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Das geht: Brandt Zwei

Sie waren Stars in der Modewelt. Und wollen es wieder werden. Im Alter von 63 Jahren.




- Margit, Erik und Julia Brandt sitzen in dem mit Schnickschnack vollgestopften Wohnzimmer ihres ebenso vollgestopften Hauses und plappern fröhlich durcheinander. Es ist alles entspannt, ein normales Familientreffen. Der Relaunch der Marke Margit Brandt ist schließlich nur ein weiteres Projekt in einer langen Reihe von Projekten. Sie haben schon so viel getan, so viel erlebt.

Margit Brandt, einst eine der bekanntesten Modedesignerinnen der Welt, ist zwar schon lange nicht mehr öffentlich aktiv, aber immerhin entwirft sie noch ab und zu eine Uniform für eine ihrer besten Freundinnen, die dänische Königin. Auch von Erik Brandt war in den vergangenen Jahren wenig zu sehen, er hat ein paar Bücher geschrieben, vielleicht hat er sich auch ein bisschen gelangweilt. Aber für einen, der nicht nur ein Modeimperium, sondern auch einen Immobilienhandel, eine Hotelkette und eine eigene Bank geleitet hat, ist ein neues Geschäft vor allem erst einmal: ein neues Geschäft. Selbst für die Tochter Julia, die in Kopenhagen ein Modegeschäft führt, ist das neue Projekt nur die Fortsetzung des quirligen Alltags voller Pläne, Reisen und Stars, ein Leben, das sie seit ihrer Kindheit kennt. Nur Andy Warhol mochte sie damals nicht, weil der so unheimlich aussah, erzählt sie. Heute ärgert sie sich, dass sie das Bild nicht findet, das er ihr geschenkt hat. Aber so ist das eben, die Vergangenheit wird dauernd von der Gegenwart gefressen. So wie jetzt bei der Wiedergeburt der Marke Margit Brandt.

Die Vorgeschichte ist so lang, dass man damit ein Buch füllen könnte, aber das hat Erik Brandt, 63, in "Being Brandt" längst getan. Die Kurzversion geht so: 1965 entwirft die 22-jährige Fabrikantentochter Margit Brandt ihre erste Modekollektion, mit der sie sofort Erfolg hat: Ihre lässigen, und doch körperbetonten Kreationen passen in die von entspannter Coolness und sexuell aufgeladenem Freiheitsdrang geprägten sechziger Jahre. So folgen bis in die späten siebziger Jahre im halbjährlichen Rhythmus weitere erfolgreiche Kollektionen für junge Leute, die nicht aussehen wollen wie ihre Eltern. Margit und Erik Brandt ergänzen sich beim Aufbau der Firma perfekt: Sie ist eine brillante, bald weltweit angesehene Designerin, er ein geborener Geschäftsmann, der, wie seine Tochter sagt, "nichts auslässt, was Geld bringt".

Die Firma expandiert, mit provokativen Inszenierungen erneuern die Dänen das Marketing in der Modewelt. Läden werden eröffnet, Partner gesucht, die Brandts reisen um die Welt. Es ist eine Zeit, in der Interkontinentalflüge etwas Besonderes sind und es tatsächlich einen Jetset gibt. Margit und Erik gehören zu den Berühmten, Reichen und Schönen, die sich rund um die Welt treffen. Ihre siebziger Jahre in der legendären Disco "Studio 54" in New York sind ebenso swinging wie die wilden sechziger Jahre in London. Alles läuft bestens. Bis das vom Erfolg verwöhnte Duo auf die Idee kommt, den amerikanischen Markt zu erobern.

Die Eroberung klappt nicht wie geplant, vom eigenen naiven Optimismus schlecht beraten, verlieren die Brandts fast ihr ganzes Vermögen, bevor sie sich aus den USA zurückziehen. Erik Brandt, der mit seiner Bank of Copenhagen bereits Anfang der achtziger Jahre eine Pleite erlebt hatte, lässt sich nicht beirren: Er handelt mit Antiquitäten und Immobilien, später betreibt er eine Hotelkette. Seit der Jahrtausendwende ist das Duo aber nicht mehr richtig ausgelastet. Da kommt das Angebot, die Marke Brandt zu verkaufen und selbst als Berater weiterzumachen - für eine Million Dollar. "Ich dachte: Wenn die eine Million bieten, sind mindestens zehn Millionen drin. Also haben wir angefangen, uns selber darum zu kümmern", sagt Erik Brandt.

Es geht wohl nicht nur um Geld: Die Million wäre nicht wenig gewesen - und risikofrei. Man kann sie sich vorstellen, die coolen Alten in ihrer Villa, ohne etwas zu tun zu haben. Erik Brandt: "Wir haben wieder angefangen, weil es uns Spaß macht. Wir gehören zu den Leuten, die aufhören zu leben, wenn sie aufhören zu arbeiten. Man braucht auch mal neue Abenteuer und neue Freunde. In unserem Alter muss man sich seine Freunde genau ansehen. Es gibt da immer welche, wo nichts mehr passiert."

Neben ihrem gewaltigen, ultrapräsenten Mann verschwindet Margit Brandt fast. "Ja", sagt sie leise, "vielleicht brauchte ich das auch, noch mal anzufangen, obwohl ich es nicht gemerkt habe." Dann zeigt sie einige ihrer Entwürfe, und da beginnt sie zu glühen. Statt Kopien von Mode der sechziger und siebziger Jahre zu produzieren, will sie Originale anbieten, eventuell etwas modernisiert, aber im Kern zeitlos. Es sind wunderschöne Stücke, die Margit Brandt zeigt. Und sie selbst ist ebenso schön, wenn sie von früher schwärmt: wie sie über der Werkstatt gewohnt haben und wie schade es ist, dass heute alles in Fernost produziert werden muss, weil die Sachen sonst unbezahlbar werden.

So planen, lachen, freuen sie sich also, in dieser üppigen Villa in Kopenhagen. Darum, ob der zweite Anlauf mit der Mode ein wirtschaftlicher Erfolg wird, geht es nur in zweiter Linie. Erik Brandt sagt: "Geld macht Menschen nicht interessanter." -