Geschäfte statt Geschenke

Geld investieren und Gutes tun: Das geht nicht zusammen? Afrika-Optimisten beweisen mit einer Plattform für Kleinkredite das Gegenteil.




-Deodata Nakito ist eine hartnäckige Frau. Seit bald 30 Jahren rackert sie sich nun schon für die Verwirklichung ihres Lebenstraumes ab: Am Stadtrand von Kampala, der Hauptstadt von Uganda, will sie eine Schule bauen. Was einfach klingt, ist jedoch ein schwieriges Vorhaben, das Nakito schon mehrmals an den Rand der Verzweiflung getrieben hat. "Wann immer ich in eine Bank ging, um nach einem Kredit zu fragen, hat man mich vor die Tür gesetzt."

Eher stößt man in der Wüste Kalahari auf eine Wasserquelle, als dass man in Afrika als Unternehmer an Kapital kommt, meinen viele. Der peruanische Wirtschaftswissenschaftler Hernando de Soto sieht darin sogar einen der wichtigsten Gründe für die Unterentwicklung des Kontinents. Da Afrikaner traditionellerweise nicht einmal Land besitzen - es gehört der Gemeinschaft und wird vom Dorfältesten verteilt - verfügt die große Mehrheit der Bevölkerung über nichts, das sie Banken als Sicherheit für einen Kredit anbieten könnte. Mehr als 90 Prozent der afrikanischen Bevölkerung besitzt noch nicht einmal ein Bank-Konto. Darlehen gibt es in der Regel nur bei Kredithaien, die bis zu 200 Prozent Zinsen kassieren.

Trotzdem versuchte Nakito, ihren Traum einer Privatschule mit bescheidenen Mitteln wahr zu machen. Sie unterrichtete ihre Schüler in gemieteten Bretterhütten; ein Lehrerzimmer oder eine Toilette gab es nicht. Als der Bretterhüttenbesitzer Eigenbedarf anmeldete, musste sie umziehen und an einem anderen Ort wieder von vorn anfangen. Obwohl Privatschulen in Uganda äußerst begehrt sind, weil die staatlichen Bildungseinrichtungen miserabel sind, meldeten nur wenige Eltern ihre Kinder bei ihr an. Das war kein Wunder, denn Nakito hatte zwar eine Idee, aber sonst fehlte es an allem: an Klassenzimmern, um mehr Schüler aufzunehmen, an einem Zaun, um dem Sicherheitsbedürfnis der Eltern zu genügen, und an Farbe, um ihre Schule zu streichen.

Aber dann klappte es doch noch. Mehr als 600 Kinder spielen in der Pause in dem mit Blumenrabatten dekorierten Schulhof, der von vier gemauerten und zartblau gestrichenen Gebäuden umgeben ist. Am Stahltor steht ein Wächter, und erstmals kann sich die Schuldirektorin sogar ein kleines Büro leisten. Möglich wurde dies mit einem Kredit über umgerechnet 2000 Euro, dem schon sechs Monate später ein zweiter Kredit über 4000 Euro folgte. Als Nächstes will die Schulunternehmerin Geld aufnehmen, um einen Schulbus anzuschaffen, mit dem sie auch Kinder, die weiter weg wohnen, abholen und so ihren Umsatz steigern kann. " Jetzt gibt es für mich keine Grenzen mehr", sagt sie. "Mein Lebenstraum wird Wirklichkeit."

Ihr Glück hat die Schuldirektorin dem zehntausend Kilometer weiter nördlich lebenden Mads Kæjr zu verdanken. Der Däne hat sich in den Kopf gesetzt, afrikanische Kleinunternehmer mit Krediten zu versorgen. Die Probleme des Kontinents kennt der 48-Jährige aus eigener Erfahrung. In den achtziger Jahren baute er gemeinsam mit seinem Vater in 33 afrikanischen Staaten Auto-Vertriebe auf, vor allem um Hilfsorganisationen Fahrzeuge zu liefern. Auf diese Weise lernten die Kjærs zum einen, was es heißt, in Afrika zu handeln. Zum anderen, wie wenig Entwicklungshilfe zu leisten im Stande ist. "Sie wird die Armut nie beseitigen", sagt Kjær. "Der Kontinent braucht Geschäfte, keine Geschenke."

