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leserbriefe@brandeins.de

brand eins 06/2008 Editorial

Jörg Pohl, Tönisvorst Zunächst erst mal: brand eins ist spitze! Doch in der jetzigen Ausgabe "Gib's mir! " bin ich gleich bei der ersten Überschrift im Editorial hängen geblieben: "Uns reicht kein Unentschieden." Muss es nicht heißen: Uns reicht ein Unentschieden nicht? Oder reicht es uns wirklich, wenn lediglich "kein Unentschieden" das Ergebnis eines Konkurrenzkampfes ist, wer auch immer ihn gewinnen mag?

brand eins 06/2008 Anleitung für das andere

Alexander Freiesleben, z. Zt. Peking Dass Deutschland ein Problem mit klarer Aussprache hat, ist anerkannt - aber deswegen gleich lernen, wie dem anderen gerader und dosierter auf die Brust zu hauen ist? Oder kann man sich nicht besser auf die genaue Ansprache konzentrieren, auf das Bewerben (also dem längeren Teil des Wettbewerbs)? Zwischen Bösmensch und Gutmensch steht der Mensch, der sich zunächst und am liebsten einsetzt und nicht in kleinen Schritten das Durchsetzen programmiert. Was kannst du?, ist die weiche, interessierte Frage, die die Effektivität der Industrialisierung in den Fortschritt jedes Einzelnen überführen kann. Das beginnt untereinander und schafft den nötigen Gleichklang für den Wettbewerb. Das wäre dann neu. Alles andere gibt's aus China.

brand eins 06/2008 Gefühl und Härte

Norbert Klamann, Köln Ja, die schönen Abstraktionen der Wirtschaftswissenschaftler: "Der Arbeitsmarkt ist ein Markt wie jeder andere." Schon, aber die zwei beteiligten Sorten Teilnehmer unterscheiden sich in einem Punkt: Die einen haben Alternativen, die anderen nicht. Als Unternehmer habe ich die Option, Arbeitskraft zu mieten oder anderweitig zu investieren. Als abhängig Beschäftigter habe ich nur die Möglichkeit, meine Arbeitskraft zu vermieten. Einige "Marktteilnehmer" sind eben gleicher als andere. Man kann das falsch oder auch richtig finden, aber man muss es zur Kenntnis nehmen. Eine Wirtschaftswissenschaft, die über die fundamentalen Unterschiede zwischen den Gruppen von Beteiligten mit eleganten Abstraktionen hinwegschwebt, kann nichts zum Verständnis der Zeit und zur Lösung der anstehenden Aufgaben beitragen. Ansonsten fand ich die Bemerkungen von Herrn Spermann über die universitäre Wirtschaftswissenschaft sehr treffend. brand eins 06/2008 Gefühl und Härte Ludwig Paul Häußner, Karlsruhe Nur wenn ein staatliches, aus Steuern finanziertes System der Grundsicherung und der Gesundheitsversorgung besteht, kann man den Menschen zumuten, zu niedrigeren Löhnen zu arbeiten. Wichtig ist, die Kosten dafür von den Löhnen abzukoppeln. Doch aus welchen Steuern soll dann diese Grundsicherung finanziert werden? Durch den Wandel von der Einkommensbesteuerung zu einem konsumbasierten Steuerwesen bliebe jedes zusätzlich erarbeitete Einkommen steuerfrei, die Leistungsentfaltung würde nicht mehr behindert. Die Besteuerung fände erst zum Zeitpunkt des Konsums statt.

brand eins 06/2008 Blindflug

Markus Weichselbaum, Mühlhausen Wie Sie zu der Überzeugung kommen, GmbHs müssten keine Zahlen veröffentlichen, ist mir schleierhaft. Eine Bilanzveröffentlichungspflicht besteht schon lange, nur wurde diese nur auf spezielle Anfrage verfolgt. Seit 2007 besteht für alle GmbHs etc. Veröffentlichungspflicht im elektronischen Bundesanzeiger, und die Nichteinhaltung kann ohne Vorwarnung mit einer empfindlichen Geldbuße belegt werden. Natürlich veröffentlichen die meisten Firmen nur Aktiva und Passiva - aber auch daraus lässt sich viel herauslesen. Mittlerweile überlegen viele Unternehmer, wegen dieser Pflicht die Rechtsform zu wechseln, da jeder gewiefte Einkäufer sich heute diese Bilanzen holt.

