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Das Zauberwort

Internationale Forscher wollen etwas Nützliches, deutsche Forscher den Nobelpreis. Eine Innovation ist nur eine, wenn dabei auch was herauskommt. Eine Einsicht, die sich im Land der Denker erst langsam durchsetzt.




Es war kurz vor Weihnachten 2003. Der Chef des Bundeskanzleramtes Frank Walter Steinmeier flüsterte dem Bundeskanzler die Parole vom "Jahr der Innovation" ein. Gerhard Schröder, Kanzler mit Sinn für Kampagnen, rief es sofort laut aus. 2004 begann mit der Toll-Collect-Pleite, die Häme war groß, aber immerhin, der Begriff der Innovation war in der Politik angekommen: als Zauberwort gegen die Abwanderung von Arbeitsplätzen ins Ausland und für die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Dem Maut-Desaster folgte ein Innovationsgipfel von Politik und Wirtschaft, eine Hand voll Sonntagsreden und bemühte Beiträge in Nachrichtenmagazinen, die den Verlust der deutschen Innovationsfähigkeit beklagten. "Wenn das Jahr der Innovation' eines gebracht hat, dann zumindest, dass endlich über Innovation geredet wird", sagt der Saarbrücker Wirtschaftsprofessor und Unternehmer August-Wilhelm Scheer. "Reichlich spät", fügt er rasch an.

In der Wirtschaftswissenschaft hat das Zauberwort bereits seit 1911 seinen Platz: "Innovation ist die Planung, Erzeugung und Durchsetzung neuer Produkte, neuer Produktqualität, neuer Produktionsverfahren, neuer Methoden für Organisation und Management sowie die Erschließung neuer Beschaffungs- und Absatzmärkte." Der österreichische Ökonom Joseph A. Schumpeter hat die "Innovatio" (Erneuerung und Veränderung) für die Volkswirtschaftslehre übersetzt. Sein zentraler Gedanke dabei war treffend einfach: Die Erfindung (Invention) wird erst zur Innovation, wenn sie marktfähig ist - Invention ist die Transformation von Geld in Wissen, und Innovation ist die Umwandlung von Wissen in Geld. Der deutsche Forschungsalltag läuft oft genug umgekehrt. Beim Geldausgeben stehen deutsche Wissenschaftler recht gut da. Beim Geldverdienen mit ihren steuerfinanzierten Ideen hapert es leider. Die Max-Planck-Gesellschaft, Deutschlands renommierteste Forschungsinstitution, hat einen Jahresetat von 1,3 Milliarden Euro, eine Milliarde davon kommt aus öffentlichen Haushalten. Die Garching Innovation GmbH, die für die kommerzielle Vermarktung der Ideen der knapp 22 000 Max-Planck-Forscher zuständig ist, hat 2003 mit ihren 17 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 17,2 Millionen Euro erzielt.

"Deutsche Forscher, auch bei Max Planck, haben sich zu lange in ihre Elfenbeintürme zurückgezogen", gibt Dieter Treichel von Garching Innovation zu. Der promovierte Gentechniker hat lange für eine Risikokapital-Firma gearbeitet, die aus Biotech-Ideen marktfähige Produkte machen wollte. Seit einem halben Jahr hat Treichel die gleiche Aufgabenstellung bei Garching Innovation. Das Grundproblem beschreibt er so: Ein Wissenschaftler will einen Nobelpreis. Er forscht in konzentrischen Kreisen um sein Problem und sammelt dabei auch noch das letzte wissenschaftliche Gänseblümchen am Wegesrand auf. Seine Ergebnisse behält er zunächst für sich, meldet aber kein Patent an, sondern veröffentlicht ein profundes Papier in den gehobenen Wissenschaftsmagazinen wie "Nature" oder " Science". Wenn das nicht für den Nobelpreis reicht, dann vielleicht für eine C4-Stelle. Die Statistiken stimmen sowieso: Fast zehn Prozent aller wissenschaftlichen Publikationen weltweit kommen aus Deutschland. Das klingt toll, doch ist genau betrachtet eher das Gegenteil: Denn publizierte Ideen stehen weltweit zur freien Verfügung. Patente können nur auf Erfindungen angemeldet werden, die noch nicht veröffentlicht wurden. Deutsche Forschung ist weltweit gern gesehen - vor allem auch, weil sich das, was hier erdacht wurde, fast überall kommerziell umsetzen lässt. So gibt es weltweit keinen Computertomografen (CT), der nicht mit einer Software läuft, die von Max-Planck-Forschem entwickelt wurde. Mit CTs werden jährlich rund 30 Milliarden Dollar umgesetzt. Wie hoch der Anteil aus den Software-Lizenzen an den 17,2 Millionen Umsatz der Garching Innovation ist, kann Treichel nicht sagen. Fest steht aber auch für ihn, dass die wahren Defizite deutscher Forschung darin liegen, gute Ideen in verkaufbare Praxis umzusetzen.

