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Von Viren leben

Sie legen Rechner lahm, kapern Daten und spionieren Passwörter aus - Computerviren sind das große Übel des Cyber-Zeitalters. Und ein gutes Geschäft für den deutschen Software-Spezialisten Avira.




- Die Botschaft war eher unfreundlich formuliert: "Hello stupid developers of Avira AntiVir. You can use this string as signature of this PE=). RZSD." Frei übersetzt für Nichtprogrammierer heißt das: Hallo, ihr dummen Entwickler bei Avira. Hier habt ihr einen Software-Code, mit dem ihr einen bestimmten Virus erkennen und markieren könnt.

Alexander Vukcevic, 29, liest die Botschaft mit Genugtuung: "Da draußen scheint sich langsam eine gehörige Portion Frust angesammelt zu haben." Und dabei wirkt er so gar nicht wie ein dummer Entwickler. Eher wie einer, der sein Handwerk mit Leidenschaft betreibt und dann still und selbstbewusst in sich hineinlächelt, wenn das Werkstück sich als gut erweist. Das muss es. Denn Vukcevic kämpft gegen starke Gegner.

Irgendwo da draußen sitzen Menschen, die für Geld sogenannte Malware programmieren und normalerweise keine Anleitung zur Erkennung mitschicken. Malware ist ein Kunstwort aus malicious und software und bedeutet bösartige Softwarecodes. Malware ist der Überbegriff für Viren, Trojaner, Würmer, Backdoors, Rootkits, Exploits oder verwandte Übeltäter, die fremde Computer ausspionieren, kapern, im Namen unbescholtener Surfer megabitweise Werbe-Mails verschicken, Bankdaten abgreifen oder auf andere Art Informationstechnik beschädigen.

Hier drinnen sitzen die Guten. Hier drinnen ist das Virenlabor von Deutschlands führendem Hersteller von Anti-Mal-ware-Software. Die Guten sind an diesem Montagmorgen zu zehnt. Die jüngsten dürften um die 20, keiner über 30 sein.

Die Kapuzenpulli-Quote im Raum liegt bei 80 Prozent. Bei der Virenerkennung strebt die junge Männertruppe nach deutlich höheren Quoten. In nahezu allen unabhängigen Tests kommt ihre Software auf eine Erkennungsrate von mehr als 99 Prozent, ein Spitzenwert in den Vergleichstests der vergangenen beiden Jahre. "100 Prozent werden wohl leider nie möglich sein, denn wir können nur reagieren", sagt Vukcevic, Chef im Virenlabor.

Damit spricht er nicht nur für die 250-Mann-Firma aus Tettnang am Bodensee, sondern für die gesamte Branche.

Virenerkennung ist ein Abwehrkampf. Es agieren die Bösen. Die Abwehr kann sich oft erst formieren, wenn sie weiß, wo und mit welchen Mitteln der Angreifer zuschlägt. Für den Ersten, den der Virus befällt, ist es leider zu spät. Alle anderen in der vernetzten Computerwelt können hoffen, dass er den Schädling rasch bemerkt und so schnell wie möglich an das internationale Netzwerk der Virenbekämpfer bestehend aus Dutzenden kommerzieller Firmen und ein paar Idealisten - weiterschickt. Die brauchen den frischen Virus, das sogenannte Sample, um ihn zu analysieren und einen Teil seines Codes (also den Quelltext des Schadprogramms) zu markieren. Der markierte Code wird fortan von den Antiviren-Programmen erkannt, wenn die unerwünschte Malware auf einem PC oder an den digitalen Toren eines Netzwerks um Einlass bittet.

Wenn es schnell gehen muss, hilft nur die Ruhe

Das Virenlabor von Tettnang ist in einem schmucklosen Funktionsbau untergebracht. Auch in dem rund hundert Quadratmeter großen Raum hat sich niemand die Mühe der Dekoration gemacht. Keine Dilbert-Cartoons, keine Mini-Basketballkörbe über Mülleimern oder vergleichbare Techie-Accessoires. Auf grauen Kunststoffschreibtischen stehen Tastaturen und Bildschirme, kein Blatt liegt herum, kein Stift, kein Elektronikspielzeug. Als wolle man bewusst eine aseptische Arbeitsatmosphäre schaffen. An einigen Schreibtischen wird leise, meist in Zweiergruppen, diskutiert. An den anderen arbeiten die Virenjäger konzentriert vor sich hin.

