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Das geht: Packen wir's an

Kleine handwerkliche Arbeiten oder eine Gefälligkeit? Früher übernahmen Bekannte und Nachbarn so etwas. Heute finden sich Helfer im Netz: machdudas.de




- Fußballkartenansteher gesucht: "Ich suche jemanden, der sich für mich - sollte es im Frühjahr neue Dauerkarten geben - am Kartencenter für 2 Stück anstellt. Ich bin an Wochentagen leider immer unterwegs und schaffe das alleine nicht." Diese Anfrage stellte ein Fan des FC St. Pauli auf die Website www.machdudas.de und fand sofort jemanden, der half. Roman Reimer hätte den Computer umarmen können. Seither weiß er, dass seine Idee, Nachbarschaftsdienste im Internet zu vermitteln, gut ist.

Auf die Idee kam Reimer, als bei ihm zu Hause vor einiger Zeit der Wasserhahn tropfte. Der 45-jährige Werber, mittelgroß, schlank, dunkle Haare, Hornbrille und Bürohände, bekam das Problem nicht in den Griff. Irgendwann rief er einen Klempner an. Der montierte einen neuen schlichten Wasserhahn und kassierte dafür mehr als 220 Euro - inklusive Anfahrt, Kilometergeld und einer Antrittspauschale. Zu viel, fand Reimer. Und er fragte sich, was er früher in solchen Situationen gemacht hatte.

Früher hätten sein Bruder oder seine Freunde geholfen. Anschließend hätte es Bier und Pizza gegeben. Heute haben sie alle selbst kaum mehr Zeit. "Ich würde heute niemanden mehr um solche Freundschaftsdienste bitten", sagt Reimer. Andererseits gibt es genügend Leute mit handwerklichem Geschick und viel Zeit, die gern helfen würden, wenn sie von solchen Jobs wüssten.

Reimer war auf der Suche nach einer neuen Aufgabe und erzählte seinem Freund Peer Hartog, Kreativchef einer Hamburger Werbeagentur, von seinen Überlegungen. Gemeinsam entwickelten sie Machdudas, eine Internetplattform für private und haushaltsnahe Dienstleistungen.

Seit Oktober 2007 ist www.machdudas.de online. Es gibt schon mehr als 2500 Nutzer, noch kennt Reimer sie praktisch alle beim Namen. Doch täglich werden es mehr. Bislang suchen vor allem Großstädter aus Hamburg, München und Berlin, aber auch aus Dortmund, Hannover oder Essen Helfer bei Umzügen, beim Auto- und Fensterputzen, Rasenmähen oder Babysitten.

Auf der Website werden ausschließlich Jobs, keine Jobgesuche angeboten. Die Auftraggeber sollen es leicht haben, denn niemand klickt 200 unspezifische Stellengesuche an, um einen passenden Babysitter zu finden. Für die Jobber hat das den Vorteil, dass sie selbst suchen können, statt darauf zu warten, dass jemand per Zufall ihre Stellenanzeige auf einer Internet-Seite anklickt.

Roman Reimer und Peer Hartog folgen mit Machdudas einem neuen gesellschaftlichen Trend: "Do it for me". Die Do-it-your-self-Mentalität der Deutschen verändert sich. Seit etwa vier Jahren beobachtet der Zukunftsforscher Lars Thomsen, dass die Menschen statt mehr Geld lieber mehr Zeit haben wollen. Gerade die Zielgruppe der ab 45-Jährigen gäbe gern private Aufgaben ab, aber sie wissen nicht, an wen. "Das Internet ist die ideale Plattform für diese Dienstleistungen", sagt Thomsen.

Für die Auftraggeber ist der Dienst kostenlos, die Jobber zahlen pro vermitteltem Auftrag drei Euro. Rechnen soll sich das Unternehmen über die Fülle der Jobs. Roman Reimer erwartet bis Mitte 2008 etwa 20 000 und bis Jahresende etwa 40 000 Jobs pro Monat.

Auf der Handwerkerseite www.my-hammer.de finden sich täglich 16 000 laufende Aufträge. Allerdings sieht Reimer sich nicht in Konkurrenz zum Marktführer bei den Profihandwerkerseiten. Dort bekommt oft der billigste Anbieter den Zuschlag. Außerdem bewerben sich im Wesentlichen Firmen um die Aufträge. Reimer siedelt sein Angebot eine Stufe darunter an, eben bei den Jobs von privat für privat.

"Die Leute sollen Qualität abliefern, dann müssen sie auch entsprechend bezahlt werden", sagt Reimer. Doch darauf nimmt er keinen Einfluss: Letztlich handeln Auftragnehmer und -geber den Preis direkt miteinander aus. Die Website ist ausschließlich für die Vermittlung zuständig und damit ohne Verantwortung für das, was vereinbart wird. "Wir lehnen Schwarzarbeit strikt ab, können das aber nicht kontrollieren", sagt er. Kontrolle würde die Vermittlung unnötig kompliziert machen, sodass die Gebühren in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zu den Jobs stünden.

Schön fände es Roman Reimer, wenn sich durch die Internetplattform wieder soziale Netze bildeten, die gerade in Großstädten verloren gegangen sind. Für ihn hat Machdudas auch eine soziale Dimension: Viele Menschen wissen nicht mehr, was sie alles können. Doch wenn sie die Jobangebote auf Machdudas sehen, merken sie, dass sie für eine Menge Arbeiten infrage kämen. "Das Feedback ist enorm. Es sind Menschen darunter, die erst dadurch wieder merken, dass sie gebraucht werden, wenn sie nur wollen."

Die Chancen für das soziale Netz stehen nicht schlecht. Mittlerweile fragen die Nutzer auch, ob jemand Lust hat, zu Ikea zu fahren, um Schränke zu kaufen und sie danach aufzubauen. Ein Jobber antwortet: "Während der Fahrt könnte ich natürlich noch Erfrischungsgetränke servieren und mit allgemeiner Unterhaltung (sei es mit Radio oder mit mir) dienen." -