Innovation schafft Geld, Geld schafft Innovation. Das gilt auch für Schlafmittel Der Weckruf kommt mit einem Schlafmittel namens Gaboxadol. Ursprünglich wurde Gaboxadol als Antiepileptikum, also zur Krampflösung, entwickelt, kam hier zu Lande aber nie breit zum Einsatz. Die Max-Planck-Forscher vom Institut für Psychiatrie entdeckten, dass der Wirkstoff auch einschläfernde Wirkung hat, und forschten an einer Zweitverwertung, die sie sich erfolgreich patentieren ließen. Der amerikanische Pharmariese Merck & Co. steht mit Gaboxadol gegen Schlaflosigkeit in der dritten klinischen Testphase und will das Mittel so schnell wie möglich zur Zulassung bringen. Das Unternehmen schätzt das Marktpotenzial auf bis zu drei Milliarden Dollar jährlich. Die Max-Planck-Gesellschaft wäre, so heißt es in Pharmakreisen, mit rund fünf Prozent dabei, könnte also mit diesem einen Coup ihr Jahresbudget um 150 Millionen Dollar steigern. Treichel nennt das: " Wir lernen dazu." Das gilt auch für den Umgang mit wissenschaftlicher Arbeitsteilung.

Denn der Prozess von Grundlagenforschung, Anwendungsforschung, Produktentwicklung und Vermarktung funktioniert in Deutschland nicht mehr. "Wenn ich eines im Umgang mit Wissenschaftlern gelernt habe, dann das: Die können keinen Businessplan schreiben, egal, wie intelligent sie sind", sagt Treichel. Den Weg von der Invention zur Innovation beschreibt er als eine Gerade von A nach B. Eine Idee muss zunächst geboren, dann als marktfähig erkannt werden. Die Anwendungsforschung sichert ab, dass die Idee tatsächlich realisierbar wird, und baut Prototypen. In einer Ausgründung oder mit einem Partnerunternehmen entsteht ein Produkt, das dann vertrieben und vermarktet werden muss.

Mit seinen konzentrischen Kreisen aber kommt der Wissenschaftler nicht weit. Die Innovationskette ist in Deutschland an zu vielen Stellen durchschnitten.

Es gibt zu wenige Institutionen, Kapitalgeber, Berater, die den Prozess von der Idee bis zur Rechnungsstellung für ein Produkt systematisch vorantreiben. Ein " missing link" hat Treichel zwischen Grundlagen und Anwendungsforschung erkannt: "Das Problem ist nicht die Grundlagenforschung und die Qualität oder die Zahl der Ideen, die wir in Deutschland hervorbringen. Den akademischen Forschungsergebnissen fehlt allerdings die Reife für eine wirtschaftliche Umsetzung." Weder Unternehmen noch Risikokapitalisten sind nach den Erfahrungen der späten neunziger Jahre bereit, in die Weiterentwicklung akademischer Projekte zu investieren. Das betriebswirtschaftliche Risiko scheint einfach zu groß. Diese strukturelle Lücke zwischen Forschung und Wirtschaft soll nach Vorstellung der Max-Planck-Gesellschaft mit einem "Innovationsfonds der Deutschen Forschung" (IFDF) geschlossen werden.

