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Lurchis neues Abenteuer

Auch große Marken müssen sterben. Aber glücklicherweise lassen sie sich schnell wiederbeleben. So wie die Schuh-Kette Salamander.




In Indien ist der Lurch als solcher kein Sympathieträger. Noch nicht. Sagt Norbert Breuer, Optimist und Sprecher der Geschäftsführung der Salamander GmbH. Der 55-Jährige ist zur Eröffnung einer neuen Filiale an der Hamburger Mönckebergstraße gekommen, mit seinen Gedanken aber schon weiter, in Indien eben, wohin das Unternehmen expandieren will. Und bei Lurchi, der legendären Werbefigur, aus der sich noch viel machen ließe, "Lurchi Adventure-Shops" zum Beispiel mit allerlei Produkten für Kinder. Die weltweiten Rechte an dem Feuersalamander hat das Unternehmen gerade zurückerworben.

Der joviale Rheinländer Breuer, der das Schuhgeschäft von Kindesbeinen an kennt, weil seine Eltern eines hatten, gibt überzeugend den Salamander-Fan. Er schwärmt " vom positiven Markenerbe" und dem hohen Bekanntheitsgrad - "nur Adidas liegt in Deutschland vor uns". Auf echte Liebe deutet hin, dass sich Breuer auch vom Beinahe-Tod Salamanders nicht irritieren ließ. Im Juni 2004 war er Geschäftsführer in der Firma geworden, die bereits im September Insolvenz anmeldete. Das Ende eines der ältesten deutschen Markenunternehmen, so vermutete man in der Branche, schien gekommen.

Breuer sah das anders, blieb an Bord und spielte aus drei Gründen sogar mit dem Gedanken eines Management-Buyouts. Eine starke Modemarke, so seine Überzeugung, lässt sich jederzeit wieder wach küssen. Sie könne zwar verstauben, aber nicht verscheiden. Das gilt erst recht für eine, so der zweite Grund, deren Werbe-Ikone ins kollektive Gedächtnis ganzer Kindergenerationen eingegangen ist - unter anderem in das von Thomas Gottschalk; "Ich verhehle nicht, die Welt hat sich auch mir durch die Lurchi-Heftchen erschlossen." Das dritte Pfund war Salamanders ausgezeichneter Ruf in Osteuropa; dorthin hatte das Unternehmen in den siebziger Jahren Millionen Schuhe geliefert und gilt seitdem in Russland, Polen und Ungarn als Edelmarke.

Das ist die Richtung, die Salamander auch hierzulande anpeilt. Breuer spricht von "erschwinglichem Luxus" und führt stolz durch die lichte Hamburger Filiale, wo außer dem großen grünen Lurch-Logo an der Wand wenig an die Vergangenheit der Traditionsmarke erinnert. Neben ihr sind auch Schuhe und andere Lederwaren der Konzernmutter Egada Goldpfeil sowie von Konkurrenten im Angebot, die das Sortiment nach oben hin abrunden. Vor allem aber soll der Umsatz mit der eigenen, margenstarken Salamander-Markenfamilie wieder kräftig wachsen. Und auch am Kinderschuh-Geschäft will das Unternehmen festhalten, um an den guten alten Ruf anzuknüpfen.

In diesem Segment lässt sich zwar nicht viel verdienen, aber Kinder sind die Kunden von morgen und kommen gern in Begleitung wohlsituierter Großmütter. Während die Omis sündhaft teure Handtaschen bestaunen, können die Enkel im aktuellen Lurchi-Heft 138 "Helden der Lüfte" schmökern, in dem die Amphibie und ihre Kumpels das Fliegen lernen.

Mal sehen, ob sie gut in Indien ankommen.