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Wird schon schiefgehen!

Auf der Suche nach dem Glück rechnen die meisten mit allem - außer mit sich selbst. Eine Spurensuche mit Glücksfragen und Antworten von Eckart von Hirschhausen.




1. Das Glück der Idioten

Es gibt Tage, an denen wird einem schlagartig klar, dass die gesamte Glücksenergie dieses Planeten von einigen wenigen Deppen abgesaugt wird. Das Allerschlimmste daran ist, dass diese Trottel gar nicht bemerken, wie gut es ihnen geht - und wie schlecht unsereinem. Stimmt doch!

Diese Glückspilze watscheln rum wie Gustav Gans aus Entenhausen. Sie schnappen uns die besten Geschäfte weg und die schönsten Enten. Wir rackern für unser Glück, aber anderen fällt es vor die Füße. Wie gemein, finden wir. Kein Wunder, sagt die Wissenschaft, vertreten durch Professor Richard Wiseman. Der ist Psychologe an der Universität von Hertfordshire. Ein Glücksforscher. Wiseman hat vor vier Jahren eine Studie veröffentlicht, die unsere schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Darin forderte Wiseman in Inseraten Menschen auf, sich bei ihm zu melden, nicht irgendwelche Menschen, sondern nur die, die sich selbst als a) besonders glücklich oder b) besonders unglücklich bezeichnen würden.

Heimtückischerweise platzierte Wiseman in derselben Ausgabe auch noch einen weiteren Aufruf ungefähr folgenden Inhalts: "Hallo liebe Teilnehmer an der Glücks- und Unglücksstudie wenn Sie dieses Inserat lesen und sich beim Studienleiter, also bei mir, Richard Wiseman, melden, dann haben Sie die Chance auf den Gewinn von 400 Pfund." Und natürlich kam es so: Ein Haufen Unglücklicher meldete sich bei Wiseman. Eine Anzahl Glücklicher auch. Im Haufen der Unglücklichen hatte niemand bemerkt, dass auch noch ein zweites Inserat in der Zeitung war, eben jenes mit dem 400-Pfund-Gewinn. Die "glücklichen" Studienteilnehmer hatten das hingegen fast alle bemerkt. Glück macht Glück, so wie Geld Geld macht. Wie kann das sein?

Herr Wiseman sagt: ganz einfach. Leute, die schlecht drauf sind, unglücklich und sich vom Pech verfolgt fühlen, sind so auf sich und ihr Unglück fixiert, dass sie nichts anderes mehr wahrnehmen. Sie sind nervös und angespannt: Alles, was sie anpacken, könnte ja schiefgehen. Darum schauen sie nicht nach links und nach rechts, nach vorn schon gar nicht. Der Pechvogel betrachtet das Unglück als seinen stetigen Begleiter. Er sucht einen Partner, aber das wird nichts werden. Es kann nicht lange dauern, bis die neue Bekanntschaft das bemerkt. Am Besten gleich sagen: Ich habe immer Pech. Man muss kein Beziehungsberater sein, um zu wissen, was dann passiert. Nichts.

Glückspilze hingegen interessieren sich irgendwie für alles ein bisschen. Was immer ihnen das Leben anbietet, und sei es ein seltsames Zeitungsinserat, sie schauen nach, was man da machen könnte. Sie kämen nie auf die Idee, dass irgendwas schiefgehen könnte, und falls doch, was soll's? Wenn Gustav Gans auf einer Party einen Korb kriegt, denkt er sich: Okay, aber die Musik ist klasse, der Wein super und das Essen hervorragend. Was für ein herrlicher Abend! Und da drüben, die da, die hat eben rübergeguckt. Auf geht's!

Ziemlich ähnlich funktioniert das Geschäftsleben. Wiseman hat herausgefunden, dass Menschen, die sich selbst als glücklich bezeichnen, tatsächlich ihre ganze Umwelt weit stärker nach Möglichkeiten absuchen. Glück ist eine Frage der erkannten Chancen. Unmittelbar aus den Donald-Duck-Taschenbüchern, in denen Gustav Gans zu Hause ist, übernahm Richard Wiseman ein Experiment, das Bände spricht. Er lud Pechvögel und Glückspilze zu einem Termin und deponierte vor ihrem Eintreffen auf dem Teppich des Vorzimmers ein paar Banknoten. Die Pechvögel sahen sie nicht. Die Glückspilze kamen rein und strahlten: "Sehen Sie mal, was ich gerade gefunden habe! "

Stellen wir dazu Eckart von Hirschhausen die erste von insgesamt neun Glücksfragen.

