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Was Marken nützt: Wisch & Mop

Anders als die meisten Leute beschäftigen sich die von Vileda gern mit Putzen. Hausfrauen auf der ganzen Welt danken es ihnen.




• Klaus Peter Meier weiß bestens Bescheid über die Putzgewohnheiten zwischen Halle und Hokkaido und teilt sein Wissen gern. So berichtet der muntere, kräftig gebaute Präsident der Freudenberg Haushaltsprodukte KG in Mannheim, dass die feudelfreudige, hinter jedem Besucher herwischende chinesische Hausfrau im Schnitt monatlich einen neuen Vileda Wischmop kauft. Die spanische dagegen lediglich alle zwei bis drei Monate. Und die deutsche – die traditionell nur einmal wöchentlich nass aufnimmt – kommt sogar ein halbes Jahr mit einem Mop aus.

Solches Wissen ist nützlich, wie der promovierte Mathematiker Meier am Wischmop für den US-Markt demonstriert. Bei dem ist die Presse zum Auswringen des Wischwassers am Stiel angebracht. Denn Amerikaner – es sei denn, es handelt sich um Latinos – benutzen keine Eimer, sondern tunken den Mop ins Waschbecken oder kurzerhand ins Klo. Weil solche Traditionen sehr stabil seien, "müssen wir die Leute da abholen, wo sie sozialisiert wurden", doziert der 50-Jährige. So wäre ein Mop mit einem Stiel länger als 80 Zentimeter in Nippon unverkäuflich, weil die ästhetisch empfindsamen Japaner das Reinigungsgerät hinter der Waschmaschine verschwinden lassen möchten.

Dank derart intimer Kenntnisse interkultureller Hygienegewohnheiten hält sich das vergleichsweise kleine Unternehmen gut neben Konkurrenten wie Procter & Gamble; bei letzterem begann Meier übrigens seine Karriere. Die Freudenberg Haushaltsproduktesparte wächst mit ihrer Top-Marke Vileda seit Jahren kontinuierlich und ist in vielen Ländern Marktführer.

Neben intensiver Marktforschung setzt man traditionell auf Innovation. Die wichtigste stammt aus Spanien. Dort kam ein Vileda-Mitarbeiter in den Siebzigern auf die Idee, ein Bodentuch in Streifen zu schneiden und mit einem Metallring an einem Stiel zu befestigen. Dank der vergrößerten Oberfläche saugt ein solcher Mop mehr Wasser auf als ein Tuch. Es dauerte dann allerdings noch elf Jahre – Stichwort: Kampf der Putzkulturen –, bis der Mann seine deutschen Kollegen von dem Ding überzeugt hatte, das für sie aussah wie eine Perücke am Stiel.

Heute zählt der Mop zu den Meilensteinen der Firmengeschichte – und ist Hauptumsatzbringer. Deshalb wird er immer weiter variiert. Meier führt stolz einen neuen, "auf Basis der Bionik konstruierten" Auspressmechanismus vor, der mehr Wringwirkung ermöglicht. Praktisch für Leute, die sich beim Hausputz nicht verausgaben wollen oder dürfen. Für diese wachsende Zielgruppe haben die Vileda-Leute zudem den Bad-Blitz entwickelt: einen Schwamm am Teleskopstiel, mit dem man die Wanne ohne Risiko eines Bandscheibenvorfalls wienern kann.

Neben den Gebrechlichen will Meier auch Kunden gewinnen, die Vileda zu seinem Leidwesen als rein weibliche Marke wahrnehmen: Männer. Für die gibt es mit dem von einem Elektromotor angetriebenen "elektrischen Besen" ein Produkt, das sie interessieren könnte. Denn, so Meier: " Je komplizierter und technischer ein Gerät, desto faszinierter stehen Männer davor." •

Carl Johann Freudenberg übernimmt 1849 mit einem Kompagnon eine Gerberei in Weinheim, die dank eines Rezeptes zur Herstellung des damals begehrten Lackleders prosperiert. Die Inhaber tüfteln und sparen gern. So kommen sie in Zeiten der Weltwirtschaftskrise auf die Idee, aus Lederabfällen Manschetten zu produzieren und der Autoindustrie als Dichtungen anzubieten – die Dichtungstechnik ist heute eines der wichtigsten Geschäftsfelder der Unternehmensgruppe. Als clever erweist sich auch die Verpflichtung des Chemikers Carl Ludwig Nottebohm 1936. Der versucht, aus Vliesstoffen synthetisches Leder herzustellen, was aber nicht recht gelingt. Das Projekt soll schon aufgegeben werden, als auffällt, dass Putzfrauen die Stoffreste zum Fensterputzen verwenden. So entwickelt Nottebohm das erste Fensterleder aus Vlies, das 1948 auf den Markt kommt. Der Name stammt von seiner Gattin, die im örtlichen Dialekt ausgerufen haben soll: "Das ist wie Leder! " So wird mit Vileda die bekannteste Marke des weithin unbekannten Familienkonglomerats geboren. Freudenberg Haushaltsprodukte KG: Umsatz 2007: rund 650 Mio. Euro (plus 4 Prozent im Vergleich zu 2006)
Mitarbeiter: 2348
Bekanntheitsgrad der Marke in Deutschland: 97 Prozent