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PERSONALENTWICKLUNG: DU UN DDAS FRETTCHEN

Du bist nicht zu ertragen. Du bist so widerlich. Die Welt könnte so schön sein Ohne dich. (Die Ärzte)




1. Hobbes' Irrtum

Thomas Hobbes hat mal gesagt, der Mensch sei des Menschen Wolf. Das ist kompletter Unfug. Der Wolf ist ein soziales Tier, fällt selten über Artgenossen her, und wenn, dann hat das gute Gründe. Er jagt zum Nutzen der Gemeinschaft und beißt keine Kehle zum Spaß durch. Der Wolf ist gut. Kann man das auch über die eigenen Kollegen sagen?

Schauen wir mal.

Oft muss das Tier herhalten, wo Mitmensch, Kollege und Vorgesetzter gemeint sind. Gemeines Schwein, hinterhältiger Hund, dumme Assel - all das hat mit den angesprochenen Arten wenig zu tun. Am besten wäre es, man ließe das Tier ganz aus dem Spiel.

Doch das Tier ist in uns, stets haben wir uns mit dem Tier verglichen, seine Stärke, seine Anmut, aber auch seine Tücke und seine List bewundert. Höhlenmenschen malten Tiere an die Wände, und im alten Ägypten wurden Tiere als Gottheiten angebetet. Wenig später ging man dazu über, Tiere als Sinnbild für die eigene Person in Wappen - persönliche Logos und Markenzeichen - zu stricken. Löwenwaren groß, stark und schnell - konnten also leicht tapfer sein, eine Eigenschaft, die man zu allen Zeiten als praktisch empfand. Adler und andere Raubvögel galten als kühn und weitblickend. Drachen hatte zwar noch keiner gesehen, aber man vermutete, dass es sie gab, und da sie Feuer spucken sollten, konnte es nicht schaden, so ein Tier mit ins Wappen zu nehmen. Manchmal entstanden lustige Kombinationen aus Adlern, Löwen und Drachen.

Zu dieser oder ähnlichen Kombinationen griffen besonders gern größenwahnsinnige Potentaten, von denen es zu jeder Zeit reichlich gab. Es gab Wappen mit Schlangen, es gab Wappen mit Hunden, Vögeln und Käfern, Wappen mit Elefanten und Dromedaren.

Doch kein Wappen zeigt das Tier, das den Hobbes'schen Kriterien wirklich entspricht, das an Heimtücke und List seinesgleichen sucht, das gleichsam falsch, verschlagen, indolent und rücksichtslos ist, hinterfotzig und egoistisch, kurz und gut: karrieretauglich in dieser Republik. Vor allem in deren Führungsetagen - und damit ein ideales Wappentier für Kollegen und Vorgesetzte: das Frettchen. Die Heraldik kennt das Frettchen nicht. Verhaltensforscher schweigen. Personalberater sowieso. Das hat gute Gründe. Reden wir darüber.

2. Der hohe Preis des Putzigen

Das - rein äußerlich - kleine, possierliche Tier ist ganz hervorragend dafür geeignet, die Sozialpraxis in vielen Büros und Arbeitsstätten von heute zu beschreiben. Wenn sich das Tierchen freut, ist es ganz aufgeregt, es fiept und hüpft, und es dreht sich elegant und geschmeidig um die eigene Achse. Es ist eine Freude, das Tier zu beobachten, zumindest dann, wenn man von Frettchen und ihren Verwandten, den Wieseln, nichts weiß. Denn das Frettchen ist glücklich, wenn nebenan jemand tot auf dem Boden liegt. Das macht dem Tierchen Spaß.

Es ist seine Freundlichkeit, die derlei möglich macht. Seinen Opfern ist das Tier an Größe und Kraft oft unterlegen, aber das gleicht der Nager leicht dadurch aus, dass er nie mit offenen Karten spielt. Als vertikal benachteiligtes Raubtier - nie wiegt ein Wiesel in freier Natur mehr als 900 Gramm, auch wird es nicht länger als 40 Zentimeter - gibt es seinen potenziellen Opfern nie Anlass zum Argwohn. Wer darauf baut, stirbt schnell.

Was das im Zusammenhang mit Personalentwicklung und Personalführung bedeutet, hat Scott Adams, der große Theoretiker moderner Bürogemeinschaften, in einem seiner wichtigsten Werke festgehalten: "The Way of the Weasel" zeigt, wie sich der Vetter des Frettchens seinen Weg durch die Organisationen beißt und erschleicht.

