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Das geht: Ansporn für Jäger und Sammler

Leere Tinten- und Tonerkartuschen oder Faxpatronen sind bares Geld wert. Die Aktion "Sammel Mit! " lädt Schulen, Kindergärten und Vereine dazu ein, beim Recycling zu helfen. Der Einsatz zahlt sich aus.




- Den Förster wird es gefreut haben, damals, im Herbst vor gut 30 Jahren, als der kleine Martin Rutemöller im münsterländischen Emsdetten vor ihm seine Taschen leerte, darin Kastanien und Eicheln, die er für die Futterplätze der Rehe und Wildschweine gesammelt hatte. Dafür gab es vom Förster immer ein paar Mark, mit denen der Junge sein Taschengeld aufbesserte. "Ganze Schulklassen machen das heute noch so", sagt der inzwischen 36-Jährige, der eine Grundschullehrerin geheiratet hat.

Durch seine Frau erfuhr Rutemöller aus erster Hand, wie sehr es den Schulen an frei verfügbaren Budgets fehlt, wenn Schulfeste, Sportveranstaltungen, Ausflüge oder Bastelmaterial zu organisieren sind. Da jedoch der Ertrag aus dem Verkauf von Eicheln und Kastanien - schon saisonal bedingt - kaum geeignet ist, eine Klassenkasse spürbar aufzufüllen, und die Kinder durch das Sammeln mehr mit der Natur in Berührung kommen sollen, statt nur die Schulfinanzen im Blick zu haben, suchte Rutemöller nach einer Alternative. Idealerweise sollte diese nicht nur die Klassenkassen aufstocken, sondern auch noch der Umwelt helfen. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Christian Barth, 39, mit dem er im Technologiequartier an der Ruhr-Universität Bochum eine Marketingagentur für die Bereiche Sport und Gesundheit unter dem Namen Sportcollege betreibt, entwickelte er eine Idee.

Schulen, Kindergärten und Vereine sammeln leere Drucker-und Faxpatronen. Dafür erhalten sie Geld von Menschen, die mit dem Leergut noch etwas anfangen können: zum Beispiel von Rutemöller und Barth, die mit der GfM-Gruppe aus Hilpoltstein bei Nürnberg, einem Recycling-Unternehmen, zusammenarbeiten. Schon 2003 hatten die beiden mit einem "sport- und bewegungsorientierten Sponsoringkonzept für Schulen" den 1. Preis beim Start-up-Wettbewerb Fit for Boss gewonnen. Sie kannten also das Metier, bauten ihre Idee mit den Patronen zu einem Projekt ihrer Agentur aus und riefen die bundesweite Aktion "Sammel mit! " 2007 ins Leben. Seither ordern immer mehr Schulen die kostenlosen orangefarbenen "Sammel-Mit! "-Pappboxen und helfen, ein lästiges Problem zu lösen: wohin bloß mit den leeren Tintenpatronen? Denn wer die alten Plastik-Kartuschen mit den Farbresten auswechselt, hat häufig Skrupel, sie im Hausmüll zu entsorgen. So stapeln sich die Patronen unnütz in Schränken und Abstellkammern. "Sie werden sich wundern, wie viele Unternehmen, Banken und Behörden gerne ihre leeren Tintenpatronen und Tonerkartuschen zur Verfügung stellen. Zumal sie damit Kindern und Jugendlichen helfen können, ohne selbst Geld in die Hand zu nehmen", sagt Martin Rutemöller.

Das Potenzial ist enorm, denn in Deutschland landen laut "Sammel Mit! " immer noch etwa neun von zehn leeren Tintenpatronen und Tonerkartuschen im Abfall. Ein riesiger Berg, der jedes Jahr wächst. Allein im Jahr 2006 wurden rund 117,5 Millionen Patronen und Kartuschen weggeworfen, obwohl sie weiter zu gebrauchen waren; ihr Recycling-Wert belief sich auf geschätzte 250 Millionen Euro. "Würde man mit den Patronen Lastwagen beladen, so würde das eine Autoschlange von mehr als 25 Kilometern Länge ergeben", sagt Barth.

Nicht jede leere Patrone und Kartusche bringt im Recycling-Kreislauf gleich viel Erlös. Kommt etwa ein neuer Drucker auf den Markt, sind die dazugehörigen Patronen natürlich viel stärker gefragt und bringen mehr ein als jene von Auslaufmodellen. Rutemöller und Barth informieren deshalb auf der Homepage der Aktion mit einer monatlich aktualisierten Liste über die Ankaufpreise. Je nach Patrone reichen die Tarife von wenigen Cent bis vereinzelt sogar sechs Euro. "Eine Schule, die ihre Sammelaktion gut organisiert, kann mit einer einzigen Lieferung von Boxen durchaus 200 Euro verdienen", so Rutemöller. Neben Kindergärten, Schulen und Unternehmen beteiligen sich inzwischen auch einige prominente Adressen an "Sammel Mit! ", wie der Deutsche Bundestag, die Konrad-Adenauer-Stiftung, der Deutsche Olympische Sportbund und der VfL Osnabrück.

Wenn die Boxen voll sind, werden sie von Helfern kostenlos abgeholt. Schon zwei Wochen später trifft das Geld zur freien Verfügung auf dem Schulkonto ein. Mehr als 65 Prozent vom Gesamterlös werden an die Teilnehmer überwiesen. Damit folgt "Sammel Mit! " den Vorgaben des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen, wonach eine Sammelaktion karitativen Charakter hat, wenn der Verwaltungs- und Werbeanteil an den Kosten unter 35 Prozent bleibt. Im Gegensatz zu manch anderen Aktionen ähnlicher Ausrichtung nimmt "Sammel Mit! " sämtliche Leergutmarken und -modelle ohne Aufschlag an, selbst wenn einige nicht mehr verwertbar sein sollten; diese werden dann gratis und fachgerecht entsorgt. "Auf diese Weise spart man sich das lästige Vorsortieren", sagt Barth, der selbst zwei Töchter hat, die in ihrer Schule Druckerpatronen sammeln.

Und auch Martin Rutemöller, der vor Kurzem Vater geworden ist, weiß schon, was er mit seinem Kind unternehmen wird, sobald es laufen kann, denn er hat es nicht vergessen: Kastanien sammeln in den Wäldern von Emsdetten. Früh übt sich. -