240 bis 300 Millionen Euro müsste der Bund nach Berechnungen der Businessplaner von Garching Innovation in den Innovationsfonds der Deutschen Forschung schießen. Industrieerfahrene Entwicklungsspezialisten sollen dann in 400 Projekten die Forscher von ihren konzentrischen Bahnen auf die Gerade von A nach B umlenken. Für Bildung und Forschung an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen sieht der Bundeshaushalt 2005 immerhin 9,9 Milliarden Euro vor - allerdings einschließlich aller Gehälter und den Aufwendungen für Bürokratie. Spitzenuniversitäten und Forschergemeinschaften dürfen in den nächsten Jahren - genauer wollte sich die Bundesregierung nicht festlegen - auf weitere 1,9 Milliarden Euro hoffen.

Warum also nicht 300 Millionen Euro aus dem Fonds in die Umsetzung der Ideen investieren und damit die Grundlage auch von besserer Forschung schaffen? "Ein bis zwei echte Treffer pro Jahr, bei dem eine Idee zum Produkt wird, und der IFDF würde sofort mehr einspielen, als er kostet", glaubt Treichel. Bei der Rückverwandlung von Wissen in Geld gelten, falls richtig organisiert, die betriebswirtschaftlichen Hebelgesetze.

"Richtig gedacht", findet auch Hariolf Grupp, stellvertretender Leiter des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innovationsforschung in Karlsruhe. Er spricht von einer "Versäulung" des deutschen Forschungs- und Entwicklungsbetriebs. Forschung und Entwicklung (F&E) heißt in Deutschland leider viel zu oft F oder E, also entweder oder. "Früher war Forschung Voraussetzung für Innovation. Heute muss sie Begleiter von Innovation sein", sagt der Professor, der unter anderem den jährlichen Bericht zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands herausgibt. Verzahnung statt Versäulung lautet die Schlussfolgerung.

Die Initiative "Partner für Innovation" von Bundesregierung, deutscher Wirtschaft und verschiedenen Wissenschaftsträgem will Forschern und Entwicklern aus kleinen und mittelständischen Unternehmen Forschungsaufenthalte in wissenschaftlichen Instituten ermöglichen - Verzahnung also. Umgekehrt sollen Wissenschaftler zeitlich befristet in Unternehmen arbeiten, um ihr Wissen bei der Entwicklung von Produkten einzubringen. Bei der Fraunhofer-Gesellschaft, deren expliziter Auftrag die Anwendungsforschung ist, sollen Praxisaufenthalte für die gemeinnützigen Forscher künftig Pflicht sein. Ein guter Anfang - aber als Aufbruch zur Innovation auch ausreichend?

Mehr Geld für Forschung? Prima Idee! Nur leider fehlen die Forscher Im Jahr vor der Wiedervereinigung investierten Staat und Wirtschaft der alten Bundesrepublik drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in die Forschung und Entwicklung und belegten damals im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz. Heute sind es nur noch 2,5 Prozent des BIP. Andere Länder sind vorbeigezogen. Die USA stecken 2,7 Prozent in die F&E ihrer weit größeren Volkswirtschaft. Den japanischen Wissenschaftlern stehen trotz jahrelanger Wirtschaftsmisere drei Prozent zur Verfügung, den schwedischen sogar 4,3 Prozent. Immerhin will die Bundesregierung bis 2010 den Anteil auf drei Prozent erhöhen. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, macht dafür eine Rechnung auf: Die F&E-Aufwendungen müssten dafür jedes Jahr um sieben bis acht Prozent steigen. Vor dem Hintergrund knapper Haushaltskassen klingt das nach einer geradezu verwegenen Idee.