brand eins 05/2008 Schwerpunkt Bildung

Benedikt Grobbel, Köln Als ausgebildeter Handwerker mit Berufserfahrung, allgemeiner Hochschulreife und geisteswissenschaftlichem Studium an der Uni Köln praktiziere ich lebenslanges Lernen und kann sämtliche Positionen in Ihrer Kritik aus eigener Erfahrung bestätigen. Einerseits: Will man wirtschaftlich erfolgreich sein und im Strom der Weltwirtschaft mitschwimmen, muss man sich wohl oder übel zum industriell verwertbaren Arbeitsvieh heranzüchten lassen. Andererseits: Weitsichtiges Denken erlernt man nicht in Abendkursen oder durch Lektüre populärer Literatur aus der Lebenshilfe-Wühlkiste, sondern sie erfordert eine intensive und somit zeitraubende Auseinandersetzung. Frage: Welcher Spitzenmanager befasst sich in seiner freien Zeit ernsthaft und in angemessener Intensität mit Bloch, Sloterdijk, Foucault, Groys, Serres oder Agamben? brand eins 05/2008 Schwerpunkt Bildung Max Meier-Maletz, Meerbusch 1. Es sind nicht alle Menschen gleich intelligent.
2. Intelligenz lässt sich weder lehren noch lernen.
3. Auch Ungebildete können erfolgreich leben.
4. Zwischen Dummheit und Intelligenz gibt es viele Abstufungen.
5. Bildung schafft keine Intelligenz, aber sie mindert Dummheit.
6. Kreativität ist mit Intelligenz verwandt, aber nicht mit Bildung.
7. Intelligenz findet in allen Lagen eine Lösung - außer im Krieg!
8. Intelligenz ist nicht gleich Bildung.

brand eins 05/2008 Mach dein Ding

Thomas Sattelberger, Bonn Mangel ist eine starke, aber zuallererst subjektive Empfindung. Derzeit verspürt die deutsche Wirtschaft ein besonders starkes Mangelgefühl. Während volle Auftragsbücher die Arbeitskräfte-Nachfrage nach oben treiben, sind mehr als 70 000 Ingenieurstellen unbesetzt. Hingegen zeichnet die Arbeislosenstatistik ein Gegenbild: Mehr als 20 000 arbeitslose Ingenieure suchen eine Beschäftigung. Ist der Mangel also nur eine Fata Morgana? Wer Bergbauingenieure und Architekten mitzählt, wird keinen Ingenieurmangel entdecken können. Doch statistische Spitzfindigkeiten verschleiern unsere dramatische Lage. Tatsächlich beträgt die Differenz zwischen Angebot und Nachfrage bereits 50 000. Gerade in den Kernfächern des Ingenieurwesens, Maschinenbau und Elektrotechnik, ist der Arbeitsmarkt leer gefegt. Spätestens mittelfristig wird der Ingenieurmangel ein schwerer Klotz am Bein der deutschen Konjunktur sein. Bei steigender Nachfrage werden nicht einmal annähernd genügend Ingenieure ausgebildet, um den demografischen Ersatzbedarf zu befriedigen. Selbst wenn es gelänge, alle arbeitslosen Ingenieure weiterzuqualifizieren, wären dies nur Tropfen auf einem glühenden Stein.

brand eins 05/2008 Wer viel hat, dem wird gegeben

Andreas Muskolus, Southampton Besonders junge Wissenschaftler werden durch diese Art der Förderung in Deutschland benachteiligt. Die Idee allein zählt nicht; der Name des Antragstellers scheint wichtiger. Wirkliche Innovationen werden so nicht gefördert, weil die Vielfalt verloren geht. Durch die Bündelung der ausgegebenen Gelder geschieht eine massive politische Einflussnahme auf die Themen der Forschung. Das hat sicher Effizienz-Vorteile, aber in den Naturwissenschaften wissen wir inzwischen, dass Vielfalt eine Voraussetzung für langfristigen Erfolg ist. Nur durch Vielfalt bleibt Flexibilität erhalten. Forschungsthemen müssen sich auch abseits des Mainstream weiterentwickeln können, um dann abgerufen zu werden, wenn man sie braucht. Ich selbst arbeite inzwischen an einer Universität in Großbritannien. Junge Wissenschaftler scheinen hier eher willkommen zu sein. brand eins 05/2008 Wer viel hat, dem wird gegeben Andreas Lesser, München Seit 1.1.2007 gilt: (1) Zuwendungen (Spenden und Mitgliedsbeiträge) zur Förderung steuerbegünstigter Zwecke im Sinne der §§ 52 bis 54 der Abgabenordnung an eine inländische juristische Person des öffentlichen Rechts oder an eine inländische öffentliche Dienststelle oder an eine nach § 5 Abs. 1 Nr. 9 des Körperschaftsteuergesetzes steuerbefreite Körperschaft, Personenvereinigung oder Vermögensmasse können insgesamt bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte ..." geltend gemacht werden. Das gilt auch für Hochschulen. Die Angabe von fünf beziehungsweise zehn Prozent ist also veraltet.

brand eins 11/2007 Mikroökonomie: Prostituierte in Malawi

Klaus Heymach, Berlin (der Autor des Beitrags) Dank hilfsbereiter brand eins-Leser geht Brandinah Khulamba jetzt in ein Mädcheninternat und muss hoffentlich nie wieder anschaffen. 150 Euro gehen jeden Monat per Dauerauftrag nach Malawi. Ein Mitarbeiter der GTZ hat freundlicherweise die Abwicklung und Betreuung übernommen - und sagt, er sei sehr froh, auch mal persönlich, direkt und unbürokratisch jemandem im Land helfen zu können.