Der Rolli-Unternehmer

Manfred Sauer ist ein Mensch, der Barrieren nicht akzeptiert. Porträt eines Ausbrechers.




- Manfred Sauer, der Mann mit den vier Leben, scheint locker in seinem Bürosessel zu sitzen. Er lächelt verschmitzt, über ihm an der Wand macht eine Loriot-Karikatur, ebenfalls am Schreibtisch sitzend, das Gleiche. "Das Wichtigste an diesem Männchen ist, dass der Gegenüber zum Schmunzeln angeregt wird. Das entspannt die Atmosphäre", sagt Sauer. Seine Sekretärin serviert Kaffee, verlässt den Raum, lässt die Tür offen stehen. Man könnte erwarten, dass Sauer sich aufschwingt, die zwei Schritte zur Tür geht und diese zuzieht. Doch er geht schon lange nicht mehr, schon seit 46 Jahren nicht.

Mittlerweile befindet sich der 65-Jährige in seinem vierten Leben. In seinem dritten hat er in dem idyllisch gelegenen Lobbach bei Heidelberg ein Unternehmen mit rund 280 Mitarbeitern aufgebaut. Größter Gewerbesteuerzahler, größter Arbeitgeber der 2400-Einwohner-Gemeinde, wie der Bürgermeister Heiner Rutsch sagt. Die Gemeinde dankte es Sauer im Jahr 2007 mit der Ehrenbürgerwürde. Doch auch wenn der sich im Unternehmen noch immer wie der Chef bewegt, geschwind am Telefon ein Einstellungsgespräch mit einem Koch führt und sich von seiner Sekretärin über anstehende Termine informieren lässt: Die Firma gehört ihm seit 2001 nicht mehr. Eigentlich, zumindest juristisch aber der Abschied fällt schwer.

Wer diesen Mann verstehen will, der muss zu seinem ersten Leben zurückkehren, das an jenem 27. Juli 1963 mit einem Sprung in die Themse so unheilvoll endete. Vielleicht wäre er Landwirt geworden, wenn es in London diesen "Knacks" nicht gegeben hätte, wie Sauer den Unfall heute salopp nennt. Sein Vater war spät aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt. Der Junge wuchs deshalb zunächst mit seinem sechs Jahre älteren Bruder auf dem Bauernhof seines Onkels in Westfalen auf. Im Jahr 1952 eröffnete der Vater eine Augenarztpraxis in Bocholt, die Familie zog um, der um neun Jahre jüngere Bruder wurde geboren.

Dann der erste Schicksalsschlag: Im Jahr 1954, Sauer war gerade zehn Jahre alt, verunglückte die Mutter tödlich bei einem Autounfall. Er kam auf ein katholisches Internat bei Kelheim an der Donau. Noch bevor er dorthin wechselte, prägte der Vater mit seinen Erziehungsmethoden die Einstellung des Jungen zum Geld: "Mein Vater hatte ein ausgeklügeltes System entwickelt, um den Haushalt zu versorgen. Wir verdienten unser Taschengeld mit Heizungsdienst, indem wir Fahrräder putzten oder Pfandflaschen abgaben. So lernten wir den Wert des Geldes schätzen."

Vielleicht wurde damals das Unternehmer-Gen in den Jungen gepflanzt, das später seine Wirkung entfalten sollte.

Als Heranwachsender war Manfred von der Arbeit in der Landwirtschaft begeistert. Die Ferien verbrachte er auf dem Bauernhof seines Onkels und packte dort mit an. Mit der Schule nahm er es dagegen nicht so genau. Eine Drei war für ihn eine sehr gute Note, eine "Ehrenrunde" auf dem Gymnasium eine Selbstverständlichkeit. Nach der zehnten Klasse wollte er unbedingt Bauer werden. Sein Vater war davon nicht begeistert, fand, er solle zunächst sein Abitur machen und dann Landwirtschaft studieren. Eine Fünf in Englisch schließlich führte zu dem Entschluss des Vaters: "Diese Sommerferien gehst du nicht in die Landwirtschaft. Du lernst Englisch in London."