Der niedrigste Zins gewinnt - weil der Markt den Kreditwucher verhindert

Deshalb gründete er vor gut drei Jahren mit seinem Partner Tim Vang die Plattform MyC4. C4 ist das Kürzel für Plastiksprengstoff. Es steht aber auch für das Englische "see for", im Sinne von "sich kümmern". Hinter dem Akronym verbirgt sich eine Vermittlungsagentur im Internet, die Investoren mit Kleinunternehmern in Afrika zusammenbringt. "Der wohl erste Versuch in der Geschichte", behauptet Kjaer, "die Kluft zwischen Menschen mit Mitteln und Menschen mit Bedürfnissen zu überbrücken." Eine Idee, die ihrem explosiven Namen alle Ehre macht: Anderthalb Jahre nachdem die Website www.myc4.com ins Netz ging, haben sich bereits mehr als 15 000 Investoren aus 90 Ländern zusammengefunden, um mehr als 4000 Kleinunternehmen in sieben afrikanischen Staaten Kredite in einer Höhe zwischen 5000 und 50 000 Dollar zu gewähren.

Das Konzept ist eine Mischung aus Ebay und der Grameen-Bank des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus in Bangladesch - im Prinzip ganz einfach, in seiner Anwendung allerdings sehr kompliziert. Auf der Website von MyC4 stellen sich knapp hundert afrikanische Entrepreneure mit ihren Projekten vor. Darunter etwa Alexander Kiggundu, der für die Erweiterung seiner Töpferei in Uganda 400 Euro braucht; oder Raphael Urassa, der für seinen Ersatzteilladen in Tansania 2048 Euro aufnehmen will; oder der Betreiber eines Vergnügungsparks in Kenia, der 32 259 Euro zur Modernisierung seiner Fahrgeschäfte benötigt. Interessierte Anleger können sich auf der Website die Bilder der Darlehenskandidaten anschauen und eine Kurzbeschreibung ihrer Projekte lesen. Wer investieren will, muss sich registrieren und dann seinen Betrag entweder per Kreditkarte oder Banküberweisung auf dem MyC4-Konto deponieren.

Hat sich ein Investor für einen Begünstigten entschieden, ist die Sache damit allerdings noch nicht unterschriftsreif. Denn um die Chancen der Kreditnehmer zu verbessern, haben sich die MyC4-Macher etwas Raffiniertes einfallen lassen. Danach wird der Zinssatz des Darlehens nicht von vornherein festgelegt, sondern den Marktkräften überlassen. Dafür stellt MyC4 den Kreditantrag mit einem Maximal-Zinssatz auf die Website, den ein Investor mit seinem Gebot beliebig über- oder unterbieten kann. Fordert er einen zu hohen Zins, riskiert er, dass sein Darlehensangebot abgelehnt wird: Denn wenn der Kreditsucher mehr Gebote hat, als er braucht, kommen die Investoren mit den niedrigsten Zinsforderungen zum Zug. Kann sich der Antragsteller innerhalb einer sechswöchigen Frist nicht die gewünschte Summe sichern oder übersteigt der durchschnittlich angebotene Zinssatz den zuvor festgelegten Maximalwert, dann kommt das Geschäft nicht zustande.

Alexander Kiggundu hatte Glück. Der eine Autostunde außerhalb von Kampala lebende Töpfer konnte sich die gewünschten 400 Euro zu einem Netto-Zinssatz von nicht einmal zwölf Prozent sichern - ein Schnäppchen für afrikanische Kleinkredite. Seit Kiggundus Bruder und seine Schwägerin vor elf Jahren - vermutlich an Aids - gestorben sind, muss der 42-Jährige neben seinen eigenen fünf Kindern auch noch für die fünf Jungen seines Bruders sorgen - was nur möglich war, weil die Kinder abwechselnd die Schule schwänzten, um dem Vater in der Töpferei zu helfen. Kiggundu wusste, dass er wesentlich mehr verkaufen würde, wenn er mehr produzieren könnte - vor allem die kleinen tönernen Holzkohlekocher werden ihm regelrecht aus der Hand gerissen. Dafür brauchte er jedoch mehr Ton, weitere Töpferscheiben und einen zweiten Ofen: Investitionen, die Kiggundus Möglichkeiten überschritten.

