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Eine Ministerin in Bolivien

Casimira Rodriguez Romero war 13, als sie anfing, unter sklavenähnlichen Bedingungen als Hausmädchen zu arbeiten: bis zu zwölf Stunden täglich, sieben Tage die Woche, ohne Bezahlung und ohne Freizeit. 20 Jahre arbeitete sie, daneben engagierte sie sich in einer Vereinigung der Hausangestellten, deren Sprecherin sie wurde. 2003 bekam sie dafür den Weltfriedenspreis der Methodistischen Kirche. Die ledige 40-Jährige hat auf einer Abendschule Abitur gemacht und Anthropologie studiert, bevor sie im Januar 2006 zur Ministerin für Justiz und Menschenrechte ernannt wurde.




Monatsverdienst, Monatsgrundkosten, Altersvorsorge:

"Unsere Regierung hat die Ministergehälter halbiert. Brutto verdiene ich 1360 Euro, netto bleiben mir etwa 970 Euro. Seit kurzem habe ich zum ersten Mal eine eigene Wohnung, für die ich 120 Euro zahle. Dazu kommen einige Euro für Strom, Gas, Wasser, Telefon. 220 Euro zahle ich für Flüge, um meine Mutter zu besuchen, die ich mit rund 100 Euro monatlich unterstütze. Das Gleiche bekommt mein Bruder, der sich um sie kümmert."

Was tun Sie in Ihrer Freizeit?

"Als Hausmädchen hatte ich hin und wieder ein paar freie Tage, die ich zur Weiterbildung genutzt habe. Jetzt habe ich sonntags vielleicht ein paar Stunden für mich, aber dann gehe ich meist zu Einladungen, um die Regierung zu repräsentieren, obwohl ich besser mal ausruhen und auf meine Gesundheit achten sollte."

Was sind Ihre größten Probleme, und wie gehen Sie damit um?

"Das sind die Gesetze in unserem Land. Wenn Leute zu mir kommen, die ein Problem haben, kann ich selbst als Justizministerin oft nichts machen, weil die Gesetze zu kompliziert sind. Sie wurden von Leuten gemacht, die sich nicht für die Probleme der Menschen interessieren."

Was bedeutet Ihnen Arbeit?

"Arbeit belebt den Geist. Durch sie fühlt man sich nützlich. Jede Art von Arbeit ist würdig. Unwürdige Arbeit gibt es nicht."

Was erwarten Sie von der Zukunft, und was tun Sie dafür?

"Wenn ich 16 oder 18 Stunden am Tag arbeite, tue ich das für die nachfolgende Generation, in der Hoffnung, dass sie bessere Arbeit, bessere Bildung bekommt und dass es in Bolivien gerechter zugeht."

Bolivien Einwohner: 8,98 Millionen
Währung: 10,5 Boliviano = 1 Euro
BIP pro Kopf: 706 Euro
Human Development Index: 113 von 177
Aktuelle Durchschnittskosten 1 Liter Benzin: 38 Cent
1 Pfund Butter: 1,20 Euro
1 großes Weißbrot: 60 Cent
1 Flasche Bier im Laden: 70 Cent
1 Flasche Bier im Restaurant: 1 Euro
1 Liter Mineralwasser: 45 Cent
100 Gramm Kokablätter (legal): 50 Cent
Einfache Bus fahrt La Paz-Cochabamba: 5 Euro
Einfacher Flug La Paz-Cochabamba: 45 Euro
Schuheputzen: 5 Cent
1 einfaches Herrenhemd: 4 Euro
1 Kinokarte: 1,80 Euro