Die Steine des Weisen

Klemens Brückner verhilft alten Heizungen zu niedrigen Abgaswerten und sparsamem Energieverbrauch. Er befüllt sie einfach mit Lavasteinen. Das klingt clever und kostengünstig. Und genau da liegt das Problem.




- Ein mit Lavasteinen gefülltes Metallkästchen - das ist der Traum von Klemens Brückner, Maschinenbaumeister aus Geldern am Niederrhein. Der 73-Jährige hat die Kiste erfunden und entwickelt. Er hat sich darauf sogar einen Gebrauchsmusterschutz eintragen lassen. Denn Brückners Idee einer mit Steinen gefüllten Metallkiste ist bares Geld wert. Eine Menge Geld. Sie kann Hausbesitzer davor bewahren, eigentlich veraltete Heizungen zu modernisieren oder gar auszuwechseln. Denn die mit Lavasteinen befüllten Metallkisten senken den Ausstoß von Abgasen und helfen zugleich Brennstoff zu sparen.

Was den Maschinenbauer zu seiner Erfindung getrieben hat, waren vor allem Wut und Enttäuschung.

Wut, als der Schornsteinfeger damit drohte, die gerade erst zehn Jahre alte Heizung in seinem Hause stillzulegen, mit Hinweis auf die Bundes-Immissionsschutzverordnung, in der die zulässigen Grenzwerte für Abgase von Heizungsanlagen festgelegt sind. Weil in Brückners Heizkeller die Vorgaben jedoch nicht eingehalten wurden, sollte ein neuer Heizkessel her. Enttäuscht war der Maschinenbauer, weil sich bei den Heizungsherstellern offenbar niemand darum kümmern mochte, Nachrüstsätze für relativ junge Heizungen zu entwickeln. Brückner wollte sich damit nicht abfinden "und schon gar keine neue Heizung kaufen". Er begann zu tüfteln. Um die rechtlichen Bestimmungen einzuhalten, musste der Ingenieur die Abgastemperatur senken und die Schadstoffwerte seiner Heizung verbessern.

Wenn möglich, sollte seine Erfindung auch noch helfen, Energie zu sparen. Und das schaffen Brückners Metallkisten, die er in die Hohlräume von Heizkesseln einsetzt, nun auf folgende Weise: Weil sich die eingelegten Lavasteine im Betrieb auf mehr als tausend Grad erhitzen, sorgen sie für eine bessere Verbrennung, speichern die Wärme und senken zugleich die Temperatur der Abgase. Der Brenner springt seltener an, die Anlage verbraucht entsprechend weniger Gas oder Heizöl.

Das einleuchtende Verfahren stieß bald auf Interesse - bei der Bundeswehr. In deren Langzeitdepot in Straelen-Herongen an der niederländischen Grenze wurden die Metallkisten, die mittlerweile "Klemens-Brückner-Umweltbrenner" (K-BUB) heißen, eingesetzt, um den Nachweis zu führen, dass die Heizkosten sinken. Brückner bestückte einen alten Heizkessel aus dem Jahr 1983 mit mehreren Steinkisten. Nach eigenen Angaben spart die Bundeswehr pro Jahr in der umgebauten 250-Kilowatt-Anlage fast 9000 Liter Heizöl, Temperaturschwankungen zwischen den Jahren nicht berücksichtigt.

Dass die Anlage um fast 20 Prozent wirtschaftlicher als zuvor arbeitet, ist das eine. Viel mehr noch freut man sich in der Bundeswehr-Verwaltung darüber, dass mithilfe der K-BU B der kostspielige Austausch des alten Kessels vertagt werden konnte: Die 25 Jahre alte Anlage hält mit Brückners Gerät die Abgasgrenzwerte ein und darf weiter betrieben werden. Und da niemand weiß, wie lange die Bundeswehr ihr Depot in Straelen überhaupt noch betreiben wird, hätte sich der Austausch der Heizanlage möglicherweise nicht mehr rentiert. Denn der Standort Herongen stehe bei jeder Spar-Runde des Verteidigungsministeriums immer wieder zur Diskussion, sagt Wilfried Rettig. Der Leiter für das technische Gebäudemanagement im Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Düsseldorf, zuständig für die Immobilien der Truppe im westlichen Nordrhein-Westfalen, bestätigt, dass mittlerweile drei Heizkessel bei der Bundeswehr mit den K-BU B ausgestattet sind: "Wir lagen mit den Emissionswerten zu hoch und hatten nur noch die Wahl zwischen neuem Kessel oder K-BU B."

