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Eine runde Sache

Liebe zum Fahrrad reicht nicht aus, um sich auf dem umkämpften Markt durchzusetzen. Man muss auch gute Ideen haben. Und clever sein. So wie Stephan Hahn, der kühle Tüftler.




Früher lernte man Radfahren nach der Hauruck-Methode auf dem Rad des großen Bruders. Konnte man einigermaßen die Balance halten, jagten einen die Eltern mit dem Kommando "treten, treten, treten" los, um wenig später vergeblich "bremsen!" zu rufen. Heute haben es Anfänger dank Laufrädern, Stütz- und Kinderfahrrädern leichter, in Deutschland werden pro Jahr etwa 500 000 Stück verkauft. 30 000 davon gehen auf das Konto von Stephan Hahn, und das bereits im zweiten Geschäftsjahr nach Gründung seiner Firma im oberbayerischen Oberpframmern. Der Clou: "Unser Rad wächst mit, es ist Lauf- und Fahrrad in einem." Zieht man an der Unterseite des Alu-Rahmens einen Stopfen, lässt sich ein Kettenantrieb einstecken und mit zwei Schrauben fixieren. Dank des Zwitters können bereits Zweieinhalbjährige mit dem Laufrad das Balancieren üben, später wird es zum Fahrrad aufgerüstet. Mit diesem Produkt begeisterte Hahn nicht nur Eltern, sondern auch Markenartikler außerhalb der Fahrradbranche. Ein kluger Schachzug des 37-Jährigen, dem es allein schwer gefallen wäre, sich gegen alteingesessene Familienbetriebe und billige " Containerverschnalzer" einen Namen zu machen.

Auf die Idee kam Hahn durch Zufall. Als Berater des Fahrradgiganten Kynast hörte er von dem neuartigen Konzept der "beiden Jörgs" - den Industriedesignern Jörg Frohn und Jörg Liebetrau. Bei Kynast zeigte man kein Interesse und hatte "nix dagegen", dass Hahn sich der Sache annahm.

Der Handwerkersohn aus Frankfurt am Main hatte schon mit zehn Jahren ein Faible für Zweiräder. Sein erstes Rad motzte er mit einer Spezialgabel auf, lackierte das orangefarbene Klapprad schwarz-golden um und befestigte - was er heute nur noch hinter vorgehaltener Hand erzählt - ein Kofferradio am Lenker. Nach einer Lehre als Maschinenschlosser studierte er in Darmstadt Maschinenbau. In den Semesterferien arbeitete er in Fahrradläden, ließ sich in Colorado, USA, zum Fahrradmechaniker ausbilden und war, bevor er für den Mountainbike-Hersteller Univega als Produktmanager nach München ging, an der Entwicklung eines gefederten Rahmens für Riese und Müller beteiligt. Dafür arbeitete er off wochenlang in Fabriken taiwanesischer Fahrradteile-Hersteller. Eine wertvolle Erfahrung, wie sich zeigen sollte.

Dank seiner Insider-Kenntnisse fand er in Taiwan schnell den richtigen Hersteller für das Kinder-Bike. Der ging beim Bau des Prototypen und bei der ersten Produktion sogar ins Risiko, denn die Banken gewährten dem Gründer-Trio, das mit nur 40000 Euro an den Start ging, keinen Kredit.

Erst als nach der ersten Präsentation bei der Internationalen Sportartikelmesse Ispo mehr als tausend Räder geordert wurden, signalisierte die Sparkasse grünes Licht. Jetzt - nach Auslieferung der Räder - erhielten auch die Taiwanesen ihr Geld. Die Fachpresse umjubelte die Innovation, es gab erste Designpreise, und die Händler bestellten nach.

"Da man aber nicht jedes Jahr ein neues System erfinden kann", setzt Hahn, der nach der Erfindung des mitwachsenden Laufrads eine eigene Vertriebs- und Entwicklungsfirma gründete, zur Steigerung der Bekanntheit auf starke Marken. "Schließlich sind für ein kleines Unternehmen 30 Prozent Marketingkosten undenkbar", sagt der umsichtige Gründer, der erst vor kurzem aus einer Garage in eine alte Limonadenfabrik umgezogen ist.

Als Partner konnte er BMW und Playmobil gewinnen. Für den Autokonzern arbeitet er im Auftrag, beim Spielfiguren-Hersteller erwarb er eine Lizenz. Die erlaubt ihm, eine eigene Serie peppig designter Playmobil-Lauf-, Fahr- und Dreiräder sowie Tretroller auf den Markt zu bringen. Außerdem hat Hahn sich ein neues Mountainbike-Modell für Acht- bis Dreizehnjährige ausgedacht mit abnehmbarem Gepäckträger und eigens dafür entwickelter Schultasche.

Inspirieren lässt sich der Tüftler in Kinder-Erlebnisparks, Spielwarenabteilungen, auf Messen oder bei Brainstorming-Wochenenden mit seinem Team. Im Dienste der Völkerverständigung und aus ganz handfesten Erwägungen büffeln Hahn & Co. zudem einmal pro Woche auch die chinesische Sprache und Landeskunde. Gibt es Schwierigkeiten bei der Umsetzung seiner Entwürfe, steigt der Jungunternehmer schnell mal in den Flieger. Das beschleunigt nicht nur Prozesse, sondern imponiert Kunden wie Zulieferern.

Schließlich hat der Mann Großes vor. Er denkt schon an neue Produkte für eine neue Zielgruppe: elektrogetriebene Fahrräder sowie Spezial-Bikes für Ältere. Einen gewichtigen Partner, der seinen Umsatz beflügeln soll, hat er schon im Boot. Für 2006 rechnet er mit fünf Millionen Euro Jahresumsatz - doppelt so viel wie dieses Jahr. Kontakt: Development Engineering GmbH, Egmantiger Straße 3, 85667 Oberpframmem Telefon: 0 80 93/90 36-0, Fax: 0 80 93/90 36-20, E-Mail: info@development-engineering.de, www.development-engineering.de