Für David Sseruyange war der Fall klar. "Kiggundu verfügt zwar über so gut wie keine Sicherheiten", sagt der Angestellte des ugandischen Kleinkreditunternehmens Capital Micro Credit (CMC). "Aber er wird das Darlehen mühelos über die zu erwartende Umsatzsteigerung zurückzahlen können." Um sicherzugehen, dass die Händler in der Stadt an Kiggundus tönernen Kochern interessiert sind, führt Sseruyange schnell noch ein paar Telefonate und legt dann gemeinsam mit Kiggundu die Darlehensmodalitäten fest: zwölf Monate Laufzeit, 14 Prozent Maximalzins. In seinem Büro in Kampala wird er später Kiggundus Foto mit ein paar Sätzen zur Töpferei auf die Website stellen.

Agenturen wie CMC sind das Rückgrat von MyC4. Sie müssen Interessenten für Kredite finden, was höchstens in den Anfangstagen ein Problem war. Inzwischen kann sich CMC vor Kleinunternehmern auf der Suche nach Finanzierung kaum retten. Dann müssen die Mitarbeiter die Bewerber sorgfältig prüfen und beurteilen, ob der Kunde vertrauenswürdig ist und den Kredit in der gewünschten Höhe wird zurückzahlen können. Nicht selten beraten die Agenturen die Kleinunternehmer auch, und oft übernehmen sie die Rolle des Kreditverwalters, der die Konten der Kunden auf der Website betreut, die Darlehen auszahlt und dafür sorgt, dass die Kreditraten pünktlich eingehen. Zur Finanzierung ihrer Dienstleistungen schlagen die Agenturen zwischen fünf und sieben Prozent auf den Netto-Zinssatz drauf, während MyC4 zwei weitere Prozent erhält, um seine Verwaltungskosten zu decken. Denn für die Plattform arbeiten inzwischen 15 Mitarbeiter, darunter Programmierer, Website-Designer und Tester.

Mit dem Geschäft vertraute Experten loben die Zahlungsmoral der Kleinkredit-Klienten regelmäßig. Bei der Grameen-Bank in Bangladesch liegen die Säumnisraten im Durchschnitt unter einem Prozent. Die Kunden der Bank sind meist Gruppen von Landfrauen, denen der soziale Druck eine harte Rückzahlungsdisziplin auferlegt. Für die Kleinunternehmer in Kampala ist das anders. Sie haben keine Ausgrenzung zu befürchten, wenn sie ein Darlehen nicht mehr bedienen. Als Prozentsatz fauler Kredite geben die MyC4-Macher derzeit 2,8 bis drei Prozent an - ein Risiko, das ein Investor noch verkraften und durch Streuung seiner Einlagen ausgleichen kann. Gelegentlich kommt es allerdings auch zu größeren Ausfällen. Von den 330 Krediten, die die kenianische Agentur Growth Africa Capital in den ersten drei Monaten dieses Jahres vermittelt hat, sollen mindestens 65 verloren sein.

Solche Ausrutscher seien in erster Linie den Agenturen anzulasten, meint Mads Kjær. Die meisten dieser Gesellschaften seien eben noch jung und geschäftlich unerfahren. Deshalb macht MyC4 solche Pannen öffentlich. Die Ausfall-Quoten der jeweiligen Agenturen werden auf die Website gestellt und die Probleme in den Foren der MyC4-Gemeinde diskutiert. Schließlich wurde Growth Africa Capital dazu gedrängt, für 95 Prozent der Ausfälle geradezustehen.

Fatuma Nabunya ist mit zwei Rückzahlungsraten in Verzug geraten. Die 30-jährige Friseurin betreibt im düsteren Souterrain eines Geschäftshauses im Zentrum von Kampala ihren Haarsalon "Dr.'s". Für Shampoo, Make-up-Puder und Haarteile aus England hat sie sich 850 Euro geborgt. Nur: Neue Kundschaft konnte sie trotzdem nicht anlocken, was angesichts der heruntergekommenen Einrichtung ihres Salons auch nicht weiter verwundert. Auf der Spiegelkonsole stehen Teller mit Essensresten, auf dem Boden krabbeln Kakerlaken. "Fehlinvestition", sagt Sseruyange leise beim Hinausgehen, nicht ohne Nabunya noch einzubläuen, dass sie die ausstehenden Raten unbedingt nachzuzahlen habe, sonst könne sie nie wieder mit einem Kredit rechnen.