Eines strahlen sie nicht aus: Hektik. Computerviren mit hoch spezialisierten Softwaretools zu analysieren und zu markieren braucht Ruhe. In der Ruhe liegt in diesem Fall die Geschwindigkeit. Denn wenn mal wieder ein Outbreak - also eine größere Virenattacke - Kunden-Server und -netzwerke zu befallen droht, herrscht erheblicher Zeitdruck. Je früher ein neuer Virus identifiziert ist, desto weniger Kunden werden sich ihn einfangen. Maximal 30 Minuten sollten vom ersten Report bis zur Integration in die Abwehr-Software vergehen. Panik wäre bei der Schädlingsbekämpfung extrem schädlich. Und damit auch für das Antivirengeschäft.

In dem ist viel Geld zu verdienen. Deutsche Unternehmen und Privatanwender geben nach Schätzungen der Marktanalysten der Experton Group zurzeit 500 Millionen Euro für Anti-Malware-Programme aus. Rund 33 Millionen davon stehen dieses Jahr in den Auftragsbüchern der Avira GmbH. Ein Marktanteil von etwas mehr als sechs Prozent mag auf den ersten Blick nicht beeindrucken. Doch bei genauerem Hinsehen wird erkennbar: Die Oberschwaben haben in einem Marktumfeld, das von kapitalstarken globalen Spielern wie Symantec, McAfee oder Trend Micro beherrscht wird, mit technischer Kompetenz und cleverer Selbstvermarktung eine jener seltenen Erfolgsgeschichten geschrieben, die in Deutschlands bescheidener Software-Branche Lust auf mehr macht.

Die Antivirenprogramme aus Tettnang laufen laut Firmenangaben zurzeit auf rund 30 Millionen Computern in Deutschland. Das wiederum entspricht einem Marktanteil von um die 50 Prozent. Weltweit sind bereits mehr als 60 Millionen Avira-Programme installiert - und monatlich werden vier Millionen weitere von den Firmen-Servern am Bodensee heruntergeladen. Warum sich Avira im Netz ungefähr wie Malware verbreitet? Die Software kann bei der Zuverlässigkeit mit den besten Produkten der Welt mithalten. Und: Für Privatanwender ist sie kostenlos.

Nur Firmenkunden müssen zahlen. Privatanwender haben neben der Gratisversion die Möglichkeit, für wenig Geld eine etwas bedienungsfreundlichere Premiumversion zu kaufen, von deren Verkaufspreis fünf Euro in eine Stiftung für soziale Projekte fließen. Diese Doppelstrategie - Privatanwender mit Geschenken zu ködern, um mit Firmenkunden Geld zu verdienen - praktizieren viele Software-Hersteller. Doch wenige so erfolgreich wie Avira. Und bereits so lange.

Viren zerlegen macht Spaß, eine Firma zu führen nicht immer

Ausgangspunkt war eine einfache Frage: "Wie können wir auf uns aufmerksam machen?" Tjark Auerbach hat sie abends beim Bier auf der Cebit 2002 gestellt. Als Person dürfte Auerbach, der Gründer von Avira, selten ein Problem damit haben, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen: Groß, breitschultrig und korpulent steht er im Raum. Mit lockigem grauem Haar und Vollbart. Die Stimme ist laut und tief, und auf die Frage, was für ein Chef er sei, sagte er dem "Handelsblatt": "Arrogant, vorlaut, unausstehlich, ungestüm und selbstgerecht." Seine Angestellten sollen dennoch gern mit ihm zum Hamburger-Wettessen gehen.

Die Originalität von Gründern kann der Vermarktung von Produkten sicher zuträglich sein, doch auf der Cebit, zwischen den Riesenständen der IT-Riesen, wurde auch einem Kraftmenschen wie Tjark Auerbach klar: Ein gutes Produkt und eine laute Stimme werden nicht reichen, um die Firma, damals 40 Mann stark, entscheidend voranzubringen. Ein3 Vertriebsmitarbeiter fand ein paar Bier später die passende Antwort auf die Aufmerksamkeitsfrage: "Warum verschenken wir unser Produkt nicht an Leute in einem Bereich, in dem wir sowieso nicht tätig sind? Das bringt jede Menge Presse."

