Der Paradieswächter

Zitronen auf einer Höhe von 1300 Meter? Kein Problem für den österreichischen Bergbauern Sepp Holzer. Nur vorzeigen will er sie nicht.




-Das Paradies hat die Hausnummer 13. Es wird geschützt von einem schweren Eisentor. Meist sei das Tor geschlossen, sagen die Leute, doch an diesem Tag steht es offen. Die schwarzen Stäbe sehen so abgewetzt aus, als hätten sie schon viel abhalten müssen vom Krameterhof. Hier lebt der Vordenker einer neuen Landwirtschaft, Sepp Holzer, inmitten eines alpinen Paradiesgartens mit Kiwis und Zitronen auf 1300 Meter Höhe.

Links neben dem Tor hängt ein Schaukasten mit Büchern. Kämpferisch blickt Holzer dort von den Buchdeckeln. Auf allen steht groß "Der Agrar-Rebell". Ein Titel, den ihm der Biologieprofessor Bernd Lötsch einst verliehen hat. Aus dem satten Grün der Umschläge ist in der alpinen Witterung ein verwaschenes Blau geworden. Aber hinter dem Schaukasten soll es im Garten fast zu jeder Jahreszeit in allen Farben blühen.

"Großblättrige Zichorien drängen zwischen Kürbissen und Kiwisträuchern dem Licht entgegen", schreibt der "Spiegel". "Gemüse aller Art, auch Exoten wie Zitronen, Kiwi und Orchideen gedeihen entgegen jeder Lehrmeinung bestens", heißt es in einem Radio-Feature des Österreichischen Rundfunks (ORF). Und selbst ein Autor der sonst eher spröden "Neuen Zürcher Zeitung" gerät für einige Zeilen ins Schwärmen: "So muss das Paradies gewesen sein, die Natur eine einzige große Familie. Hier eine Symbiose von Nuss, Wein, Hopfen, Meerrettich, Kermesbeere und Haferwurz, dort Kiwis, Kirschen und Kürbisse; Wildgetreide unter Nadelbäumen, Seerosen und Wasserschildkröten, Welse, die bis 27 Kilogramm schwer werden." Holzer hat eine eigene Form der Landwirtschaft entwickelt, die mit möglichst wenig Arbeit maximalen Ertrag liefert. Das hat ihm den Spitznamen "Nichtstuer-Landwirt" (siehe auch brand eins 06/2002) eingebracht, auch das erwähnen die Berichte. "Nächsten Montag. Da zeig' ich Ihnen alles", hatte Holzer ins Telefon gerufen; die Verbindung war schlecht gewesen.

Tropenpflanzen auf der Alm ziehen Gäste aus der Stadt an und machen Fachkollegen neugierig

Beim Blick auf die karge Landschaft rundherum klingen die Berichte vom Krameterhof noch unglaublicher. Das österreichische Sibirien wird das Lungau südöstlich von Salzburg auch genannt. Die Wiesen sind blassgrün an diesem Märztag, dunkelgrüne Fichtenwälder bedecken die Berghänge. Mitten in dieser Ödnis liegt der Krameterhof.

Der Weg durch das Eisentor in den Garten Eden ist matschig. An der Seite eine Garage mit Gewächshäusern auf dem Dach. Das Plätschern von Quellen ist zu hören, verwildert und zugewachsen der Hang. Das Paradies scheint gerade keine Saison zu haben.

Auch das Bauernhaus ist zugewachsen. Veronika Holzer öffnet die Tür. Rechts stehen die Flinten, glänzend und fein säuberlich aufgereiht, der präparierte Schädel eines riesigen Wildrindes hängt an der Wand. Veronika Holzer hat ein Plastiktischtuch aufgelegt, gelb mit roten Blumen, sie serviert Kaffee und Kuchen. "Es gibt immer genug zu tun", sagt die Frau des Nichtstuer-Bauern. Und spricht von den Vorzügen ihres Mannes: "Er hat eine Gabe: Er kann in die Leute hineinschauen und spüren, was sie brauchen."

