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Was Marken nützt: Das Gelbe vom Ei

Bei guter Pflege machen Marken lange Freude. Wie's geht, zeigt der Likörhersteller Verpoorten.




• Wer Sorgen hat, hat auch Likör, schrieb Wilhelm Busch. Für William Verpoorten scheint das nicht zu gelten: Der 52-Jährige mit dem dotterfarbenen Schlips kommt naturfröhlich daher. Bei seinem Lieblingsgetränk (Espresso mit Eierlikör und Milchschaum) in einem Lokal unweit des Bonner Firmensitzes erzählt er von seinen Abenteuern. Gerade sei er von einer Messe in Birmingham zurückgekehrt, wo er höchstpersönlich Highball Grenadine mit Sekt und Verpoorten gemischt habe. "Die Leute waren begeistert! " Die Devise des Chefs, der das Familienunternehmen in fünfter Generation führt: "Man muss sich was einfallen lassen! "

Mal demonstriert er unter dem Motto "Mischen? Possible! ", was sich aus dem klebrigen Trunk machen lässt, der bei vielen Kindheitserinnerungen weckt, weil sie ihn, auf Besuch bei Omi, heimlich naschten. Mal gibt es eine Werbe-Aktion mit Blume 2000 (Likörchen plus Fünf-Euro-Blumengutschein – ideal zum Muttertag). Mal Kooperationen mit einem Kaffee- sowie einem Lebkuchenhersteller, die ihre Produkte mit Verpoorten aufpeppen.

So behauptet sich die Firma auf dem schwierigen Spirituosen-Markt; der Umsatz ist seit Jahren stabil und liegt derzeit bei rund 50 Millionen Euro. Verpoorten ist dank cleverem Marketing – das ein wenig an das von Jägermeister erinnert, wo der Chef gelernt hat und woher auch sein Vertriebschef Peter Nicolay stammt eine der wenigen Alkoholmarken, die bei Jung und Alt gleichermaßen ankommen, wie die Gesellschaft für Konsumforschung ermittelt hat. Andere Hersteller haben schwer zu kämpfen oder sind bereits Geschichte: Korn und deutscher Weinbrand sind ziemlich out. Internationale Konzerne mit ihrer immensen Werbe- und Vertriebsmacht machen zunehmend das Geschäft.

Dass der Winzling Verpoorten sich unter den Giganten behauptet, liegt an der Pflege seiner Nische – und einem Produkt, das nicht ohne Weiteres zu kopieren ist. Der Umgang mit rohen Eiern, von denen die Firma täglich bis zu 1,2 Millionen mit einer speziellen Maschine köpft, um ans Gelbe zu kommen, ist heikel. Man verwende, betont Verpoorten, ausschließlich 1-A-Qualität. Zudem gibt es ein eigenes Labor zur Qualitätssicherung – einen Skandal wegen verdorbener Rohware kann er sich nicht leisten. Gespart wird an anderer Stelle. So macht der Likörhersteller mittlerweile zehn Prozent seines Umsatzes mit dem Eiweiß, das, zu Kristallen und Pulver weiterverarbeitet, an Lebensmittelproduzenten verkauft wird, die daraus beispielsweise "Mohrenküsse" machen. "Nur für die Eierschalen haben wir leider noch keinen zahlenden Abnehmer gefunden", bedauert Verpoorten.

Auf die auf Dauer tödlichen Rabattschlachten mit dem Handel lassen sich die Bonner nicht ein. Das sei zwar anstrengend, weil die Einkäufer der Lebensmittelkonzerne mächtig Druck machten, um Sonderkonditionen herauszuholen, sagt der Vertriebsleiter Nicolay, habe aber auch Vorteile: Nach den zahlreichen Übernahmen in jüngster Zeit hätten die Einkäufer der frisch fusionierten Ketten neugierig Verpoortens Konditionen für die jeweils anderen studiert. Und festgestellt: "Es sind dieselben." •

Die Wurzeln des Likörs liegen in Brasilien, wo Indios Avocadofleisch mit Branntwein mischten – und niederländische Kolonialisten auf den Geschmack brachten. Als die 1654 vertrieben wurden, nahmen sie Avocadobäume nach Indonesien mit und labten sich dort am "Advocaat". Nur in der kalten Heimat wollten die Avocados nicht gedeihen, und so ersetzte man das grünlich-gelbe weiche Fruchtfleisch durch Eidotter. Einer der Likörmacher war der aus Belgien stammende Eugen Verpoorten, der 1876 in Heinsberg bei Aachen seine Firma mit angeblich bis heute identischer Rezeptur gründete. Das Unternehmen wechselte mehrfach den Standort, bevor es 1952 seinen Hauptsitz in Bonn eröffnete und den Westdeutschen das Wirtschaftswunder versüßte. Seine Bekanntheit verdankt es dem 1961 kreierten Ohrwurm "Ei, ei, ei Verpoorten", der auf dem Schlager "Ay, ay, ay Maria, Maria aus Bahia" beruht. Die Dotter-Dynastie der Verpoortens widerstand der Versuchung, sich mit anderen Produkten zu verzetteln, und konzentrierte sich auf das, was sie kann: Eierlikör. Möglicherweise endet sie allerdings mit William Verpoorten. Dessen Sohn interessiert sich mehr für Bäume als für Eier. Er studiert Forstwirtschaft. Verpoorten GmbH & Co. KG Mitarbeiter: 100
Jahresausstoß: rund vier Millionen Einheiten
Marktanteil in Deutschland: 85 Prozent
Zahl der Eidotter pro 0,7-Liter-Flasche: 11