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Das kleine Wirtschaftswörterbuch: Südafrikanisches EnglischAfrikaansZulu - Deutsch

Übung 5: Verstehendes Lesen Eine diesmal mehrsprachige Übung zur Farbenlehre und wie Abkürzungen Raubtiere fett machen.




(Für ein erfolgreiches Lernen bitte laut lesen und mehrmals wiederholen)

Südafrikaner nennen ihre Heimat die Regenbogennation. Die Einteilung der Bevölkerung nach Hautfarben, wie zu Zeiten des Apartheidsregimes, ist verboten. Wer etwas auf sich hält und der weltweit gepriesenen Verfassung folgt, ist „colour blind“.

[colour blind] |
farbenblind (im Sinne von wünschenswerter Eigenschaft)

So weit die Theorie. Doch im wahren Leben sind die Kapländer von der Einteilung nach der Hautschattierung noch immer besessen. Vor allem im Geschäftsleben ist die Klassifizierung der Marktteilnehmer in „black“ und „white“ fast genauso gängig wie noch vor 20 Jahren.

[black] |
schwarz (Leitbegriff zur Einteilung der Bevölkerung und am Kap keineswegs verpönt)

Der politischen Definition nach sind in Südafrika all jene schwarz, die nicht weiß sind. Kürzlich machte Patrick Chong, ein Südafrikaner chinesischer Abstammung, auf sich aufmerksam, als er vor Gericht zog, um sich ebenfalls als „Schwarzer“ – als „previously disadvantaged person“ – eintragen zu lassen.

[previously disadvantaged people] |
bisher benachteiligte Leute (Neusprech für Schwarze, siehe blacks)

Der Mann hatte gute Gründe für seinen Gang zum Farben-Kadi. Schließlich wusste auch er sich von der Apartheid diskriminiert und wollte nun in den Genuss des Wiedergutmachungsprogramms der Regierung kommen, das „Black Economic Empowerment“ heißt. Und das – wie schon der Name sagt – nur Schwarzen offensteht.

[Black Economic Empowerment, kurz BEE] |
wirtschaftliches Förderprogramm für Schwarze

Kein Südafrikaner, der Herz und Verstand am rechten Fleck hat, bestreitet, dass solch ein Programm nötig war. Zur Zeit der großen Wende 1994 gehörten weniger als zwei Prozent der an der Börse in Johannesburg gehandelten Werte Angehörigen jener Bevölkerungsgruppe, die fast 90 Prozent der Kapländer ausmachen. Dass eine Marktwirtschaft, die an neun Zehnteln des Marktes vorbeiwirtschaftet, verwerflich, vor allem aber irgendwann „ngiyabanda“ ist, ging selbst der weißen Geschäftswelt auf.

[ngiyabanda (Zulu)] |
mir ist kalt (im Sinne von: bankrott sein) 

Die neue Regierung sorgte zunächst dafür, dass einzelne schwarze Geschäftsleute als Partner weißer Unternehmen einen Fuß in die Tür bekamen. So wurden einige previously disadvantaged people zu „fat cats“, also richtig reich.

[fat cats] |
gut genährte Raubtiere, auch: Wohlhabende

Doch zwei Dutzend fat cats machen noch kein neues Südafrika. Zumal die Transformation durch besonders clevere weiße Unternehmer unterlaufen wurde, die etwa ihren Gärtner zum Teilhaber erklärten. Das wurde als „fronting“ berüchtigt.

[fronting] |
so tun als ob, vulgär: Verarschung

Die Regierung erließ zahlreiche Regeln zugunsten der einst Benachteiligten. Diese Strategie wurde mit dem Stotter-Akronym BBBEE versehen (für Broad Based Black Economic Empowerment) – ihr Herzstück ist die „scorecard“.

[scorecard] |
Punktekonto, das

Sie bewertet Unternehmen nach sieben Kriterien. Vor allem zählt der Anteil Schwarzer unter den Eigentümern, im Management und in der Belegschaft. Firmen mit einem schlechten Wert brauchen sich an Ausschreibungen der öffentlichen Hand erst gar nicht zu beteiligen. Bergbauunternehmen droht der Verlust ihrer Lizenz. Da es schlecht ausgebildeten Weißen nun schwerfällt, noch Arbeit zu finden, ist BBBEE in der Afrikaans sprechenden weißen Unterschicht verhasst. Die „regstellende aksie“ wird dort „regsteelende aksie“ oder gar „teregstellende aksie“ genannt.

[regstellende aksie (Afrikaans)] |
zurechtrückende Maßnahme

[regsteelende aksie] |
zurechtstehlende Maßnahme

[teregstellende aksie] |
Hinrichtung

Bislang gingen Unternehmensanteile im Wert von rund 38 Milliarden Euro an von Schwarzen kontrollierte Unternehmen. Bis zum Jahr 2015 sollen Schwarze laut BBBEE-Charta 58 Prozent aller Management-Positionen besetzen. Aktuell sind es 38 Prozent. Das klingt gut, doch Fachleute sind skeptisch. Firmen würden zur Einstellung schwarzer Angestellten gezwungen, obwohl nicht genügend qualifizierte Kandidaten zur Verfügung stünden. Eine Folge sei die miserable Produktivität der südafrikanischen Wirtschaft. Verschlimmert wird die Misere durch das „job hopping“ der „buppies“, die von Personalchefs mit immer höheren Summen angelockt oder abgeworben werden, um die BBBEE-Kriterien zu erfüllen.

[job hopping] |
rasanter Arbeitsplatzwechsel

[buppies (black urban professionals)] |
junge Schwarze, dank Förderung reich (häufig im BMW unterwegs)

[BMW (auch als hämische Abkürzung für "black men's wish")] |
Lieblingsfahrzeug der buppies

Nun fahren trotz BBE und BBBEE natürlich nicht alle Schwarzen BMW. Und die Situation in den Townships und die noch immer akute Arbeitslosenquote von 23 Prozent sind unverändert ernst. Fakt sei aber auch, findet der Johannesburger Wirtschaftswissenschaftler Azar Jammine, dass das Ertüchtigungsprogramm die allseits beklagte "culture of entitlement" verstärke.

[culture of entitlement] |
Kultur der Anspruchshaltung

Wie eifersüchtig diese Ansprüche verteidigt werden, bekam der eingangs erwähnte Patrick Chong zu spüren. Nachdem ein Gericht seinem Antrag auf Anerkennung als previously disadvantaged person entsprochen hatte, brach Entrüstung aus. Auch Arbeitsminister Membathisi Mdladlana echauffierte sich: Er habe noch keinen Afrikaner chinesisch sprechen hören, feixte er. Er wird sich daran gewöhnen müssen, bei „uphuzi“ – laut Gerichtsbeschluss – schwarz zu sehen.

[uphuzi (Zulu) | gelb (im Sinne von schwarz)