3. Freischaffende und angestellte Tiere

Was der Ami nicht wissen kann: Das Frettchen ist ein deutsches Haustier, das nur nebenbei dadurch erkennbar ist, dass es, ganz anders als seine wild lebenden Vettern, blond ist. Das Frettchen ist eine domestizierte Marderart, Mustela putorius furo (man beachte das "furo"), anders als das Wiesel ein Tier, das draußen im Grunde nichts verloren hat. Das macht das Frettchen nicht friedlicher, sondern noch übler als seinen nächsten Verwandten. Warum?

Haustiere sind die unselbstständig Beschäftigten der Evolution. Beim Frettchen kann man das sehr gut beobachten. Sein soziales Verhalten ist - oberflächlich beobachtet - tugendhaft: Es frisst manierlich, knabbert eher, als es schlingt, es ist überdies recht reinlich und hält einiges auf Ordnung. Dafür hat es auch jede Menge Zeit. Während das freischaffende Mauswiesel seine Tricks auf dem freien Markt - entlang von Bachläufen und auf Hinterhöfen, unter Motorhauben mit wohlschmeckenden Gummischläuchen und sonst wo - zum Überleben braucht, ist das Frettchen diese Sorge los. Es wird, wie seine menschlichen Kollegen, dafür entlohnt, dass es da ist. Nicht dafür, dass es etwas tut. Wer hat das Tierchen dazu gemacht?

Gute Frage. Schon die alten Griechen hielten Wiesel, um der Rattenplage in ihren Städten Herr zu werden, doch diverse Beanstandungen, zum Beispiel die durch die enge Verwandtschaft des Wiesels mit dem Iltis verursachten Geruchsbelästigungen, machten bei den Hellenen letztlich andere Haustiere zum Favoriten als Rattenjäger. Die Griechen drehten die halbzahmen Wiesel den Römern an, die allerdings auch nicht warm wurden mit den Tierchen.

Erst im Mittelalter wurde das Wiesel blond, fest angestellt und durfte sich in deutschen Wohnstuben ausbreiten. Am liebsten lag das Tierchen auf der Ofenbank, um zu verdauen, und es ist nicht ausgeschlossen, dass es zwischendurch aus Langeweile auch mal einer Ratte oder einer Maus das Licht ausblies, denn ein bisschen Spaß muss sein. Unsere Vorfahren waren vom Frettchen angetan, sie nahmen es gern überall hin mit, und die skrupellose Mordlust des kleinen Tiers legte ihnen den Gedanken nahe: Die könnten doch auch jagen.

4. Partisan in eigener Sache

Könnten sie auch. Wenn sie wollten. Frettchen wieseln flink durchs Unterholz, nehmen jede Fährte auf und stellen das Tier in der ihnen eigenen Art und Weise. Das gilt, solange es um die eigene Beute geht. Ihrer Arbeitspflicht kam die hellblonde Fettel, die etwa doppelt so viel auf die Waage bringt wie ihre wild lebenden Vorfahren, nie nach. Zwar nimmt das Frettchen bei Jagden die Spur auf. Es wieselt auch durchs dichteste Unterholz dem Hasen nach. Es verfolgt ihn in den tiefsten Bau. Dort tötet das Frettchen sein Opfer auch. Aber dann "frisst es sich satt und legt sich im Kaninchenbau schlafen. Es kann dann eine ganze Weile dauern, bis es wieder freiwillig herauskommt", so steht es in der Artbeschreibung in der Enzyklopädie Wikipedia geschrieben.

Selbstredend hat das vollgefressene, noch halb verschlafene Frettchen keinen Bock, "schon wieder" auf die Jagd zu gehen. Es fiept fordernd seinen Arbeitgeber an. Jetzt will das Frettchen nach Hause. Zum warmen Ofen.

Ein solcher Taugenichts hätte es anderswo nicht weit gebracht, hier aber, bei uns, ist der faule Killer heimisch geworden. Mag sein, dass es daran liegt, dass es seine Besitzer so oft an sie selbst erinnert, an das, was in Büros, Unternehmen, Behörden, draußen vor der Tür Tag für Tag passiert. Dass die, die nett aussehen, gar nicht nett sind und dass in einem possierlichen Körper ein mieses Stück stecken kann, arbeitsscheu, hinterhältig und fies.

So wie beim Vorstandsassistenten, dem Fiesling aus der Marketingabteilung zum Beispiel, oder wie bei Müller, Meier, Schmidt von nebenan. Auch die werden gefüttert und gepflegt. Sie fiepen, wenn andere am Boden liegen. Sie gehen nur für sich selbst auf die Jagd. Und wer es anders macht, den nennen sie: einen dummen Hund.

Wenn es das nächste Mal kalt wird, wenn uns das nächste Mal nach einem feinen, warmen Pelz ist, dann sollten wir die richtige Wahl treffen. Dann lassen wir mal die Sau raus.

Das Frettchen kann sich freuen. -