Das folgenschwere Ereignis in der britischen Hauptstadt schildert Sauer heute folgendermaßen: "Das war mein zweiter Sprung in die Themse. Dieses Mal kam mir ein Pudel in die Quere. Ich wich aus, sprang von einer anderen Stelle. Seemannsköpfer, Hände nach hinten, auf eine Sandbank gedonnert und die Halswirbelsäule gebrochen."

Der damals 19-Jährige wurde bewusstlos aus dem Fluss gerettet. Und hatte Glück im Unglück: Er wurde von Sir Ludwig Guttmann behandelt, einem Pionier auf dem Gebiet der Rehabilitation von Querschnittgelähmten. Als Manfreds Vater den jüdischen, vor den Nazis aus Breslau geflohenen Arzt nach den Aussichten seines Sohnes fragte, antwortete Guttmann prophetisch: "Ich mache Ihren Sohn zum Steuerzahler." Nach einem halben Jahr wurde der Junge aus dem Krankenhaus entlassen. Zur dama ligen Zeit waren nach ähnlichen Unfällen Klinikaufenthalte von mehreren Jahren nicht selten.

Erst in Deutschland wurde Manfred Sauer klar, was mit ihm geschehen war. Er wurde in eine Behinderteneinrichtung eingewiesen, "ein Krüppelheim" in Westfalen, wo er eine kaufmännische Lehre absolvierte. "Anfangs war es sehr deprimierend. Ich habe Rotz und Wasser geheult." Doch Sauer arrangierte sich, zunächst mit seiner Behinderung, dann mit dem Heim und seinen Mitbewohnern. Er war in seinem zweiten Leben angekommen und bereitete nahezu unmerklich sein drittes Leben vor.

Der Gründer beginnt mit nichts als einer Idee und ein paar Schuhkartons im Behindertenheim

Wer querschnittgelähmt ist, leidet nicht nur darunter, dass er seine Extremitäten nicht mehr bewegen kann. Weil die Nervenbahnen im Rückenmark durchtrennt sind, ist die Empfindungsfähigkeit gestört, Blase und Darm lassen sich nicht mehr kontrollieren. Darunter leiden Querschnittgelähmte besonders stark. Wer jederzeit damit rechnen muss, dass sich seine Blase unkontrolliert entleert, neigt dazu, soziale Kontakte zu meiden, sich abzukapseln. Um das Inkontinenzproblem in den Griff zu bekommen, trugen Querschnittgelähmte Windeln oder ließen sich Hartgummi-Urinale umschnallen. Doch diese Hilfsmittel führten zu Hautirritationen und -verletzungen. Und vor allem: Sie rochen mit der Zeit unangenehm oder schlossen nicht immer dicht. Auf der Kleidung konnten plötzlich Urinflecken auftauchen.

Manfred Sauer wusste, dass es auch anders geht. Er hatte während seines Klinikaufenthalts in England Kondome verwendet, die mit der Haut verklebt wurden. Diese waren in Deutschland unbekannt. "Ich brachte diese Idee aus England mit und habe sie weiterentwickelt."

Dem 19-jährigen Manfred ging es zunächst darum, sein persönliches Problem in den Griff zu bekommen. Er besorgte sich die notwendigen Materialien und bastelte sich ein Kondom-Urinal. Schwierig war es, an einen hautverträglichen Kleber heranzukommen. Sauer schrieb sämtliche Klebstoff-Firmen in Deutschland an - vergeblich.

Also beauftragte er irgendwann einen Chemiker damit, einen hautverträglichen Klebstoff zu entwickeln. Damit sich die Investitionen lohnten, stattete er auch andere Querschnittgelähmte in seiner Behinderteneinrichtung und später darüber hinaus mit Kondom-Urinalen aus. Dazu besorgte er sich heimlich einen Gewerbeschein in seiner Heimatstadt Bocholt. Seine Firma bestand zu diesem Zeitpunkt aus mehreren Schuhkartons unter seinem Bett, in denen er die Materialien für die Kondom-Urinale sowie den Schriftverkehr ver staute. Heimleiter, Ausbilder und Betreuer durften von alledem nichts wissen.

Zwei Jahre lang ging das gut, obwohl Manfred Mitbewohner des Heimes in die Produktion mit einbezog, indem sie etwa heimlich auf der Offset-Maschine der Übungsfirma sein Geschäfts papier druckten. Die Sache flog auf, als eines schönen Tages ein Vertreter in der Behinderteneinrichtung auftauchte, der die Firma Sauer suchte. "Sauer? Eine solche Firma gibt es hier nicht. Unser Lehrling heißt Sauer."

