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Ein Wirtschaftsreigen

Liebe ist das große Gefühl, bei dem Geld keine Rolle spielt. Deshalb ist Liebe ein prima Geschäft. Eine Seifenoper in vier Episoden zum Mitrechnen.




EPISODE I  - Verlieben

Sandra kam langsam auf ihn zu. Sie war groß und schlank. Ihre dunklen, langen Haare fielen leicht und wellig über ihre Schultern. Sie hatte eine Art, sich zu bewegen, die ihm den Atem raubte. Bruno konnte sich nicht erklären, was in ihm vor sich ging, aber er spürte schon jetzt, dass diese Frau einmal eine besondere Bedeutung in seinem Leben haben würde. "Was wollen Sie wissen, Doktor?", fragte sie mit der dunklen Stimme, die so melodisch war, dass er an leises Orgelspiel dachte. Patricia Vandenberg: Dr. Norden - Einmalig soll unsere Liebe sein. Nr. 472; Seite 8; Martin Kelter Verlag; Hamburg

Und es hat bum! gemacht. Über nichts steht so viel geschrieben wie über die Liebe. Von Ovid, über Shakespeare bis Dr. Norden - nicht dass dadurch auch nur ein Mensch irgendwas verstanden hätte. Geschweige denn, dass jemand einmal nachrechnete, was uns die Liebe eigentlich kostet -und wer daran verdient. Dabei lohnte es sich, Bilanz zu ziehen. Die Liebe ist ein seltsames Spiel, und hinter einer harmlosen Seifenoper steckt ein Milliardengeschäft.

Wir haben bei Dr. Norden einmal nachgelesen und ein wenig umgeschrieben. Tischen ein Rührstück auf und kalkulieren: Wenn nur die Liebe zählt, nimmt neben dem immergleichen Reigen von Einsamkeit, Verlieben, Zusammensein und Trennen auch ein illustrer Wirtschaftsreigen seinen Lauf. Von dem sich zunächst der Martin Kelter Verlag einen ordentlichen Teil abzweigt. Im deutschen Buchgewerbe gilt der Hamburger Verlag als größter Wiederkäuer der Gefühle. Die werden hier seit mehr als 35 Jahren in mittlerweile 180 Millionen Dr.-Norden-Heften immer wieder neu vergoren. Garantiert mit Happy End und stabiler Auflage. "Unsere Leserinnen sehnen sich nach dem Schönen", sagt der Cheflektor Andreas Schäfer. "Der Hunger nach Romantik ist zeitlos."

Wie auch der Hunger nach Konfekt. Dr. Nordens Fan-Gemeinde ist überwiegend weiblich, zwei Drittel schwelgen jenseits der 50 Jahre in romantischen Irrungen und Wirrungen, mit der Sonne im Rücken und einem Kneifen im Bauch. Die Liebe macht hier nicht mehr blind, sondern leider Blähungen. Denn Schmachten geht bei dieser Klientel unbedingt mit Naschen einher. Zu den 1,50 Euro für das Heftchen kommen mindestens zwei weitere Euro für Pralinen, und während Dr. Norden an leises Orgelspiel denkt, leiden Millionen Frauen an Völlegefühlen. Ein interessanter Markt für den Arzneimittelhersteller Steigerwald aus Darmstadt, der treffend jeden Liebesroman beschließt: "Wird der Magen Dir zur Last: Iberogast." So empfiehlt es dessen Anzeige auf jeder Dr.-Norden-Rückseite.

Nach Heftchen und Pralinen kommen für die Leserschaft also auch noch 8,99 Euro für Medikamente hinzu, alles für ein bisschen Liebe. Am Umsatz des Magenmittelchens haben die Groschenromane keinen unerheblichen Anteil. Die Rückseite von Dr. Norden kostet den Werbekunden 11 000 Euro, und ein Heftchen - nebst Naschkram und Pläsierchen - den Leser schnell satte 12,50 Euro. Dafür gibt es natürlich auch eine Geschichte, die garantiert ans Herz geht.

Bei Dr. Norden nimmt das Schicksal seinen Lauf. Herzklopfen im Krankenhaus:

Es war so, als handele er unter einem fremden Zwang, als er sie im Stationszimmer aufsuchte. Ein Teil von Bruno hoffte, dass sie nicht da sein würde, aber ein mächtiges Gefühl wünschte sich das Gegenteil. Sandra stand schon in der Tür, hatte ihre Arme ganz eng an den schlanken Körper gelegt, als wolle sie sich dagegen wehren, ihm die Hand zu geben, aber seine Arme streckten sich aus, und dann fanden sich ihre Hände und verschlangen sich ineinander, als wollten sie sich nie wieder loslassen. "Ich kann einfach nicht anders", dachte er.