Sseruyange und seine Kollegen verschweigen ihren Kunden absichtlich die Funktionsweise von MyC4. "Wenn Afrikaner hören, dass das Geld von Weißen kommt, betrachten sie es als Geschenk und zahlen es nie zurück", sagt er. Jahrhunderte des Kolonialismus, der Ausbeutung Afrikas durch die Europäer und die anschließende Besänftigung ihres schlechten Gewissens durch Entwicklungshilfe haben die Beziehungen zwischen den Bewohnern der beiden Kontinente schwer erschüttert. Sich gegenseitig in die Augen zu schauen - wie zwischen Käufern und Verkäufern auf einem Marktplatz üblich -, ist zwischen Afrikanern und Europäern noch immer nahezu ausgeschlossen. Dass man Geld in Afrika anlegen und dafür Zinsen verlangen kann, gilt unter vielen Europäern als schlichtweg unanständig: Afrika wird entweder ausgeraubt oder mit fragwürdigen Geschenken bedacht. Erst das Medium Internet scheint eine neue, sowohl distanzierte wie engagierte Umgangsweise möglich zu machen: "Wir wollen die Art und Weise revolutionieren", sagt Kjær, "wie die Leute mit Afrika umgehen."

Jörg Schwieder ist alles andere als ein bärtiger Drittwelt-Bewegter. Der Computerfachmann arbeitet bei einem Finanzdienstleister in Berlin. Noch nie hat er einen Fuß auf afrikanischen Boden gesetzt. Trotzdem investierte Schwieder 5000 Euro über MyC4 in Afrika: "Ich war einfach von dem Konzept begeistert." Dass Afrika nicht mit Almosen ruhig gestellt, sondern auf marktwirtschaftliche Weise mit finanziellem Engagement belebt wird, hat dem Finanzexperten "auf Anhieb eingeleuchtet. Afrikanische Staaten an internationalen Geschäftsprozessen teilhaben zu lassen, ist eine fantastische Idee", sagt er. Dabei hatte er nicht einmal damit gerechnet, dass er für seine Entscheidung auch noch belohnt würde: Während herkömmliche Investoren im vergangenen Jahr eine Reduzierung des Wertes ihrer Portfolios um ein Drittel hinnehmen mussten, legte Schwieders MyC4-Investment sogar noch zu; er schätzt um fünf Prozent.

Künftig, so glaubt Eric Kamau, werden immer mehr Investoren wegen der Finanzkrise von den hochspekulativen Future- und Hedgefonds-Geschäften ablassen und ihre Gelder wieder in traditionelle Anlagen stecken. Kamau ist Gründer der ugandischen Software-Firma True African und sitzt in einem schicken Büro im dritten Stock eines Geschäftshauses in Kampala. Kamau, einer der wenigen afrikanischen Investoren von MyC4, ist davon überzeugt, dass der Kreditvermittlungsplattform eine "große Zukunft" bevorstehe. Dass Investoren bislang noch zögern und nur wenig Geld in Afrika anlegen, sei vor allem dem Vorurteil zuzuschreiben, dass man mit Afrika keine Geschäfte machen könne. Selbst seine afrikanischen Freunde hätten "psychologische Widerstände", ihr Geld in Unternehmen auf dem eigenen Kontinent zu stecken, sagt Kamau lachend. "Ich wette, das wird sich ändern."

Von wegen vergessener Kontinent: Afrika wird von Investoren entdeckt

Tatsächlich hatte Afrika in der Investorengunst in den vergangenen Jahren aufgeholt. Doch dann wurde der Kontinent von der weltweiten Finanzkrise kalt erwischt. Fachleute hoffen, dass die Länder der Region bald wieder an die Entwicklung der Vorkrisenzeit anknüpfen werden. Wachstumsraten von durchschnittlich sechs Prozent im Jahr, eine starke Konkurrenz zwischen China und dem Westen, die die Preise für afrikanische Rohstoffe in die Höhe treibt, und immer mehr Regierungen, die statt auf ausländische Hilfe auf die Entwicklung eigener Potenziale setzen. "Wir sehen in Afrika fast grenzenlose Möglichkeiten für lang anhaltendes Wirtschaftswachstum", ist Mads Kjær überzeugt. "Die Gelegenheiten für radikale Verbesserungen müssen lediglich beim Schopfe gepackt werden."

