Verkabelt I

Alles am Projekt A380 war groß: die Idee, das Flugzeug, die Hoffnungen und die Verspätung. Chronologie eines Beinahe-Desasters.




Anfang der Neunziger

Die Idee: Ein Jet, der größer ist und wesentlich mehr Passagiere transportieren kann als alle anderen Großraumflugzeuge.

1993

vereinbaren die beiden Rivalen Boeing und Airbus, diesen Plan gemeinsam zu verfolgen. Wenig später überlegen sie es sich anders.

1996

gründet Airbus die Large Aircraft Division, die für die Entwicklung des neuen Flugzeuges zuständig ist.

2000

700 Millionen Dollar hat Airbus in das Projekt mit dem Codenamen A3XX investiert. Große Airlines sind interessiert.

11. Dezember 2000

Das Board of Directors der Airbus-Mutter EADS beschließt, die Produktion des A380 getauften Superfliegers zu beginnen. Ein Budget von zehn Milliarden Euro hat die EADS ihrer Tochter Airbus dafür bewilligt. Die Gewinnschwelle soll bei 250 verkauften Jets liegen, der Konzern will bis 2020 mindestens 700 Stück verkaufen.

Juli 2001

Aus Airbus wird ein eigenständiges Unternehmen, die Airbus S.A.S. mit Hauptsitz in Toulouse.

23. Januar 2002

Die Fertigung des A380 beginnt. In Nantes werden die ersten Metallkomponenten hergestellt.

Mai 2003

Die 228 Meter lange, 120 Meter breite und 23 Meter hohe A380-Montagehalle wird in Hamburg-Finkenwerder eingeweiht.

Januar 2004

Das Hamburger Werk liefert die erste Rumpfsektion.

Mai 2004

Die Endmontage-Linie in Toulouse wird eröffnet.

Dezember 2004

EADS gibt bekannt, dass Airbus sein Entwicklungsbudget um rund 1,5 Milliarden Euro überziehen muss. Die Entwicklungskosten liegen damit bei gut 12 Milliarden Euro.

18. Januar 2005

Der A380 wird der Öffentlichkeit vorgestellt. In der ersten Reihe: Gerhard Schröder und Jacques Chirac.

27. April 2005

Der A380 hebt zum Jungfernflug ab. Knapp vier Stunden kreist der neue Airbus über Toulouse und der Biskaya.

13. Mai 2005

Airbus gibt bekannt, dass Singapore Airlines den ersten A380 vermutlich erst mit sechsmonatiger Verspätung bekommt.

26. März 2006

Der Evakuierungstest läuft erfolgreich. Die 853 Passagiere und 20 Besatzungsmitglieder verlassen das Flugzeug über Notrutschen in weniger als den vorgeschriebenen 90 Sekunden.

13. Juni 2006

Airbus kündigt eine weitere Verzögerung bei der Auslieferung an. Als Grund werden Probleme bei der Verkabelung des Innenraums angegeben. Der Kurs der EADS-Aktie fällt um 26 Prozent.

2. Juli 2006

EADS-Co-Chef Noël Forgeard, vorher lange Chef bei Airbus, und Gustav Humbert, sein Nachfolger dort, stellen ihre Jobs zur Verfügung. Christian Streiff übernimmt die Leitung bei Airbus.

3. Oktober 2006

Airbus muss um einen weiteren Aufschub von einem Jahr bitten. Damit liegt die Erstauslieferung zwei Jahre hinter Plan. Gleichzeitig kündigt Airbus-Chef Streiff das Sanierungsprogramm Power8 an.

9. Oktober 2006

Christian Streiff tritt zurück und wird von Louis Gallois, Co-Chef bei EADS, ersetzt.

7. November 2006

FedEx widerruft seine 2,5 Milliarden teure Order für zehn Frachtversionen des A380.

12. Dezember 2006

Die europäische Behörde für Flugsicherheit und die Luftfahrtbehörde der USA genehmigen den Flugbetrieb des A380.

17. Januar 2007

Airbus liegt erstmals seit dem Jahr 2000 bei den Neubestellungen hinter Boeing. Airbus erwartet aus dem Programm bis 2010 Verluste von 4,8 Milliarden Euro. Die Gewinnschwelle für den A380, so das Unternehmen, liege nun bei 420 statt 250 verkauften Flugzeugen.

28. Februar 2007

In den folgenden vier Jahren sollen 10 000 Arbeitsplätze bei Airbus abgebaut, zudem etliche Werke verkauft werden.

1. März 2007

Airbus legt die Frachtversion des A380 vorerst ad acta.

Juni 2007

Bei einer Messe in Frankreich bekommt Airbus etliche Aufträge für den Riesenjet.

Juli 2007

EADS-Co-Chef Thomas Enders soll ab August Airbus leiten.

15. Oktober 2007

Singapore Airlines erhält seinen ersten A380. Zwei Jahre zu spät. Aber mit funktionierender Bordelektronik und mit allen Sonderwünschen.

25. Oktober 2007

Singapore Airlines startet mit dem A380 zum ersten Linienflug von Singapur nach Sydney.