Ein Mann betritt die Küche, nein, füllt sie aus: Sepp Holzer.

Er ist ein Bauer wie aus dem Bilderbuch. Der gepflegte graue Bart, sein kleiner Mund, der fast im Bart verschwindet, seine blassblauen Augen, der kräftige Bauch, über dem sich das grobe Hemd spannt, dazu das gegerbte Gesicht und der zupackende Händedruck - er gäbe einen guten Bauern in einem Werbespot ab, für Schokolade oder Kräuterzucker. Er sagt: "Es ist aus meiner Sicht Viertel nach zwölf, nicht fünf vor zwölf."

Und dann legt er los, er poltert und wettert. "Es ist vorhersehbar, die ganzen Überschwemmungen. Es ist vorhersehbar, der Windbruch und die Sturmschäden. Und die sogenannten Experten schlafen in den Tag hinein", sagt er. Er redet lauter, als es für die kleine Küche nötig wäre. In wenigen Sätzen schlägt er den Bogen von Amokläufen über Landwirtschaft zum Klimawandel. Die Probleme der Welt sind jetzt in der Bauernküche versammelt und warten darauf, gelöst zu werden.

"Man braucht nur gegenüber auf den Berg hinschauen", sagt Holzer und schwenkt seinen Arm zum Fenster hinter sich. "Vor mehr als 30 Jahren habe ich darauf aufmerksam gemacht. Wenn ihr so weitermacht, werdet ihr den ganzen Wald verlieren. Ihr seid die größten Schädlinge. Ihr, die Forstbeamten mit eurer Monokulturwirtschaft." Auf dem gegenüberliegenden Hang stehen einige Fichten, sonst ist er kahl. Holzer sagt, der Sturm habe die Fichten umgeweht.

Mittendrin zu sitzen in der Katastrophe, das hat in Holzer eine Wut wachsen lassen, die sich Bahn bricht in der Rebellion gegen das Konventionelle. Holzer hat Rezepte dagegen entwickelt. Einfache Rezepte, die so einfach sind, dass man ihnen nicht widersprechen kann. "Der Natur wieder zuhören", das ist sein wichtigstes. "Wir müssen lernen, im Buch Natur zu lesen. Die Natur macht alles richtig. Im Buch Natur gibt es keinen Fehler", sagt er, "keinen einzigen Fehler."

Sein kräftiger Zeigefinger umkreist das Blumendekor auf dem Plastiktischtuch. "Du bist der Regenwurm, die Kuh, die Pflanze. Wie würdest du dich fühlen?", fragt Holzer. Er schiebt die Tasse von sich weg, er braucht mehr Platz, wird lauter. "Wir müssen uns hineinversetzen in die Lebewesen, dann merken wir, was sie brauchen." Seinen Garten gießt er nicht und düngt ihn nicht. Er pflanzt einfach in den trockenen Boden, wild durcheinander. Er will die Pflanzen nicht täuschen über die Kargheit der Alm. Seine Schweine hält er in Koppeln unter den Obstbäumen. "Wenn ich die Natur für mich arbeiten lasse, habe ich selbst nicht mehr viel zu tun", sagt Holzer. Die Methode passt gut zu dem Mann, der da auf der Bank sitzt und Gemütlichkeit und Rebellion in sich vereint. In diesem Moment kann man sich vorstellen, wie Sepp Holzer die Landwirtschaft revolutioniert.

Sepp Holzer hat von seinem Vater einen kleinen Bergbauernhof übernommen und ihn gemeinsam mit seiner Frau Veronika in eine Pilgerstätte des alternativen Landbaus verwandelt. Dazu hat er den Hof vollkommen umgestaltet. Seine Methode ist eine Mischung aus altem Wissen und Landschaftsgestaltung mit schwerem Gerät. Mit Baggern versetzt er die Natur in einen Zustand, dass sie wieder gedeihen kann, wie er sagt. Holzersche Permakultur hat er seine Methode genannt. Er legte Teiche an und Terrassen am Berghang. Bald hatte er die erste Klage wegen Waldverwüstung am Hals, weil er die Fichten fällte und Obstbäume pflanzte. 30 000 Schilling kostete ihn das, doch die Obstbäume standen. In fast jedem Bericht vom Krameterhof kommt die Vorführung der Fläche vor, stets mit der Pointe, die er auch jetzt erzählt: Er habe die Sorten-Etiketten von den Obstbäumen gelöst, so könnten die unkundigen Beamten die Bäume nicht mehr erkennen.

