Partner von
Partner von

leserbriefe@brandeins.de

brand eins 09/2009 Schwerpunkt Arbeit/Titel
Pamela Schmidt, Berlin


Apropos Ameisen - hier ein Gedanke dazu von Paul Scheerbart. Die gebratene Ameise: Bei den fleißigen Ameisen herrscht eine sonderbare Sitte: Die Ameise, die in acht Tagen am meisten gearbeitet hat, wird am neunten Tag feierlich gebraten und von den Ameisen ihres Stammes verspeist. Die Ameisen glauben, dass durch dieses Gericht der Arbeitsgeist der Fleißigsten auf die Essenden übergehe. Und es ist für eine Ameise eine ganz außerordentliche Ehre, feierlich am neunten Tage gebraten und verspeist zu werden. Aber trotzdem ist es einmal vorgekommen, dass eine der fleißigsten Ameisen kurz vor dem Gebratenwerden folgende kleine Rede hielt: "Meine lieben Brüder und Schwestern! Es ist mir ja ungemein angenehm, dass ihr mich so ehren wollt. Ich muss euch aber gestehen, dass es mir noch angenehmer wäre, wenn ich nicht die Fleißigste gewesen wäre. Man lebt doch nicht bloß, um sich totzuschuften! " - "Wozu denn?", schrien die Ameisen ihres Stammes -und sie schmissen die große Rednerin schnell in die Bratpfanne. Sonst hätte dieses dumme Tier noch mehr geredet.

brand eins 09/2009 Eine Frage der Würde
Benjamin Felsch, Leipzig

Nach dieser Zahlenaufstellung weiß ich nicht mehr, wie jemand behaupten kann, ein Bürgergeld sei nicht finanzierbar. Dazu eine persönliche Geschichte zum Thema Überzeugung: Ich bin Student, habe ein WG-Zimmer und schlafe in einem Hochbett. Jeder meiner Freunde, die mich besuchen und bei mir schlafen, fragen mich, ob ich denn da nicht rausfalle, und sind sehr skeptisch, oben zu schlafen. Auf meine Frage, wie oft sie denn schon aus ihrem normalen Bett gefallen seien, höre ich immer: "Na, nie! " Selbst hier also sitzt die Überzeugung vom Alten dermaßen tief, dass beim Neuen sofort von etwas Schlechtem ausgegangen wird.

brand eins 09/2009 Eine Frage der Würde
Norbert Stark, Aalen

In Krisenzeiten setzt man sich gerne auf einen Berg und bezweifelt genau das System, das einem fette Jahre beschert hat. Alternative Lösungen werden gesucht, und dabei kommt immer wieder der Gedanke des Gutmenschentums zum Vorschein - wie etwa das bedingungslose Grundeinkommen. Theoretisch ein super Gedanke, wie übrigens der Sozialismus auch. Leider ist es aber so, dass sich eine nicht unerhebliche Zahl von Leistungsempfängern von der Arbeitswelt weit entfernt haben. Mit ein Grund: Die erlernte Hilflosigkeit durch das Prinzip des Ruhigstellens mit Geld bis zur Reform Hartz IV.

brand eins 09/2009 Herrn Lohmanns Vermächtnis
Anne Schulz, Hamburg

Hier wird - in an Pietätlosigkeit kaum zu übertreffender Weise der Nachlass eines Menschen durch den Autor und seine Mutter "Madame", die Erbin, gefleddert - selbst eine angemessene Sargausstattung fällt beinahe Geiz und Gier zum Opfer - die kaum verborgene Enttäuschung, dass Haus, Wohnung, Auto und Wertpapiere sich nicht im erhofften Umfange versilbern lassen, führt zur Behauptung, der Verstorbene habe nichts erreicht und vor seinem Leben als Scherbenhaufen gestanden. Da bleibt mir die Luft weg, zumal Madame jahrelang erhebliche Finanzspritzen erhielt - beiläufig erwähnt und nicht beziffert: Ist Nehmen seliger denn Geben?

brand eins 09/2009 Herrn Lohmanns Vermächtnis
Julia Soergel, Berlin

Da ist Herrn Müller ein wirkliches Prachtstück gelungen: Rund gefasst, lebendig beschrieben und so köstlich amüsant, dass ich hiermit gerne um einen Fingerzeig bitten wollen würde, sollte der kleinere Teil des Weinkellervermächtnisses doch noch auf Ebay eingestellt werden. Umgekippt hin oder her.

brand eins 08/2009 Kalt ist die Hoffnung
Klaus Sames, Senden

Die Kryonik vertritt die vorurteilsfreie experimentelle Anwendung der Kryobiologie auf Organe und Organismen, Menschen eingeschlossen. Im Text erwähnte Untote, Eingefleischte und Gläubige haben da keinen Platz. Eine apodiktisch angenommene Undurchführbarkeit der Kryokonservation von Organen und Organismen war und ist für weiter reichende Optionen hinderlich (wie: fortgeschrittene medizinische Rettungstechniken, Transport von Transplantatorganen oder Handel mit künstlichen Organen wie auch Kryonik). Die Deutsche Gesellschaft für Angewandte Biostase ist die einzige deutsche Gesellschaft, die über kryonische Methoden realistisch aufklärt und die Grundlagenforschung fördert.