Glücksfrage Nr. 1: Was lernen wir daraus? Glück ist keine Frage des Schicksals, sondern die Summe unserer täglichen Handlungen und Gedanken. Wenn ich einen Partner suche, muss ich nicht auf jede Party, aber es könnte helfen, ab und an die Wohnung zu verlassen. Es sei denn, man steht grundsätzlich auf Postboten oder Zeugen Jehovas. Gedankenübung: Stellen Sie sich einen Abendlang mal vor, Sie selbst wären das Glück - würden Sie dann gern bei sich vorbeikommen? Sobald wir die Perspektive umdrehen, wird uns schnell klar, welche Hindernisse wir dem Glück noch aus dem Weg räumen können und welche Ecken von uns wir noch mal feucht durchwischen sollten, für den Fall, dass das Glück über Nacht bleiben möchte.

2. Die Glücksformel

Wie schon der Psychologe und Bestseller-Autor Paul Watzlawick in seinem Meisterwerk "Anleitung zum Unglücklichsein" (das ursprünglich als Parodie auf Lebenshilfebücher und Glücksformel-Schmöker geschrieben wurde) meinte, ist die sich selbst erfüllende Prophezeiung die wichtigste und elementare Voraussetzung für das Glück. Wer an das Glück glaubt, hat es. Wer nicht dran denkt, dass überall Unbill lauern könnte, ist ausgeglichener und entspannter, gleichsam aber auch offener für Neues. Und das Glück ist immer das Neue. Das, was noch kommt.

Schade, dass diese einfachen Regeln so selten befolgt werden. Viele kennen sie nicht, viele probieren es nicht mal aus. So ist die Frage, was glücklich macht, seit vielen Jahrhunderten eine der einträglichsten Quellen der Philosophie und Wirtschaft. Beide Sparten beantworten schlauerweise die Frage nie ganz. Es stimmt: Glück kann man nicht kaufen - und, was uns noch viel mehr interessiert, auch nicht verkaufen. Eigentlich. Verkaufen kann man allerdings ein Glücksversprechen. Wenn du das tust oder jenes, dann wirst du glücklich. Das macht fast jeder. Politiker, Designer, Autobauer, Versicherer, Banker und natürlich jeder und jede, die nicht zu Hause auf einen Zeugen Jehovas oder den Postboten warten wollen.

Aber Sicherheit? Eine absolut sichere Glücksformel? Wie könnte die aussehen? Die Industrie ist nahe dran. Man kann Glück bereits reproduzieren. Das ist aufwendig und teuer, aber nicht unmöglich.

Die Glücksformel dafür lautet: (RS)-N-Methyl-3-phenyl--(4-trifluormethylphenoxy)propylamin oder, kurz und schmerzlos, Fluoxetin. Das Glück nimmt man am besten, wie es kommt - und mit einem kleinen Hütchen Wasser, damit es leichter runtergeht. Der Lizenzinhaber für dieses Glück, das man auch unter dem Namen Prozac kennt, ist der amerikanische Pharmakonzern Eli Lilly. Rund 60 Millionen Menschen hat er auf seine Art bereits glücklich gemacht. Fluoxetin ist ein Antidepressivum der Klasse der Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (abgekürzt SSRI - sozusagen der Glückscode). Die empfohlene Höchstdosis beträgt 60 Milligramm pro Tag. Mehr Glück verträgt kein Mensch.

3. Schicksal

Das ist natürlich - zugegeben - ein bisschen zynisch. Prozac ist für Menschen gedacht, denen es richtig schlecht geht. Menschen mit Zwangsvorstellungen und schweren Depressionen, denen das Medikament, die "Glücksformel", hilft, das Leben halbwegs erträglich zu finden. Aber auch dem Rest der Menschheit hat niemand einen Rosengarten versprochen.

Was ist Glück? Das Wort "Gelucke" aus dem Mittelhochdeutschen ist da noch neutral. Es beschreibt, im Guten wie im Schlechten, den Ausgang einer Geschichte. Erst später formt sich daraus das Glück, wie wir es kennen: Jetzt muss es immer ein Happy End sein.

Glücksfrage Nr. 2: Was ist Glück? Glück ist im Grunde ein sehr unglückliches Wort -obwohl wir sonst so eine präzise Sprache haben, verwirrt sie uns ausgerechnet beim höchsten der Gefühle. Im Englischen gibt es luck, pleasure und happiness. Also den Glücksfall im Sinne des Zufalls, keine dauerhafte Quelle, denn Lottogewinner sind nach kurzer Zeit nicht besser drauf als vor dem Gewinn. Und alle, die nicht gewinnen, sind noch ärmerdran. Pleasure ist der Genuss des Moments. Wer nicht genießt, wird ungenießbar. Aber wenn etwas gut ist, ist mehr davon nicht besser. Genuss wird durch Intensität gesteigert, nicht durch Menge. Ein Glas Rotwein am Abend, kein Tetra Pak über den Tag. Schokoriegel statt Torte. Wellness-Wochenende - aber nach vier Tagen Massage kann man kein Öl mehr sehen. Sex ist schön, aber 24 Stunden am Tag? Happiness als anhaltende Zufriedenheit kommtnicht nur im Moment, sondern hinterher, zum Beispiel nach konzentriertem Tun, dem Flow. Erfüllte statt totgeschlagene Zeit. Innerer Schweinehund überwunden, stolz darauf. Der Kaiserschmarrn schmeckt auf der Hütte besser als im Tal.

