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Wir wollen Spaß! Wir geben Gas!

Jung und Alt gleichermaßen zu begeistern davon träumen sie im Marketing. Wie's geht, zeigt der Mini-Rennauto-Hersteller Carrera.




• Andreas Stadlbauer hatte eine schwere Kindheit. Immerzu musste der heute 41-Jährige im väterlichen Spielzeuggroßhandel in Salzburg Muster verschiedener Hersteller testen. Missfiel ihm ein Spielzeug, wurde es ihm weggenommen. Gefiel es ihm, wurde es ihm ebenfalls weggenommen, damit es vom jeweiligen Produzenten zügig vollendet werden konnte. Dank solch praktischer Markt forschung kennen sich die Stadlbauers aus mit Sachen, die Jungen Freude machen. Das erleichterte ihnen eine Entscheidung, von der Berater damals "abgeraten hatten", wie sich der Betriebswirt und heutige Chef erinnert.

1999 übernahmen die Salzburger die heruntergewirtschaftete Firma Carrera in Nürnberg. Miniatur-Autos mit Stromabnehmer (Slotcars), die man per Fernbedienung im Kreis fahren lassen kann, schienen schon damals anachronistisch – kann man mit Computerspielen doch jedes Rennen dieser Welt simulieren. "Aber wir", sagt Stadlbauer, "haben an den Mythos der Marke geglaubt. Und an das Kind im Manne."

Tatsächlich gelang es dem Großhändler, der sich mit der Übernahme zum Hersteller mauserte, in kürzester Zeit, Carrera wieder zu altem Glanz zu verhelfen. Als klug erwies es sich, auf treue Fans zu hören, die sich unter anderem über Qualitätsprobleme bei den Flitzern geärgert hatten. Heute zählt der Carrera-Club 4000 Mitglieder und ist ein wichtiges Kundenbindungsinstrument. Stadlbauer: "Manche von denen kennen sich mit den Autos genauso gut aus wie wir." Die neuen Eigentümer suchten sich zuverlässigere Hersteller in Fernost, verbesserten das Design der Flitzer und führten neue digitale Technik ein, die etwa den Spurwechsel auf der Carrera-Bahn erlaubt.

Es gelang ihnen ein Marketingwunder: Jung und Alt gleichermaßen anzusprechen. So kann der Sohn im robusten Mercedes-Tourenwagen für rund 20 Euro gegen seinen Vater antreten, der sich eine etwa doppelt so teure, originalgetreue Miniatur vom Ford Mustang 1967 geleistet hat. Die Kunst, eine Brücke zwischen den Generationen zu schlagen, unterscheidet Carrera von Konkurrenten wie dem insolventen Modelleisenbahnbauer Märklin. Mit der Eisenbahn ihrer Kinder spielen Väter – aus Sorge um die filigrane Technik – am liebsten allein, während sie sich auf der Carrera-Rennbahn gern mit dem Nachwuchs messen. Das freut wiederum die Mütter, "die sich in der Zeit in aller Ruhe , Desperate Housewives' anschauen können", scherzt Stadlbauer.

Nur während der Pubertät flaue die Begeisterung der Männer für Carrera vorübergehend ab, weiß der Vater zweier Söhne. "Spätestens nach der Führerscheinprüfung kommt sie wieder und bleibt bis ins hohe Alter." Von der Automobilkrise sei im eigenen Hause nichts zu spüren; 2009 sollen wie im vergangenen Jahr rund 20 neue Modelle auf den Markt gebracht und insgesamt drei Millionen Fahrzeuge abgesetzt werden. Die passen auch gut in die Zeit, wie Stadlbauer, der in seiner Freizeit gern an seinem originalen 1971er Jaguar E-Type herumschraubt, zum Abschied anmerkt: "Sparsamere Autos als unsere gibt es nicht." •

Josef Neuhierl beginnt 1920 im fränkischen Fürth mit der Produktion von Blechautos zum Aufziehen. 1963 erobert die Firma mit der ersten Carrera-Autorennbahn die Kinderzimmer. (Carrera ist übrigens das spanische Wort für Rennen.) Sie lässt sich auch von bald auftauchenden Konkurrenten nicht abhängen. In Hochzeiten Ende der siebziger Jahre produzieren 700 Mitarbeiter täglich 7000 Autos. In den achtziger Jahren geht das Geschäft – auch wegen des Siegeszugs von Computerspielen – drastisch zurück. 1985 muss Hermann Neuhierl, der Sohn des Gründers, Insolvenz anmelden und nimmt sich das Leben. Carrera bringt auch den folgenden Besitzern kein Glück; die Verlagerung der Produktion nach China führt zu Qualitäts-und Lieferproblemen. Die werden nach dem Einstieg der Stadlbauers zuvor bereits Vertriebspartner – gelöst. Die Österreicher möbeln die gute alte Carrera-Rennbahn für die Jugend von heute mit moderner Computertechnik sowie allerlei Schikanen auf. Und sprechen mit liebevoll gestalteten Modellen verstärkt ältere Kunden an. Grundlage sind Lizenzverträge mit fast allen Renn- und Sportwagenherstellern, die erlauben, die Flitzer originalgetreu nachzubauen. Mit dem großen Bruder Porsche versteht man sich so gut, dass der neue Miniatur-911er fast zeitgleich mit dem echten auf den Markt kommen konnte. Stadlbauer Marketing und Vertrieb GmbH Mitarbeiter: 200
davon in Nürnberg: 40
Umsatz 2008: rund 150 Mio. Euro
Marktanteil von Carrera in Deutschland: 94 Prozent