Partner von
Partner von

Was ist eigentlich - WiMax?

Drahtlos ist besser als verdrahtet, so viel steht fest. Richtig toll aber wäre Wireless LAN für Internet und Telefon, wenn die Daten so einfach zu empfangen wären wie die Signale von Radios. Interessante Perspektiven.




Wer die Dynamik der Hightech-Welt verstehen will, braucht sich lediglich an die Maxime "Schneller, besser, billiger" zu halten. Alle paar Monate taucht eine neue Technik auf, die diese Kriterien zu erfüllen scheint. Brandaktuell im Rattenrennen um die zukunftsträchtigste aller Übertragungsmöglichkeiten ist WiMax. Das ist eine Breitband-Funktechnologie. Und die muss sich, wie jede Entwicklung in diesem Bereich, mit dem teuren UMTS-System vergleichen lassen. Das sorgte, wir wissen es, allein schon der horrenden Preise wegen, die für die staatlich vergebenen Lizenzen des Mobilfunksystems zu zahlen waren, für einige Aufregung. Und immer wieder wurde in den vergangenen Jahren behauptet, dass UMTS trotz aller Milliardeninvestitionen bald schon durch eine bessere, schnellere und billigere Technologie abgelöst werden würde. Viele Gerüchte gab es da. Jetzt aber ist die Branche wirklich aufgeregt. WiMax steht für Worldwide Interoperability for Microwave Access und ist ein technischer Standard, auf den sich der weltweit größte Berufsverband von Ingenieuren der Elektrotechnik und Informatik, das 360 000 Mitglieder starke IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers) geeinigt hat.

WiMax ist schnell und preiswert. Und kommt ohne Antennenwälder aus WiMax ist mit 70 Megabit pro Sekunde rund 35-mal schneller als UMTS. Wirklich überlegen aber macht die WiMax-Technologie der Sparvorteil bei der teuren Antennen-Infrastruktur. UMTS-Geräte benötigen, wie auch GSM-Handys, alle paar Dutzend Meter eine Antenne. WiMax-Sender strahlen im Umkreis von 50 Kilometern. München, Hamburg und Berlin könnten also jeweils mit einem einzigen Sender auskommen.

Da spitzen Betreiber und Investoren die Ohren. Denn das größte Risiko bei der Einführung einer neuen Technologie im Funkbereich waren bisher die extrem hohen Anlaufkosten. Bis die wieder eingespielt sind, würde es im Fall UMTS bis zum Jahr 2015 dauern. Wie unwahrscheinlich es ist, dass man in der Zwischenzeit nichts Besseres findet, zeigt sich gerade an WiMax deutlich.

Die neue Technik passt nicht nur zu den knapperen Budgets der Mobilfunkkonzerne, sondern auch zur Infrastruktur der Kunden. Wireless LAN (WLAN), also drahtlose Netze, die vor allem für den Zugang zum Internet und zunehmend auch zum Telefonieren genutzt werden, sind bereits ein gut vorbereitetes Feld, auf das die neue Technologie fällt (siehe brand eins 10/2004: Was ist eigentlich ... VoWLAN?). WiMax behebt in einem Aufwasch auch die unübersehbare Schwäche von WLAN, das nur im Umkreis bis zu 100 Metern um einen Hotspot empfangen wird. Bei WiMax wird die viel höhere Reichweite durch ein anderes Frequenzspektrum erzielt, das überdies auch Hindernisse wie Gebäude überwinden kann. Für Betreiber und Verbraucher ist das praktisch. Denn der Anschluss zum Daten-Highway wäre dann in etwa so kompliziert wie das Anstellen eines Radios.

Und noch etwas spricht für WiMax: Die Technik kann die berühmt-berüchtigte "letzte Meile" vom Provider zum Kunden überwinden. Das Kabel unter der Erde, über das bislang in erster Linie die Ex-Telefon-Monopolisten verfügen, ist damit kein Hindernis mehr. WiMax ist die Grundlage von Metropolitan Area Networks (MAN). Damit könnte - zum Beispiel -jede Supermarktkette zum Netzbetreiber werden.

WiMax ist der Liebling der Industrie. Was war UMTS noch mal?

Warum sich also nicht bei Aldi anmelden, wenn Breitband-Internet eines Tages dort billiger ist als überall? Noch eine Perspektive: Breitband-Funk wertet Stadtteile auf und soll die Ansiedlung von Betrieben fördern. Oder: In den USA ist WiMax in Katastrophenfällen als alternatives Kommunikationsnetz geplant. Her damit!