Neurowissenschaftler sind seit Langem dem Glück als biologischem Phänomen auf der Spur. Aber bisher lassen sich - mit Ausnahme von Essen, Sex und dem Glück nach einer Anstrengung, etwa Sport - keine wirklichen Glücksauslöser dingfest machen. Da schießen Botenstoffe, Endorphine, Oxytocin, Serotonin, Dopamin und einiges mehr, geschüttelt und gerührt, durchs Oberstübchen. Aber was tun, wenn man nicht ständig nur schlemmen und vögeln will oder um den Block laufen?

Jeder weiß: Dieses Glück kann man nicht erzwingen. Es ist Teil des Schicksals. Und das Schicksal ist die Realität, eine Tatsache, ein Faktum. Das ist zumindest etymologisch eine saubere Sache: Faktum - ein Wort, das wir heute dann verwenden, wenn wir etwas ganz unbezweifelt lassen wollen - stammt vom lateinischen Fatum ab, was wiederum nichts anderes bedeutet als Schicksal. Für das ist die Göttin Fortuna zuständig. Die Dame sitzt oben und schüttet aus ihrem gewaltigen Füllhorn Glück und Pech ganz willkürlich über der Menschheit aus. Als Faustregel gilt: Pech im Leben, Glück im Jenseits. Die allermeisten geben sich mit dieser schlichten Glücksformel zufrieden.

4. Glücksgerechtigkeit

In diesen alten Zeiten gab es keinen Anspruch auf Glück, kein Glücksversprechen durch Werbung, Medien, Politik und andere Leute, die etwas von uns wollen, sondern eine Sehnsucht nach Glück. Heute hingegen gibt es ein Recht auf Glück. Zumindest meinen das viele.

"Unglücklich" sind alle, die nicht haben, was die anderen bekommen. Das fängt naturgemäß bei materiellen Dingen an. Der Erste, der das Wort "Unglückliche" für einkommensschwache Gruppen prägte, war der Trierer Philosoph Karl Marx. Seine Zeitgenossen, etwa der Franzose Victor Hugo, sprachen im Zusammenhang mit dem Industrieproletariat von den Elenden, "Les Misé rables". Das ist was anderes als unglücklich. Ein Elend ist handgreiflich, ein lösbares Problem. Ein Unglück hingegen ist eine ganz andere Angelegenheit: Es ist eine persönliche Sache. Nicht nur Pech haftet an Personen, auch das Glück. Es gehört zu ihnen. Die Unglücklichen des Karl Marx führen zu einer interessanten Interpretation des Glücks, der Glücksgerechtigkeit. Wir wollen mehr. Um jeden Preis.

Glück ist, was die Gesellschaft dafür hält und wofür sie garantiert. Das können naturgemäß nur materielle Fundamente des Glücks sein, sogenannte Glücksstandards. Am Anfang sind das gute Instrumente, um das Schlimmste zu verhindern: eine Krankenversicherung oder eine Rentenversicherung, die die Armut und das Elend im Alter mildern. Doch allmählich werden aus den sinnvollen Instrumenten der Unglücksreduktion umfassende Glücksversprechen. Steuererleichterungen, Ehegatten-Splitting, Umverteilung, Pendlerpauschale, Eigenheimzulage - sie alle flüstern unaufhörlich: Wir wollen nur dein Bestes, dein Glück. Politische Parteien, die den Interessenausgleich demokratisch steuern sollten, werden zu kaum noch unterscheidbaren Glücksspielmaschinerien. Wenn du deine Stimme in unseren Slot wirfst, dann kommt nur das Beste für dich heraus. Dieses öffentliche Glück wird zum Wohlfahrtsrecht. Wer in den gesetzlichen Rahmen passt, dem wird Glück versprochen. Doch statt Glück winkt Neid.

Aber dazu haben wir doch auch allen Grund, nicht wahr? Die anderen haben es immer besser. Ganz gleich, wo. Unsere Partner nörgeln, und unser Nachbar wird von seiner Frau bewundert. Andere stehen am Flughafen herum und unterhalten sich über ihre tollen Geschäfte. Wir hören nur zu. Die anderen haben schöne Häuser, aber unser eigenes gefällt uns nicht wirklich.

Und Autos: Die anderen haben immer die schöneren Autos, fast immer. Und wenn wir durch die Stadt fahren und einen Parkplatz suchen, dann ist es klar: Alle haben eine Parklücke gefunden. Nur ich nicht.