Wenig später stellte Avira die erste kostenlose Version zum Herunterladen ins Netz. Die Resonanz in den Fachmedien war riesig, schnell stiegen auch die Abrufraten. Und Avira konnte die nächste Stufe der Firmengeschichte zünden, die bis dato eher eine hübsche, kleine Mittelstandsgeschichte aus der süddeutschen Provinz gewesen war.

Diese Geschichte geht in etwa so: Anfang der achtziger Jahre schraubt ein junger Mann mit Namen Tjark Auerbach für einen regionalen Computer-Großhändler Rechner zusammen, muss dafür aber immer sehr früh aufstehen, was ihm ziemlich auf den Zeiger geht. Er holt deshalb die Technikerausbildung an der Elektronikschule in Tettnang nach und beginnt als Student, Software aus den USA zu importieren. Der Nebenerwerb erweist sich als lukrativ genug, um darauf eine Existenz samt GmbH zu bauen, bei der er nicht um 7.30 Uhr auf irgendeiner Matte zu stehen hat.

Über den Software-Verkauf ist der junge Auerbach bestens in der lebhaften Computerszene der späten Achtziger verdrahtet. Ein befreundeter Redakteur macht ihn auf ein kleines Programm aufmerksam, das er zum Schutz gegen die ersten Computerviren geschrieben hat, die durch die Vorläufer des World Wide Web schwirrten. Damit findet der Techniker vom Bodensee, laut Selbsteinschätzung kein brillanter, aber ein ausdauernder Programmierer, sein Thema: Viren zerlegen mache ihm "einfach verdammt viel Spaß". Der Software-Import sichert weiter die Grundfinanzierung, die Entwicklung einer eigenen Antiviren-Software wird aber fortan das eigentliche Unternehmensziel. Aus Gefrickel wird Profession, und die ist zunehmend lukrativ. 1992 kann Auerbach sich ganz darauf konzentrieren.

1992 ist das Jahr von Michelangelo, jenem Computervirus, der einer breiteren Öffentlichkeit erstmals vor Augen führt, dass die vernetzte Computerwelt nicht nur in James-Bond-Filmen anfällig für Cyber-Attacken von mathematisch hoch-, aber charakterlich minderbegabten Menschen ist. Aufgeschreckte Journalisten kündigen mit Michelangelo gleich den wirtschaftlichen Weltuntergang an. Und Tjark Auerbach und sein kleines Zehn-Mann-Team betteln abends bei den Postbeamten in der Kreisstadt Ravensburg, ob sie nicht doch noch schnell ein paar Pakete mit Disketten samt Handbuch zum Schutz gegen den angeblichen Supervirus verschicken dürfen.

Angerichtet hat Michelangelo wenig. Doch mit jeder Panikwelle, die jedem größeren Virus der neunziger Jahre vorauseilt, steigen auch in Tettnang die Umsätze. Bis 1998. In diesem Jahr gerät die hübsche kleine Erzählung aus der süddeutschen Provinz ein wenig ins Stocken.

Die Kasse ist leer, der Chef macht einen Crash-Kurs

Denn ins betriebswirtschaftliche System der Firma hatten sich spätestens seit Mitte der neunziger Jahre allerhand Viren eingeschlichen, die plötzlich vereint zuschlugen.

Auerbach, breitbeinig auf seinem Stuhl im Konferenzraum, die vielen Auszeichnungen von Antiviren-Software-Tests hinter sich an der Wand, versucht erst gar nicht, seine Eitelkeit zu kaschieren. Er hört sich gern reden, allerdings: Die eigenen Fehler sind offener Bestandteil seiner Erzählungen. Ein betriebswirtschaftlicher Laie sei er gewesen, als die Firma in den neunziger Jahren Auftrieb bekam. Sie wuchs dem Gründer über den Kopf. Strategische Fehlentscheidungen und mangelnde Produktqualität führten zu immer weniger Liquidität in der Firmenkasse. Mitte Januar 1998 musste Tjark Auerbach vor seine Mitarbeiter treten und kleinlaut zugeben: "Ich bin nicht sicher, ob ich euch am Monatsende euer Gehalt zahlen kann."