Schließlich führte der Jüngling die Preisverhandlungen mit dem Vertreter im Büro des Heimleiters. Dass man ihn nicht der Einrichtung verwies, verdankte Sauer seinem Ausbilder, der sich für ihn einsetzte - sowie der Tatsache, dass sein Vater Privatzahler war und man auf diese Einnahmen nicht verzichten wollte.

Nach der Ausbildung kam Sauer in dem neu geschaffenen Rehabilitationszentrum für Querschnittgelähmte der Universität Heidelberg unter. Eine Stelle im öffentlichen Dienst also, ein Glücksfall, wie seine Freunde und Angehörigen meinten. Für Sauer bestand der Glücksfall jedoch im Wesentlichen darin, dass er in dieser Zeit seine Frau kennenlernte, mit der er 33 Jahre lang verheiratet war. "Der öffentliche Dienst hat mich krank gemacht", sagt er. "Dort beginnt der Kommunismus."

Fast zehn Jahre lang harrte er dort aus, baute eine Übungs firma auf und leitete diese neun Jahre lang. Doch je größer seine Unzufriedenheit wurde, desto mehr Raum nahm sein Nebenerwerb ein. Aus der Schuhschachtelfirma wurde eine Garagen firma, aus dem Ein-Mann-Unternehmen eine Firma mit zwei teilzeitbeschäftigten Frauen. Das Gewerbe dehnte sich bald auch auf die zwei Zimmer seiner Wohnung aus. "Hobbys gab es damals für Manfred Sauer keine", erinnert sich Mechthild Blum, Mitarbeiterin der ersten Stunde. "Er kannte nur die Firma."

Wegen der beruflichen Doppelbelastung war Organisations talent gefragt. Bevor Sauer zur Arbeit ins Rehabilitationszentrum ging, sprach er für seine beiden Damen auf Band, welche Arbeiten zu erledigen waren. Kam er am Abend zurück, legte er selbst mit Hand an. Schließlich nahm das Geschäft eine Größe an, die nicht mehr nach Feierabend zu bewältigen war.

Ein Jahr lang dauerten die Geburtswehen seines dritten Lebens, so lange managte Manfred Sauer sein Unternehmen, während er halbtags in der Klinik arbeitete. Doch dann musste die Entscheidung her. "Diese Zeit war für mich mit vielen Ängsten verbunden", erinnert er sich. Ist der Schritt aus dem Angestelltendasein in die Selbstständigkeit für einen gesunden Menschen schon schwierig, so trifft das umso mehr auf einen Körperbehinderten zu. Freunde, Bekannte, Verwandte, auch die Ehefrau rieten ihm davon ab, priesen die materielle Sicherheit, die der öffentliche Dienst bietet. Manfred Sauer ließ sich nicht beirren. 1974, im Alter von 30 Jahren, kündigte er.

27 Jahre lang sollte dieses dritte Leben dauern. Die Manfred Sauer GmbH zog in dieser Zeit aus dem Dörfchen Dilsberg in das Gewerbegebiet der wenige Kilometer entfernten Gemeinde Lobbach. Sauer sagt. "Das Charakteristische unserer Firma: Wir haben uns streng auf eine Zielgruppe ausgerichtet."

Eine kleine, für lange Zeit wenig beachtete Zielgruppe. Sauer schätzt, dass rund 100 000 Querschnittgelähmte in Deutschland leben. Zunächst fertigte das Unternehmen Kondom-Urinale und hautverträglichen Kleber, bald folgte die Produktion von hautver träglichem Klebeband, selbstklebenden Kondomen, Blasenkathetern sowie Urinbeuteln. Anfangs kaufte Sauer sämtliche benötigten Materialien zu. Aus Qualitätsgründen änderte er das nach und nach. Heute verfügt die Firma über eine eigene Fabrik für Spritzgussteile sowie über Tauchanlagen für Latex und synthetische Kunststoffe.

Fast ein Fünftel seiner Belegschaft ist schwerbehindert, alle acht Außendienstmitarbeiter sind querschnittgelähmt. Und die Leute scheinen den Humor ihres Chefs zu teilen: "Vom Steg aus in den See und knack", liest man in einer Selbstdarstellung auf der Firmen-Homepage. Oder: "Zu schnell von der Leiter gestiegen, seitdem rollend."

