Was Marken nützt: Hasta la vista, Babys!

Glücklich, wem die Feinde nie ausgehen. Und dessen Name keine Fragen offen lässt: Rentokil.




• Kakerlaken sind weder als Untermieter noch als Gesprächsthema sonderlich beliebt. Christian Knocks, Division Manager der Rentokil Schädlingsbekämpfung in Düsseldorf, redet von Berufs wegen gern über diese Tierchen – und darüber, wie man ihnen den Garaus machen kann. Auf der Homepage des Marktführers in Sachen Ungezieferbekämpfung wird sogar liebevoll der "Schädling der Saison" vorgestellt: "Die Deutsche Schabe ist gelblich-braun mit zwei dunkelbraunen Streifen auf der Brust."

Der Feldzug gegen solche Gegner ist ein dankbares Geschäft, denn: Kaum hat man sie an der einen Stelle geschlagen, tauchen sie an der nächsten wieder auf. Zudem suchen uns dank Klimawandel und zunehmender Mobilität immer neue Plagegeister heim. Zum Beispiel der Eichenprozessionsspinner, der seit einigen Sommern verstärkt in Süddeutschland aktiv ist und dessen giftige Nesselhaare, die vom Wind verweht werden, zu allergischen Reaktionen führen können. Rentokil hat eine spezielle Methode – die Raupenhaare mit Pflanzenöl binden, dann mit Industriesaugern vom Baum saugen – entwickelt und Autobahnmeistereien und anderen Kunden angedient. Über den spektakulären Einsatz der Mitarbeiter in Schutzanzügen berichtete sogar der "Stern", wie Jens Heuter, Marketingmann bei Rentokil, stolz erzählt. Mit solchen Innovationen hat sich die Firma von der Konkurrenz der namenlosen Kammerjäger abgesetzt. Und aus einem wenig glamourösen Geschäft eine starke Marke gemacht.

Dazu zählt raffinierte und – heute ganz wichtig – ökologisch korrekte Technik wie die Mausefalle "Radar". Traut sich eine Maus in diese Box, wird das von druckempfindlichen Sensoren registriert, und die Falle schnappt zu. Dann wird eine laut Produktbeschreibung "exakt bemessene Menge Kohlendioxid freigesetzt und tötet den Nager schnell und schmerzlos". Auf Wunsch meldet der Apparat seinen Fang auch gleich per SMS oder E-Mail. Nach diesem Prinzip bietet Rentokil seinen Großkunden etwa aus der Lebensmittelindustrie Systeme zur Schädlingsprävention an, die vom Computer aus überwacht werden (PestNetOnline).

Zum Siegeszug der in mehr als 40 Ländern tätigen Aktiengesellschaft mit Zentrale in London hat nicht unwesentlich ihr Name beigetragen, der wie kaum ein anderer eine Dienstleistung auf den Punkt bringt. Allerdings hat sich der Konzern in den vergangenen Jahren mit Zukäufen verzettelt, darunter sind Geschäftszweige wie Feuerschutzprodukte, zu denen die Bezeichnung Rentokil weniger gut passt. Knocks nennt diese nicht sehr erfolgreiche Strategie diplomatisch "experimentelle Diversifikation". Nun konzentriert sich das Unternehmen wieder auf wenige Sparten. Sein Bereich, die Schädlingsbekämpfung, sei bereits kerngesund, betont Knocks. Und berichtet vom vielversprechenden Geschäft mit dem "Hotel-Feind Nummer eins", der Bettwanze, die in vielen Häusern die Gäste zwickt.

Privat ist der 48-Jährige übrigens Tierfreund, die Familie Knocks ist Mitglied im Naturschutzbund Deutschland und einer Gruppe zum Schutz von Fledermäusen. •

Am Anfang war der Moderkäfer. Der trieb in den frühen zwanziger Jahren in der berühmten Abtei von Westminster, wo Englands Könige gekrönt und beigesetzt werden, sein Unwesen. Man bat den Insektenforscher Harold Maxwell Lefroy um Rat, der die Krabbler besiegte. 1925 gründete er mit einer Assistentin eine Firma zur Ungezieferbekämpfung. Sie sollte – in Anlehnung andas griechische Wort für Insekt und das englische Wort für töten – Ento Kill heißen. Weil dieser Name aber nicht zugelassen wurde, entschieden sich die beiden für Rentokil. Ein Jahr darauf starb Lefroy bei einem Experiment mit Nebelgasen; seine Assistentin führte das Unternehmen weiter. Die Expansion begann in den sechziger Jahren, nachdem Rentokil von einem Konkurrenten übernommen worden war, der den einprägsamen Namen beibehielt. 1969 ging das Unternehmen an die Börse, expandierte weltweit und wurde mehrfach zum meistgeschätzten Konzern Großbritanniens gewählt. Zur Schädlingsbekämpfung kamen Dienstleistungen wie Büroreinigung, die Vermietung tropischer Pflanzen, ein Paketdienst und ein Waschraumservice (Initial). Seit 1996 heißt das Unternehmen Rentokil Initial. Nach jahrelangem Umstrukturieren konzentriert sich der Konzern wieder auf seine Kerngeschäfte. Rentokil Schädlingsbekämpfung Mitarbeiter weltweit: 4750, in Deutschland: 320 Umsatz weltweit: 550 Millionen Euro, in Deutschland 36 Millionen Euro