Für die leichten Wege war Holzer nie zu haben. Er ist ein sperriger Bauer, der sich von seinem Weg nicht abbringen lässt.

Er hat auf diese Weise so ziemlich alles ausprobiert. Er hat Obstbäume und Wildpilze angebaut; Sumpf-Biber gehalten und hatte ein Jagdgehege; probierte sich als Gastwirt und als Imker; züchtete Yaks und Bisons, alte Schweinerassen, Ameisen, Papageien, Schlangen und Luchse; betrieb einen Wildpark mit Steinbock-und Braunbärengehege; setzte Enzian und Silberglanzweiden; lud Sportfischer in sein Angelzentrum ein und hielt in seinen Teichen japanische Kois, Speisekrebse und Störe. Das ist eine ganze Menge für ein Bauernleben. Doch als sich herumsprach, dass sogar Zitronen auf der Alm wachsen, kamen die Massen.

Auch viele Besucher erkennen die Bäume nicht. Sie kommen aus der Stadt, mit den romantischen Vorstellungen einer Landwirtschaft aus dem Bilderbuch: Wenn man die Pflanzen gut behandelt, zahlen sie es mit ihren Früchten zurück. Der Bergbauer erzählt, wie die Zitronen gedeihen. Es scheint ganz einfach zu sein. Er setze die Pflanzen neben große Steine, sagt er. "Die Steine speichern die Wärme, wie ein Kachelofen: So entsteht eine Wärmefalle." Als er das Prinzip als Bub entdeckt habe, hätten ihn die anderen ausgelacht. "Aber meine Erdbeeren wurden viel größer als die bei den Nachbarn. Eben weil die Steine dabei waren."

Von außen betrachtet mag es da viel wahrscheinlicher sein, dass das Zitronenbäumchen bis kurz vor der Führung in einer beheizten Orangerie stand, als dass hier auf der Alm Zitronen reifen. Aber es ist wie mit dem gelungenen Trick eines Magiers. Man lässt sich von den Worten forttragen und glaubt ihnen mehr als der Logik. Sepp Holzer schafft es nicht nur, seine Besucher zu überzeugen. Sie glauben danach, das Zitronenbäumchen symbolisiere die Zukunft der Landwirtschaft.

Wie es wirklich ist, das bleibt Holzers Geheimnis. Er lässt sich nämlich nicht in die Karten schauen.

Die Geschichte, die Sepp Holzer erzählt, ist im Grunde uralt.

Nach der Vertreibung aus dem Paradies sind die Menschen zum Ackerbau verurteilt und versuchen, sich die Natur untertan zu machen. Der Krameterhof soll seine Früchte wieder wie von selbst bereitstellen.

Experten zweifeln allerdings daran. "Ich hätte mich geschämt, auf den Hof Leute zum Ernten zu schicken", sagt ein Berater für ökologische Landwirtschaft, der sich den Betrieb genauer angeschaut hat. "Was Holzer auf seinen 50 Hektar erwirtschaftet, könnte man auch auf fünf Hektar ernten." Der Mann möchte lieber anonym bleiben, weil er fürchtet, gerichtlich mit Holzer zu tun zu bekommen. Und seine Sorge ist nicht unbegründet: Viele Skeptiker haben ihre kritischen Äußerungen nach rechtlichen Drohungen und Klagen zurückgenommen. Der Berater redet lang über Zweifel und Gerüchte. Vieles, was Holzer tut, höre sich plausibel an. Für kaum etwas gebe es Beweise. Niemand kann den Bergbauern zur fachlichen Überprüfung seiner Methoden zwingen. Er muss keinen Experten auf seinen Hof lassen. "Nehmen Sie das Kiwi-Wunder an seinem Haus. Fachleute wissen schon lange von der Frosthärte dieser Pflanzen. Eine Art ist die sogenannte sibirische Kiwi, die es mittlerweile in vielen Baumschulen gibt." Die Zitronen, die Teiche, die Terrassen - kann er dem gar nichts Positives abgewinnen? "Man kann sich von der Ertragsfrage verabschieden und sagen, das ist eine Art der kunterbunten Landschaftsgestaltung. Dann hat das seine Berechtigung", sagt er trocken.

