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brand eins 11/2009 Die richtige Schraube
Hans Sauer, Veitshöchheim


Das Effizienzproblem ist seit 2007 gelöst. Dazu gab es im März 2007 einen Vortrag an der Schweizer Börse. Man weiß inzwischen sehr genau, dass beispielsweise der Dax eine Informations effizienz von lediglich 60 Prozent im Mittel aufweist; Harry Markowitz und Eugene Fama fordern in ihren Modellen aber mindestens 81 Prozent. Wo ist also das Problem? Man könnte es in etwa so sagen: Wissen unerwünscht.

brand eins 11/2009 Die halbe Miete
Christian Conrad, München

Sie schreiben, das OpenSource-Modell funktioniert. Gerade SugarCRM beweist, wie sie mit dem Modell zu kämpfen haben. Es ist eben nicht so, dass die Community die Software pflegt, zumindest konnten wir das bei SugarCRM nicht feststellen. Einige Add-Ons sind zwar im Portal verfügbar. Aber installieren Sie in der Community-Edition doch nur mal das deutsche Sprachmodul. Sie werden erstaunt sein! Profit soll über Premiumversionen und Consulting eingefahren werden. Bei MySQL funktioniert das bestimmt, bei Business-Software fehlt bisher noch die Qualität. Als Unternehmen sind mir meine Geschäftsprozesse wichtiger, als zwei Euro für die Lizenz beziehungsweise Miete zu sparen.

Sie schreiben, Software muss miteinander funktionieren. Es ist Fakt in der IT-Industrie, dass gerade dieses Thema den Systemintegratoren gutes Geschäft beschert. Warum gibt es so etwas wie SOA - Service Oriented Architecture? Weil die Unternehmen komplexe Insellösungen hochzüchten und irgendwann nicht mehr Herr der Lage werden. Ich wette mit Ihnen, dass dieses Thema auch in zehn Jahren nicht gelöst sein wird.

brand eins 11/2009 Schwerpunkt Denken
Konrad Wulfmeier, Schweinfurt

In der damaligen wie heutigen Zeit wird der Spirit verdrängt. Als Esoterik abgetan, mit einem Handstreich weggeschoben. Dabei existiert dieses alte und neue Wissen nach wie vor. Deshalb sollte achtsam mit dem Handstreichen umgegangen werden. Warum? Ganz einfach weil sich Denken aus dem Bewusstseinsempfinden entwickelt. Im Artikel "Zurück in die Zukunft" wird das deutlich gemacht: Spiraliges Denken ist anstrengend, dafür erweitert es den Horizont. In unserem Netzwerk sind Menschen, die sich das alte wie neue Denken zum Thema gemacht haben. Und das sind keine esotörichten Menschen. Dazu ein Zitat eines unserer Mitdenker: "Ich bin zwar spirituell, aber nicht blöd!"

brand eins 11/2009 Die Besserwisser
Andreas John, Lippstadt

In diesem Beitrag schreibt der Autor "Das Produkt von Nachdenken ist Innovation - wir nennen es Wissen." Meiner Meinung nach stellt der folgende bekannte Spruch die Beziehung zwischen Nachdenken, Innovation und Wissen besser dar: Forschendes Nachdenken verwandelt Geld in Wissen. Innovatives Nachdenken verwandelt Wissen in Geld.

brand eins 11/2009 Die Besserwisser
Frieder Beck, per E-Mail

Ich habe eine kleine Anmerkung zu dem sehr gelungenen Beitrag: Die Neurowissenschaftler können tatsächlich den Unterschied zwischen hohlem Routinedenken und Geistesblitz nicht zutage fördern. Allerdings sollte nach Befundlage ein Geistesblitz, der als solcher vom System "erkannt" wird, im Vergleich zum Routinedenken im Gehirn zu einer deutlichen Aktivitätssteigerung der Dopaminneurone in der Substantia nigra pars compacta und den ventralen tegmentalen Arealen sowie zu Aktivierungen im Nucleus accumbens führen. Vermutlich wird jedoch ein solches Aktivierungsbild auch bei einem erfolgreichen Torschuss im Fußball entstehen - der möglicherweise von hohlem Routinedenken begleitet wird.

brand eins 11/2009 Die Besserwisser
Gertraud Köppel, Nußdorf am Inn

Die Deutschen wurden einst als das Volk der Dichter und Denker bezeichnet. Dichten ist wohl eher aus der Mode gekommen, das Denken hingegen ist zur zu vermeidenden Gefahr für den Menschen und die Gesellschaft geworden, denn konstruktives Denken bedeutet mögliche Veränderung des Gewohnten. Mit fortschreitender Industrialisierung wurde vor gut hundert Jahren das Deutsche Institut für Normung, mit dem Ziel der Entwicklung von technischen Standards, gegründet. Hinzugekommen sind soziale Normen, Sprachnormen, Prüfnormen, Qualitätsnormen in einer derart unbeschreiblichen Menge und Vielfalt, dass sich Deutschland zum Land der Regelsetzer und Denkbürokraten gewandelt hat. Normen und Regelwerke bieten zwar ein hohes Maß an Sicherheit, drängen aber auch konstruktives Denken und Kreativität in den Hintergrund. So werden Denkunternehmer in den Bereichen akzeptiert, wo Regelwerke und Zeit eine untergeordnete Rolle spielen oder ignoriert werden können. Gerade jetzt, wo Zeit knapper als je zuvor zu sein scheint, haben Denkunternehmer kaum Chancen, dem vorherrschenden Effizienzwahn und der Stresskultur des täglichen Lebens auszuweichen. Das kons truktive Denken als zentrale ökonomische Ressource könnte durch Zugeständnisse an Regelwerke und durch mehr Freiräume für Wissensarbeiter weiter in den Mittelpunkt gerückt werden.

brand eins 11/2009 Die Herausragende
Jörg Kunz, Regensburg

In Ihrem November-Dossier über das Denken prangern Sie mit geschickter Argumentation den "Größenwahn der effizienten Organisation" an. Aber nur wenige Seiten weiter huldigen Sie eben diesem Größenwahn, indem Sie eine Frau in den Himmel heben, die es vermeintlich versteht, neben ihrem globalen Job als Beraterin auch ihre beiden Kinder effektiv zu managen, beispielsweise indem sie ihnen via Skype Kinderbücher vorliest. Ich meine, um auch aus Kindern "herausragende" - sprich gute, verantwortungs volle und kluge - Menschen werden zu lassen, brauchen diese Liebe und Nähe anstatt einem Zeitfenster in einem prall gefüllten Terminkalender. Was Sie in warmen, orientalischen Farben beschreiben, zeigt tatsächlich die ganze Kälte eines vollkommen karrierefokussierten Lebens. Wie herausragend Frau Karboul tatsächlich ist, wird sich in ein paar Jahren zeigen. Dann nämlich, wenn die beiden Kinder ihr Urteil über ihre mehr oder weniger virtuelle Mutter abgeben werden.

Korrektur: In der Ausgabe 11/2009 hatten wir im Beitrag "Die Eselstreiber" auf Seite 93 berichtet, das Management der Fluggesellschaft Swissair sei einem Rat der Unternehmensberatung McKinsey gefolgt, durch aggressive Zukäufe zu wachsen - Hunter-Strategie genannt -und habe dann ein paar Jahre später eine grandiose Bruchlandung hingelegt. Ein Gutachten der unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young belegt, dass die Fluglinie die empfohlene Strategie falsch umgesetzt und die Bruchlandung damit selbst verschuldet hat. Wir bedauern das Versehen.