Glücksfrage Nr. 3: Wie messe ich mein Glück? Glück hat wenig mit den objektiven Gegebenheiten zu tun, sondern viel mehr mit der Frage, mit wem ich mich vergleiche. In erster Linie orientieren wir uns in einem Radius von vielleicht 300 Meter um den Arbeitsplatz und den Wohnort. Ich will ein bisschen besser dastehen als der Kollege und der Nachbar. Wäre ich glücklicher, wenn ich ab nächstem Monat 500 Euro mehr verdiente? Ja, aber nur, bis ich erfahre, dass der Kollege und der Nachbar 1000 Euro mehr bekommen. Absurderweise halten wir oft alle anderen für glücklicher als uns. Das ist natürlich Quatsch. Aber wir wissen einfach von uns selbst zu viel. Von den Zweifeln, Ängsten und Notlügen, die uns täglich durch den Kopf gehen, kennen wir hundert Prozent. Von dem Psychomüll der anderen aber nur das, was sie uns verraten, was zum Glück deutlich weniger als hundert Prozent ist. Deshalb meinen wir vorschnell, die wären weniger verkorkst als wir. Die haben aber nicht wirklich besseren Sex, mehr Spaß, mehr Freude, mehr Glück. Es ist oft nur ein Wahrnehmungsproblem.

5. Der Glücksterror

Zuweilen herrscht sogar blankes Glück? Ach, hört doch auf! Zuweilen artet das in einen regelrechten Glücksterror aus. Du musst glücklich sein! Los! Der französische Philosoph Pascal Bruckner hat das wie kein Zweiter auf den Punkt gebracht. Wo Glücksindustrien Schönheit, Gesundheit, Alter, Sicherheit, Wohlbefinden und Lust nach Norm und Standard versprechen, besteht die neue ethische Ordnung in der "Pflicht zum Glück". Wer sich dem widersetzt, wer wahres Unglück erlebt, ist Außenseiter. Das ist eine Folge der Glücksstandards. Kein Schicksal mehr, dafür aber die Verpflichtung, immer und überall zweckoptimistisch und happy zu sein. Das ist eine Pervertierung des Glücks, meint Bruckner, die begann, als in den sechziger Jahren das Glück von einer Sehnsucht, also einer Hoffnung, zu einem Programm gemacht wurde. Das endet in gelangweilten, unterforderten, gleichförmigen und trotzdem im Dauerstress nach Glück jagenden Menschen.

Macht Geld glücklich? Der britische Forscher Richard Layard hat in seinem Buch "Die glückliche Gesellschaft" diese wesentliche Frage ausführlich untersucht. Eine der ersten Feststellungen, die Layard trifft, ist die, dass der Wohlstand in den westlichen Industrieländern seit Ende des Zweiten Weltkriegs enorm angestiegen ist. Das gilt für alle Schichten und Klassen. Wenn nun Geld glücklich machen würde, so Layards Zwischenruf, dann müssten die Bürger der westlichen Wohlstandsstaaten längst vor lauter Glück übergeschnappt sein. Das ist eher nicht der Fall. Selbst die oberflächliche teilnehmende Beobachtung des Glückszustands der Bürger der reichen Hälfte der Welt wird in jedem Fall ergeben, dass die Leute hier bestenfalls so lala drauf sind. Geht so. Layards These dazu lautet, dass ein erreichter Level an Wohlstand sofort die nächste Begehrlichkeit auslöst. Das ist ein evolutionäres Programm.

6. Zufriedenheit, Zufriedenheit

Was wir haben, schätzen wir nicht. Wir hoffen auf mehr. Dieser Automatismus lässt unser persönliches Glücksbarometer immer wieder fallen.

Glücksfrage Nr. 4: Sind wir denn mit nichts zufrieden? Unser Hirn muss wach bleiben, das Ziel der Evolution war "überleben" und nicht "glücklich sein". Das Belohnungssystem im Kopf ist gleichzeitig das Lernsystem, alles Neue finden wir erst mal toll und gewöhnen uns daran. Und werden wieder neugierig. Was uns als Art so erfolgreich macht, ist der Gedanke, dass es woanders schöner sein könnte als hier. Rein biologisch gesehen geht es darum, dass wir unser Glück suchen, aber nicht darum, dass wir unser Glück finden. Glück ist ein Bonbon, ein Nebeneffekt, aber kein Ziel. Glück muss vorbeigehen, um Platz zuschaffen für neues Glück, neue Lernerfahrungen.

Das Ende der Fahnenstange in Sachen Glück muss so hoch hängen, dass man nie - jedenfalls nicht dauerhaft - darauf zugreifen kann. Zufriedenheit als Lebensziel ist eine Illusion. Man kann das leicht an der Geschichte der sozialen Veränderungen der vergangenen hundert Jahre nachvollziehen. Da wurden aus Arbeitern in Mietskasernen Angestellte in Reihenhäusern, deren Kinder wenigstens ein Abitur haben sollten und ein eigenes Einfamilienhaus anstreben mussten, während deren Nachwuchs bereits studiert und sich auf eine längere internationale Karriere vorbereitet.