Möglichst dicht an den Problemen und Bedürfnissen der Querschnittgelähmten dran: Dieses Prinzip führte vor rund 20 Jahren auch zu dem Geschäftszweig "Rollimoden - Mode, die im Sitzen sitzt" gründete. Denn in herkömmlichen Kleidungsstücken funktionieren die Ableitungssysteme der Urinale nicht so gut. Hosen sind zu eng, Reißverschlüsse zu kurz. Und der Bund konventioneller Beinkleider drückt beim Sitzen. Außerdem: Wozu tragen Querschnittgelähmte Schuhe mit stabilen, abriebfesten Sohlen, wenn sie doch nicht gehen können? Für diesen Personenkreis ist es viel wichtiger, dass die Schuhe über weiches Obermaterial verfügen. Und auch mit Bade-Capes tun sich Rollstuhlfahrer leichter als mit Bademänteln. Also lässt Sauer Kleidung für Rollstuhlfahrer in modischem Schnitt entwerfen. Das Unternehmen besitzt eine eigene Näherei für die Modell-, Maß- und Son deranfertigung. Die Serienproduktion vergibt man außer Haus.

Heute blicken viele bewundernd auf das Lebenswerk des querschnittgelähmten Unternehmers. In der Anfangszeit jedoch fühlte der sich häufig von Geschäftspartnern nicht ernst genommen. Als er beispielsweise mit seinem Bruder durch das Ruhrgebiet fuhr, um Schläuche für Urinal-Kondome zu kaufen, bekam er, der arme Behinderte, alle geschenkt. Einige Jahre später reiste Sauer nach Frankfurt zu einem Lieferanten, um sich über eine Anlage

zur Herstellung von Kondomen zu informieren. Man musste ihn die Treppen zum Büro des Verkaufsleiters hochtragen. "Da sind Sie von Anfang an in einer hilfsbedürftigen Situation." Man glaubte nicht an den Erfolg seiner Unternehmung und verkaufte ihm deshalb die Maschinen nicht. Sauer musste seine erste Anlage autodidaktisch selbst bauen. Seitdem lässt er die Lieferanten zu sich nach Lobbach kommen.

Vom Unternehmer zum Stifter: das neue Abenteuer des Manfred Sauer

Auch wegen solcher Erfahrungen ist Sauer gegen Regelungen, die Behinderten nützen sollen, zum Beispiel den erweiterten Kündigungsschutz oder das Recht auf mehr Jahresurlaub. "Diese Gesetze sind kontraproduktiv, das sind Barrieren." Stattdessen sollten Behinderte behandelt werden wie andere Menschen auch. "Ein Unternehmer kann ja nichts dafür, dass einer im Rollstuhl sitzt." Vertreter von Gewerkschaften und Sozialverbänden, die diese Sonderrechte verteidigten, nennt er "Berufsbehinderte" und sieht sie als Teil einer "militanten Behindertenbewegung".

Als Ende der neunziger Jahre ein Konzern Sauers Firma kaufen wollte, war das Anlass für ihn, über sein viertes Leben nachzudenken. "Denen ging es nur ums Geld. Die wollten unsere Produkte, unsere Kunden haben. An dem Standort in Lobbach lag denen nichts."

Da Sauer keine Kinder hat und er sein Unternehmen nicht verkaufen wollte, kam für ihn nur eine Stiftung infrage. Er entschied sich für ein Modell, das an dem der Robert Bosch Stiftung orientiert ist. Im Jahr 2001 übertrug er sowohl seine Firma als auch sein gesamtes Privatvermögen der Manfred-Sauer-Stiftung. Er blieb Geschäftsführer der GmbH und erhält seitdem ein Gehalt beziehungsweise eine Pension: Die Stiftung ist für das materielle Wohl des Stifters und seiner geschiedenen Frau bis zu deren Lebensende verantwortlich.

Ursprünglich sollte der Stiftungszweck sein, die Leistungsbereitschaft von Querschnittgelähmten zu fördern. Doch Sauer erkannte, dass auch Jugendliche und Alte, ja eigentlich alle Leute ähnliche Probleme haben. "Nach meinem Unfall war ich auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen", sagt er. "Jetzt zahle ich eine Menge Steuern. Ich gebe etwas zurück. Das schafft ein gutes Gefühl."