Wenn die Besucher kommen, erzählt Sepp Holzer aus seiner Kindheit. Stets geht es darum, dass der kleine Sepp etwas entdeckt, es probiert und in kurzer Zeit zur Perfektion bringt. Oft berichtet er vom Aufstieg auf den Berg, für den der Junge von der Schule in Rammingstein zwei Stunden braucht. In seinem Buch "Der Agrar-Rebell" schildert Holzer, wie er damals seine ersten Fische hinaufgetragen hat. Eine junge Forelle und eine Koppe hatte er gegen eine Speckschwarte eingetauscht. In einer Keksdose aus Blech bringt Holzer die Fische auf den Berg und hält sie im Viehtrog. Mit zehn Jahren hat er dann seinen ersten Teich ausgehoben. Die Fische hat er den Klassenkameraden nur gezeigt, wenn er von ihrem Eis etwas abbekam. Sie stiegen zu ihm auf den Berg, obwohl es im Tal viel mehr Fische gab. Dieses Geschäftsmodell hat er dann 50 Jahre später perfektioniert. Er hat Quellen der Nachbarn gekauft und leitet sie in sein Teichsystem. 72 Teiche und Tümpel sollen es sein, mit einer Fläche von drei Hektar.

Auf der schmalen Straße mit den viel zu engen Serpentinen sind die Menschen zu Zehntausenden in Bussen hinaufgefahren, um den unglaublichen Hof zu sehen. Etwa 30 Euro hat jeder gezahlt, um in Gruppen von bis zu 40 Leuten über den Hof geführt zu werden. Und natürlich um ihn zu sehen, Josef Holzer, den Agrar-Rebellen. Als die Straße im Jahr 2004 für Busse gesperrt wurde, war das eine herbe Niederlage für Holzer. Erst ließ er die Menschen zu Fuß heraufpilgern. Jetzt zeigt er nur noch "besonders naturverbundenen Menschen" seinen Hof. Und bietet eine Ausbildung an: 6720 Euro zahlt jeder der Teilnehmer, um an 60 Seminartagen Sepp Holzers Methoden zu erlernen. 80 Prozent der Schüler des Bergbauern sind Akademiker.

Vor Holzer liegt das Tonbandgerät. Wenn er über die EU spricht, ist später ein lautes Donnern auf der Aufzeichnung zu hören, bumm, bumm, wie Kanonenschläge. Es sind Holzers kräftige Hände, die auf den Tisch schlagen. EU, bumm, Subventionen, bumm, bumm, Vorschriften für Obstbäume, bumm, bumm. Holzer könnte den Tisch zertrümmern, würde er alles aufzählen, worüber er zornig ist. Unzählige Gerichtsprozesse hat er geführt, gegen Behörden, Kritiker und ehemalige Geschäftspartner. Die meisten hat er gewonnen.

"Kompromisse sind nicht der Weg des Sepp Holzer", sagt Konrad Liebchen. "In seiner Welt muss eins und eins stets zwei sein. Da gibt es nur weiß und schwarz." Liebchen ist Redakteur der Zeitschrift "Der fortschrittliche Landwirt". Er schätzt Holzer. Er kennt ihn, seit er ihm geholfen hat, seine Sicht auf die Dinge in dem Buch "Der Agrar-Rebell" aufzuschreiben. Es ist das biophilosophische Werk, das aus dem auf dem Berg versteckten Geheimtipp Krameterhof einen Erfolg machte. Liebchen erinnert sich an Holzers stets frei gehaltene Vorträge und sein gebanntes Publikum. "Da kann man eine Stunde lang jede Stecknadel auf den Boden fallen hören."