Richard Layards Arbeiten zeigen darüber hinaus, dass jenseits einer Einkommensgröße von etwa 20 000 Dollar jährlich das Glück nicht mehr wächst. Es klingt abgedroschen, aber der einsame Millionär ist wirklich nicht besonders glücklich. Was jeder ahnt, wurde durch Layards Untersuchung bestätigt: Die glücklichsten Menschen sind, unabhängig von ihrer Einkommenssituation, die mit den besten sozialen Kontakten. Menschen, die andere Menschen mögen, mit ihnen umgehen, sich austauschen wollen und die, auch das ist auffällig, sehr selten auf eine vage Zukunft setzen, sondern auf eine solide Gegenwart.

Glücksfrage Nr. 5: Wenn Geld allein nicht glücklich macht, was dann? Für viele Leute ist es heute ein Glücksziel, besonders extrem zu leben. Leitbilder vermitteln ja auch einen Glücksstandard, an dem man sich orientieren kann. Und wenn man dann zum Beispiel auf Amy Winehouse oder Britney Spears guckt, die Leitbilder junger Leute, sind die leider ziemlich durchgedreht und offensichtlich gar nicht glücklich. Ich denke, dass es da eine Rückbesinnung geben wird, in Richtung Bildungund Familie. Meine Großmutter stammt aus dem Baltikum, und sie hat alles verloren. Und sie hat immer gesagt: Bildung, das ist das, was dir bleibt, wenn alles andere weg ist. Die Leute, die heute in der Krise stecken und sich ihre Bilanzen ansehen, sind natürlich unglücklich. Klar. Wer aber in Freundschaften und Netzwerke investiert hat, gehört zu den Gewinnern.

7. Wo das Glück wohnt

Geld allein macht nicht glücklich, aber das Gegenteil ist auch nicht richtig. Dafür spricht eine weitere wissenschaftliche Arbeit aus England. Sie wird vom britischen Thinktank New Economics Foundation (NEF) regelmäßig durchgeführt. Die Statistik nennt sich "Weltkarte des Glücks". Darin werten Forscher jährlich die Angaben von mehr als 80 000 Menschen aus. An der Universität Leicester laufen die Daten zusammen. Wo wohnt das Glück? Im Jahr 2005 war das die Südseeinsel Vanuatu.

Dieses Ergebnis der Forscher wurde in der gesamten westlichen Welt begeistert aufgenommen. Es passte perfekt zu unserem Glücksmythos. Eine von sanften Wellen umspülte, hübsch grüne und friedliche Südseeinsel, auf der freundliche Menschen in Freundschaft und Harmonie miteinander leben. Dass Adrian White, Psychologe und Studienleiter des NEF, davor warnte, die ganze Sache falsch zu verstehen, nützte wenig. Vanuatu war das Paradies des Glücks.

Nun fragen die Forscher nach recht handfesten Faktoren: dem Gesundheitssystem, dem Wohlstand, den Bildungschancen.

Und es kommt immer darauf an, ob sich bei einem dieser Parameter, diesen Fundamenten möglichen Glücks, in den ausgewählten Ländern etwas getan hat. Die meisten Europäer wären über den Alltag auf Vanuatu alles andere als glücklich. Aber für die Bewohner des Eilands hatten sich eben im Befragungszeitraum positive Entwicklungen gezeigt. Das empfanden sie als echtes Glück.

Fünf Jahre zuvor, 1999, hatte eine Studiengruppe an der London School of Economics eine ähnliche Untersuchung angestellt. Damals wurde Bangladesch als glücklichste Nation der Welt ausgemacht. Das passte gar nicht in die westliche Glücksvorstellung, denn das kleine, arme Land im Golf von Bengalen gilt seit den siebziger Jahren als Synonym für Armut und Elend. Das kleine Glück des Fortschritts, eine etwas bessere medizinische Versorgung, ein wenig mehr Einkommen, all das führte aber in den Untersuchungen der Glücksökonomen dazu, dass in Bangladesch die Nadel des Glücksmessinstruments stärker ausschlug als etwa in Deutschland oder den USA.

Völlig verwirrend muss es für Sozialromantiker und Glückstheoretiker gewesen sein, als 2006, ein Jahr nach dem Vanuatu-Glücksidyll, plötzlich drei europäische Staaten - Dänemark, die Schweiz und Österreich - die Top drei der glücklichsten Nationen der Welt waren. Es gehe aber nicht um Klischees, sondern um Tatsachen, sagt Adrian White: "Unsere Studien machen Schluss mit der Idee, dass der Kapitalismus die Menschen ins Unglück stürzt."

Immerhin. Geld macht nicht unglücklich. Das ist schon mal was und so ziemlich das Gegenteil von dem, was Wohlstandsrevolutionäre heute gern erzählen (solange der Nachschub durch Dritte - Eltern oder Staat - gesichert ist). Das ist so logisch, dass man nicht darüber reden müsste. Denn natürlich ist es kein wirkliches Unglück, wenn man ausreichend materielle Mittel hat, um nicht jeden Tag ums nackte Überleben kämpfen zu müssen. Nur macht das eben weder glücklich noch zufrieden. Eher so lala. Wie kommt es dann, dass der Eindruck entsteht, dass Menschen in wohlhabenden Staaten, mit und ohne Wirtschaftskrise, in guten wie in schlechten Zyklen, scheinbar vor allem frustrierte, arme Jammerlappen sind?

