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Das geht - Weg mit dem Nebel!

Ein Malermeister, ein Forschungsinstitut, ein Spritzgerätehersteller und ein Farbenproduzent haben gemeinsam ein altes Problem gelöst und gleichzeitig bewiesen: Im Netzwerk geht vieles besser.




Für das Anstreichen von Fassaden gab es bislang keine moderne, praktische Lösung. Wenn die Maler Häuserwände anstreichen, tun sie das meist traditionell mit Pinsel oder Malerrollen. Zwar träumt die Branche seit langem davon, Fassaden einfach mit einem Spritzgerät zu beschichten. Das Problem ist allerdings der Farbnebel, der sich als feiner und zäher Staub auf Fenstern, Bürgersteigen und parkenden Autos absetzt. Viele haben sich an dem Phänomen abgearbeitet - Malereibetriebe, Farbenproduzenten und Spritzgerätehersteller. Und immer hieß es: Das geht nicht. Doch was die Firmen als Einzelkämpfer nie geschafft haben, ist schließlich einem Kooperationsprojekt aus Handwerk, Forschung und Industrie gelungen, Als sich der Malermeister Michael Heil vor gut vier Jahren an der Universität Kaiserslautern eine Präsentation des Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik ansah, glaubte er, dass die Wissenschaftler ihm bei der Lösung des Nebelproblems helfen könnten. Er sprach den Forscher Dietmar Hietel an, der bis dahin noch nichts mit Farben zu tun gehabt hatte. Er beschäftigte sich am Institut mit Partikelbewegungen in Strömungen und hatte zum Beispiel Berechnungen zum Wiedereintritt des Raumgleiters Hermes in die Erdatmosphäre durchgerührt. "Von der Anwendung her ist das zwar etwas ganz anderes, aber wissenschaftlich sind die Themen eng verwandt", sagt Hietel.

Heil und Hietel suchten nach weiteren Partnern und bauten so ein Kooperationsprojekt auf, wie es die Malerbranche noch nicht gesehen hatte. Beseelt von der Idee, nebelfrei Fassadenfarbe zu spritzen, schleppte Heil die Mathematiker auf Baustellen und brachte sie mit einem Farben- und einem Spritzgerätehersteller zusammen. Außerdem überzeugte er sechs weitere Malermeister, sich mit einem Anteil von je 7500 Euro auch finanziell zu beteiligen. Das Bundeswirtschaftsministerium finanzierte die Arbeit der Forschungsinstitute zusätzlich über das Förderprogramm InnoNet. Das Ergebnis ist eine mittlere Revolution.

Die Forscher fanden heraus, dass der Farbnebel entsteht, wenn die Tröpfchen zu klein sind - sie wirbeln im Luftstrom umher, während die größeren Tropfen genug Schwung haben, um an die Wand zu gelangen. Der Spritzgerätehersteller Wagner konstruierte deshalb ein Gerät mit neuer Düse und neuer Pumpe. Allerdings funktioniert es nur mit einer besonderen Farbe, die von der Firma Caparol entwickelt wurde. Da sich der gesamte Prozess als sehr temperaturempfindlich erwies, baute Wagner in den Schlauch der Spritze eine Heizung ein, die die Farbe auf konstant 40 Grad hält. Und immer wieder testeten die Malermeister Prototypen und erinnerten die Entwickler, dass das System baustellentauglich sein musste - da die Farbe aus relativ großen Fässern abgepumpt wird, braucht man beispielsweise auch eine passende Karre.

Im Frühjahr 2004 ging das System Nespri-Tec (" nebelfreies Spritzen") nach nur drei Jahren Entwicklungszeit in Serie. Es funktioniert so gut, dass ein Maler jetzt nicht einmal mehr die Fenster komplett abkleben muss, wenn er eine Fassade spritzt, sondern nur deren Rand. Dank der neuen Technik sparen Malerbetriebe ein Drittel, manchmal die Hälfte der Arbeitszeit, außerdem ist die Arbeit weit weniger anstrengend. Seit der Einführung der Malerrolle in den fünfziger Jahren hat es keinen vergleichbaren Fortschritt in der Bearbeitung von Fassaden gegeben.

Obwohl die Firma Wagner das System nicht selbst bewirbt, hat sie schon mehr Maschinen verkauft als erwartet. Den Vertrieb der Spritze hat Caparol übernommen, aber auch der Farbenhersteller will den Markt nicht überschwemmen, sondern geht gezielt vor. Die Anbieter verkaufen die Maschine nur zusammen mit einer Schulung, bei der die Maler neben der Technik auch lernen, ihre Erlöse zu sichern. Man wolle keine Preiserosion lostreten. Das Risiko, sich zu verkalkulieren, sei groß, wenn man nur die Zeitersparnis sieht und voreilig mit den Preisen runtergeht, sagt Stefan Kairies, Produktmanager bei Caparol. "Der Maler bietet mit Nespri jedoch einen Mehrwert an: Er hat kürzere Gerüststandzeiten, und wenn er an einem Wohnhaus arbeitet, haben die Mieter weniger Beeinträchtigungen." Sich diesen Mehrwert nicht bezahlen zu lassen sei ungefähr so, als würde die Bahn ICE-Fahrten billiger anbieten, weil die Fahrgäste weniger Zeit im Zug verbringen. Die Zeitersparnis soll den Handwerkern einen Spielraum eröffnen, rentabler zu arbeiten.

Bleibt die Frage, was der Initiator Michael Heil von dem ganzen Aufwand hat, jetzt, da Nespri auf dem Markt ist - denn an dem Patent verdient er nicht mit. Dafür hat er inzwischen eine eigene Firma gegründet, FSM!, die fast ausschließlich mit der neuen Technik arbeitet. Er hat Kontakte geknüpft, Innovationspreise gewonnen und leitet Workshops, in denen er Nespri erklärt. "Wir haben außerdem eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung und werden noch zwei Innovationsassistenten einstellen", sagt Heil. " Am Ende des Projektes stand auch die Erkenntnis, dass wir im Handwerk noch sehr viel mehr bewegen können, als wir manchmal denken." Michael Heil, FSM! GmbH, Opelkreisel 13, 67663 Kaiserslautern, Telefon: 06 31/3 6122-0, Fax: 0 631/3 6122-22, www.fsmgmbh.de