Es läuft und läuft und läuft

Das Bobby Car macht den Nachwuchs seit Jahrzehnten mobil. Und die Autoindustrie neidisch.




• Nein, an eine Abwrackprämie für das Bobby Car nach dem Vorbild der Automobilbranche werde nicht gedacht, beteuert Uwe Weiler, Geschäftsführer des Spielwarenherstellers Simba Dickie. Erstens, analysiert der jugendliche 50-Jährige ganz trocken, lohne sich diese Form der Absatzförderung angesichts eines Verkaufspreises von um die 30 Euro pro Fahrzeug nicht. "Vor allem aber passt eine Abwrackprämie nicht zu einer Marke, die für Langlebigkeit steht."

Tatsächlich ist das Lauflerngefährt für Kleinkinder so robust, dass es nicht selten von einer Generation an die folgende vererbt wird. Es erträgt selbst Erwachsene – wie die Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, wenn sie mit dem roten Mini-Flitzer posiert. Und richtig rasen kann man damit auch: Den Geschwindigkeitsrekord hält der 39-jährige Versicherungskaufmann Marco Fischer aus dem Bobby-Car-Club Coburg mit 108,2 Kilometern in der Stunde auf abschüssiger Strecke.

Das ergonomisch gut durchdachte Plastemobil ist längst zum Gattungsbegriff geworden, ein moderner Klassiker. Mehr als 16 Millionen Stück wurden bislang weltweit abgesetzt. Damit spielt das Bobby Car fast in der Liga des VW Golf – und das bei seit fast vier Jahrzehnten unverändertem Look und allein mit Fuß-Schubmotor. Vor zwei Jahren wurde lediglich eine leicht überarbeitete Variante der Ur-Version auf den Markt gebracht, die sich wesentlich durch "Flüsterreifen" auszeichnet, um, so Weiler, "die Nerven der Eltern und der Nachbarn zu schonen", wenn die lieben Kleinen die Wohnung zur Rennstrecke machen.

Der vor fünf Jahren übernommene Bobby-Car-Hersteller BIG ist die Perle im Portfolio der Simba-Dickie-Gruppe. Der erst 1982 gegründete deutsche Familienkonzern zählt nach allerlei Akquisitionen schwächelnder Konkurrenten wie Schuco (Modellautos), Eichhorn (Holzspielzeug) und Noris (Brettspiele) zu den Größten der Branche, ist aber weithin unbekannt. Das soll sich nicht zuletzt dank Bobby Car ändern. Deshalb steht vor der Zentrale in Fürth unübersehbar eine XXL-Version des Gefährts. Und deshalb leistet man sich die hochmoderne Fabrik im rund 60 Kilometer entfernten Burghaslach – ein Vermächtnis des Bobby-Car-Erfinders Ernst Bettag –, deren Kapazität noch erheblich ausgeweitet werden könnte. Derzeit laufen dort 700 000 Fahrzeuge jährlich vom Band. "Wir könnten rund 30 Prozent mehr produzieren", sagt Weiler.

Noch wird das Gros der Rutschfahrzeuge auf dem stagnierenden deutschen Markt abgesetzt. Künftig soll die Erfolgsgeschichte jenseits der Grenzen fortgesetzt werden. Der Konzern ist in 30 Ländern aktiv. Weiler sagt, dass das Autochen gut in eine Zeit passe, "in der Kinder unter Bewegungsmangel leiden, dem das Bobby Car spielerisch abhilft". Einziges Manko der Marke ist ihre Unverwüstlichkeit. Vor einigen Jahren wollte BIG Kunden im Namen des Umweltschutzes animieren, ihre ausgedienten Polyethylen-Gefährte zum Recycling zurückzugeben. Doch so gut wie keiner wollte sich von seinem alten Bobby Car trennen. •

Nach der Sanierung eines Blechspielzeugherstellers erkennt der junge Ingenieur Ernst Bettag in den fünfziger Jahren, dass einem neuen Werkstoff die Zukunft gehört. Ab 1962 nennt er seine Firma BIG: der Legende nach die Abkürzung des fränkisch ausgesprochenen Mottos "Blastik ist gut". 1972 kommt das Lauflerngerät Bobby Car mit dem Büffel als Symbol für Robustheit auf den Markt. Es wird das meistverkaufte Kinderfahrzeug der Welt. In hohem Alter investiert Bettag noch einmal 30 Millionen Euro in eine moderne Fabrik – die sich für BIG als too big erweist. Nach dem Tod des Patriarchen 2003 gerät das Unternehmen ins Schlingern. 2004 wird es von Simba Dickie gekauft, die ein Händchen für traditionelle Marken haben. Deren größte Übernahme ist die des insolventen französischen Spielzeugherstellers Smoby 2008. Die Integration laufe "nach Plan", sagt Weiler; die Eigenkapitalquote von Simba Dickie liege bei 50 Prozent. Beruhigend, dass es noch fränkische Familienkonzerne gibt, die dem Steuerzahler nicht zur Last fallen. Simba Dickie Group Mitarbeiter weltweit: 1700
Umsatz 2008: rund 525 Mio. Euro
Umsatz von BIG: 20 Mio. Euro
Gesamtsortiment: rund 3000 Produkte