Politik ist heute im Wesentlichen Sozialpolitik, oder, noch genauer, das Management von Umverteilung. Das ist die eigentliche Aufgabe von Regierungen, die nichts weiter tun, als den guten Onkel von ganz oben zu geben. Jede dieser Regierungen behauptet, dass sie die besten Wege zum Glück für alle Bürger kennt. Das ist logisch. Doch auch Politik ist ein Markt, ein Glücksmarkt. Die Opposition findet beispielsweise das Glück, das die Regierung verspricht, niemals ausreichend, oder sie findet, dass das Glück (in seiner materiellen Form) ungerecht verteilt wird.

Glücksfrage Nr. 6: Warum interessiert uns Unglück Alle Philosophen, Sozialreformer und Zeitungsredakteure haben ein Problem: Wer sagt, dass die Welt eigentlich ganz okay ist, wird nicht gehört oder gelesen. Jesus, Marx oder "Bild": Erst einmal muss man die Leute darauf hinweisen, dass es ihnen schlecht geht, damit es ihnen im zweiten Schritt wieder besser gehen kann. Das Negative ernster zu nehmen als das Positive ergab in der Steinzeit Sinn. Bedrohliches muss beachtet werden, Beglückendes kann. Die Urmenschen, die sich arglos an den Blumen im Neandertal freuten, hat der Säbelzahntiger gefressen. Von denen stammen wir nicht ab. Wer sind unsere Vorfahren? Die Miesepeter aus der Höhle, die sich sagten: Lasst mal die Glücklichen auf der Wiese spielen, wir gehen raus, wenn der Tiger satt ist. Das erklärt auch, warum bis heute sehr viel mehr Menschen an Depressionen und Angststörungen leiden als daran, zu gut drauf zu sein. Aber heute gibt es in Deutschland keine Tigermehr - also könnten wir etwas entspannter ans Leben rangehen. Weitersagen!

8. Du bist nicht allein oder: Die Jammerlappen

Die Zahl tödlicher Bedrohungen durch die Natur ist überschaubar geworden, und zwar so überschaubar, dass eigentlich kaum jemand noch weiß, was in der Natur bedrohlich sein sollte. Das wirkliche Leben ist bei Licht betrachtet auch nicht sehr riskant, wenn man sich halbwegs an die Ampelphasen hält. Warum also tickt immer noch das alte Glück-Unglück-Programm in uns? Warum hören wir so gern, dass es uns schlechter geht, als es der Fall ist? Und weshalb reagieren wir auf schlechte Nachrichten immer noch so, wie wir es tun?

Glücksfrage Nr. 7: Warum sagen die Leute so oft, dass es ihnen schlecht geht? Wer jammert, der ist nicht allein. Wenn man die Leute fragt, wie zufrieden sie mit ihrem Schicksal sind, dann ist die Mehrheit ganz zufrieden mit ihrer Lage. Aber damit kann man natürlich keine Politik machen. Da muss man die Leute schon wachrütteln, oder man könnte auch sagen: ihre Selbstzweifel instrumentalisieren. Das kennt man auch aus der Psychoanalyse. Das funktioniert so ein bisschen nach dem Prinzip: Wenn du gerade gut draufbist, dann verdrängst du nur etwas. In meinem "Glücksbringer"-Programm erzähle ich, wir Deutsche hätten ein eigenes Hirnteil. Der Frontallappen plant, der Seitenlappen vernetzt. Und wir haben noch den Jammerlappen - der verhindert. In Deutschland gilt es als Zeichen von Verstand, etwas zum Meckern zu finden. In der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" werden seitenweise Theateraufführungen besprochen, die keine 300 Zuschauer haben und nur seelische Abgründe zelebrieren. Wenn ich inzwischen mehr als 500 000 Menschen live moderne Psychologie humorvoll beibringe, fühlt sich das Feuilleton nicht zuständig.

Dabei meinen es alle nur gut, klar. Seit Wochen sitzen Politiker in aller Welt mit ernster und angestrengter Miene vor den Bildschirmen und verabschieden gewaltige Sicherheitsprogramme. Sie tun etwas. Keine Stunde vergeht, in der nicht ein Spitzenpolitiker erklärt, dass alles schon wieder in Ordnung komme. Es gebe keinen Grund zur Beunruhigung. Aber kein Politiker, kein Banker und schon gar nicht die ganzen regulierungswütigen Stammtischtruppen, die wieder Aufwind bekommen, geben irgendwann mal auch nur den leisesten Hinweis darauf, dass etwas besser werden könnte. Was soll denn nach der Krise kommen? Was ist das Ziel? Was müssen wir überwinden, um danach welches Glück zu kriegen? Oder weiß das einfach keiner und redet schon mal los, nach dem Motto: keine Ahnung, aber zu allem eine Meinung und immer Klappe auf, damit nur keiner meinen Namen vergisst.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Krise für manche Berufsgruppen nicht zwingend das größtmögliche Unglück darstellt. Sie kann sich sogar als echter Glücksfall erweisen. Politiker beispielsweise erhalten durch die weltweite Trauerstimmung eine einzigartige Chance, ihr Image als Hüter und Retter von Recht, Ordnung und Wohlstand unter Beweis zu stellen - natürlich mit unserem Geld, das als Sicherheit für spekulationslustige Banken bereitgestellt wird. Im Windschatten der Finanzkrise waren alsbald Gewerkschafter und Industrievertreter in seltener Einmütigkeit auf die Idee gekommen, dass der Finanzkrise sozusagen vollautomatisch auch eine allgemeine Wirtschaftskrise folgen müsse, weshalb nun die öffentliche Hand bitte schön anständige Konjunkturprogramme zur Verfügung stellen solle.

