Flüchten, um durchzuhalten

Denken ist Arbeit, macht müde, kann Erkenntnis, Glück oder Trost bringen. Die meisten schotten sich dazu ab und wollen am liebsten ungestört sein. Andere bringen sich, um kreativ auf Touren zu kommen, vorher in Stimmung. Nur eines duldet Denken nicht: Stillstand. Wie einem das jeden Tag aufs Neue gelingt? Antworten aus vier verschiedenen Lebenswelten.




"Einen kühlen Kopf. Und ein Thema, das mich fesselt" Der Schriftsteller Feridun Zaimoglu, 44, hat seit seinem Debüt 1995 mit "Kanak Sprak" fast jedes Jahr einen neuen Roman oder ein Theaterstück veröffentlicht. Für ihn ist Denken und Schreiben Alltag - und sein Weg in die Freiheit. Dafür nimmt er mancherlei in Kauf. Und macht es sich nett.

"Am Anfang steht ein Format, eine Textlänge. Es arbeitet in meinem Kopf, aber ich höre es nicht rattern. Die Sprache und die Formulierungen fliegen mir eher zu. Schwieriger ist es, Ideen etwa für einen Roman zu finden, die richtigen Personen, Situationen, Dialogfetzen.

Denken hat viel mit Stimmung zu tun. Wenn ich arbeite, darf es nicht nach Arbeit aussehen. Früher habe ich in meiner Küche geschrieben, heute kritzele ich Ideen am liebsten auf das Brief papier von irgendwelchen Hotels. Wenn ich mir etwas ausdenke, ist das oft wie eine Erholung, weil ein Knoten platzt.

Das Schreiben selbst zehrt aus und erschöpft mich. Ich kann mich nur konzentrieren, wenn ich ein schönes Gefühl habe. Also habe ich mich entsprechend eingerichtet. Meine Wohnung in Kiel ist hell, mit viel Licht und weißen Schonbezügen auf dem Sofa.

Ich weiß, wann eine gute Zeit ist zum Schreiben - nach einem süßen Frühstück, etwa mit Berlinern. Es kommt auf Kleinig keiten an. Trotzdem rauche ich wie verrückt und trinke Kaffee. Bestimmt stelle ich mir zweimal am Tag die Sinnfrage.

Disziplin ist wichtig. Die erste halbe Stunde herrscht der Fluchtinstinkt, aber wenn ich einen Roman schreibe, dann jeden Tag zwei bis vier Seiten. Anschließend muss ich mich belohnen. Oder zwischendurch, wenn ich blass werde, Atemnot bekomme oder die Melancholie wie ein Vorschlaghammer zuschlägt. Dann setze ich mich auf die Fensterbank oder tobe mich an der Staffelei aus. Ein schönes Stück Fleisch in einem Steakhaus kommt auch gut, oder ein dreistündiger Spaziergang an der Kieler Förde. Da bläst die Brise einem die Birne frei. Oder ich kaufe mir einen Terrakotta-Gartenzwerg. Inzwischen habe ich eine ganze Sammlung.

Die stelle ich mir dann ins Regal. Ich will, dass es bei mir zu Hause nicht zu sehr nach Geist aussieht.

Dass mir nach so vielen Jahren noch immer etwas einfällt, hat viel mit meiner Kindheit zu tun. Ich bin ein Arbeiterkind: wenig Geld, wenig Platz, viel Lärm. Bei uns hieß es: nicht maulen machen! Heute lautet die Losung für mich: Schnauze halten schreiben. Natürlich ist Schreiben Leidenschaft, aber es ist auch mein Beruf, mit dem ich Geld verdiene. Weil ich schreibe, kann ich unabhängig leben. Schreiben ist mein Weg in die Freiheit, deshalb habe ich ein liebevolles Verhältnis dazu. Ich überbewerte Denken und Schreiben nicht, also habe ich weniger Angst davor. Deshalb habe ich auch wenige Blockaden.

