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Malen für später

Künstler denken nicht so gern ans Alter und schon gar nicht an Vorsorge. Deshalb wurde der Artist Pension Trust erfunden.




Bis zu diesem Sommer hatte sich Annika von Hausswolff noch nie Gedanken über ihre Altersversorgung gemacht. "Ich glaube, darüber denken wenige Künstler nach. Es liegt uns einfach nicht, so weit voraus zu planen." Seit kurzem tut sie es trotzdem: Von Hausswolff ist eine von knapp 50 Künstlern, die sich am Artist Pension Trust (APT) in Berlin beteiligen. Die Organisation wurde vor zwei Jahren in New York ins Leben gerufen und ist jetzt nach Los Angeles und London auch in Deutschland aktiv.

Die Idee des APT ist, dass Künstler, die am Anfang oder in der Mitte ihrer Karriere stehen, eine Möglichkeit haben, für ihre Rente zu sorgen, ohne dass sie dafür Geld zahlen müssen. Stattdessen gibt jeder am Fonds beteiligte Künstler innerhalb von 20 Jahren 20 Werke an den APT ab. Die Firma Mutual Art, die hinter dem APT steckt, kümmert sich um Aufbewahrung und Pflege der Werke, sie leiht sie auch an Galerien aus. Ein Gremium aus Kunstprofessoren, Künstlern und Kuratoren entscheidet, wessen Werke in den Fonds aufgenommen werden und wann der richtige Zeitpunkt ist, die Werke zu verkaufen. Wenn ein Werk verkauft wird, gehen 20 Prozent an Mutual Art, 40 Prozent an den Künstler, die restlichen 40 Prozent werden unter allen Künstlern des Fonds aufgeteilt. So profitieren die Künstler vom eigenen Erfolg, tragen aber auch zur Rente ihrer Kollegen bei.

Dan Galai, Finanzprofessor und Mitbegründer der Firma Mutual Art, wollte ein leicht verständliches Vorsorgemodell, das frei ist von komplizierten Begriffen aus der Finanzwelt. Er sagt, der APT knüpfe an die in Künstlerkreisen bestehende Tradition an, Kunst als Tausch- und Zahlungsmittel zu verwenden, die auch heute noch vielen Kunstschaffenden vertraut ist. So habe etwa der britische Künstler Damien Hirst seinen Zahnarzt zu Beginn seiner Karriere schon mal mit Bildern bezahlt. Auch von Hausswolff ist diese Art der Rechnungsbegleichung nicht fremd. Ihre Frauenärztin, die sie während ihrer Schwangerschaft betreute, hat jetzt ein Bild von ihr zu Hause hängen.

Das Gremium des APT wählt nur Erfolg versprechende Künstler wie von Hausswolff aus, die bereits Bilder verkauft, ausgestellt oder auch schon mal einen Preis gewonnen haben. Die gebürtige Schwedin fand nach ihrem Studium an der Kunsthochschule in Stockholm sofort eine Galerie, die ihre Bilder seither ausstellt. Außerdem vertrat sie mit ihren Werken schon mal ihr Heimatland bei der Biennale in Venedig, der Weltausstellung der bildenden Kunst, die alle zwei Jahre stattfindet. Von Hausswolff befindet sich in der Mitte ihrer Karriere, wie sie sagt, und kann von ihrer Arbeit leben.

Diese Auswahl der Künstler soll das Risiko minimieren, dass die Firma Mutual Art irgendwann auf den Werken ihrer Mitglieder sitzen bleibt. Außerdem bestehe bei bereits etablierten Künstlern eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass die Werke im Laufe der Zeit tatsächlich an Wert gewinnen, so Galai. Er rechnet damit, dass letztlich etwa ein Prozent aller Künstler, die sich am APT beteiligen, wirklich erfolgreich sein und die anderen unterstützen werden.

Auf einem ähnlichen Grundgedanken beruht der Kunstfonds, eine Kunstsammlung in Birmingham, die vom Düsseldorfer Kurator Jost Reinert ins Leben gerufen wurde. Das Projekt soll den beteiligten Künstlern neben Galerien und Auktionen einen weiteren Vertriebskanal bieten, so Reinert. Um die Lagerkosten niedrig zu halten, sollen die Bilder an Galerien und Privatpersonen ausgeliehen werden, die sich finanziell an der Initiative beteiligen. Außerdem könne der Kunstfonds, wenn er einmal eine beträchtliche Sammlung geworden sei, selbst Ausstellungen organisieren. Daneben soll die Kunstsammlung aber auch ein Kunstprojekt sein. Deshalb soll jeder Künstler für sein abgegebenes Kunstwerk Anteilscheine kreieren, die gegen Geld oder Dienstleistungen eingetauscht werden können.

Sowohl der Kunstfonds als auch der Artist Pension Trust stecken noch in ihren Anfängen. Für von Hausswolff liegt die Bedeutung des APT im Moment vor allem darin, dass da eine Gruppe von Künstlern etwas gemeinsam tut. In der Kunstszene sei die Konkurrenz hart, meint sie, meist sei jeder auf sich gestellt. Und da sei diese Art von Solidarität eine schöne Ausnahme. Kontakt: APT Berlin, Reinhardtstraße 8, 10117 Berlin, Telefon: 0 30/28 38 62 17, Fax: 0 30/28 38 62 18 berlin@artistpensiontrust.org, www.artistpensiontrust.org