Er wird dann auch nicht anders können, als sie sogleich einzuladen. In der Literatur wie im richtigen Leben ginge es nun mit dem Bezahlen los. Sein Herz lässt sich vielleicht noch verschenken, alles andere kostet Geld, für Dr. Norden und jeden echten Liebespiloten auch. An dieser Stelle hat zunächst die Rose ihren Auftritt, der Welt erfolgreichste Schnittblume, durchschnittliche 1,50 Euro das Stück. Beim Kelter Verlag bekäme man einen ganzen Roman dafür. Nach Berechnungen der Zentralen Markt- und Preisberichtsstelle gaben die Deutschen im vergangenen Jahr für Schnittblumen rund 3,15 Milliarden Euro aus. Der Marktanteil der Rose lag 2007 bei 37 Prozent. Die Tulpe folgte abgeschlagen auf Platz zwei mit zehn Prozent.

Sandra greift derweil zum kleinen Grünen. Ein Utensil, das wohl bei keinem ersten Date in Deutschland fehlt. Wer erscheint heute schon zu einer Verabredung ohne eine Packung Kaugummi? Ein Produzent lässt dafür weltweit auf einer Fläche von mehr als 16 000 Fußballfeldern Pfefferminze anbauen. Allein in Deutschland werden pro Stunde 75 000 Atem-Erfrischer eines Konzerns konsumiert, ein nicht unbeträchtlicher Teil davon in romantischer Mission: als Atempolizei, die die Liebe in Frische wähnt, bevor Gerüche aus dem Rachen den ersten Kuss verleiden. Die Liebe schmeckt in diesem Moment im ganzen Land nach Pfefferminze. Wollen wir hoffen, dass es zum Ende der Geschichte keinen bitteren Nachgeschmack gibt. Eines scheint jedenfalls schon jetzt gewiss: So günstig wie mit den 0,85 Euro für die Kaugummis wird es für Dr. Norden in dieser Romanze nicht mehr werden.

Bekommt Sandra ihren Bruno? Werden die beiden glücklich?

EPISODE II - Für immer

Ehe sie sich versah, lag sie in seinen Armen. "Ich habe dich schon wieder vermisst, dabei kenne ich dich erst seit wenigen Tagen", flüsterte er und bedeckte ihr Gesicht mit zärtlichen Küssen. In seinen Augen brannte eine so heiße Zärtlichkeit, dass sie schnell die Lider senkte. "Hör nicht auf", sagte sie atemlos. Er verschloss ihre Lippen mit einem leidenschaftlichen Kuss.

Puh! Das Date mit Dr. Norden scheint für Schwester Sandra ein voller Erfolg gewesen zu sein. Amors Pfeile haben getroffen. Vielleicht zeigte auch einfach nur der neue Duft von Sandra die versprochene Wirkung: "Orientalisch-pudrig steht das Parfüm symbolisch für die Begegnung zwischen Mann und Frau. Verführung ist für sie eine Kunst, die sie perfekt beherrscht", ist auf der Packung von Emporio Armanis "She" zu lesen. Der Literat, der für Armani derartige Zeilen textet, war für uns auf die Schnelle leider nicht zu sprechen. Der Verdacht liegt aber nahe, dass sich in der Luxuskosmetik-Branche Groschenroman-Autoren ein Zubrot verdienen. Woher mag sonst Lancômes Slogan "Poême, ein Duft wird zu einer Liebeserklärung" kommen?

2007 gaben Frauen in Deutschland für solch pudrige Liebeserklärungen 965 Millionen Euro aus. Dass jährlich bis zu 80 neue Düfte in den Verkauf kommen, für die erst mühsam Namen und Slogans erfunden werden und von denen dann doch 97 Prozent das dritte Jahr am Markt nicht mehr erleben, mag als Sinnbild für das heutige Beziehungsleben gelten.

