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Die Sonntags-Bohrer

Zahnärzte, die Patienten dann behandeln, wenn sie Zeit oder Schmerzen haben? Am Wochenende, an Feiertagen und von montags bis freitags von 7 bis 24 Uhr? Ja, so was gibt’s. In Düsseldorf.




Gerade lag die Einweihungsparty hinter Oliver Münks, da machten sich Unbekannte mit einem schwarzen Filzstift an seinem neuen Zahnarztpraxisschild zu schaffen: Statt 24 Uhr als Ende der täglichen Öffnungszeiten sah man nur noch einen dunklen Fleck. Ob das ein missgünstiger Kollege war?

Der Widerstand gegen die Düsseldorfer Praxisgemeinschaft, die sich heute "die plus Zahnärzte" nennt, war anfangs erheblich. Vor allem ältere, etablierte Kollegen fühlten sich und ihre Pfründe von den jungen Ärzten, die sich als Dienstleister am Patienten verstanden, zunehmend bedroht.

Die Zahnärztekammer Nordrhein wetterte gegen angebliche geschickte Lancierungen von Medienberichten und warf der Praxisgemeinschaft das Umgehen des Werbeverbots vor. Andere klagten gegen den Namen "Zahnarztpraxis am Kö-Center" - man dürfe nicht mit öffentlichen Gebäuden werben. Wieder andere versuchten die Ärzte zu belangen, weil ihnen die Größe der Praxis suspekt erschien. Gegen die ungewöhnlichen Öffnungszeiten regte sich hingegen kaum Widerstand. Vermutlich, weil das aussichtslos erschien: Die Berufsordnung für Zahnärzte legt fest, dass sich die Öffnungszeiten der Praxen an den Bedürfnissen der Patienten orientieren können. Und dass es einen Bedarf für Behandlungen spätabends oder am Wochenende in einer Stadt wie Düsseldorf gibt, war schon bei der Gründung der Praxisgemeinschaft als Zweimannbetrieb 1993 offensichtlich.

Es gibt ihn noch immer. Tendenz: seit Jahren steigend. "Früher kamen fast ausschließlich Rechtsanwälte, Selbstständige, Werber oder Unternehmensberater sonntags oder um 23 Uhr in die Praxis. Heute, in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, wollen auch viele andere Patienten ungern während der Arbeitszeit fehlen", sagt Münks. Dazu kommen diejenigen, die sich mit einer betäubten Wange am liebsten gleich ins Bett legen und schlafen. "Manche", so der 36-Jährige, "genießen auch einfach die abendliche Ruhe in der Praxis." Mittlerweile arbeiten bei "die plus Zahnärzte" 23 Dentisten mit unterschiedlichen Spezialgebieten an drei Düsseldorfer Standorten, die alle als eigenständige Praxen funktionieren. Überall wird im Dreischichtsystem gearbeitet. Verbunden sind die Praxen durch einen gemeinsamen Internetauftritt und gemeinsame schriftlich fixierte Spielregeln. Sie teilen sich die Kosten für eine eigene Marketingabteilung, ein eigenes Labor und eine Abrechnungsgesellschaft. Einmal in der Woche, immer mittwochs von sieben bis acht Uhr, treffen sich sämtliche Ärzte zu einer gemeinsamen Besprechung.

In den vergangenen Jahren ist der Protest gegen "die plus Zahnärzte" abgeflaut. Der Zahnärztekammer Nordrhein sind jedenfalls keine aktuellen Probleme bekannt.

Wohl auch, weil die meisten in der Branche verstanden haben, dass der Zahnarzt der Zukunft ein Dienstleister ist. Entsprechend hat sich das Angebot verändert. Elegante Praxen, schmerzfreie Behandlungen bei klassischer Musik und eine Minibar gibt es immer häufiger. Lange Öffnungszeiten hingegen sind immer noch die Ausnahme. Denn die setzen die Zusammenarbeit von mehreren Zahnärzten und damit Vertrauen voraus. " Und Vertrauen", sagt Münks, "fällt gerade der oft eigenbrötlerisch veranlagten Zahnärztezunft schwer." Gut für "die plus Zahnärzte" - momentan umfasst ihre Patientenkartei 34000 Menschen, und sie wächst jeden Monat um etliche neue Patienten an. Die wollen "die plus Zahnärzte" vor allem zur Prophylaxe bewegen und damit vor dem Bohrer bewahren. Das nützt auch den Zahnärzten. Denn ist die Zahl der Patienten, die regelmäßig vorbeugend aktiv werden, hoch genug, rechnen sich gesunde Zähne für eine Praxis mindestens so gut wie Karies: Weil die Patienten weniger Schmerzen erleiden müssen, sind sie zufriedener. Und treuer. Um die Kundenbindung zusätzlich zu erhöhen, laden "die plus Zahnärzte" regelmäßig zu einer großen Patientenparty ein. 2005 kamen 1700 Gäste.

"Zahnärzte werden in Zukunft nur als hoch spezialisierte Einzelpraxen oder als Gemeinschaftspraxen überleben", sagt Münks. Die Mehrarbeit, die etwa durch die wöchentlichen Treffen entsteht, ist so gesehen eine sinnvolle Investition. Folgerichtig träumen die Ärzte davon, "die plus Zahnärzte" mit Praxen in ganz Deutschland als Marke zu etablieren, vielleicht auch im Ausland - nach Dubai gibt es erste Kontakte.

Erst einmal wird aber in diesem Jahr noch ein vierter Standort am Düsseldorfer Flughafen eröffnet. Obwohl dort die Flugzeuge nur bis 23 Uhr starten oder landen dürfen, wird auch diese Praxis bis Mittemacht geöffnet sein. Denn, so Münks: "Es gibt ja auch noch das Bodenpersonal." Information und Kontakt: www.die-zahnaerzte.com