Ich habe kaum Erwartungen an mich, auch das erleichtert die Sache. Ich habe nur den Wunsch, dass mir etwas gelingt. Wäre es anders, würde ich zu einem Mechaniker der Worte. Dann aber würde mir langweilig, und Langeweile lässt mich wirklich durchhängen. Deshalb kann ich nur über Sachen nachdenken, die mich fesseln. Würde ich nur Migrantengeschichten schreiben, wäre ich der Sache längst überdrüssig. Ich brauche zum Denken einen kühlen Kopf, aber ich muss Gefühle haben.

Zum Denken gehören immer die Folgen, und wer lange gut denken will, muss auch daran Gefallen finden. Es klingt pathetisch, aber bei mir ist es ein Kampf, all die Jahre. Ich werde gelobt, aber auch ausgelacht oder angemacht. Bei Lesungen stehen Leute einfach auf und gehen. Oder die Kritik geht unter die Gürtellinie. Zeitungen schreiben Verrisse. Es ist ein Risikospiel, jedes Buch kann zum Fiasko werden. Aber diese Unsicherheit hält mich wach, deshalb muss ich für Unsicherheit sorgen, darf nicht routiniert denken und schreiben. Abwechslung muss sein, nur dann bleibt der Strom der Unsicherheit bestehen. Wären Denken und Schrei ben reiner Spaß, würde mir das auch nicht helfen."

"Immer in Bewegung bleiben. Langeweile tötet das Denken" Taufe, Tod, Beerdigung: Wenn der katholische Pfarrer Markus Krell, 46, gerufen wird, geht es um extreme Gefühle. Krell muss sich in andere Leute einfühlen, muss die richtigen Worte für sie finden und darf sich nicht verlieren. Manchmal hilft der Glaube nicht mehr weiter. Aber die Modelleisenbahn.

"Leben und Tod, höchste Freude oder tiefste Verzweiflung darum geht es bei mir. Ich kann mich nicht immer vorbereiten. Bei Unfällen muss ich blitzartig da sein. Da bin ich froh, dass ich mich am Segensbuch festhalten kann, wenn ich den Toten segne. Dieses Ritual macht mich ruhig, sodass ich passende Worte finde.

Wenn man jeden Tag extremen Gefühlen ausgesetzt ist, ist es nicht leicht, innerlich stabil zu bleiben. Ich bin seit 20 Jahren Landpfarrer in Niederbayern, aber wenn ich 50 Beerdigungen im Jahr habe, setzt auch mir das zu. Die Schwierigkeit dabei ist, nicht mitzuleiden, zugleich aber nicht teilnahmslos zu sein. Und wenn es mich selbst mitnimmt, darf ich das nicht zeigen. Ich schaffe das nur, weil ich woanders das Herz ausschütten kann, bei meiner Haushälterin oder bei Freunden. Ich kann nicht nur geben, ich muss auch nehmen. Nur so bekomme ich den Kopf frei. Und manchmal muss ich mir einfach eingestehen, dass ich nicht mehr kann. Wenn Hinterbliebene plötzlich vor meiner Tür stehen und Trost suchen, lasse ich sie manchmal lange selber reden, weil ich dann weniger denken muss. Ich selbst bin in dem Moment einfach nicht fähig dazu.

Im Grunde sind es immer wieder dieselben Fragen, auf die ich Antworten finden muss. Standardsätze kann ich mir nicht erlauben, und das ist gut, weil es Langeweile verhindert. Langeweile tötet das Denken. Also mache ich aus den immer gleichen Anlässen immer wieder etwas Neues. Gestern zum Beispiel habe ich eine Dame beerdigt, die ihr Leben lang Trachtenmuster entworfen hat. Muster, das fand ich interessant. Also haben wir etwas mit indianischen Trachten gemacht. Bei mir sind Leute auch schon um den Altar getanzt. Kreativ mit den immer gleichen Fragen umgehen - so halte ich mein Interesse wach.

Dass ich gedanklich noch nicht erstarrt bin, hat etwas mit Dankbarkeit zu tun. Denken - danken, das klingt nicht zufällig ganz ähnlich. Ich bin dankbar dafür, dass ich so intensiv mit den Menschen lebe, ihnen in einschneidenden Situationen helfen kann. Das macht mich zufrieden, nur so kann ich mich in andere Menschen hineindenken.

