Shatler's-Cocktail

Rund drei Minuten braucht ein guter Barkeeper für ein Mixgetränk. In einer Stunde schafft er höchstens 20. Mit einem Shatler's-Cocktail geht es schneller: Eis ins Glas, Dose öffnen, Mix eingießen, verzieren, fertig.




- Ein guter Cocktail ist Vertrauenssache. Er sollte frisch zubereitet werden und möglichst immer gleich schmecken. Für einen ausgebildeten Barkeeper ist das kein Problem. Doch die sind selten geworden, seit immer öfter angelernte Mixkräfte hinter dem Tresen stehen. Die Folge: Mal ist der Mai Tai grün, mal ist er rot; mal zu bitter, mal zu süß. Besonders groß ist die Gefahr bei Großveranstaltungen, wo sich die Durstigen an der Bar drängeln und alle nur eines wollen, einen Drink - und das bitte schnell. Über die lange Warterei hat sich fast jeder schon einmal geärgert. Und schließlich, wenn der Barkeeper nach einer gefühlten halben Stunde endlich einen Caipirinha über die Theke reichte, war die Enttäuschung groß. Weil der Cachaça zu billig war, zu wenig Eis im Glas, die Limetten zu alt und überhaupt das ganze Getränk zu süß.
Solchen Ärger zu verhindern, hat sich die Shatler's Getränke GmbH aus Hamburg zum Ziel gesetzt. Shatler's produziert seit 2008 fertig gemixte Cocktails und füllt sie in dosenähnliche Gefäße ab. Die Gründer haben den Anspruch, mit ihren industriell hergestellten Mixdrinks auch anspruchsvolle Barkeeper zufriedenzustellen. "Die Cocktailbars sind dabei gar nicht unser Ziel", sagt Marc Pertzsch. "Shatler's ist optimal für Bereiche, in denen es technisch oder personell nicht möglich ist, gute Cocktails zu verkaufen. Das können Cafés und Diskotheken sein, Strandclubs oder Catering-Firmen."
Die Idee reifte mit der Erfahrung. Marc Pertzsch, 40, und Lars Hense, 38, zwei passionierte und IHK-geprüfte Barmeister, arbei teten Ende der achtziger Jahre zusammen in Harry's New York Bar in München. Schon damals haben sie für Veranstaltungen außer Haus verschiedene Cocktailzutaten in Flaschen gefüllt und schon einmal vorgemixt, um später schneller arbeiten zu können.
"Das war der Ursprung der Idee", sagt Pertzsch. Aber erst als die beiden sich nach Jahren, die sie vornehmlich hinter dem Tresen zugebracht hatten, wiedertrafen, wurde aus der Idee ein Projekt. Auf einem Waldfest am Tegernsee, als ihnen die Drinks wieder einmal nicht schmeckten, schmiedeten Pertzsch und Hense ihren Plan, hochwertige Cocktails industriell zu mischen. Doch von der Idee bis zur Serienreife war es noch ein langer Weg. Nach mehreren Absagen großer Getränkehersteller fanden sie einen Lieferanten, der seine Spirituosen selbst herstellte, den das Konzept überzeugte und der bis heute Partner von Shatler's ist. Der Vorteil: Die Spirituosen können bei ihm genau auf die Cocktails abgestimmt werden, die Mischung wird exklusiv für Shatler's zusammengerührt.
Derart bestärkt, begannen Pertzsch und Hense zu experimen tieren, überlegten, welche Cocktails sich am besten verkaufen könnten - und investierten ihr gesamtes Vermögen. Sie waren überzeugt von der Idee. Doch das allein reichte nicht. "Wir hatten ein fertiges, selbst entwickeltes Produkt, wir hatten einen Lieferanten, und dann standen wir da und konnten nicht produzieren", erzählt Pertzsch. Ihr Projekt drohte zu scheitern, weil sie nicht wussten, wo sie ihre Gemische herstellen lassen konnten und woher sie das nötige Geld dafür nehmen sollten.
Bei der anstrengenden Suche nach Investoren stießen Pertzsch und Hense auf Rüdiger Bartholatus, 52, und Stefan Netzer, 39 -und konnten sie von ihrer Idee mit vorproduzierten Testcocktails überzeugen. "Mir war von Anfang an klar: Das Produkt ist neu, die Qualität ist sehr gut, und selbst wenn der Markt noch nicht da ist, können wir ihn öffnen", sagt Netzer, der sich heute um das Marketing in dem Unternehmen kümmert.
Das Problem: Keiner aus der Runde hatte je mit der Lebensmittelbranche zu tun gehabt. Deshalb mussten sie viel Lehrgeld bezahlen, ehe sie die richtige Verfahrenstechnik gefunden und alle behördlichen Genehmigungen beisammen hatten. Das nächste Problem: die Verpackung. Sie wollten das Einwegpfand umgehen, und Shatler's sollte auf keinen Fall so aussehen wie herkömmliche Getränkedosen im Supermarkt-Regal. Durch einen Zufall stießen sie auf die CartoCan, ein flexibles Behältnis aus Karton, das nur von einer kleinen Firma in Österreich hergestellt wird.
Nach anderthalb Jahren beschäftigt Shatler's inzwischen 22 Mitarbeiter, hauptsächlich im Vertrieb und im Marketing. In den ersten drei Quartalen 2009 füllte das Unternehmen 1,7 Millionen Fertig-Drinks ab, wofür einige Tausend-Liter-Container Rum und Wodka verbraucht wurden. Neben den acht alkoholischen Stan-dard-Cocktails gibt es vier alkoholfreie. Stückpreis: 2,98 Euro, die alkoholfreien Getränke sind 50 Cent günstiger. Und schon sind erste Großabnehmer gefunden und Kontakte ins Ausland her gestellt. An Privatkunden wird bisher nur über den Onlineshop verkauft.
Nur eine Sache wurmt besonders die beiden Barkeeper: der Mojito. "Den kriegen wir einfach nicht hin. Ein Mojito lebt von der Frische der Minze. Der schmeckt halt nach zehn Monaten wie ein alter Pfefferminztee-Beutel." -