Dieses Gleichgewicht von Geben und Nehmen und das gute Gefühl, das dadurch entsteht, soll Manfred Sauers Stiftung weitergeben. Sie will in jungen und alten, behinderten und nicht behin derten Menschen verborgene Talente wecken, kreatives Gestalten fördern und zu sinnstiftender Lebensgestaltung anregen. Zwar liegt der Schwerpunkt der Arbeit nach wie vor auf der Förderung von Körperbehinderten. Aber der Horizont ist weiter. Die Stiftung will "zu einem barrierefreien Miteinander von Menschen im Rollstuhl und Fußgängern beitragen und Impulse für bewusstes Leben geben". Innerhalb von vier Jahren ließ Manfred Sauer auf dem Firmengelände einen neuen Gebäudekomplex errichten.

Darin befinden sich Räume für Physiotherapie, Saunen, Bäder, Übungsküchen und Werkstätten für Holz-, Stein-, Metall-, Papier-, Glas- und Lederbearbeitung sowie Übernachtungsmöglich keiten. Kurse zu Handwerkstechniken und gesunder Lebensführung stehen jedermann offen. So werden etwa die Schüler der örtlichen Grund- und Hauptschule an Handwerkstechniken herangeführt, damit ihnen die spätere Berufswahl leichter fällt.

Will man Manfred Sauer als Unternehmertyp beschreiben, so ist er wohl eher Familienvater als Patriarch für seine Belegschaft. "Er ist sehr sozial eingestellt, sieht in jedem Menschen das Gute. Wir haben auch bei ihm zu Hause Feste gefeiert", sagt die 72jährige Mechthild Blum, die seit Unternehmensgründung insgesamt 21 Jahre lang für Sauer tätig war. Als Dank dafür hat Sauer sie zur "Ehrenmitarbeiterin" ernannt.

Matthias Uhl, ein Bauingenieur, mit dem Sauer seit elf Jahren alle Gebäude seiner Firma und der Stiftung errichtet, hat den Unternehmer als offenen, optimistischen und neugierigen Menschen kennengelernt. Doch Uhl erkennt auch Schwächen: "Er lässt seinen Mitarbeitern nicht immer genügend Freiraum, damit diese kreativ werden können. Zum Beispiel redet er in der Küche dem Koch in seine Rezepte hinein."

Trotz harter Arbeit hat sich Sauer eine Leidenschaft aus seiner Jugend bewahrt, nämlich die für alte landwirtschaftliche Gerätschaften. So befinden sich unter anderem einige historische Traktoren, Eggen und Heuwender in seinem Besitz. Sollte er eines Tages in den Ruhestand wechseln, will er einen Parcours mit solchen Gerätschaften aufstellen, damit die Menschen sehen können, wie man früher in der Landwirtschaft gearbeitet hat.

Doch an den Ruhestand denkt Manfred Sauer noch nicht.

Zwar ist er in diesem Jahr pünktlich zu seinem 65. Geburtstag aus der Geschäftsführung der Manfred Sauer GmbH ausgeschieden und in den Vorstand der Stiftung gewechselt. Doch das operative Geschäft lässt ihn nicht los. Berufs- und Privatleben bleiben weiterhin untrennbar verbunden. Auf dem Schreibtisch in seinem Büro liegen zoologische Bücher, im Regal stehen Kochbücher, an den Wänden hat der Kunstliebhaber farbenfrohe Gemälde anbringen lassen.

Auch wenn die Loriot-Karikatur zurückbleiben muss, sollte Manfred Sauer sich eines schönen Tages tatsächlich aus seinem Unternehmen vollständig zurückziehen - seinen speziellen Humor wird er sicherlich mitnehmen. Als seine Sekretärin während des Gesprächs den Raum verlässt und die Tür etwas heftiger zuzieht, wippt eine überdimensional große Metallspinne von der Decke und scheint die Anwesenden anzugrinsen. Der Besucher schaut irritiert, Sauer schmunzelt: "Warum ich die Spinne aufgehängt habe? Ganz einfach: weil das witzig ist."-