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Integration in Schweden als Vorbild für Soziale Innovation

In Schweden ist es wie fast überall: Ausländer mit noch so guter Qualifikation fahren Taxi, gehen putzen oder arbeiten schwarz. Sam Yildirim beschloss, das zu ändern.




Sam Yildirim war Goldschmied in Istanbul, heute ist er Entwicklungsleiter bei der Stockholmer Landesregierung, zuständig für Fragen der Integration. Und es vergeht kaum eine Taxifahrt, bei der er nicht auf die Notwendigkeit seiner Aufgabe hingewiesen wird. Sobald der Taxifahrer feststellt, dass Yildirim des Türkischen und Arabischen mächtig ist, erzählt er ihm von seinem Problem: Eigentlich sei er Ingenieur oder Chemiker, Lehrer oder Arzt, habe aber bisher trotz aller Bemühung keine Anstellung gefunden.

Yildirim ist das Problem nicht neu. Seit sich Schweden für den EU-Beitritt entschieden hat, wuchs die Arbeitslosigkeit unter eingewanderten Akademikern, wie überhaupt unter den Immigranten. Doch woher die Jobs nehmen? Die Globalisierung hatte auch vor Skandinavien nicht Halt gemacht: Schwedische Wirtschaftsikonen wie Saab und Volvo gehören nun zu den US-Automobilkonzernen General Motors und Ford. Diese und andere Übernahmen und Merger wurden von Entlassungswellen in nie gekanntem Umfang begleitet. Die Arbeitslosigkeit stieg auf mehr als fünf Prozent, bestens ausgebildete heimische Spezialisten inbegriffen.

Andererseits gab es immer wieder qualifizierte Job-Angebote - wie sonst wären die rund 190 privaten Arbeitsagenturen zu erklären, die sich allein in Stockholm und Umgebung in jüngster Zeit etabliert hatten? Dagegen lief die Job-Suche über das Arbeitsamt meist ins Leere. Nicht einmal 35 Prozent aller Stellenvermittlungen kamen noch durch das Arbeitsamt zu Stande, der Rest über private Kontakte, Netzwerke und die neuen Agenturen. Irgendwie lag der Fehler im hergebrachten System. Je enger die Situation auf dem Arbeitsmarkt, desto ineffektiver die staatliche Arbeitsvermittlung. Besonders für Ausländer.

Yildirim, Liebhaber von Metaphern, pflegt dies mit der Höllenleiter zu erläutern: "Was ist das Wichtigste im Leben? Arbeit. Darauf basieren Karriere, Sozialprestige, alles. Wird ein Schwede arbeitslos, kann er noch mit einem anderen Job in seiner Firma rechnen. Oder er sucht mit der Hilfe von Freunden eine neue Stelle. Erst wenn nichts mehr geht, geht er zum Arbeitsamt. Dort bekommt er Arbeitslosengeld, und bei andauernder Arbeitslosigkeit gibt es Sozialhilfe. Wie aber ergeht es dem Einwanderer? Er beginnt auf der untersten Stufe der Leiter. Für ihn ist der eigentlich letzte Kontakt mit der Industriegesellschaft der erste, und zwar völlig unabhängig von seiner Qualifikation. Selbst Einstein bekäme, wenn er in Schweden eine Stelle als Physiker suchte, zunächst Sozialhilfe. Und würde er schließlich durch Beziehungen doch noch einen Job ergattern, dann weit unter seiner Kompetenz." Bei dem Wort Kompetenz hält er einen Moment inne, kramt in den Papieren auf seinem Schreibtisch und sagt dann, ohne den Beleg gefunden zu haben: "Ich weiß nicht, ob Schweden hierüber Statistiken führt. Aber für Kanada hat die kanadische Nationalbank errechnet, dass das Land durch Nichtachtung von Einwanderer-Kompetenz Jahr für Jahr 50 Milliarden kanadische Dollars in den Wind schießt." Und er ergänzt: "Einwanderer sind Ressourcen, keine Soziallasten. Das müssen wir in Schweden erst noch begreifen." Wie aber diese Ressourcen erschließen? Ein Zufall wies Yildirim Anfang 2001 den Weg. Seine Frau hatte ihm auf eine Reise nach Istanbul eine lange Einkaufsliste mitgegeben. "Die wird meinen Urlaub auffressen, dachte ich. Doch dann, im Basar von Istanbul, bekam ich in zwei Stunden alles, vom Tee bis zum Safran, vom T-Shirt bis zu den neuesten Nachrichten über die Türkei. Das war die Lösung! Wer in zwei Stunden alle Informationen erhält, für die er sonst ein halbes Jahrzehnt braucht, der hat bereits die schwierigste Stufe der Höllenleiter überwunden. Nämlich die erste." So nahm in seiner Fantasie ein ganz anderer Basar Gestalt an: ein Job-Basar für Einwanderer. War Kommunikation das Hauptproblem und Bürokratie das Haupthindernis, könnte nur eine unmittelbare, ja sinnliche Vermittlung weiterhelfen. Darüber war er sich schnell mit seinem Kollegen Jan Scherwall einig, der im Stockholmer Provinziallandtag arbeitet.