Ich bin nicht besonders fromm. Die Kraft des Glaubens allein reicht bei mir nicht aus. Indem ich für andere denke, beantworte ich mir auch eigene Fragen. Etwa die, wie ich selbst mit einer schweren Krankheit umgehen könnte. Wenn ich sehe, was andere Leute meistern, stärkt mich das ganz persönlich.

Ich hätte nie gedacht, dass so viel Denkarbeit auf mich zu kommt. Manchmal wird es einfach zu viel. Das habe ich lernen müssen. Ich habe es gemerkt, weil ich plötzlich Widerwillen verspürte beim Denken. Seitdem lasse ich mich nicht mehr zum Nachdenken zwingen. Trauungen außerhalb meiner Gemeinde lehne ich ab. Und ich bin kein Müllabladeplatz. Deshalb zünde ich bei endlosen Trauergesprächen irgendwann die Kerze an und spreche das Schlussgebet. Wenn mich Gemeindemitglieder besuchen, nur weil sie nichts anderes zu tun haben, schicke ich meine Haushälterin vor. Ich muss mit meinen geistigen Kräften haushalten.

Deshalb greife ich auch auf Hilfen zurück, etwa beim Predigt schreiben. Ich habe Predigtbücher in meinem Computer einge scannt und bediene mich daraus gern wie aus einem Baukasten. Die Textbausteine an einen konkreten Fall anzupassen kostet nicht so viel Kraft. Das Schreiben muss schnell von der Hand gehen, denn ich muss mich wieder entspannen, auf andere Denkpfade kommen. Ich brauche Gegenwelten, um den geistigen Kollaps zu vermeiden. Inlineskaten zum Beispiel, da gleitet man so schön. Gestern bin ich auf einen Berg gestiegen - wenn ich mich bewege, bleibe ich auch geistig beweglich. Und ich habe eine Modell eisenbahn. Da geht es nicht darum, nur im Kreis zu fahren. Ich gestalte Landschaften aus Moos, Gräsern, Bäumen. Je diffiziler, umso besser. Dabei kann ich total abschalten. Auch ein Seelsorger ist nicht immer im Dienst."

"Kann man, solange man lebt, den Kopf ausschalten?" Helmut Eschrig, 67, ist Theoretischer Physiker. Er sucht Denkmodelle, mit denen man die Welt erklären kann, und versucht Vorhersagen, wie sich Materialien verhalten werden. Sein Spezialgebiet sind die festen Stoffe, ihre Struktur, ihr chemisches und magnetisches Verhalten. Eschrig braucht Fantasie, klaren Verstand und Ruhe. Deshalb denkt er gern allein. Und motiviert sich durch Erkenntnis.

"Viele Leute glauben, Theoretische Physik sei eine fürchterlich abstrakte Angelegenheit, aber für mich ist es ein ganz ähnliches Denken wie im Alltag. Das muss man erkennen, sonst blockiert man gegenüber solchen Fächern. Für meine Denkarbeit brauche ich kein überdurchschnittliches Gedächtnis, aber viel Fantasie und Assoziationskraft. Ich würfele mit Bekanntem, bis ich einen Knackpunkt finde und etwas Neues erkenne, etwa eine unbekannte Verknüpfung. Das ist oft Zufall, aber den muss ich wahrnehmen und weiterverfolgen.

Manche meinen: Jetzt setzt sich jemand hin und ist innovativ, entdeckt etwas Neues. Aber das ist Unsinn. Wirklich neue Ideen kann man nicht planen. Es gehört viel Intuition dazu. Ich denke in Bildern, das ist für meine Arbeit von Vorteil. Viele Physiker denken in Bildern. Wenn ich arbeite, heißt das denken und rechnen. Da bin ich allein mit mir. Denken ist eine individuelle Sache. Deshalb halte ich auch nicht viel von Brainstorming. Richtig gute Leute entwickeln dabei nur halb so viele Ideen wie einer allein. Ich brauche nicht viel, um ausdauernd und kreativ zu denken. Vor allem Ruhe. Ein Großraumbüro geht also gar nicht.

