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brand eins 05/2008 Die Stunde der Idioten

Ulrich Schindler, Merseburg Mit meinen Erfahrungen, gesammelt als Personalmanager in Unternehmen und gegenwärtig als Hochschullehrer, kann ich die Einschätzungen zum Bologna-Prozess sowie seine Konsequenzen für das akademische Bildungsniveau in starkem Maße teilen. Zudem graut mir vor den Folgewirkungen von Bildungsinzest, Schein-Bildung etc. bei der zukünftigen Besetzung verantwortungsvoller Spezialisten- und Führungspositionen in Unternehmen. Generell, glaube ich, kann sich eine Gesellschaft eine Idio-ten-Kultur nicht sonderlich lange leisten. Nur - wie soll sich die Situation bessern, wie sollen sich die skizzierten Phänomene in der Bildungs- und Hochschullandschaft auflösen? Liegt dem ganzen System nicht vielleicht System, im Sinne einer verdeckten Rationalität, zugrunde? Wenn der Satz "Wissen ist Macht" von Francis Bacon stimmt, was ich annehme - wer sollte ein Interesse haben, für die Vermittlung von Wissen Sorge zu tragen und damit Macht mit anderen zu teilen? brand eins 05/2008 Die Stunde der Idioten Michael Geiger, Rheinmünster Die Bachelor-Studiengänge kommen und werden nicht wieder gehen, so legt es die EU in der Bologna-Reform fest. Jeder Außenstehende, der sie jetzt schlecht macht, bewirkt nur eine Inakzeptanz am Arbeitsmarkt und sorgt dafür, dass Bachelor-Abgänger einen schlechten Ruf bekommen. Das wird zu kritischeren Bewerbungsverfahren und weniger Stellenvergaben führen. Wenn also Nachrichtenportale und/oder -magazine weiterhin schlecht über etwas berichten, das sowieso nicht zu ändern ist, dann geschieht das nur auf Kosten anderer.

brand eins 05/2008 Wer viel hat, dem wird gegeben

Leonore Boscher, Hamburg brand eins spricht in dem Beitrag Themen an, die man sonst nur selten hört, weil Prädikat "wahr und ungemütlich". Der deutsche Staat zelebriert die neuen politischen Aktionen im Forschungs-und Bildungsbereich und lässt dabei unerwähnt, dass Deutschland vergleichbaren Ländern erheblich hinterherhinkt. Aber es gilt gar nicht, diese positiven Entwicklungen schlechtzureden. Dennoch sollte mit mehr Geld auch die Effizienz der Wissenschaftsorganisation und Forschungsförderung gesteigert werden. Was sich für die meisten forschenden Mediziner immer noch wie der reinste Wirtschaftshorror anhört, könnte vielleicht mal dazu führen, dass Mediziner nicht erst nach zehn Stunden schwerer Arbeit im Uni-Klinikum um 20 Uhr im Labor landen und Anträge am Wochenende schreiben, wenn die Kinder schlafen.

brand eins 05/2008 Sonderschulfreie Zone

Mareike Kapp, Bad Homburg Als Mutter eines behinderten Kindes hat mich der Bericht natürlich emotional sehr bewegt, aber sachlich darin bestätigt, dass es keine Normalität und keine Integration für behinderte Menschen in Deutschland gibt. Mein Sohn ist sechs Jahre alt, kommt jetzt in eine Schule für Körperbehinderte. Dort ist alles auf seine Bedürfnisse ausgerichtet. Wenn er sprechen könnte, würde er uns vielleicht sagen, dass seine Bedürfnisse ganz andere sind. Im integrativen Kindergarten hat er seinen Platz, viele Freunde, soziale Kontakte mit gesunden und anderen behinderten Kindern. Aber auch nur dort. Es gibt kein integratives Turnen oder Englisch. Das "dürfen" nur meine nicht behinderten Kinder machen. Und spätestens nach dem Kindergarten trennen sich die Wege der Kinder ganz. Wie sollen dann Erwachsene behinderte Menschen integrieren? Die meisten haben ja noch nicht mal einen gesehen.

brand eins 05/2008 Welt in Zahlen

Claudia Radelow, Niederwiesa Als eigentlich großer Fan Ihrer Publikation hatte ich bei den Vergleichszahlen für die Vergütung von Ärzten und Tierärzten ein ungutes Gefühl. Aus der Gebührenordnung für Tierärzte, die mir in der aktuellen Fassung vorliegt, ergibt sich nämlich: Allgemeine Untersuchung mit Beratung a) Zuchtschwein, 10,23 Euro (einfacher Satz alte Bundesländer), bzw. 8,59 Euro (einfacher Satz neue Bundesländer) b) Mastschwein, 7,67 Euro (einfacher Satz alte Bundesländer), bzw. 6,44 Euro (einfacher Satz neue Bundesländer) Wegegeld: einfacher Satz bei Benutzung des eigenen Fahrzeugs je Doppelkilometer 2,05 Euro, mindestens jedoch 7,67 Euro Der Thüringer Tierarzt bekommt also auch nur um die 14 und nicht wie beschrieben 43 Euro.