Eine gute Idee - die von der Konkurrenz boykottiert wird

So unbürokratisch wie bei der Bundeswehr gelingt der Einbau des umweltschonenden Brenners sonst allerdings nur selten. Denn im Gegensatz zur Truppe, die ihre eigenen Schornsteinfeger beschäftigt, waren Einfamilienhausbesitzer bisher auf die Abnahme ihrer Heizanlage durch Schornsteinfeger aus dem Wohnbezirk angewiesen. Die Zunft, die für die Abgasmessungen und Zulassungen von Heizungsanlagen bei Privatleuten zuständig ist, tut sich manchmal schwer mit der Abnahme des K-BU B.

Was auch daran liegt, dass es für Veränderungen an bestehenden Heizanlagen kaum Vorschriften gibt, deren Einhaltung sich einfach prüfen und abhaken ließe. Dieser Mangel führt mitunter zu absurden bürokratischen Auswüchsen.

Eine K-BU B-Anlage in Meppen läuft mittlerweile nur wegen einer Stellungnahme des niedersächsischen Bauministeriums. Der zuständige Meppener Schornsteinfeger hatte für die Abnahme der Anlage eine Einzelfallgenehmigung angefordert, die Behörde lehnte diese aber ab und teilte mit, eine solche Genehmigung sei nicht notwendig. Dies hat mittlerweile die oberste Schornsteinfeger-Innung in Niedersachsen akzeptiert und will keine weiteren Einzelgenehmigungen für den Einbau von Brückners Erfindung verlangen, sagt deren Sprecher Christian Thomschke. Problematisch könne es für manch einen Schornsteinfeger sein, ein Gerät abzunehmen, das er nicht kenne, sagt er. Die Schornsteinfeger müssten mit dem K-BU B nach den Vorgaben des Ministeriums verfahren, sagt Thomschke. Doch daraus könnte sich für Brückner leicht ein weiteres Problem auf dem Weg zum Erfolg ergeben. Sollte nicht der Tüftler selbst das Gerät einbauen, sondern beispielsweise ein fremder Heizungsbauer, verlangt das Ministerium eine "Einbau- und Betriebsanleitung ..., die von einer anerkannten Prüfstelle für Feuerungsanlagen geprüft und testiert" ist. Beim TÜV koste eine so abgenommene Anleitung rund 2000 Euro, schätzt Klemens Brückner.

Hinzu kommt, dass es selbst mit Anleitung schwer werden könnte, Installateure zu finden, die den K-BU B einbauen wollen. Dabei schätzt deren Zentralverband Sanitär Heizung Klima, die Bundesvereinigung der Klempner-, Installateur-und Heizungsbauer-Innungen, die Anzahl der Heizkessel, die in Deutschland die Schadstoffgrenzwerte nicht mehr einhalten, auf rund eine Million. Warum die größtenteils gleich erneuert statt nur modernisiert werden sollten, liegt für Frank Ebisch auf der Hand: "Letztlich geht es uns darum, neueste Technik und neueste Anlagen zu verbauen, denn daran kann man dann auch verdienen", offenbart der Sprecher der Handwerker, die den Kunden bei der Planung und Modernisierung seiner Heizung beraten sollen.

Dabei könnten viele Hausbesitzer und -verwaltungen mit der Erfindung Geld sparen. Statt eine Anlage für mindestens 5000 Euro zu erneuern, wären knapp 1000 Euro für Brückners Lavastein-Kiste ausreichend. Auf Unterstützung durch Kesselhersteller wie Buderus darf Brückner wohl nicht zählen. Ingo Rapold, Sprecher des zu Bosch gehörenden Unternehmens, sagt: "Zu uns kommt der Heizungsbauer und bestellt Teile für seinen Kunden. Warum der jetzt welches bestimmte Teil benötigt, das erfahren wir nicht." Zu möglichen Einbauteilen von Fremdherstellern möchte sich Rapold nicht äußern.

Der Bund der Energieverbraucher, der in Deutschland rund 8000 Privatpersonen als Mitglieder hat und in Energiefragen vertritt, kann Brückners Erfindung auf Anhieb nur Positives abgewinnen. "Wenn es so funktioniert wie beschrieben und die Menschen damit Geld sparen können, sollen sie es ruhig einbauen", sagt Aribert Peters, der Vorsitzende des Verbandes. Allerdings gebe es im Bereich der "Heizungsoptimierer" häufig überzogene Versprechungen, warnt Peters. Um solchen auch gegen den K-BU B erhobenen Vorwürfen etwas entgegenzusetzen, hat Klemens Brückner sich für seine Erfindung ein TÜV-Gutachten ausstellen lassen, das die Funktion bestätigt. Und Wilfried Rettig, der Manager in Diensten der Bundeswehr, lässt Brückner nun sogar schon an modernen Heizkesseln an seinen Standorten experimentieren. Der Deal ist: "Wenn es klappt, sparen wir Energie. Und wenn nicht, brauchen wir Herrn Brückner nicht zu bezahlen." -