Da sind ein paar Lötkolbenbrandlöcher im Küchentisch ein schöner Ausgleich", sagt er. Die Prototypen baut er selbst. Sein erstes Produkt ergab sich aus dem USB-Problem und wurde von der Community Split Stick getauft, der für 19 Euro verkauft wird. Die Lösung ist dabei ganz simpel: Ein mechanischer Schalter am USB-Stick trennt berufliche von privaten Daten.

"Marcs Idee dürfte in der Community einen Bedarf getroffen haben, denn innerhalb von fünf Tagen gingen 200 Bestellungen ein", berichtet Kaufman. Mittlerweile sind knapp 500 Stück verkauft. Als Initiator der Idee bekommt Zech den Löwenanteil. Von Scratch 'n' Scroll, dem beschreibbaren Mousepad, wurden bislang sogar mehr als 3000 Stück verkauft. Mit dem Erfinder-Foto auf der Rückseite der Packung holt Quirky das Produkt aus dessen sonst anonymer Entstehung und verkauft damit auch eine Geschichte. Im Online-Shop sieht der Käufer, wer schon alles über das Produkt berichtet hat. Beim Split Stick waren das die Blogs Gizmodo und Trendhunter sowie die Online-Ausgabe von "Wired".

Mit dieser Erfinder-Methode ist zwar die Produktentwicklung demokratisiert aber wer braucht ein beschreibbares Mousepad, Herr Kaufman? "Die Erfindungen auf Quirky kommen nur zustande, wenn sie in der Community als Verbesserungen angenommen werden", entgegnet der Firmengründer.

Die Höhe der Einstellungsgebühr - früher 99 Dollar - hielt dem steigenden Unmut der Erfinder allerdings nicht stand. Seit September 2010 beträgt sie nur noch zehn Dollar. "Wer 99 Dollar in die Hand nimmt, der meint es einigermaßen ernst mit seiner Idee", sagt Zech. "Ich fand es das wert, denn die 15 Prozent Umsatzbeteiligung, die man hier bekommt, liegen im oberen Bereich des Marktüblichen." Dennoch beugte er sich dem Willen der Community und senkte die Gebühr. Jetzt wollen eben mehr Leute ein Raketenauto bauen lassen. Wessen Idee es dann nicht zum fertigen Produkt schafft, der bekommt zumindest das Feedback der Community als PDF-Dokument. -
www.quirky.com