Auf der Alm, da wird gedudelt

Was dem Ami die Cola, ist dem Ösi der Almdudler. Nun soll die Bergbrause Deutschland erobern.




• Stolz führen Thomas Klein, Aufsichtsrat, und Gerhard Schilling, Geschäftsführer, ihre nagelneue Firmenzentrale im feinen 19. Wiener Bezirk vor. Es handelt sich um einen eleganten Bau aus Beton, Holz und Glas, der mit der charakteristischen Form der Almdudler-Flasche spielt und von einem Dachgarten mit echter Almhütte gekrönt wird. Und um die selbstbewusste Inszenierung einer der beliebtesten Marken Österreichs. Die blassockergelbe Brause ist quasi Nationalgetränk und dort nach Coca-Cola die meistgetrunkene Limonade.

Mit ihr und dem neuen, zur Krombacher-Gruppe gehörenden Vertriebspartner MBG wollen die beiden Herren jetzt den deutschen Markt erobern. Gerhard Schilling, der sein blau-weiß kariertes Hemd mit einem kalbsledernen Janker kombiniert, ist fürs Kaufmännische zuständig; Thomas Klein, der einen Künstlerschal zum goldenen Schneidezahn trägt, mehr fürs Repräsentative. Die kreative Ader hat er vom Vater geerbt, dem Erfinder des Almdudlers, der sich nebenher unter anderem als Kabarettist, Regisseur und Drehbuchautor betätigte. Thomas Klein eifert ihm nach: Zum jüngsten Trachtenpärchen-Ball des Unternehmens im Wiener Rathaus ging er als Almwiese.

Das erstmals zum 50. Firmenjubiläum 2007 veranstaltete Event erwies sich als großer Erfolg und wird nun regelmäßig wiederholt. Als Stargäste laden die Almdudler gern Deutsche (von manchen Österreichern despektierlich "Piefkes" genannt) ein. Nach Nina Hagen und Guildo Horn wird zur diesjährigen Gaudi Otto Waalkes erwartet, der bekanntlich gut jodeln kann.

Leicht ironische Loden-Folklore ist derzeit in. Bei der Werbung konzentriert sich das kleine Unternehmen auf derartige Veranstaltungen und massive Präsenz in ihrer natürlichen Umgebung: der Bergwelt. Denn, so Schilling, "die beste Werbeagentur kann die Atmosphäre einer Skihütte nicht vermitteln". Dort sollen die Urlauber sie leibhaftig kennen und schätzen lernen nach dem Motto: Österreich = urig = Almdudler.

Diese Strategie hat sich bewährt. In Bayern kennen bereits 90 Prozent der Kunden die Ösi-Limo, im Rest Deutschlands immerhin 50 Prozent. Ebenso wie ihren Heimatmarkt wollen die Almdudler den deutschen vor allem mithilfe von Gastronomen erobern, die es nach originellen Softdrinks dürstet. Hamburg und Berlin mit vielen experimentierfreudigen Szenekneipen sollen dabei als "Brückenköpfe" (Schilling) fungieren.

In gewisser Weise erinnert die Geschichte vom Almdudler an die der Bionade (vgl. brand eins 07/2003). Allerdings wollen die Österreicher, die seit jeher mit der "Natürlichkeit" ihrer 32-Alpenkräuter-Brause werben, nicht auf den Bio-Zug aufspringen. Ebenso wie Bionade hat Klein, dem die Firma gemeinsam mit Mutter und Schwester gehört, keine Angst vor großen Partnern, denkt aber nicht an Verkauf: "Wir bleiben ein Familienunternehmen." Viel mehr treibe ihn ein anderes Problem um, sein Kostüm für den nächsten Trachtenpärchenball am 18. September: "Sich selbst jedes Mal zu übertreffen, ist wahnsinniger Stress! " •

Der Wiener Sodawasserfabrikant Erwin Klein ist ein großer Kommunikator. 1957 überzeugt er rund 250 konkurrierende Firmen, seine Kräuterbrause in Lizenz zu produzieren. So kann der Almdudler mit dem Trachtenpärchen gleich landesweit angeboten und beworben werden. Nach einigen Prozessen gelingt es Klein zudem, den Namen – ursprünglich die Bezeichnung für Weinschorle – schützen zu lassen. 1983 stirbt der Gründer, und dessen damals 20-jähriger Sohn Thomas übernimmt mithilfe von Mutter und Onkel die Firma. Die Werbung wird intensiviert und der Kult-Claim "Wenn die kan Almdudler hab'n, geh i wieder ham" geboren. Ein Versuch von Coca-Cola, den Zwerg mit einer eigenen Kräuterlimo anzugreifen, scheitert. Stattdessen vertreibt der Gigant ab 1986 den Almdudler. 2004 zieht sich die Familie in den Aufsichtsrat zurück und übergibt die Geschäftsführung an Gerhard Schilling. Dass die Sprudelmacher auch etwas von Marken-Architektur verstehen, beweisen sie mit ihrer im Juni eröffneten Firmenzentrale. Almdudler Limonade A. & S. Klein GmbH & Co KG Mitarbeiter: 35
Absatz 2008: rund 80 Mio. Liter, davon in Deutschland: 15 Mio. Liter
Gesamtumsatz (inkl. Lizenznehmer): 50 Mio. Euro