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Das Leben ist 3D

Bislang musste man eine alberne Brille aufsetzen, um „Starwars“ dreidimensional zu sehen. Nicht mehr lange.




"Was ist heute schon 3D?", fragt Diplomingenieur Wolfgang Opel, Geschäftsführer von Spatial View Inc. aus Dresden - und beantwortet die Frage gleich selbst: "Ein Schlagwort. Entweder werden dreidimensional berechnete Modelle einfach auf dem normalen, zweidimensionalen Bildschirm dargestellt - was nur eine Notlösung ist. Oder man braucht Brillen und Projektoren, um tatsächlich eine dreidimensionale Darstellung oder virtuelle Realität zu erreichen. Für dieses Equipment können schnell einige 100 000 Euro draufgehen." Die Antwort von Spatial View passt auf einen kleinen Tisch: ein besserer Laptop mit einem angeschlossenen 24-Zoll-LCD-Monitor - scheinbar handelsübliche Ware. Wolfgang Opel holt die Daten eines im Computertomografen dreidimensional gescannten Kniegelenkes von der Festplatte auf den Bildschirm. Auf den Bildschirm? Ach was, das Kniegelenk scheint im Raum zu schweben, wird mit der Maus gedreht und gezoomt. Keine Kamera, die die Position des Betrachters im Raum erfasst. Keine Brille. Man sitzt einfach zwei Meter vor dem Bildschirm und die, die daneben sitzen, sehen das gleiche plastische Kniegelenk.

Die Dresdener haben Spatial View gerade auf einem Mediziner-Kongress präsentiert. Die Illusion ist nicht ganz perfekt. Die Auflösung ist etwas schlechter als gewohnt, und wenn man den Kopf bewegt, ruckelt das Bild etwas nach. Dennoch ist das Ergebnis verblüffend. Denn was dort zu sehen ist, ist die Technik, mit der ganz normale Bildschirme in Zukunft für wirklich dreidimensionale Darstellungen fit gemacht werden.

Alles andere ist eine Frage der weiteren Entwicklung: mehr Helligkeit und Auflösung für die neuen Flachbildschirme, damit das in mehrere Ansichten zerlegte Bild immer noch präsent genug ist. Bessere Grafikkarten und mehr Arbeitsspeicher für die Rechner, die für solche Bilder ein Vielfaches der Datenmenge in Echtzeit zu verarbeiten haben.

Der Trick? Wolfgang Opel deutet auf einen unscheinbaren Rahmen auf dem Monitor: "Er hält eine Folie mit einem laminierten Streifenmuster. Das ist das optische Element. Es sorgt dafür, dass das linke und das rechte Auge des Betrachters leicht unterschiedliche Informationen bekommen, die dann vom Gehirn wieder zusammengesetzt werden. Aus diesem Unterschied entstehen die Informationen über den Raum. Nichts anderes geschieht auch beim normalen Sehen. Dieser Rahmen ist die gesamte Hardware. Den Rest erledigt eine spezielle Darstellungs-Software." Andere Verfahren benutzen von Wackelbildern bekannte Linsenraster, um den gleichen Effekt zu erzielen.

Spatial View beginnt gerade gemeinsam mit dem Erfinder Christoph Grossmann aus Hamburg die patentierte Technik zur Marktreife zu entwickeln. Das Marktpotenzial von Spatial View lässt sich nur erahnen. "Das Ziel ist, Präsentation, Interaktion und Konvertierung für den handelsüblichen PC möglich zu machen", sagt Opel und erläutert: Kameras erfassen die Bewegungen einer Person und berechnen zusammen mit den gespeicherten 3D-Daten virtuelle Vorgänge. Man könnte ohne den Umweg über zweidimensionale Pläne Häuser konstruieren. Man könnte 3D-Computerspiele entwerfen, die nicht mehr von den X-, Y- und Z-Koordinaten auf eine zweidimensionale Darstellung heruntergerechnet werden müssen. Man kann die Aufzählung endlos fortsetzen.

"Spatial View ist ein Meilenstein hin zu einem Computer, der ohne Tastatur oder Maus zu bedienen sein wird", so Opel. "Der Nutzer wird eines Tages einfach ins Bild hineingreifen können." Und was bedeutet Konvertierung? Opel: "Die heute produzierten Filme sind zweidimensional. Das muss nicht so bleiben. Nur Standfotos sind nicht hochzurechnen. Sobald eine Kamerafahrt stattfindet oder jemand durchs Bild läuft, wird die Tiefe des Raumes berechenbar - den Koordinatenachsen X und Y kann die dritte, die Z-Achse, mathematisch hinzugefügt werden." Vermutlich werden es zunächst Bollywood-Filme aus Indien sein, die mit einer dritten Dimension ausgestattet werden. Denn die Basistechniken für 3D-Displays und die Software sowie die patentierte Interaktionslösung wurden zwar maßgeblich in Deutschland, unter anderem vom inzwischen verstorbenen Spatial-View-Gründer Professor Frank Baldeweg, entwickelt. Eine Finanzierung in Deutschland gelang allerdings nicht.

Wolfgang Opel und einige seiner Kollegen mussten bis nach Kanada und Fernost reisen. Dort brauchten sie drei Monate, um bis heute vier Millionen Dollar für die Technik einzuwerben. "Im Gegensatz zu Deutschland ist dort der Kontakt ins Topmanagement und zu Konzernchefs einfach, und man bekommt schnell die Chance, das Produkt vorzustellen. Das ist wichtig: Man kann 3D-Darstellung schließlich nicht fotografieren oder erläutern." Gefertigt werden soll in Malaysia. Nicht nur wegen der Arbeitskosten. "Wir sind in Asien auch näher an den LCD-Herstellern und unseren Märkten dran. Die Leute dort sind wild auf alles Neue. Sie sehen vor allem erst mal die Chancen." Kontakt: Spatial View GmbH, Fiedlerstraße 43, 01307 Dresden Telefon: 03 51/4 50 33 40, www.spatialview.com