Der Redakteur wandte nach seiner Begegnung mit Holzer selbst die Permakultur-Lehre des Bergbauern an. "Ich habe den kompletten Garten umgestaltet", sagt er. Permakulturis nennt er das Landstück, das er Touristen vermietet. "Meine Erlebnisse sind nicht ganz positiv", sagt er. "Meine Frau kommt aus der Stadt. Der war dieses natürliche Chaos zu viel."

Man möchte von Holzer gern mehr über das 50 Hektar große Paradies hinter dem Bauernhaus erfahren. Doch Sepp Holzer ist mit seiner Geschichte in Amerika, wo er gerade war: "20 Vorträge und vier Live-Sendungen im Rundfunk habe ich gehalten, das müssen Sie sich vorstellen, aber ich habe in 1000 Kilometern, die ich in Amerika gefahren bin, keinen einzigen Garten gesehen. Na, wo bedienen sich die Amerikaner? Im Supermarkt! "

Holzer war glücklich, sagt er, wieder zu Hause auf seinem Bergbauernhof im Lungau zu sein. Als er nach der Rückkehr den Fernseher einschaltete, sah er Michelle Obama, die Frau des Präsidenten. Sie legte einen Garten vor dem Weißen Haus an. "Da war ich erst grad' in Amerika und habe mal richtig meine Meinung gesagt", sagt Holzer, "und sogar die Präsidentengattin hat die Botschaft erreicht."

Wenn Holzer spricht, scheint mit einem Mal alles möglich zu sein. Selbst eine amerikanische Präsidentengattin, die sich von einem österreichischen Bergbauern inspirieren lässt. Für Zweifel bleibt in der Küche kein Platz. Er könnte die Tür öffnen, und man würde ihm alles glauben, was er zeigt, die Kiwis, die Zitronen, die Kirschen mitsamt den 27 Kilogramm schweren Welsen auf einem Berg mitten im österreichischen Sibirien. Nur: Die Tür bleibt zu. Und das Paradies eine Beschreibung aus dem Mund seines Gärtners.

Es gibt ein Foto von Holzer im Burgenland. Mit hellem Hut und Gummistiefeln stapft er über ein frisch umgegrabenes Areal brauner Erde. Es ist schon einige Jahre alt. Es stammt vom Jena-Hof von Gertrud Barrada. Das Projekt zeigt die Macht der revolutionären Idee Holzers: in ihrem Scheitern.

Barrada fühlt sich von Holzer im Stich gelassen und verraten.

Seit fünf Jahren versucht sie zu beweisen, dass Holzer ihren Hof verwüstet hat. Auf 610 000 Euro Schadenersatz hat sie ihn verklagt; noch ist nicht entschieden. Barrada träumte von einem Selbstversorgerhof als Altersruhesitz. Eine Freundin erzählte ihr vom Krameterhof. Als Barrada 1997 eine der Führungen von Sepp Holzer hörte, kam sie immer wieder. Sie hatte als Immobilienmaklerin ein kleines Vermögen gemacht. Jetzt wollte sie ihren Traum wahr machen - nach den Ideen von Holzer.

Im Jahr 2001 kaufte sie einen Bauernhof. "Ein wunderschöner alter Hof. 15 Jahre hatte ich von so einem geträumt", berichtet sie. Sofort begann Barrada, ihn von Holzer umwandeln zu lassen. Ein Waldgarten mit Pilzzucht, einer Koppelwirtschaft für aussterbende Schweinerassen und einem Gehege für Hühner, Enten und Gänse - das war ihr Traum. "Im Grunde der Krameterhof im Kleinformat", sagt Barrada. Holzer ließ mit einem Bagger das Land umwälzen, baute Terrassen, legte Teiche an und bohrte tiefe Löcher auf der Suche nach Quellen. Ihr ganzes Vermögen setzte Barrada für diesen Traum ein, ohne viel von Landwirtschaft zu verstehen.

