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"Die meisten Sachen werde ich nie wieder brauchen"

Warum besuchen Menschen die Universität? Acht Erklärungsversuche.




Ich bin ein Jahr vor dem Abi von der Schule geflogen, anschließend absolvierte ich eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester und sattelte noch eine Ausbildung zur Intensiv-Anästhesieschwester drauf. Ursprünglich wollte ich ja Pathologin werden, aber ohne Abi - keine Chance. So verbrachte ich 30 Jahre in der Anästhesie. Dann hatte ich die Faxen dicke und fing mit Latein und Altgriechisch an der Universität Hamburg an. Ich absolvierte im November 2003 eine Aufnahmeprüfung und konnte mich anschließend 2004 für die Fächer Latein und Altgriechisch einschreiben. Mein Herzblut hing eigentlich schon immer an den alten Sprachen. Jetzt lebe ich das, was ich schon immer wollte.Margitta Dannenmann, 55, 8. Semester, Latein/Altgriechisch, Magister

Jura studiere ich aus Interesse. Das Fach ist vielseitig, und ich wollte mich nicht mit meinem Studium in eine zu strikte Richtung bewegen. Nach meinem Studium habe ich viele Möglichkeiten, einen Job zu finden, und kann in vielen Sparten arbeiten. Beim Lehramt weiß man zum Beispiel, dass man Lehrer wird, und Schluss. Zudem dreht sich bei Jura vieles um Sprache, was mir auch sehr gut gefällt.

Viele meiner Kommilitonen hatten Jura nicht als Traum. Die wissen auch nicht, was sie hinterher auf dem Arbeitsmarkt erwartet. Das macht es schwer, zielstrebig zu sein, wenn man überhaupt keine Aussicht auf einen Job hat.

Andererseits muss schon Druck da sein. Bei uns meinte mal jemand: "Wenn es keine Klausuren gäbe, hätte ich bis heute nichts gelernt." Ich selber bin zwar schnell, weiß aber auch nicht, wohin ich möchte. Ich will vor allem einen festen Arbeitsplatz. Ohne ein Super-Gehalt. Ich will einfach nur davon leben können, mit Familie.
Anna Rohde, 23, 7. Semester, Jura

Von meinem Studium verspreche ich mir bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Meine Hoffnungen an die Uni haben sich bisher erfüllt. Andererseits habe ich in einem halben Jahr Praktikum nach der Schule auch viel für die Uni gelernt.

Ich spezialisiere mich auf International Management, gehe dann ins Ausland und will später was mit Personal machen.
Irina Meller, 22, 3. Semester, BWL/Sozialökonomie, Bachelor

Heute bin ich hier, weil Semesterbeginn ist. Da bin ich sehr motiviert und habe mir viele Vorlesungen rausgesucht.

Eigentlich ist Soziologie ja mehr ein chilliges Pflaster mit entspannten Leuten. Mein Vater hat Medizin studiert, meine Mutter hat eine Physiotherapie-Ausbildung gemacht. Für mich war immer klar, dass ich studieren würde.

Da fragt man nicht. Das ist so. Dann habe ich das Studium schließlich begonnen wegen einer Ahnung, die ich beim Betreten von Bibliotheken, Theatern oder Museen hatte. Hinter all diesem steckt ein unbestimmbarer, aber doch ein einziger großer Geist. Manchmal, wenn ich heute in der Vorlesung etwas höre, über das ich im Lehrbuch schon gelesen habe, dann ist es, als ob sich manche Kreise schließen. Ich fühle mich reif und fähig, etwas zu sagen. Vielleicht ist es das, warum ich heute studiere . Was ich mir also vom Studium erhoffe? - Keine Frage: Klugheit.
Tobias Krone, 22, 4. Semester, Soziologie/ Französisch, Bachelor

Bei Philosophie will man erfahren, wie man welche Fragen über das Leben richtig stellt. Ich habe mir diese Fragen ohnehin gestellt, und da lag das Studium auf der Hand. Als Philosoph kommt für mich fast nur eine Arbeit in der Wissenschaft infrage. Allerdings gibt es bei uns schon überraschend viele, die sich einen schnellen Einstieg in die Berufswelt wünschen. Da ist das Studium auch ganz gut, denn als Philosoph lernt man, zu argumentieren und Dinge zu vermitteln. Wo braucht man das nicht?
John-Bruce Hager, 23, 3. Semester, Philosophie, Bachelor

Ich weiß nicht, was nach der Uni kommt. Da kann ich eigentlich nicht beurteilen, ob ich gut vorbereitet bin. Ich glaube, die meisten Sachen hier werde ich nie wieder brauchen. Der Bachelor führt außerdem dazu, dass man am Ende Punkte rafft. Wo kriege ich die meisten Punkte mit dem wenigsten Aufwand?
Niklas Günther, 24, 6. Semester, Politikwissenschaften, Bachelor

Wir lernen hier eigentlich nur Fragmente, um sie schnell zu vergessen. Ich habe auch gar nicht den Anspruch, Wissenschaftler zu werden. Ich meine, wissenschaftliches Arbeiten, das ist heutzutage ein eigenes Fach! Ich kenne zwei Leute auf dem ganzen Campus, die sich freiwillig mit Wissenschaft beschäftigen.

Ich bin jetzt im vierten Semester, also über die Halbzeit hinaus. Aber da habe ich noch gar nichts von gemerkt, von Halbzeit. Gerade am Anfang ist das Studium ja ein Sprung ins kalte Wasser. Ich bin jetzt gerade einigermaßen souverän im Studium angekommen und muss schon anfangen, über meine Bachelor-Arbeit nachzudenken.
Mostafa Akhtar, 24, 4. Semester, Soziologie/Volkskunde, Bachelor

Nach dem Abitur haben mich Physik und BWL interessiert. Ich habe mich damals spontan für Physik entschieden. Das habe ich aber inzwischen etwas revidiert. Ich mache jetzt viele VWL- und BWL-Scheine und will dann im Training im Finanzwesen oder in der Bankwirtschaft arbeiten. Wenn ich noch einmal wählen könnte, würde ich Wirtschaftswissenschaften studieren.
Philipp Rohde, 23, 8. Semester, Physik, Diplom