Sachte. So viel Gutes auf einmal? Darf das sein? Vorerst wird WiMax nur als Technologie genutzt, die für bestehende GSM/UMTS-Provider eine Möglichkeit bietet, ihre Ressourcen aufzubessern. Andererseits ist sie aber auch für Festnetzanbieter interessant, um ihre DSL-Dienstleistungsversorgung auszuweiten. In Österreich, wo die WiMax-Frequenzspektren bereits vergeben wurden, hat der Kabelanbieter UPC Telekabel für gerade mal 144300 Euro eine Lizenz erworben, um damit seine Reichweite zu verdreifachen.

Die Frage ist allerdings, ob die Zurückhaltung der Provider - angesichts ihrer Geschäftsmodelle und Investitionen der vergangenen Jahre verständlich - noch lange ausreichen wird, um den WiMax-Boom zu verhindern. Immer mehr Hightech-Unternehmen setzen auf den neuen Standard. An vorderster Front kämpft der Branchenriese Intel, der vor gar nicht allzu langer Zeit mit einem ganz ähnlichen Engagement WLAN gepusht hat. "Wir stehen an der Schwelle zu einer neuen Ära. WiMax ist für DSL und Kabel das, was Mobiltelefone für das Festnetz waren", meinte Intel-Boss Paul Otellini, als er im vergangenen Herbst das erste WiMax -fähige Chipset vorstellte. Im zweiten Quartal wird es ausgeliefert, 2006 soll es Notebooks, ab 2007 dann auch Handys und PDAs geben. Im Rahmen des global agierenden WiMax-Forums hat Intel sich die Unterstützung von mehr als 200 Partnern gesichert, darunter Fujitsu, Alcatel, Proxim, viele Netzbetreiber, aber auch Nokia, Siemens Mobile, LG Electronics. Keiner will seine Chance verpassen.

Die Prognosen sind günstig. Die Wachstumsraten im Breitband-Geschäft sind weiterhin hoch, und das nicht nur in den entwickelten Industriestaaten. In den großen Wachstumsmärkten China, Russland, Indien, aber auch Pakistan oder Brasilien liegen weder Kabel für Breitband unter der Erde, noch gibt es UMTS-Mobilfunktechnologie.

"WiMax ist eine interessante Technologie, hat heute aber noch Schwächen", sagt Markus Schaffrin, Projektleiter im Verband der deutschen Internet-Wirtschaft, über den neuen Highspeed-Funk. Natürlich; 50 Kilometer Reichweite mit einer gleichzeitigen Datentransferrate von 70 Mbit/s sei unrealistisch - aber das sind die Angaben der deutlich langsameren Konkurrenten auch. Acht Kilometer bei 15 Mbit/s seien erwartbar, so Schaffrin.

Das langt zwar dicke - hat aber noch einen Schönheitsfehler: Je mehr Teilnehmer im WiMax-Netz surfen, desto lahmer wird es. An diesem Problem, das alle so genannten Shared Media gemein haben, muss noch gearbeitet werden. "Mehr Daten auf weniger Frequenzen zu bringen und besser zu übertragen, das ist das große Ziel, an dem wir alle arbeiten", sagt Alcatel-Marketingmanager Kaspar Dütting. Dass eine einzige Technologie das Rennen gewinnt, erwartet er nicht. "Die Zukunft sind multimediale Multifrequenzspektren, die nebeneinander bestehen werden", sagt Netzwerkspezialist Gerhard Lesch von Intel Deutschland.

Mit anderen Worten: Eins fürs Handy, eins fürs Internet und Telefon - so viel Unterschied wird es auch bei den Netzen der kommenden Jahre geben.

Ultra Wide Band - die nächstschnellere Technik steht schon bereit Das mag den Glanz des großen Einheitsnetzwerks WiMax nun etwas trüben -tatsächlich wäre aber bereits eine solche Lösung ein großer Fortschritt, verglichen mit den heute herrschenden Verhältnissen.

"Viel wichtiger als die Übertragungsart und die Inhalte ist es vorerst, Netze miteinander zu verbinden, um den Kunden umständliches Einbuchen ins World Wide Web zu ersparen", sagt Niall Murphy, Technik-Chef des britischen WLAN-Betreibers The Cloud. Murphys erklärtes Ziel ist es zum Beispiel, Roaming-Übereinkünfte zwischen Betreibern über die Verknüpfung von Netzen zu erzielen, um sie auf nationaler und internationaler Ebene nutzen zu können. Das wäre laut Murphy die Voraussetzung für Wireless-Highspeed-Anwendungen.

Und dann kennt er noch ein neues, schnelleres, höher und weiter greifendes Zauberwort. Die Ingenieure und Manager der Drahtlos-Industrie haben es bereits auf dem Zettel. WiMax? Von gestern. Ultra Wide Band. UWB. Enorme Datenmengen werden da übertragen. Oder Mobil-Fi, ein Funk, der auch in fahrenden Zügen und Bussen störungsfrei funktioniert. Anders gesagt: Genug ist nicht genug. Und eine Lösung für alles gibt es nicht.