Gemeinsam verfeinerten sie das Konzept. Der Basar sollte mit einer neuen Form der Kulturvermittlung verbunden werden. Auch den passenden Ort hatten sie bald im Blick: das Kulturhuset, ein gigantischer Riegel aus Glas und Beton im Zentrum von Stockholm, groß wie zwei Fußballfelder und durchsichtig wie ein Aquarium.

Eine schöne Idee, ein prima Ort - nur Partner und Geld fehlten Vor seiner Eröffnung im Jahre 1974 hatte die Tageszeitung "Expressen" von "des Landes größtem institutionalisierten Vakuum" geschrieben. Inzwischen wird das Zentrum Jahr für Jahr von rund 3,3 Millionen Besuchern durchpulst. Es ist Kultur für alle, die die Leute hier zusammenführt, vom Breakdance bis zum Poetry Slam. In seiner Offenheit gleicht das Kulturhuset einer mehrgeschossigen Bahnhofshalle, nur ohne die Hektik. Wenn irgendwo etwas Neues stattfindet, dann im Kulturhuset.

Dort und nirgends sonst, beschlossen die beiden Basar-Planer, würden sie ihr Projekt ansiedeln. Doch eine reine Regierungsinitiative wäre ein Schlag ins Wasser. Vielmehr brauchten sie ein breites Spektrum von staatlichen und nicht-staatlichen Co-Arrangeuren. Denn einen Etat oder ein Büro für ihr Projekt hatten sie nicht.

Zu ihren ersten Ansprechpartnern zählte der Bereichsleiter im schwedischen Unternehmerverband Företagarna für kleine und mittlere Unternehmer, Dan Löfgren, der seine Skepsis nicht verbarg. Zwar diagnostizierte auch er ein Problem, das allerdings von der Politik planvoll inszeniert werde: nämlich eine "weit hinter den Realitäten herhinkende Steuergesetzgebung". Die führe dazu, dass "ein Handwerker, der einen Schaden für 1000 Schwedenkronen reparieren könnte, fast 2300 verlangen muss, um alle vorgeschriebenen Abgaben zu bezahlen. Das macht legale Dienstleistungen fast unbezahlbar".

Deshalb finde man den Herzchirurgen, der sich zehn Tage frei nimmt, um seine Terrasse zu erneuern. Ließe er sich schlicht seine Überstunden ausbezahlen, käme er finanziell weit schlechter weg. Für Löfgren sind weder Problem noch Lösung den Arbeitgebern zuzuschieben: Wer wie besagter Handwerker mit Dienstleistungen kaum noch Geld verdienen könne, der könne auch keine Jobs anbieten, schon gar nicht für Ausländer. Dennoch, lenkte Löfgren schließlich ein, das Projekt als solches sei bedenkenswert.

Bedenken hatten viele - aber sie machten trotzdem mit Nach diesem Gespräch war Sam Yildirim überzeugt, dass es auch und vor allem um ein Informationsproblem ging. Also nahm er Kontakt mit der Gegenseite auf, mit der Akademiker-Gewerkschaft Saco. Dort begeisterte man sich sofort für die Idee, war es doch schon seit einiger Zeit Saco-Praxis, studierte Einwanderer als Mitglieder aufzunehmen. Man fühlte sich also quasi in der Pflicht, irgendwie für deren Fortkommen zu sorgen.