So sitze ich dann total konzentriert über meinen Papieren, für Stunden oder Wochen. Das geht durchaus bis zur völligen Erschöpfung, wie bei einem Spitzensportler. Das setzt sich auch während anderer Tätigkeiten fort, früher zum Beispiel beim Radfahren. Ich nehme meine Gedanken auch mit ins Bett. Das Denken ist stets angeschaltet, es ist wie ein Selbstgespräch. Das finde ich spannend. Zum Glück akzeptiert meine Familie, dass ich abends mitunter nicht ansprechbar bin.

Besondere Disziplin oder einen festen Tagesablauf habe ich mir nie aufgezwungen. Aber Kommunikation mit Kollegen ist wichtig, das erweitert den Horizont. Auch die Lehre mit den Studenten ist entscheidend für das eigene Denken. Ich habe an Samstagen zudem Vorträge für Laien gehalten, etwa über die Physik der Töne. Oder beim Dresdner Wissenschaftstag in der Fußgängerzone erklärt, was wir eigentlich tun. Wer etwas er klären muss, versteht die eigenen Gedanken besser, schärft sein Denken. Wer schärfer denkt, hat aber auch mehr Erfolge. Und mit jedem Erfolg steigt die Motivation. Die Belohnung für mein Denken ist jede neue Erkenntnis. Da muss ich mich nicht noch extra erholen.

Um das lange durchzuhalten, darf man sich nicht verbeißen.

Das ist die einzige Erwartung, die ich an mich habe: Mir keine unlösbaren Aufgaben zu stellen, denn das erzeugt Frust. Wenn ich mich festfresse, suche ich mir ein anderes Problem, über das ich nachdenken kann. Ebenso, wenn mich ein Problem zu langweilen beginnt. Dass ich niemals wirklich wissen werde, was die Welt zusammenhält, empfinde ich eher als Glück. Denn das bedeutet immer wieder neue Denkfelder, es wird also niemals langweilig. Als Denker muss ich mir offene Fragen stellen, um mich zum Denken anzuspornen. Für mich ist Theoretische Physik wie ein Krimi.

Die Physik ist meine Begabung, aber sie war niemals mein einziges Interesse. Das ist vielleicht auch ein Grund dafür, dass ich mit dem wissenschaftlichen Denken bis heute keine Probleme habe. Wie das mit dem Assoziieren genau funktioniert, kann auch ich nicht erklären. Aber je weiter mein Horizont ist, umso mehr Dinge fallen mir ein, wenn ein Impuls kommt. Deshalb habe ich mich niemals nur auf das beschränkt, wofür ich bezahlt wurde. Algebra oder Quantenphysik - ich wollte immer wissen, was abgeht. Politische Geschichte interessiert mich. Auch ein normales Leben mit meiner Familie war mir immer wichtig. Ich habe auf Wanderungen gemeinsam mit den Kindern gezeichnet und eine Weile für mich selbst Aquarelle gemalt. Das hat sich alles so erge ben. Kann man denn seinen Kopf ausschalten, solange man lebt?"

"Gedanken entwickeln sich aus dem Empfinden" Karen Heumann, 44, ist Vorstandsmitglied der Werbeagentur Jung von Matt. Sie beschäftigt sich mit Marken: Was eine ausmacht, wo sie steht, wo sie hinwill, wo sie stehen sollte, wie sie dorthin kommt - darüber denkt sie nach. Und hat nebenbei festgestellt: Manchmal hilft Träumen.

"Ich muss den ganzen Tag Gedanken produzieren und sie kommunizieren, mit Kunden und Mitarbeitern. Zeitgleich in verschiedenen Projekten in unterschiedlichen Entwicklungsstufen. Eine heftige Tour de Force des Geistes. Schöpfen und geben zugleich, das ist sehr anstrengend. Die Leute glauben oft, ich hätte ein Rezept. Aber ich suche selbst noch danach.

Mein Tag ist bestimmt von Terminen im Halbstundentakt.

Für feste Denkrituale fehlt mir die Zeit. Für mein Denken brauche ich Intuition. Ich habe glücklicherweise meist bereits ein inneres Bild von einer Marke. Das muss ich wachrufen können. Diesen Muskel habe ich trainiert, ohne dass mir das bewusst war. Ich habe immer alles wie ein Schwamm in mich hineingesaugt. Ich erspüre, wie die Dinge auf mich wirken, ein Restaurant, eine Marke. Mein Denken speist sich aus meinem Empfinden.