Nicht zufällig gehen 37 Prozent der Deutschen abends allein ins Bett. Tendenz steigend. In den Großstädten lebt schon die Hälfte der Einwohner allein - und alle sehnen sich nach einem Dr. Norden oder einer Schwester S. Da nicht jeder das Privileg besitzt, im Stationszimmer einfach auf sein Glück warten zu können, nutzen 31 Prozent der Single-Frauen und 26 Prozent der Single-Männer mit akademischem Hintergrund eine Online-Partnervermittlung. Im Januar 2008 verzeichneten die Online-Single-Börsen in Deutschland mehr als sechs Millionen Besuche. Die einsamen Herzen gaben 2007 immerhin 85 Millionen Euro für die Online-Suche aus - 29 Prozent mehr als 2006. Der Markt ist damit größer als der für Musik-Downloads (60 Millionen Euro) und soll nach Angaben des Marktführers Parship in Europa in den nächsten fünf Jahren die Milliardengrenze durchbrechen.

Einer der Ersten, der damit richtig Geld verdiente, war der Kanadier Markus Frind. Er operiert mit seinem Partnerportal "Plenty of fish" eine Menge Fisch, na ja - von seinem Apartment in Vancouver aus und erwirtschaftet damit nach Angaben der "New York Times" einen Nettogewinn von zehn Millionen Dollar im Jahr. Nur durch Werbung und eine ausgefeilte Software, die die Website mit mehr als einer Million User im Monat nahezu per Autopilot steuert. Frind selbst sagt, er habe eine Zehn-Stunden-Arbeitswoche.

Von solchen Konditionen kann auch ein Chefarzt wie Dr. Norden nur träumen. Für den zieht sich die Schlinge gerade enger. Im Park des Krankenhauses stellt er Schwester Sandra eine schicksalhafte Frage:

"Wann heiraten wir?" - "Das überlasse ich dir. Wird man die Stirn runzeln im Kollegenkreis?" "Ach was, wen interessiert das schon? Es ist unsere ureigenste Angelegenheit. Bei den Kollegen sind Scheidungen an der Tagesordnung." - "O là, là, vielleicht sollten wir dann gar nicht erst heiraten. Scheidungen kommen teuer heutzutage", lächelte sie. "Mich hast du auf ewig, Sandra", versicherte er zärtlich. "Mich hast du auch für immer", flüsterte sie.

Dr. Norden hängt also am Haken. Er wird ihr einen Antrag machen. Dafür ist es heute allerdings nicht mehr mit einem kostenlosen Kniefall auf Schwiegervaters Teppich getan. Es wird neuerdings Inspiration erwartet, zumindest aber Paar-Schweben. "Auch floaten genannt", wie Andrea Bosch vom Schwebebad & Floatcenter in Berlin erläutert. "Einsteigen und losschweben", heißt es hier, was bei Paaren zu "angenehmen Gefühlen auf der Seelenebene" führe. Zum Floating-Tarif ab 59 Euro schweben Verliebte eine Stunde einsam in einem salzigen Sud. Begleitet von Unterwassermusik, Champagner und Rosenbukett, sprechen viele Kunden hier den Antrag aus, mit Auftrieb wie im Toten Meer.

Derart schwebend kann keine Krankenschwes ter Nein sagen, und so klingen nach der Unterwassermusik die Hochzeitsglocken. Ja, ich will -und ab zur großen Feier. Dr. Norden ist zwar kein Millionär, für das Ciragan Palace in Istanbul reicht es aber schon. Es ist das Hotel für Hochzeiten innerhalb der Kempinski-Gruppe. Mehr als 100 Vermählungen wurden dort 2007 gefeiert, die mit mehr als 1000 Übernachtungen einhergingen und 30 Prozent des Umsatzes im Haus erwirtschafteten. In den anderen Kempinski- Hotels bringen Hochzeiten oft weniger als ein Prozent des Umsatzes. Ebenso sind die speziellen Hochzeitssuiten meist Ladenhüter. Im Grand Hotel in Heiligendamm lassen sich die entsprechenden Buchungen an einer Hand abzählen; genaue Zahlen nennt man dort lieber nicht.

Wir verlassen Dr. Norden und Sandra kurz. Noch klingen für sie die Geigen im Himmel. Doch eine dunkle Wolke zieht auf. Sie heißt Inge und arbeitet auf Station 4.

EPISODE III - Eine schwere Entscheidung

Ihre hohen Absätze schienen auf den Linoleum-Boden einzuhacken. Inge wusste um ihre Wirkung. Voller Genugtuung spürte sie die begehrenden Blicke der Männer in ihrem Rücken, wenn sie den Gang von Station 4 durchschritt. Bruno war ein erfolgreicher Mann, ein verheirateter Mann - ein lohnender Mann, dachte Inge. Energisch warf sie ihre blonde Mähne zurück, legte ein strahlendes Lächeln auf. Ihre wasserblauen Augen lächelten nicht. Inge war so kalt und berechnend, wie sie schön war.