Selbst die kriselnden Banken und Versicherungen haben nicht nur Pech gehabt. Seit Jahr und Tag ist bekannt, dass die Finanzwirtschaft keineswegs schlank ist. Der Automatisierungsgrad der Branche ist gering, es gibt zu viel Personal, zu viele Filialen, Intransparenz, zu wenig echten Wettbewerb und jede Menge Altlasten, an die sich in besseren Zeiten niemand herangewagt hat.

Jetzt aber kann jedes Rationalisierungsprogramm unter Hinweis auf "die Krise" abgewickelt werden, ohne dass jemand die Frage stellt, wie es so weit kommen konnte. Man kann fröhlich mehr Knete vom Staat fordern, Konjunkturprogramme, damit die Leute neue Autos kaufen. Jeder Versager wird noch auf Jahre hinaus behaupten können, dass nicht er es gewesen sei, der das Geschäft vermasselt hat, sondern die Krise. Das ist der Zauber des großen, kollektiven Pechs: Fehlentscheidungen aller Art gehen darin auf. Und es gibt noch Geld dafür. Auch deshalb sind solche "Rettungsprogramme" falsch. Durch sie sinkt die Chance, dass sich etwas verändert, und Manager, die Masse mit Glück verwechseln, bleiben in ihrem Amt.

Glücksfrage Nr. 8: Ist die staatliche Sicherung von Finanzinstituten ein Glück oder ein Unglück? Für die Komiker ist es ein Glück. Neulich hörte ich, wie ein Investmentbanker auf einer Party eine Frau beeindrucken wollte und sagte: "Du, ich arbeite bei der Sparkasse." Wer hätte sich jemals so eine Kabarettnummer ausdenken können, dass Banker betteln: "Verstaatlicht uns! " Das ist genauso absurd, als wenn plötzlich alle privat Versicherten bettelten: "Ich will Kassenpatient sein! "Die Falle bei der Krankenversicherung: Alle wollen was raushaben. Unserem Schnäppchenjägerhirn leuchtet es nicht ein, dass im besten Fall das ganze Geld nie von uns in Anspruch genommen wird. Aber mein Nachbar hat gerade einen Bypass bekommen, dann will ich einen doppelten. Das könnte auch mit den Banken passieren. "Meine Kredite sind viel fauler als deine ..." Dass grenzenloses Wachstum nicht funktionieren kann, lehrt uns ebenfalls der menschliche Körper. Wenn dort etwas ohne Rücksicht auf Verluste wächst, hat das einen Namen: Krebs. Nur Wachstum ist eine kranke Idee.

9. Trauriger Sonntag oder Glück, vom Staat verteilt

Einige Leute meinen heute wieder, ein starker Staat wäre ein großes Glück. Na sicher. Die starken Staaten waren immer schon dafür bekannt, dass ihre Bürger besonders glücklich waren. Ein schönes Beispiel dafür ist zum Beispiel die ehemalige sozialistische Volksrepublik Ungarn, in der die Selbstmordrate bis zum Ende des Sozialismus die mit Abstand höchste weltweit war. In den fünfziger Jahren wurde in Ungarn das öffentliche Abspielen eines Liedes mit dem Titel "Trauriger Sonntag" behördlicherseits verboten, nachdem die Melodie Dutzende Bürger so gerührt hatte, dass sie Selbstmord begingen. Ein Lied genügte, um aus dem Fenster zu springen. Nur ein Lied?

Aber vielleicht verstehen wir das nicht richtig. Bis heute gibt es etwa in Albanien, einem Land, das an Fläche und Einwohnerzahl dem schönen Bundesland Brandenburg gleicht, Menschen, die in dem 1985 verstorbenen Diktator Enver Hoxha einen der größten Glücksbringer aller Zeiten sehen. Hoxha, der in seiner Hauptstadt mit dem herrlichen Namen Tirana regierte, beschloss in den siebziger Jahren, das "Glück seiner Bürger zu schützen und zu bewahren".