Bei einem Unternehmensberater machte der Autodidakt einen Crash-Kurs. Die Hausbank half mit einem Kredit aus, und die Angestellten verzichteten auf zehn Prozent ihres Gehalts, als sie hörten, dass Auerbach das eigene Salär für sechs Monate ganz strich. Entlassen wurde niemand. Am Ende des Jahres war die Firma wieder auf Wachstumskurs, diesmal nicht nur bei den Umsätzen, sondern auch bei den Gewinnen.

Bis zu jener Cebit mit dem Geistesblitz des Vertriebsmitarbeiters konzentrierten sich die Software-Experten voll auf Firmenkundschaft. Wenn ein Unternehmen von seiner Informationstechnik existenziell abhängig ist, so das nachvollziehbare Kalkül, nimmt es auch ordentlich Geld für IT-Sicherheit in die Hand. Die Privatanwender schienen den Oberschwaben hingegen ein zu mühsames Geschäft.

Nun hat Software, wie jede digitale Ware, eine interessante Eigenschaft. Die Kosten entstehen in der Entwicklung. Ist das Programm einmal geschrieben, lässt es sich fast kostenfrei reproduzieren. Darauf fußt das Kalkül der jüngeren Firmengeschichte: Verschenke ein gutes Produkt an Privatanwender, die ihre Online-Bankgeschäfte fortan deutlich sicherer erledigen - und am nächsten Morgen in der Firma als Avira-Markenbotschafter auftreten.

Das Kalkül geht auf, wie eine Umfrage unter den Avira-Kunden belegt. "39 Prozent unserer zahlenden Kunden sind über die Freeware zu uns gekommen", sagt der Mann, der seit zwei Jahren für die Umsetzung dieser Strategie zustän dig ist. Optisch und vom Habitus her ist der Executive Vice President Rainer Witzgall ein Gegenentwurf zum poltrigen Gründer. Eher klein und drahtig, beim Reden auf jede Nuance bedacht. Doch von den Qualitäten der Avira-Programmierer ist Witzgall mindestens so überzeugt wie Auerbach. Deshalb ist er aus guter Position von der IT-Metropole München nach Tettnang gewechselt und nimmt nach wie vor die lästige Wochenendpendelei auf sich.

Dass das Vertriebsmodell nicht ohne Tücken ist, erklärt Witzgall mit einer kleinen Anekdote. Kürzlich poppte während einer Präsentation bei einer IT-Sicherheitskonferenz das Avira-Erinnerungsfenster für Privatnutzer auf, das diese auf die Vorteile der kostenpflichtigen Version hinweist. Nun war der Vortragende kein Hobbyforscher mit Privat-Laptop, sondern Mitarbeiter eines Unternehmens, mit dem Avira relativ eng zusammenarbeitet. "Wie viele Privatversionen auf Firmenrechnern installiert sind, wissen wir nicht. Aber wir wissen, dass es viele sind", sagt Witzgall und ergänzt: "Bis zu einem gewissen Grad müssen wir mit Lizenzmissbrauch leben." Zurzeit überwiegen aus Sicht des Marketing-Chefs jedoch eindeutig die Vorteile. Selbst der für den Vortragenden peinliche Vorfall bei der Konferenz führt vor fachkundigem Publikum zu Mundpropaganda. Und gerade die soll wiederum zu den lukrativen Aufträgen führen.

Die Zahlen sprechen für sich. "Vor der Einführung der Privatanwenderversion wuchs Avira klar unter Marktdurchschnitt, seit 2002 klar darüber", sagt der Finanzchef Werner Püfke. Für dieses Jahr rechnet er mit einem Umsatzplus von 33 Prozent, nicht zuletzt dank einer Umstrukturierung des Vertriebs. Bis 2006 sollten Zufallsbekanntschaften, persönliche Empfehlungen und eine kleine Vertriebsmannschaft die Avira-Lösungen an die IT-Entscheider in Unternehmen bringen. In den vergangenen beiden Jahren haben die Tettnanger 1800 Vertriebspartnerschaften zumeist mit kleinen Software-Häusern und IT-Beratern geschlossen, die im Mittelstand dafür sorgen, dass die Rechner funktionieren. Das kostet zwar Marge, hat aber die Chancen zum Kundenkontakt um ein Vielfaches multipliziert.