Inger Grufman, verantwortlich für Arbeitsmarktanalyse im Verband der Ingenieure, einer Sparte der Saco, sah dennoch ebenfalls Probleme - dieses Mal bei den Arbeitgebern: "Der schwedische Arbeitgeber versucht in aller Regel, die Zuwanderer unterhalb unseres Lohnniveaus anzusiedeln. Das ist Diskriminierung." Die klare Saco-Linie im Ausschuss zur Vergabe von Arbeitserlaubnis in Schweden: "Wenn bei gleicher Qualifikation der angebotene Verdienst so niedrig ist, dass nur zehn Prozent unserer Mitglieder weniger verdienen, dann verweigern wir im Ausschuss unsere Zustimmung." Im Übrigen sei die Lage für Frauen noch schwieriger. Gerade aus den arabischen Ländern und aus den Staaten des früheren Ostblocks kämen überraschend viele weibliche Ingenieure. "Doch obwohl das schwedische Hochschulamt genau ermittelt hat, welcher akademische Grad im jeweiligen Ausland mit welchem schwedischen korrespondiert, wird von den Arbeitgebern, auch des öffentlichen Sektors, fremden Diplomen weiterhin Misstrauen entgegengebracht. Besonders denen von Frauen." Allen Bedenken zum Trotz ließ sich auch Saco für das Basar-Projekt einspannen. Dass Yildirims eigene Behörde, die Stockholmer Provinzialregierung, und auch Jan Scherwalls Provinziallandtag mitmachen würden, war inzwischen geklärt. Es gelang den beiden, noch diverse andere Behörden mit ins Boot zu holen, die im weitesten Sinne mit Integration befasst waren. Den Integrationsausschuss zum Beispiel, der sich um die Rechte von Immigranten kümmert und den Unternehmerverband Svenskt Näringsliv, dem auch die Wahrung einer offenen und fairen Konkurrenz sowie die Liberalisierung des Handels obliegt. Außerdem Stockholms Akademiker Forum, wo man alle mit dem Studium zusammenhängenden Fragen besprechen kann, unter besonderer Berücksichtigung von sozialer und ethnischer Pluralität. Das akademische Forum war bereits im Kulturhaus angesiedelt und schon deshalb für die Mitwirkung wie geschaffen.

Am Ende waren ein Dutzend Mitveranstalter beisammen. Aber das Stockholmer Kulturhaus war keine leer stehende Messehalle, die nur angemietet zu werden brauchte, sondern ganz im Gegenteil vom Untergeschoss bis zum Cafe auf dem Dachgarten schon völlig ausgebucht. Nur ein einziger Hörsaal im dritten Stock war an einem Wochenende im September noch frei. Und dann war da ja noch die Frage: Wie an Aussteller herankommen? Welche Firmen, die an Stelle des Arbeitsamtes lieber Agenturen einschalteten oder ihre eigenen Personalabteilungen suchen ließen, würden sich zusätzlich für die Basar-Idee gewinnen lassen? Würden weitere öffentliche Institutionen in Stockholm und Stockholm-Land, die Mitarbeiter suchten, mitziehen und den Basar auch finanziell unterstützen?

Was die Kosten betraf, so erkannten die Gründer schnell, dass die Beauftragung einer großen Veranstaltungsagentur eine Verdoppelung des Etats bedeutet hätte. Stattdessen engagierte man mit Birgitta Sjöblom eine Ein-Frau-Agentur für die Projektleitung. Die Agentur mit dem exotischen Namen "Ozelot Konsult" hatte fünf Jahre zuvor im Auftrag des Bürgermeisters von Stockholm die gigantische Feier zum 50. Geburtstag des Königs vorbereitet, im Globen, jener kugelförmigen Arena, die locker Platz für 12 000 Besucher bietet. So jemand schafft auch den Basar, dachte sich die hoffnungsvolle Truppe.

Sie war gut beraten. Der Bazar, nun mit "z" geschrieben, nahm Gestalt an. Messekojen? Nein, in der Enge dieses Hörsaals half nur eine luftige Lösung mit von der Decke hängenden Banderolen, von denen in einheitlicher Größe die Firmenzeichen grüßten. Darunter Inseln aus verschiedenfarbigen Bühnenteppichen, mit Sitzgruppen, Stehtischen, Infotheken, alles im Mietpreis enthalten. Denn natürlich müssen Firmen, Agenturen und Kommunen, die am Bazar partizipieren wollen, Miete bezahlen. Drei mal drei Meter kosten 15 000 Kronen (1600 Euro), zwei mal zwei Meter 10000 (1068 Euro). Und die Kleinstfirmen wurden an lange Tresen ins Foyer gesetzt, in thematischen Gruppen. Das kostete nur 1000 Kronen für jeden, etwas mehr als 100 Euro.

Der Andrang übertraf alle Erwartungen. Ob nun wegen der Reklameschilder in Bussen und Bahnen oder wegen der Inserate in den kostenlosen Blättern "Metro" und "City": Gleich der erste Bazar brachte in zwei Tagen 5000 Besucher, und der von 2003, noch im selben Saal stattfindend, verdoppelte die Zahl auf 10 000.