Dass Dr. Norden der über das Krankenhaus-Linoleum dahinhackenden Schwester Inge mit Begierde nachschaut, hat natürlich auch mit Sandra zu tun. Lange her, dass er ihr den Mund mit Küssen verschloss, geschweige denn ...

Bei Inge sieht Dr. Norden alles, was er bei Sandra nicht mehr bekommt. Wie sagte der schwedische Autor August Strindberg: "Manche Ehe ist ein Todesurteil, das jahrelang vollstreckt wird." Sie verkommt bei Sandra und Dr. Norden zur kostensenkenden Vernunft-Fusion: Ehegatten-Splitting, Kranken-Familienversicherung und Partner-Bahncard. Von der verkaufte die Deutsche Bahn 2007 mehr als 200 000 Stück. Damit kommt man zusammen billiger hin und zurück, würde man noch gemeinsam irgendwo hinwollen.

Sandra starrte in das Rot der untergehenden Sonne und nippte an einem Glas Rotwein. "Bruno, sprich endlich mit mir", sagte sie nach einiger Zeit kampflustig und blickte zu ihrem Mann. Bruno lag auf der Gartenliege, den Kopf nach links geneigt. Leises Schnarchen mischte sich mit dem Zirpen der Grillen. Bitterkeit durchdrang sie. Ihr Mund verzog sich zu einem spöttischen Lächeln. "Gehen wir so auseinander?", fragte sie sich. "Müde und lautlos?"

Die Lage ist ernst. Das ist heute normal und gut für Alexandra Schwarz-Schilling, die unter anderem Paare coacht. Ein wachsender Markt, der allerdings nicht in Zahlen zu fassen ist. Weit mehr als 100 Paare suchen pro Jahr ihren Beistand. Sie zahlen um die 100 Euro für eine Sitzung und laufen laut Schwarz-Schilling meist mit dem immergleichen Problem auf: "Die Frau gibt sich für die Familie opferbereit, steckt also in ihrer Karriere zurück, fühlt sich dafür von ihrem Partner nicht genügend wertgeschätzt und sanktioniert dies mit Sex-Entzug." Was der Partner nicht schätzt, weshalb dessen Wertschätzung für die Partnerin weiter sinkt, er anderen Schwestern nachschaut - und sich die Überstunden häufen. Ein Teufelskreis, der angesichts des dadurch freigesetzten Arbeitseifers aber ernsthaft zu der Frage führt, ob sich die Wirtschaft überhaupt funktionierende Beziehungen leisten kann.

Leistet man sich bei Schwarz-Schilling ein Coaching, dann sollten sechs Sitzungen schon eingeplant werden. Eine hübsche Stange Geld, die sich alternativ auch in eine Reise zur Partnerschaftskittung stecken ließe. Das Kreuzfahrt-Unternehmen Aida bietet seit diesem Frühjahr Arrangements zum "Ehe-Neuversprechen" an, das 2008 allein von Silberhochzeitlern schon 136mal gebucht wurde. Im Prospekt heißt es: "In einer feierlichen Zeremonie mit dem Clubdirector (sic! ) erneuern Sie Ihr Eheversprechen und stoßen mit einem Glas Champagner an." Dazu kommen noch ein bisschen Spa und Gourmet-Dinner mit "korrespondierenden" Weinen.

Dieses Paket käme Dr. Norden mit schlappen 225 Euro deutlich günstiger als die Therapeuten-Couch. Die Kreuzfahrt selbst wäre freilich noch extra zu bezahlen. Eheliche Neu- wie Erstversprechler bedeuten für die Kreuzfahrt-Branche eine wichtige Zielgruppe, bestätigt Hansjörg Kunze, Sprecher des Unternehmens. Vor allem die "Honeymooner" werden mittlerweile konzentriert beworben.

Bei Dr. Norden spitzt sich die Geschichte derweil dramatisch zu. Findet er die Liebe zu Sandra wieder? Oder landet er bei Inge?

EPISODE IV - Alles aus. Und es geht schon wieder los

Bruno sah sie an, Härte und Gleichgültigkeit lagen in seinem Blick. "Ich habe eine Entscheidung getroffen", sagte er. Sandra spürte einen Stein im Magen. Sie wusste, was jetzt folgen würde. "Das hier ist zu nichts mehr gut." Und dann sprach er jene Worte aus, die einer Erlösung und Hinrichtung zugleich glichen: "Sandra, ich will die Scheidung! "

Was einem lieb war, wird nun teuer. Während noch einige der pro Jahr 20 Milliarden von der SCA Hygiene Products AG produzierten Tempo-Taschentücher die Tränen trocknen, tritt auch schon der Scheidungsanwalt auf. 4000 Euro kostet eine Scheidung im Durchschnitt, schätzt Martin Weispfenning, Geschäftsführer der Deutschen Anwalts-, Notar- und Steuerberatervereinigung für Erb- und Familienrecht in Nürnberg.

