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brand eins 06/2009 Ex und Pop

Peter Popp, Riemerling


Vielleicht sollte man die Ursache der Probleme, über die die Musikindustrie klagt, schon lange vor dem Internet suchen: Mit dem Umstieg von der Platte auf CD kamen die Manager auf den Geschmack, wie man richtig absahnt. Trotz wesentlich geringerer Herstellungskosten für den einzelnen Datenträger war die Musik auf CDs plötzlich (teilweise deutlich) teurer. Die Musik wurde modischer und, wie vieles im EDV-Bereich, kurzlebiger. Und so entstand eine Spirale: Immer mehr Geld wurde in die Suche und den schnellstmöglichen Aufbau neuer "Talente" gesteckt, und die mussten immer mehr Geld einspielen, um dieses System zu finanzieren. Doch welcher Musikhörer ist bereit, Geld für Werke auszugeben, die heute top und morgen vergessen sind? Und hier kommt das Internet entgegen - heute heruntergeladen, morgen gehört, übermorgen Datei-Leiche oder gelöscht.

Dieses System durch eine Gebühr für alle finanzieren? Für mich, ehrlich gesagt, Schwachsinn. Nebenbei: Dort, wo noch Qualität ist, greife ich gern auch mal in die Tasche. Für das andere habe ich die tägliche Musikberieselung im Radio, für die ich ohnehin schon meine Rundfunkgebühren zahle.

brand eins 06/2009 "Identität sucht man sich nicht aus"

Matthias Schmitz-Brauer, Gelsenkirchen

Es beinhaltet so viel Wahres, was Max Schön im Interview sagt: Eigentümer und Manager müssen durch ihre Arbeitserfahrung verstehen können, was Respekt gegenüber Mitarbeitern und was die Verlängerung der Wochen- und Lebensarbeitszeit für Menschen bedeutet. Man kann es aber nicht verstehen, wenn man mit 28 nur im Bundestag weich gesessen oder seinen M BA durch die Finanzierung der Eltern erreicht hat und keine Lebenserfahrung mitbringt. Und deshalb drängt sich immer mehr der Eindruck auf, "dass zahlreiche Politiker und Manager genauso viel von Wirtschaft verstehen wie Vögel von Ornithologie".

brand eins 06/2009 Das Ich und die Organisation

Peter Stein, Hamburg

Ein sehr guter Beitrag, bei dem sich fast jeder Arbeitnehmer oder Angestellte gut selbst einordnen kann. Ich habe während meiner Tätigkeit in einer Organisation fast alle Stadien durchlaufen und kann nur unterstreichen, dass es meist unbedachte Äußerungen von Vorgesetzten sind, die die Einstellung der Mitarbeiter beeinflussen. Nach einer Enttäuschung und dem Durchleben des "Verbitterten" habe ich den Weg zum "Söldner" gefunden und verlasse nun nach 18 Jahren die Organisation, um mich beruflich zu verändern.

Aus meiner Sicht fehlt aber noch eine Kategorie - die der Resignierten. Jener also, die den Schritt raus aus der Organisation nicht schaffen, sei es durch äußere (meist finanzielle) oder innere (persönliche) Umstände, und innerlich kündigen. Die Resignierten bedienen sich dann häufig aus dem Repertoire aller Kategorien und können so das Ansehen der Organisation im Inneren (bei Kollegen und potenziellen Bewerbern) sowie im Äußeren (bei Kunden) nicht unerheblich beschädigen. Das ist dann meist die Rache des kleinen Mannes.

brand eins 06/2009 Extrem, sensibel und rational

Reiner Sersch, Frankfurt am Main

Der überheblichen Antwort des Signore Alberto Alessi sei eine persönliche Erfahrung gewidmet: "Wenn ich ein Produkt suche, dessen Ästhetik seine Qualität und Funktion weit in den Schatten stellt, dann fahre ich nach Omegna zu Alessi."

brand eins 06/2009 Ist doch Ehrensache

Korrektur: In der Bildunterschrift auf Seite 78 haben wir Clemens Graf von Waldburg-Zeil zum DRK-Präsidenten gemacht, tatsächlich ist er der Generalsekretär. Wie bedauern den Fehler.

brand eins 05/2009 Hochdruckgebiet

Solweig S. Just, Siek

Schön, dass Sie sich in dieser Ausgabe dem vielseitigen Thema "Essen" und seinen Facetten der Produktion und des Handels widmen. Bedauerlich ist die Tatsache, dass heutzutage selbst Gutverdiener, Unternehmer und wohlhabende Rentner in Scharen zu Aldi und Lidl laufen. Die Discounter profitieren vom Geiz der Bevölkerung und sorgen für immer schärfere (Massen-)Produktionsbedingungen und Lieferantenknebelung, worüber sich die Spar-Bürger dann entrüsten. Eine Suppenhenne liegt unberührt für 1,99 Euro (?! ) im Kühlfach. Stattdessen werden wabbelige Masthähnchenbrüste zur Zubereitung einer Hühnersuppe gekauft, damit das Tier nicht mehr zerteilt und gekaut werden muss. Die lächerlichen Lebensmittelpreise sind eine Verhöhnung der Kreatur. Wertschöpfung kommt vor Wertschätzung - diese Haltung bestimmt gegenwärtig alle unsere gesellschaftlichen Bereiche und Schichten, nicht nur in Bezug aufs Essen. Angesichts eines solchen Zeitgeists vergeht mir der Appetit.