Um kreativ und zielgerichtet denken zu können, braucht man ein Fundament, auf dem die Gedanken stehen. Bei mir ist es das "Schwammsein" und dazu die Gabe, meinen Gedanken eine Struktur zu geben. Ich versuche, Gedanken zu fangen. Überall hängen Zettel mit Ideen. Auch mein Handheld ist voll davon. Mitunter schreibe ich mir E-Mails, um einen Gedanken nicht zu verlieren. Die richtigen Gedanken kommen wieder, wenn ich sie brauche. Ich sammle Gedanken so, wie ich Kleider kaufe. Ich kaufe, was mir gefällt, und nicht das, was ich eigentlich brauche. Irgendwann, und sei es nach drei Jahren, möchte ich es dann tragen. Diese Art zu denken ist eher Surfen als Wandern. Wie man denkt, ist entscheidend dafür, wie sehr es einen ermüdet. Mein Weg bedingt ein gewisses Maß Unsicherheit, aber dafür gewinne ich geistigen Spielraum. Mir fallen Gedanken zu. Es ist wie ein Füllhorn, aus dem ich schöpfe.

Wenn ich beim Denken nicht weiterkomme, spüre ich ein Gefühl von Beklemmung im Kopf. Meistens dann, wenn ich keine eigene Meinung entwickeln kann, etwa zu einer bestimmten Markenstrategie. Dann kann man grübeln oder drüber schlafen, aber ich sage es meinen Kunden mittlerweile, wenn ich nicht sicher bin. Das entlastet mich und meinen Kunden, weil klar wird, dass niemand den Allwissenden machen muss.

Um sich die Kraft für das Denken über Jahre zu erhalten, dürfen die Quellen dafür nicht versiegen. Eine wichtige Quelle bin natürlich ich selbst. Deshalb muss ich mich zurückziehen. Ich bin gern richtig allein. Das ist ein Problem, denn ich habe dafür eigentlich keine Zeit. Aber ich gehe Mittag essen, mache die Tür zu. Ein Einzelbüro muss sein. Einmal im Jahr fahre ich für zwei Wochen weg, irgendwohin, wo Handys verboten sind. Dort überlasse ich mich dann meinen Gedanken. Ansonsten lese ich viel oder döse herum, leider viel zu selten, das empfinde ich als schmerzhaft. Und ich telefoniere wenig. Bei meinen Freunden melde ich mich alle drei Wochen. Das ist kümmerlich, aber sonst hätte ich keine Zeit zum Alleinsein.

Was mich immer wieder zum Denken inspiriert, sind Gespräche. Zeitunglesen wirkt bei mir auch wie ein Gespräch. Es ist ein Dialog mit den Gedanken anderer Leute. Ich muss erkennen, wie die Dinge wirken. Dafür brauche ich verschiedene Pers pektiven.

Denken kostet mich Kraft. Die Körperenergie darf nicht versiegen. Darin bin ich nicht perfekt. Ich schlafe zu wenig, und ich verschwende Energie, weil ich ständig kritzele und denke. Ich habe keine innere Bremse, das ist anstrengend. Aber mein Füllhorn darf nicht versiegen. Andere sind da sicher viel klüger als ich, aber ich mache jetzt Pilates, das ist schon mal was.

Gut wäre, wenn ich mehr Zeit hätte für das, was die größte Erholung für mich ist: Träumen. Ich träume auch mal bei Mee tings, gucke interessiert, spinne aber eigentlich meine Gedanken. Nur kann das nicht die Regel sein. Wobei denken und träumen für mich keine Gegensätze sind. Wenn ich über eine Marke nachdenke, entstehen bei mir Gefühle. Ich bilde Assoziationsketten. Was, wenn die Firma ein Land wäre? Wie würden die Mitarbei ter dann dort leben? Das ist so ein Traum, bei dem mir gar nicht bewusst wird, dass ich gerade denke."-