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Eine Scheidung Rechtsanwaltsgebührenrechnung nach § 10 RVG Monatliches Netto-Einkommen (in Euro):
Ehemann 2500,00
Ehefrau 800,00
Gegenstandswert (in Euro): 11 900,00 Verfahrensgebühr § 13, Nr. 3100 VV RVG 1,3 (in Euro): 683,80
Terminsgebühr § 13, Nr. 3104 VV RVG 1,2 (in Euro): 631,20
Zwischensumme der Gebührenpositionen (in Euro): 1315,00
Pauschale für Post und Telekommunikation Nr. 7002 VV RVG (in Euro): 20,00
Zwischensumme netto (in Euro): 1335,00
19 % Mehrwertsteuer Nr. 7008 VV RVG (in Euro): 253,65
Zwischensumme brutto (in Euro): 1588,65
Gerichtskosten (in Euro): 330,00
Zu zahlender Betrag pro Person (in Euro): 1918,65

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370 000 Paare traten 2006 vor den Traualtar, 195 000 konsultierten Juristen wie Weispfenning. Auf 50 Scheidungen pro Jahr bringt es ein Anwalt seiner Zunft leicht. Die üblichen Abfindungen für das Ausscheiden aus dem Eheversprechen taxiert Weispfenning auf 5000 bis 300 000 Euro. Zu 90 Prozent zahlen die Männer. Paul McCartney schoss den Vogel ab: Nach vier Ehejahren zahlte er Heather Mills stolze 32 Millionen Euro, mehr als 20 000 Euro pro Ehetag. Was angesichts der von Mills zunächst geforderten 150 Millionen Euro ein Schnäppchen ist. Da es nur ein Fünftel dessen wurde, ist der Ärger bei der Ex-Gattin des Ex-Beatle verständlich: Sie goss McCartneys Anwältin Fiona Shackleton nach der Verhandlung ein Glas Wasser über den Kopf. Diese gewiefte Juristin schließt übrigens sehr erfolgreich Verträge mit Ehemännern: Üblicherweise lässt sie sich dafür bezahlen, deren Gattinnen im Fall der Fälle nicht zu vertreten.

Aus den Kosten werden die wenigsten Menschen klug. Nur zehn Prozent der Eheversprechen begleitet heute auch ein entsprechender Vertrag, und mehr als 30 Prozent der Geschiedenen wagen trotz Ehe-Crash ein neuerliches Hochzeitsfest. Dr. Norden macht Inge im vorliegenden Roman schon bald entsprechende Avancen. Auch bei Sandra scheint sich etwas anzubahnen. Achtung, "Happy End":

Sandra nahm den Löffel aus der Tasse und legte ihn leise klirrend auf dem Unterteller ab. "Vermisst du ihn noch?", fragte ihr langjähriger Arbeitskollege Martin leise. "Nicht eine Sekunde! ", rief sie entrüstet aus. Sie fühlte, wie die Worte in ihr nachhallten. Nein, da war nichts mehr, höchstens ein Hauch Traurigkeit, dass alles so kam, wie es kommen musste: die Scheidung, die Verzweiflung, Brunos Heirat mit Inge. Martin blickte sie an, und zum ersten Mal fiel ihr auf, wie viel Sanftheit in seinen braunen Augen lag. "Gehen wir bald einmal ins Kino?", fragte er. "Gerne", sagte sie und schenkte ihm ihr schönstes Lächeln.

Apropos Kino, die Cinestar-Gruppe hat inzwischen bei fast 20 Prozent ihrer Bestuhlung die für Liebende störende Zwischenlehne abmontiert. Die Paarsessel wären sicher auch etwas für Martin und Sandra oder Inge und Dr. Norden. Der mit den beiden Pärchen neu beginnende Wirtschaftsreigen ließe sich statt mit der üblichen Rose auch gleich mit einer "echten Sternschnuppe" starten. Gekauft bei www.mondmakler.de für 49,95 Euro, mit Zertifikat und notariell beglaubigter Unterschrift. Das Beste: Sollte das Zertifikat nicht gefallen, schickt man es binnen 14 Tagen einfach wieder zurück. -