brand eins 05/2009 Omas Apfelkuchen

Manfred Weizbauer, Verband Deutscher Mühlen, Bonn

Sie schreiben völlig zu Recht, dass Mehl noch immer als das unsichtbare Rückgrat der Ernährung in Deutschland gilt. Nach unserer Meinung ist es dringend notwendig, dass diese unverzichtbare und ernährungsphysiologisch extrem wertvolle Rolle von Mehl in der Ernährung deutlicher wird. Leider ist auch Ihre Aussage richtig, dass Mehl zu den Lebensmitteln gehört, deren Preis gefallen ist und nun auf einem Niveau liegt, das sogar noch niedriger ist als vor 50 Jahren. Wir halten es für einen Skandal, dass die wertvollsten Lebensmittel - neben Mehl zum Beispiel auch Milch - verramscht werden, während beispielsweise Katzenstreu ein Mehrfaches kostet. Lebensmittel müssen in Deutschland endlich wieder den Stellenwert erhalten, der ihnen als Mittel zum Leben zustehen muss.

Bei den Zahlen ist Ihnen allerdings ein Fehler unterlaufen, der für die Strukturverhältnisse ein völlig falsches Bild gibt. Bei einer Vermahlung im Kalenderjahr 2008 von rund 7,7 Millionen Tonnen Brotgetreide entfallen auf die von Ihnen genannten drei Mühlengruppen in Deutschland, die VK Mühlen AG, die Werhahn Mühlen und die Grain Millers, 3,35 Millionen Tonnen, also rund 43 Prozent des Marktes. Bei der Mühlenwirtschaft in Deutschland handelt es sich also um eine rein mittelständische und fast ausschließlich eigentümergeführte Branche.

brand eins 05/2009 Hauptsache knusprig

Yann Seyrer, Frankfurt am Main

Essen ist als Thema langweilig - dachte ich, bis ich den Artikel "Hauptsache knusprig" las. Das methodische Vorgehen von Harald Hoppe hat mich fasziniert: Erst macht er ein klassisches Experiment, dann lockt er die Schüler mit gesundem Essen an, dann umgeht er ihre Vorurteile mit dem Täuschungsmanöver "Hackfleischanmutung", schließlich moderiert er mit seinen Kunden einen Workshop, der endlich den Durchbruch zum Free Flow Buffet bringt. Der Mann gibt nicht auf. Nach dem Durchbruch arbeitet er weiter daran, den Geschmack seiner Kunden zu schulen. Gekonnt jubelt er den Jugendlichen exotisches Essen unter. Wenn das keine Erziehung zur Innovation ist! Und da jeder Pädagoge eine Grenze setzen muss, auch das: "Die Teller müssen leer gegessen werden."

brand eins 05/2009 Schwerpunkt Essen

Uwe Schneider, Berlin

Das ist das Spannendste, was ich seit Langem in einer von bürokratischen Hemmnissen, Vorschriften und submediokrer Ein-kaufsbilligcenter-Mentalität durchwirkten Welt zur Haltung in Sachen Essen gelesen habe - hat mir schier den Atem genommen, welche Ab- und Hintergründe sich hier auftun.

brand eins 05/2009 Das rote Phantom

Gaby Krautkrämer, Armsheim

In Ihrem Artikel schreiben Sie über den Wert von Tomaten-Saatgut, dass ein Kilo 70 000 Euro koste, 250 000 Saatkörner beinhalte und daraus 50 000 Pflanzen zu ziehen seien. Das kann so nicht stimmen. Saatgut mit einer Keimrate von 20 Prozent dürfte - zumindest in Deutschland - nicht vertrieben werden. Uns (die Firma Bio-Saatgut) würde interessieren, ob die Zahl verifiziert werden kann. Im Übrigen ist der Artikel gut recherchiert und sehr informativ.

(Anm. der Redaktion: Die Leserin hat recht - aus 250 000 Saatkörnern lassen sich ebenso viele Pflanzen ziehen, und dann stimmt die Relation wieder. Die Zwei ist verloren gegangen, was wir bedauern.)

brand eins Allgemeine Kritik

Torsten Heeres, Den Haag, Niederlande

Ich habe das Glück, dass meine Eltern (Deutschland-Niederlande) mich dreisprachig erzogen haben. Viele Nichtdeutsche haben nicht das Glück, brand eins lesen zu können.