Mehrere Male mussten die zentralen Rolltreppen vom Sicherheitsdienst wegen Überfüllung angehalten werden. Ein richtiger Bazar eben, befand Sam Yildirim.

Inzwischen ist der Hörsaal Historie. Die für 2006 angemietete Ausstellungsfläche war mehr als doppelt so groß. Eine Woche vor Ablauf der Melderrist waren so viele Anmeldungen beisammen, dass die Organisatoren mit den Quadratmetern geizen mussten.

Ein grandioser Start -und das war erst der Anfang Unter den neuen Firmen waren erstaunlich viele bereit, die große Einheit von drei mal drei Metern anzumieten. Zum Beispiel: • SOS Alarm, die fremdsprachige Telefonisten zur Soforthilfe bei Notfällen sucht, • die IT-Firma SQM, vor drei Jahren noch am Tresen der Kleinbetriebe, der eine Vielzahl von mehrsprachigen Technikern für den Kundendienst fehlt, • die Sprinklerfirma AB, die Monteure und einen Ingenieur braucht, • Lernia Bemanning, eine Arbeitsagentur für den Industriebereich, hat Ventilationsspezialisten, Mechaniker, Techniker, Monteure und Hausmeister im Visier, • E-Quality-Personalkraft, spezialisiert auf den Gesundheitssektor, sucht Krankenschwestern und -pfleger für alle möglichen Einsatzgebiete, • Sofia Cerne Kb, eigentlich mit Firmengründungen befasst, brauchen diverse Verkäufer für neu gegründete Firmen.

Die Großhandelskette für Heimelektronik OnOff ist noch dabei, in einer Blitzumfrage in allen Filialen den Bedarf von qualifizierten Verkäufern zu ergründen, für deren erste Einstellungsgespräche sie dann einen zusätzlichen Raum anmieten wollen.

Und Taxi Stockholm, das größte Unternehmen seiner Art in der Hauptstadt, will auf einen Schlag 400 Fahrer einstellen - keine Akademiker, betont Yildirim, denn für die gebe es jetzt passendere Berufe.

Auch unter den Ausstellern finden sich mittlerweile Immigranten, zum Beispiel Ibrahim Gnem. Er ist als 17-Jähriger aus Palästina eingewandert und heute Chef von Megabyte System mit 14 Angestellten und 30 Millionen Kronen Jahresumsatz. Jedes Jahr nimmt er wieder am Tresen der Kleinunternehmer Platz. "Bei Megabyte finden Sie alle möglichen ethnischen Gruppen", erklärt er. "Was zählt, ist allein die Qualifikation. Wir brauchen gerade einen Experten im Bereich Managementsysteme für mittlere Betriebe. Einen Software-Spezialisten. Aber nach meiner Erfahrung ist es viel leichter, jemandem technisches Wissen beizubringen, als ihm den richtigen Umgang mit den Kunden zu vermitteln. Ich suche auch per Internet, aber nur, um nichts unversucht zu lassen. Meine Hoffnung, im Bazar jemand Passenden zu finden, ist beträchtlich größer." Anhand der Teilnehmerliste des diesjährigen Bazars zieht Ozelot Konsult erste Schlüsse: "Erstens: Die Krise der IT-Branche ist offenbar vorüber, Einwanderer werden wieder eingestellt. Zweitens: Die privaten Arbeitsvermittler, von Großfirmen beauftragt, betrachten inzwischen auch bei ihrer Art der gezielten Mitarbeiter-Suche den Bazar als brauchbares Forum. Drittens: Der Trend zu Neugründungen hält an, nicht zuletzt dank der damit befassten Start-up-Berater." Dazu gehören das mit 21 Regionalbüros landesweit tätige Konsultationsunternehmen Almi, das Neugründungen und Innovationen fördert, ebenso wie Svensk Handel, die schwedische Einzelhandels-Organisation, die immerhin 13 500 Mitgliedsfirmen und zirka 250000 dort Arbeitende vertritt. Beide sind im Bazar präsent wie auch das mehr lokal operierende Nyföretagar Centrum.