Die Virenpanik nimmt ab. Das ist gut fürs Geschäft

Gleichzeitig profitiert Avira von der allgemein guten Konjunktur unter den Virenjägern. Interessant in diesem Zusammenhang: Die Panik unter Computernutzern nimmt ab, obwohl die Zahl der Viren zunimmt. Unternehmen wie ein großer Teil der Privatanwender haben in zwei Jahrzehnten Massendigitalisierung gelernt, den Gefahren böswilliger Eindringlinge systematischer zu begegnen. Und sind bereit, Zeit und Geld in den Schutz der eigenen Daten zu investieren.

Um seinen Arbeitsplatz macht sich zurzeit bei Avira niemand ernsthaft Sorgen. Die Geschäftsführung hat eher Probleme, Platz für die Schreibtische neuer Kollegen zu schaffen. Über die Jahre hat sich die Firma immer weiter in dem 20 000-Seelen-Ort ausgebreitet. An acht verschiedenen Orten prangt das Logo mit dem roten Regenschirm inzwischen. Tauchten Platzprobleme auf, wurde irgendwo ein Gewerberaum angemietet.

Damit soll bald Schluss sein. Ein eigenes Firmengebäude im Gewerbegebiet ist geplant, das die Firma auch ein wenig attraktiver für potenzielle Bewerber von außerhalb machen soll. Zu Google nach Zürich will man reisen, um sich für die Gestaltung der Büroräume inspirieren zu lassen. Und ein Gesamtpaket aus Betriebsrente, Dauerkarte fürs Fitnessstudio und guten Aufstiegschancen schnüren.

Im Virenlabor von Alexander Vukcevic vermittelt derweil niemand den Eindruck, dass er zusätzliche Motivation nötig hätte. Für die sorgen schon die da draußen mit immer neuen Taktiken. Die Zeiten, in denen massenhaft Viren in E-Mail-Anhängen verbreitet wurden, scheinen vorbei. Sie werden zum großen Teil schon von den Providern herausgefiltert. "Heute wird Malware oft über gekaperte Web-Seiten verbreitet", sagt der Manager des Virenlabors. Ein Klick auf eine ganz normale Web-Seite kann reichen, und der Nutzer fängt sich was ein. Oder: Man schaut sich in seinem Social Network ein Video an - und schon landet eine Spyware auf dem Rechner, die Passwörter abfangen könnte.

Die Cyber-Kriminellen werden auch immer geschickter darin, Viren-Codes mehrfach in unverdächtige digitale Schutzhüllen zu verpacken, um Anti-Malware-Programme zu täuschen. Die nächste Sicherheitsstufe bei Avira soll deshalb mehr können, als eingehende Codes zu analysieren. Sie wird konstant abgleichen, welche Befehle Nutzer und legale Programme auf dem Rechner gerade geben und ob die ausgeführten Aktionen des Systems damit übereinstimmen. Überträgt der Rechner zum Beispiel Daten nach draußen, obwohl kein Mensch oder kein bekanntes Programm den Befehl dazu gegeben haben, wird Alarm geschlagen.

Auch die eigenen Maschinen arbeiten den guten Nerds vom Bodensee immer besser zu: Heuristik heißt das Zauberwort. Wie Virenstämme in der Biologie weisen auch Computerviren oft ähnliche Strukturen auf, denn die Programmierer von Malware erfinden das Rad nicht jedes Mal neu. Ähnelt ein unbekannter Code-Abschnitt bekannten Viren, erkennt gute Viren-Software das heute automatisch.

Das war auch bei jenem pöbelnden Hacker der Fall, der meinte, den Avira-Leuten eine versteckte Hilfestellung geben zu müssen. "Als Virus hatten wir den Code längst erkannt, bevor wir die Botschaft gesehen haben", erinnert sich Vukcevic. Wie gesagt: Er macht keineswegs den Eindruck, ein "dummer Entwickler" zu sein. Die da draußen scheinen ihre Gegner hier drinnen ein wenig zu unterschätzen. Oder sie sind tatsächlich frustriert. -