Das bewerkstelligte er durch den Bau von rund 600 000 Betonbunkern, also ungefähr auf jeden fünften Bürger einen, denn, so Hoxha, alle Nachbarländer hätten es auf die blühende sozialistische albanische Volksrepublik abgesehen. Und als ob das noch nicht genug wäre, hätten sich auch noch Schurken, die den Marxismus fehlinterpretierten, gegen das "Glück der Albaner" verschworen.

Glück ist gleich Betonbunker. Echte Glückspilze, die Albaner. Bekanntlich waren auch andere realsozialistische Länder richtige happy nations, in denen es Tag und Nacht etwas zu lachen gab, über lustige Stasi-Leute oder witzige Grenzschussanlagen oder sibirische Außenposten, in denen sich die sozialistische Spaßgesellschaft ein wenig austoben konnte. Bis heute zeigen Meinungsumfragen aus diesen Staaten, dass es vor allem die durch den realen Sozialismus geschulten älteren Bürger sind, die sich nichts zutrauen, keine Veränderung wagen wollen und sich dabei schlecht fühlen. Sie haben Pech, aber wenn es ein wenig Glück gibt, wird ihnen das der Staat geben. Die Diktaturen haben den Leuten ihr Glücksversprechen so eingehämmert, dass kaum jemand noch daran glaubt, er könne sein Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Glücksfrage Nr. 9: Gibt es eine Methode, um glücklich zu werden? Ja, viele! Hier nur drei Ideen. 1. Freundschaften pflegen. Am Ende seiner Tage hat noch niemand gesagt: "Ich hätte mehr Zeit im Büroverbringen sollen." Was zählt, wenn alles weg ist? Bildung und Bindung. Kopf und Herz. Da investieren! 2. Glückstagebuch schreiben. Jeden Abend fünf Dinge notieren, die gut waren. Erzieht den Negativfilter und verändert nachweislich die Stimmung und die Achtsamkeit. 3. Dinge tun, raus aus der Dulder- und Opferrolle. Das Leben aktiv gestalten, sodass es einem sinnvoll und bejahenswert erscheint. Es wenigstens versuchen. Der schlimmste Vorwurf an uns selbst: Ich bin noch nicht mal gescheitert! Und wer wirklich etwas für sich tun will, tut was für andere. Glück kann man weitergeben, ohne es vorher gehabt zu haben - und dafür kommt es doppelt zurück. Erklär das mal einem Controller!

Wo suchen wir unser Glück? Vielleicht bleibt uns gar nichts anderes übrig, als in einigen Jahren die Umsätze von Eli Lilly anzukurbeln, 60 Milligramm pro Tag, mit einem Hütchen Wasser, und alles ist gut. Man könnte natürlich stattdessen auch mal wieder was lesen. Immanuel Kant zum Beispiel. In seiner "Kritik der praktischen Vernunft" schrieb er: "Wenn nun jedermann Achtung und Würde auch an seinem eigenen Selbst praktizierte, hieße das, dass die massenhafte Verabreichung von stimmungsaufhellenden Medikamenten überflüssig wäre - sofern sich jeder denn auf den tragenden und stimmungsaufhellenden Charakter der Hoffnung verließe." Nochmals zum Mitschreiben: "der tragende und stimmungsaufhellende Charakter der Hoffnung".

Hoffnung? Ja, Hoffnung. Das ist, wenn wir uns nicht von falschen Glücksversprechern ablenken lassen und auch nicht von der eigenen Gier. Hoffnung ist, wenn wir wissen: Es wird schon schiefgehen. Das kriegen wir schon hin.

In der Unabhängigkeitserklärung der USA findet sich der berühmte Satz vom Pursuit of Happiness, der im Deutschen immer wieder gern mit "Recht auf Glück" übersetzt wird. Das ist falsch. Pursuit of Happiness bedeutet eben nichts weiter als das Recht darauf, nach dem Glück zu streben. Das ist, ganz ehrlich und versprochen, nun eine Sache, die so oder so ausgehen kann. Übrigens: Auch wenn überall etwas anderes steht und jeder natürlich nur Ihr Bestes will. Jeder, der nach dem Glück strebt, hat auch ein Recht darauf, aus gutem Grund unglücklich zu sein. Das ist ein Freiheitsrecht, und es ist eine Freiheitspflicht, sich wieder aufzurappeln und rauszugehen. Nicht sitzen bleiben und sagen: Ich kann da nichts machen. Denn:

Das Gegenteil von Glück ist nicht Unglück, sondern Langeweile.

Wir gehen jetzt mal raus. Das Glück suchen. Good luck. -

*) Dr. med. Eckart von Hirschhausen ist Mediziner, Kabarettist und Autor. Mit seinem Buch "Die Leber wächst mit ihren Aufgaben" landete er einen Bestseller. Im Frühjahr 2009 erscheint sein neues Buch zu seinem Lieblingsthema "Glück kommt selten allein ..." im Rowohlt Verlag. Noch bis zum Frühjahr 2009 ist sein Programm "Glücksbringer" zu sehen. Infos unter www.hirschhausen.com