Nyföretagar, das Stockholmer Zentrum für Unternehmensgründungen, ist zugleich als Ausrichter und Aussteller dabei. Es operiert als Stiftung, die von Stockholmer Firmen und Banken getragen wird, und ist deshalb genau wie der Bazar kostenlos für die Klienten und unabhängig vom Staat. Chefin ist Susanna Baconcini, noch vor wenigen Jahren Krankenschwester, danach erfolgreiche Gründerin einer Outsourcing-Firma im Gesundheitswesen. "Nicht jeder, der einen Job sucht, will gleich eine Firma gründen, täte aber vielleicht gut daran. Er kann es sich nur nicht vorstellen, und man muss es ihm vor Augen führen. Diese Chance bietet der Bazar, wo jeder mit jedem kommuniziert." Sprachprobleme sieht sie nicht, schon gar nicht auf dem Bazar selbst, wo zwei Dutzend Studenten aus allen möglichen Ländern, erkennbar an breiten roten Schärpen, die Jobsucher in den Landessprachen begrüßen.

Der Bazar ist ein Erfolg. Aber ist er auch ein Modell?

Ein Problem, das auch der Bazar bisher nur unzureichend lösen konnte, ist die Job-Suche ausländischer Frauen. Der Gouverneur der Provinzialregierung Stockholm, Mats Hellström, Chef von Sam Yildirim und engagierter Schirmherr des Bazars, sieht hierin auch das eigentliche Dilemma von Arbetsförmedlingen. Denn die Arbeitsvermittlung habe es mit einer sehr neuen und sehr speziellen Gemengelage innerhalb der arbeitsfähigen Bevölkerung zu tun. Es gebe unter den Einwanderern durchaus welche, die gar keine Arbeit suchten, auch wenn sie dadurch viel besser mit dem Leben in Schweden zurechtkämen. Er denke an Frauen aus Somalia, Eritrea oder vergleichbaren Ländern. Sie müsse man dafür begeistern, Arbeit anzunehmen, und Arbetsförmedlingen müsse sich dafür begeistern lassen, für sie in der richtigen Weise tätig zu werden. So gesehen sei der Bazar auch Anschauungsunterricht für Behörden.

Der Bazar hat viele Funktionen. Und inzwischen, nach der fünften Veranstaltung, ist erwiesen: Die Wirkung ist nachhaltig. Untersuchungen zeigen, dass der Bazar für 25 Prozent der bisher etwa 32 000 Besucher erfolgreich war, sei es in Form einer Festanstellung, eines Praktikums oder einer Aus- oder Fortbildung. Schon drei, vier Festanstellungen pro Bazar wögen die Kosten auf, stellt Yildirim fest.

Eine Erfolgsgeschichte also? Modell auch für andere EU-Länder? Für Gouverneur Mats Hellström ist das nicht zuletzt eine Frage des Selbstverständnisses. Er sieht Schweden ganz eindeutig als Einwanderungsland, das sei es immer gewesen: "Stockholm ist von Lübecker Kaufleuten gegründet worden. Im Mittelalter gab es bei uns ein Gesetz, wonach die Hälfte der Ratsherren deutsch zu sein hatte. Hinzu kamen Finnen, Wallonen, Holländer. Sie alle brachten ihre spezifischen Talente mit. Nach dem letzten Weltkrieg kamen die Einwanderer besonders aus den baltischen Staaten, aus Ungarn, Polen, vom Balkan, dann, seit den Siebzigern, auch aus Lateinamerika, Afrika und Asien." Ob heutige EU-Politik gerade gegenüber Asylsuchenden nicht eher restriktiv sei? Hellström beharrt darauf, dass zumindest die Niederlande, Deutschland, Großbritannien und Schweden als Einwanderungsländer zu gelten hätten. "Sicher, da gibt es so Sprüche wie ,Das Boot ist voll'. Pure Rhetorik! Ich habe mit bayerischen Politikern gesprochen. Sie wissen genau, ihr schönes München ist eine Einwandererstadt. Ohne die Menschen aus dem früheren Jugoslawien bräche das dortige Gesundheitswesen zusammen." Ist der Bazar ein Modell zur Lösung der Einwanderungsprobleme? Hier wird Hellström vorsichtig. "Teil eines Modells, ja. Doch die weiterführenden Institutionen für Fortbildung und Finnengründung müssen auch vorhanden sein. Und funktionieren." Auch bei der Frage, ob der Bazar zu einer festen Einrichtung werden solle, hält er sich zurück: Der Rekryteringsbazaren könne keine Behörde wie das Arbeitsamt ersetzen, immerhin ein Paradestück des schwedischen Sozialvertrags seit 1906.

Andererseits zeigten die fünf Bazare, dass die direkte Kommunikation zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern weiterführt. Es wird wohl auch den sechsten Bazar geben.