Offenbar steht der Afrika-Optimist mit solchen Einschätzungen nicht allein da. Denn immer mehr große Unternehmen werden auf MyC4 aufmerksam. So will der afrikanische Telefonriese MTN eine Viertelmillion Dollar über die Plattform investieren. Und derzeit ist Kjær auch mit einem großen europäischen Pensionsfonds wegen einer millionenschweren Anlage im Gespräch. Dabei verdanke MyC4 seine Anziehungskraft nicht nur Afrika als dem letzten noch unerschlossenen Markt der Welt, sondern auch der lückenlosen Transparenz. "Die Finanzkrise hat uns nicht nur zurückgeworfen. Sie bietet uns auch neue Chancen, weil das herkömmliche Finanzmodell grundsätzlich infrage gestellt wird", sagt Kjær.

Trotzdem sei MyC4 "noch ein Baby, das nicht ohne Eltern gehen kann", räumt er ein. Doch das Konzept habe sich bereits als voll funktionsfähig erwiesen. Wenn im nächsten Jahr die 100-Millionen-Euro-Marke an Investitionen überschritten werde, trage sich die rund 35-köpfige Verwaltung von MyC4 selbst. Unterdessen ist die dänisch-afrikanische Entwicklungs-Crew ständig damit beschäftigt, die Website zu verbessern und das Geschäft auszudehnen. So soll das schon mehrfach preisgekrönte Konzept bald auch in Süd- und Westafrika zur Anwendung kommen - insgesamt kämen weitere 25 afrikanische Staaten als Standorte infrage.

Es gibt einen Markt, es gibt Ideen - meistens fehlt einfach nur das Kapital

Dann könnten auch andere zu Unternehmern werden, wie Edward Luggya. Der 35-Jährige arbeitet hartnäckig daran, ein von seinen Eltern geerbtes Grundstück für ein Geschäft zu nutzen. Und zwar deshalb, weil er gar keine andere Wahl hat, als Unternehmer zu werden. Luggya hat Wirtschaftswissenschaften an Kampalas Makarere-Universität studiert, doch einen Job bekam er nach seinem Abschluss trotzdem nicht. "Ich musste selbst auf eine Idee kommen", sagt der Ökonom und fügt an: "Ich will kein Arbeitsloser sein, sondern ein Arbeitgeber."

Zunächst errichtete Luggya auf dem elterlichen Grundstück in Kampalas Stadtteil Lubaga ein Kino aus Holz und mit einem Wellblechdach. Statt Filmprojektor und großer Leinwand besaß er allerdings nur einen Videorekorder und einen Fernseher. Damit zeigt er Filme und Fußball. Immerhin war der Jungunternehmer mit diesem Programm dermaßen erfolgreich, dass er schließlich Steinmauern um sein Kino errichten konnte. Fernsehschirm und Videorekorder blieben allerdings dieselben. Deshalb versuchte es Luggya mit Diversifizierung: Er eröffnete neben dem Kino eine Auto-Waschanlage in Handbetrieb und sicherte sich, als er von MyC4 erfuhr, einen Kredit für ein Hochdruck-Wasserstrahlgerät mit eingebautem Generator.

Inzwischen träumt er von einer betonierten Waschplattform und davon, dass er neben seinem Kino ein Restaurant einrichten könnte. Das ist gar nicht mal ausgeschlossen, denn Luggyas Geschäft brummt, und zwar mit den Filmen und der Waschanlage. Rund um die Uhr waschen seine 20 Angestellten alles, was aus Blech ist und Räder hat. Am meisten Betrieb ist nachts um elf Uhr, wenn die Taxi-Unternehmer ihre Minibusse bringen. "Man sieht, wir Afrikaner schlafen nicht", sagt er.

Und auch Kjær schläft wenig, sondern plant schon einmal den nächsten Schritt. Das Geschäftsmodell von MyC4 sollen erweitert werden, etwa dadurch, dass größeren Unternehmen die Möglichkeit eingeräumt wird, mehrfach Darlehen aufzunehmen. Außerdem will der Däne tiefer in den bislang vernachlässigten Markt mittelständischer Unternehmen mit Kreditwünschen ab 100 000 Dollar vordringen.

Genauso wie die einstige Flohmarkt-Plattform Ebay zu einem gigantischen Auktionshaus heranwuchs, über das neben Konzert-Tickets und Autos sogar Häuser versteigert werden, könnte aus MyC4 ein globales Finanznetz mit Hypothekenhandel, Fonds-Management und einer Plattform für privates Beteiligungskapital werden, glaubt Mads Kjær. "MyC4 könnte das erste Unternehmen der Welt mit 6,6 Milliarden Beteiligten werden, die alle ein gemeinsames Ziel haben: die Welt zu einem besseren Ort zu machen." -