Es ging so ziemlich alles schief. Die Bäume trugen nicht, die Schweine brachen aus. Dann rutschte ein Hang ab. Heute seien Teile des Hofes nicht mehr zu betreten, sagt sie. Schuld sei die stümperhafte Anlage durch Holzer. "Ich war naiv", sagt Barrada.

"Alle meine Geschäfte habe ich überprüft, mich immer informiert, nur dieses eine nicht. Nach der Begegnung mit Holzer bin ich einem Perma-Rausch verfallen."

Wenn man ihn nach seinen Rückschlägen fragt, lächelt Holzer, über jeden Zweifel erhaben. Hundert Projekte habe er weltweit verwirklicht. Nicht alle waren erfolgreich. Doch Barrada wehrte sich mit Holzers eigenen Waffen: Sie klagte. Sie wandte sich an die Medien. Sie schrieb ein Buch, "Bittere Ernte" heißt es. Und sie musste erkennen, dass niemand Holzers Methoden besser beherrscht als ihr Erfinder. Acht Jahre später ist Barrada eine gebrochene Frau. Sie hat nicht nur ihr Vermögen verloren, sondern auch ihren Lebenstraum. Holzer habe inzwischen ihren Hof gekauft, aus der Insolvenzmasse, sagt sie, kommende Woche müsse sie ausziehen.

Abrakadabra Simsalabim wo ist die Zitrone hin?

"Ich mache Landschaftsgestaltung in großem Maßstab und nichts, wo es um eine Kräuterspirale im Garten geht. Das ist ein bisserl was anderes", sagt Holzer, "das kann man sich nicht einfach hinstellen lassen." Er scheint mit seiner Antwort zufrieden, faltet die Hände über dem Bauch. Die Biologin Florianne Koechlin schreibt in ihrem Buch: "Es imponiert mir, dass Sepp Holzer kein Schwärmer, kein ökologischer Schöngeist ist. Bei ihm muss sich alles rentieren." Tatsächlich betont Holzer immer wieder, dass er nur das mache, was sich rechne. Doch wie ermittelt er den Ertrag auf seinen Flächen?

Sofort ist Holzer hellwach, geht in Angriffsposition. Aus dem zufriedenen Bauern wird der wütende Rebell. Er beugt den Oberkörper vor, schlägt auf die Tischkante, seine Stimme hat eine Lautstärke, dass sie für drei Bauernküchen reichen würde. Das wird er nicht sagen, nicht einem Journalisten. Das solle man bei der Steuerbehörde nachfragen.

Draußen vor der Tür entdeckt man das große Becken, in dem in Fernsehdokumentationen die prächtigsten Speisefische dicht gedrängt durcheinanderschwimmen: Forellen, Karpfen, Störe. Es ist leer. Und der Kräuterberg ist von Schnee bedeckt.

Zeigen, was er macht, möchte der Bergbauer heute nicht mehr. Nicht seine Schweine, die selbst im Winter draußen leben, nicht die Gewächshäuser, nicht seine Vögel, nicht die Terrassen. So bleibt die Paradiesbesichtigung nicht mehr als ein kurzer Blick hinter die Pforte. Man solle doch die Filme angucken, sagt Holzer. Einer heißt "The Secrets of Eden". Das japanische Fernsehen hat ihn gedreht. Die Reporter mieteten einen Hubschrauber. Und damit sie auch etwas filmen konnten vom Geheimnis des Gartens Eden, mieteten sie einen Bagger, der Terrassen nach Holzers Art anlegt am Berghang. Das erzählt Sepp Holzer noch, dann verschwindet er im Haus. Er ist ein Zauberer, der seine Tricks nicht mehr vorführen muss. -