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Die kleinste wirtschaftliche Einheit: der Mensch: <br>Eine öffentliche Schreiberin in Mexiko

• Vanessa Avalos lebt seit ihrer Geburt in Mexiko-Stadt. Die 42-Jährige hat eine Ausbildung als Sekretärin absolviert, aber bald danach geheiratet, Kinder bekommen und den Haushalt geführt. Seit ihr Mann vor 13 Jahren an Krebs starb, muss sie selbst für ihren Unterhalt sorgen und darüber hinaus ihren Sohn, 21, und ihre Tochter, 18, unterstützen, die beide noch in der Ausbildung sind. Sie arbeitet 35 Stunden pro Woche als öffentliche Schreiberin am Plaza Santo Domingo, wo sie mit ihrer elektrischen Schreibmaschine an einem Holztisch sitzt. Sie verfasst private Briefe und Schreiben, gestaltet Einladungen oder Visitenkarten und tippt für Schüler Hausaufgaben ab. Mit ihrer Tochter lebt sie in einer Drei-Zimmer-Wohnung.




Monatsverdienst, Grundkosten und Altersvorsorge:
In guten Monaten verdient Vanessa Avalos bis zu 250 Euro. Ihre Wohnung kostet 100 Euro, für Lebensmittel und Haushalt gibt sie etwa 70 Euro aus. Material, die Wartung der Schreibmaschine und die Gebühr für den begehrten Standplatz kosten monatlich 45 Euro. Zudem zahlt sie einen Teil des Schulgeldes für die Kinder und versorgt ihren Pudel. Ihre einzige Altersvorsorge sind die Kinder. Wie und wie oft machen Sie Urlaub?
"Ich habe nur einmal Urlaub gemacht. Ich bin mit dem Bus in die Provinz Puebla gefahren, als meine beste Freundin dort geheiratet hat. Das war das einzige Mal, dass ich aus Mexiko-Stadt rausgekommen bin."

Was sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?
"Die zunehmende Verbreitung von Computern ist schlecht fürs Geschäft. Aber Visitenkarten werden mit einer Schreibmaschine viel schöner. Deshalb werden wir nie ganz verdrängt werden."

Warum gibt es in Mexiko öffentliche Schreiber?
"Die 'Escribanos' oder 'Evangelistas', wie sie im Volksmund heißen, haben in Mexiko Tradition. Ich habe schon als Kind zwischen den Schreibern und Druckmaschinen auf diesem Platz gespielt. Damals gab es noch viel mehr von uns. Vor allem Analphabeten ließen hier ihren Schriftverkehr erledigen. Manchmal ließen sie auch Liebesbriefe verfassen. Heute können die meisten Leute zwar schreiben, aber unsere Dienste sind immer noch gefragt." •
Mexiko Einwohner: 108,7 Millionen
Währung: 1 Mexikanischer Peso = 0,06 Euro
BIP pro Kopf: 4989 Euro
Human Development Index: Platz 52 (Deutschland: Platz 22 von 177)
Aktuelle Durchschnittskosten 1 Taxifahrt: 2 Euro
1 Liter Normal-Benzin: 0,44 Euro
1 Mittagessen im Restaurant: 2,80 Euro
1 Kaffee im Restaurant: 1,20 Euro
1 Big-Mac-Menü bei McDonald's: 3,90 Euro
1 Bier in der Kneipe: 1,40 Euro
1 Liter Milch: 0,65 Euro
1 Kilo Zucker: 0,70 Euro
1 Laib Brot: 1,10 Euro
1 Kilo Äpfel: 0,80 Euro
1 Zigarette: 0,19 Euro