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Die Genügsamen

Der Seifenhersteller Speick hat seinen Namen von einem seltenen Alpengewächs. Und lebt mit ihm in perfekter Symbiose.




• Irgendwann führt Wikhart Teuffel, Inhaber von Speick in Stuttgart-Leinfelden und Enkel des Firmengründers, zum Allerheiligsten. Im Labor werden verschiedene getrocknete Proben jener Pflanze gehütet, der die Firma ihren Namen verdankt. Das zur Gattung der Baldriangewächse zählende Kraut sieht unscheinbar aus und müffelt nach Schweißfüßen. Der aus Speik (so die neue Schreibweise für die Pflanze) gewonnene Extrakt verleiht der Seife und anderen Kosmetikprodukten einen ganz eigenen, herben Duft. "Entweder man mag ihn", sagt der Chef lapidar, "oder man mag ihn nicht." Der ranke Mittfünfziger macht einen gelassenen Eindruck, was auch daran liegt, dass er Nachahmer nicht fürchten muss. Er besitzt nicht nur das Recht am Namen der Pflanze in alter Schreibweise in Verbindung mit Kosmetika – sondern auch das Monopol auf das Kraut selbst.

Und das kam so: Echter Speik wächst in der Natur ausschließlich in den Kärntner Nockbergen in einer Höhe zwischen 1800 und 3300 Metern – und steht unter strengem Schutz. Wikhart Teuffel, unzufrieden mit aufwendig nachgezüchteten Pflanzen, mit denen sich die Familienfirma jahrzehntelang beholfen hatte, bemühte sich Mitte der achtziger Jahre, an diese Rarität heranzukommen. Nach zähen Verhandlungen mit österreichischen Behörden und einem wissenschaftlichen Feldversuch, der zeigte, dass eine behutsame Ernte dem Alpengewächs nicht den Garaus macht, bekam er eine Sondergenehmigung. Seitdem ernten zwei Bergbauernfamilien Speik, und zwar exklusiv für Speick. Über Mengen und Preise will Teuffel nichts verraten, nur so viel, dass es ein fairer Handel sei. Die Landwirte erwirtschaften sich ein schönes Zubrot; Speick kann seine Produkte mit dem Hinweis "aus kontrolliert biologischer Wildsammlung" schmücken. Und einer vom Wunsch nach dem Authentischen beseelten Naturkosmetik-Klientel eine schöne Story erzählen.

"Wir haben, was vielen Marken fehlt: echte Überzeugungen und eine echte Geschichte", sagt Teuffel. Der Bio-Boom kam ihm gerade recht, der Umsatz wuchs in den vergangenen Jahren stetig. Das Sortiment wurde auf rund 100 Artikel – von der klassischen Seife bis zum "Aktive Body Oil" – ausgeweitet. Zum 80. Firmenjubiläum vor einem Jahr unterzog man die Verpackungen einem sanften Relaunch und bezog ein neues Verwaltungs-und Laborgebäude samt lachsfarbenem Shop. Nach wie vor produzieren die Schwaben alle Produkte selbst, und wo Speick draufsteht, ist auch Speik in homöopathischer Dosis drin.

Es ist der einzige Kosmetikhersteller weltweit, der dieser Pflanze die Treue gehalten hat. Beide zeichnen sich durch eine gewisse Genügsamkeit aus: Der Speik gedeiht in der rauen Bergwelt, und die nach ihm benannte Firma macht in ihrem 81. Jahr gerade mal acht Millionen Euro Umsatz. Größe an sich sei nicht sein Ziel, sagt der Inhaber. Und rechnet vor, dass von den einst etwa 700 selbstständigen Seifenfabrikanten im Vorkriegsdeutschland bis auf eine Handvoll alle vom Markt verschwunden sind. "Aber uns", stellt er zufrieden fest, "gibt es noch." •

Speick ist ein Kind der Weltwirtschaftskrise. Sein Erfinder Walter Rau erlebt, wie der elterliche Betrieb Vereinigte Seifenfabriken in den zwanziger Jahren in Schwierigkeiten gerät und verkauft werden muss. Als er mit finanzieller Hilfe seines Vaters 1928 in seiner Heimatstadt Stuttgart neu anfängt, beschließt der Anhänger der Anthroposophie, einiges anders zu machen als zuvor. Statt auf Massenware – die damals übliche Kernseife setzt er auf ein Markenprodukt, statt auf Sauberkeit auf Körperpflege. Ein wichtiger Bestandteil ist die alte Heilpflanze Speik (Valeriana celtica), die schon die alten Ägypter vor 2500 Jahren für Wellness-Anwendungen nutzten. Um seiner Seife ein unverwechselbares Aussehen zu geben, färbt Rau sie mit Lebensmittelfarbe lachsrot ein. Das Waschstück mit der herben Note setzt sich rasch über die Grenzen Württembergs hinaus durch, später wird es von Fans wie dem Bergsteiger Luis Trenker beworben. Als Glücksfall erweist sich, dass der Speik 1936 unter Schutz gestellt wird, was den Raubbau an der Pflanze und den Welthandel damit abrupt beendet. Die Schwaben behelfen sich mit nachgezüchtetem Speik, zunächst aus Kärnten, später aus dem Schwarzwald. Bis sie 1986 exklusiv eine Sondergenehmigung zur Ernte der Wildpflanze erhalten – und damit selbst gleichsam unter Naturschutz stehen. Speick Naturkosmetik Mitarbeiter: 40 (plus 15 freie Vertriebler und Kosmetik-Referentinnen) Umsatz 2008: rund 8 Millionen Euro Bestseller: Speick Natural Seife