Partner von
Partner von

Gutes Geld

Irgendwann in der Geschichte von brand eins gab es Menschen, die wollten das Unternehmen kaufen. Und die meisten begannen die Verhandlungen mit dem fürsorglichen Hinweis, dass man natürlich auch die Unternehmensanteile von uns, den Gründern, zu übernehmen gedenke: Nach den harten Jahren des Aufbaus wollten wir uns doch sicher mal was leisten! Und wir sahen uns an, irritiert, und fragten uns: Was wollen die? Das einzige Geld, das wir brauchten, brauchten wir doch für brand eins ...? Damals keimte in uns die Ahnung auf, dass wir für den richtigen Kapitalismus nicht geschaffen waren.




Was aber ist "der richtige Kapitalismus"? Das Spiel um Geld, das an den internationalen Finanzmärkten mit immer höheren Einsätzen und spekulativeren Instrumenten gespielt wird? Oder der Kampf um Ideen, bleibende Werte und sichtbaren Fortschritt, mit dem alles begann?

Erste Erkenntnis bei der Suche nach einer Antwort: Die schnelle Aufteilung in gut und böse führt nicht weit. Dass Unternehmer Geld brauchen, um ihre Ideen zu verwirklichen, ist so banal wie die Einsicht, dass Geld um des Geldes willen nicht viel nützt. Wo aber verläuft die Grenze? Ist Spekulation grundsätzlich schlecht? Und das Kapital, wie oft und gern beschrieben, vaterlandslos, flüchtig und wertefrei (S. 80)?

In der Diskussion darum geht viel durcheinander. Unverständnis, Unwissenheit - und vor allem die Angst, dass eine böse und nicht zu kalkulierende Macht unseren mit viel Arbeit und Mühe erwirtschafteten Wohlstand vernichtet. Dabei ist die Logik des Kapitalmarktes ganz schlicht: Auf der einen Seite gibt es Geld, das Kapital werden will - also nach Einsatzmöglichkeiten sucht, um Nutzen zu stiften. Auf der anderen Seite hat sich ein Markt entwickelt, der einem Kasino gleicht: Mit immer neuen Wett-Konstellationen wird aus Geld mehr Geld gemacht, um es erneut in der Hoffnung auf noch mehr Geld einzusetzen (S. 58).

Letzteres macht Angst, obwohl viele Menschen selbst Lotto spielen. Doch Hochbetrieb herrscht im Kasino eben vor allem dann, wenn die Hoffnung auf Gewinn durch Arbeit schwindet und es an nützlichen Tätigkeiten fehlt. Das ist das Problem zurzeit: zu viel Geld und zu wenig Arbeit - für Menschen wie fürs Kapital. Und so lohnt sich die Frage, wie dem Geld wieder zu sinnstiftender Tätigkeit zu verhelfen ist.

Die erste Antwort mag uns nicht gefallen. Aber dass Kapital heute in China, Indien oder Osteuropa mehr Einsatzmöglichkeiten findet als im satten Westeuropa, ist - nüchtern betrachtet - eine Logik, der schwer zu widersprechen ist (S. 108). Nur: Ist diese Logik die einzige, die im Kapitalismus gilt? Die Geschichte der Chicagoer Schlachthöfe könnte dafür sprechen (S. 114). Der Unternehmer Jürgen Großmann (Georgsmarienhütte) ist dennoch zum Widerspruch bereit (S. 68). Und selbst die Entwicklungsgeschichte des Shareholder Value, der Unternehmen in Gewinn-Produktionsmaschinen verwandeln sollte, macht vor allem eines klar: Wer das schnelle Geld sucht, vernichtet am Ende oft Kapital (S. 72). Eine Einsicht, die auch für den schnellen Auf- und Abstieg der New Economy gilt (S. 88).

Geld ist gut, wenn es Zielen dient. Geld ist nicht böse, nur sinnlos, wenn sie fehlen. Gute Bedingungen fürs Kapital könnten also auch gute Bedingungen für Menschen sein.