Dabei könnte gerade die Finanzierung von Innovation zu einem Prüfstein dafür werden, ob Deutschland fähig ist, für seine wirtschaftliche Zukunft die richtigen Prioritäten zu setzen. Innovationsforscher Grupp ist sicher: "Das Geld ist im Prinzip da. Denken Sie nur an die sechs Milliarden, die jährlich in die Eigenheimförderung fließen." Doch selbst wenn es gelänge, Politik und Vorstandsetagen die nötigen Mittel für das Drei-Prozent-Ziel abzuschwatzen, wären nicht genug Forscher da, das Geld auch sinnvoll einzusetzen. Laut Bericht zur technologischen Leistungsfähigkeit bräuchte Deutschland binnen fünf Jahren 200000 zusätzliche Fachkräfte in der Forschung und Entwicklung, um etwa zu Japan aufschließen zu können. Das Gros der Abiturienten aber pfeift auf anstrengende naturwissenschaftliche Studien. Betriebswirtschaftslehre und Jura gelten bereits als Mount Everest der wissenschaftlichen Herausforderung. Naturwissenschaftler sind knapp - und wandern, auch des niedrigen Sozialprestiges wegen, lieber aus. Das Abwanderungsproblem, "brain drain" genannt, verschärft sich weiter: 20 000 deutsche Wissenschaftler, darunter viele Molekularbiologen, Physiker und Mediziner, forschen derzeit an US-amerikanischen Hochschulen.

Die bislang letzten vier deutschen Nobelpreise in naturwissenschaftlichen Disziplinen gingen allesamt an Emigranten: Horst Stömer, Günter Blobel, Herbert Kroemer und Wolfgang Ketterle. Ab und an entscheidet sich wohl auch mal ein Spitzenwissenschaftler zur Rückkehr, wie im Vorjahr Stammzellenpapst Hans Schöler, der von Philadelphia an das Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster wechselte. Doch die Mehrheit der US-Forscher mit deutschem Pass soll jedenfalls wenig Heimweh plagen, wenn sie an die Forschungs- und Arbeitsbedingungen in deutschen Labors denken. "Das ist allerdings auch eine Frage der eigenen Wertvorstellungen. Bei uns sind viele Professoren stolz darauf, wenn ihre Studenten oder Mitarbeiter in die USA abgeworben werden", kritisiert Professor Scheer, der basierend auf seinen wissenschaftlichen Forschungen in Saarbrücken ein erfolgreiches Software-Unternehmen gründete und den saarländischen Ministerpräsidenten in Innovationsfragen berät.

Seit 20 Jahren predigt Scheer, dass Wohl und Wehe der deutschen Wirtschaft von ihrer Innovationsfähigkeit abhängen. Auch Scheers Kritik zielt auf die Strukturen des Wissenschaftsbetriebs: "Es werden einfach riesige Summen verplempert, weil keine klaren Prioritäten gesetzt werden." So habe der Bund zwar in den vergangenen Jahren 200 Millionen Euro für Multimedia an Hochschulen bereitgestellt, diese aber nach dem Gießkannenprinzip auf 100 einzelne Projekte verteilt. "In solchen Kleinprojekten erfindet jeder dann das Rad neu, weltmarktfähige Produkte entstehen aber nicht", sagt Scheer. Alle kriegen etwas. Dabei kommt nichts raus.

Wer die besten Anträge schreibt, bekommt das meiste Geld. Das Ergebnis interessiert nicht Zudem fehlt es nach Einschätzung Scheers an den Hochschulen an Kontrolle. In der akademischen Szene ist bekannt, dass der Forscher das meiste Geld bekommt, der die besten Förderungsanträge schreibt. Was dabei herauskommt, interessiert niemanden wirklich: "In den USA müssen auch Nobelpreisträger nachweisen, wie weit sie im vergangenen Forschungsjahr vorangekommen sind, wenn sie neue Forschungsmittel beanspruchen", weiß Scheer. Noch aber ist Selbsterhaltung des bürokratischen Systems im deutschen Forschungswesen das oberste Prinzip. Den Forschungsbeamten gilt dann die Frage, ob sich die eingesetzten Mittel auch gelohnt haben, als unanständig: "Gewinnt - zum Beispiel - die Max-Planck-Gesellschaft eigentlich genug Nobelpreise für die 1,3 Milliarden Euro, die ihr jährlich zur Verfügung stehen?", stellt Scheer so eine Frage. Scheer weiß, dass man ihm dabei den Vorwurf machen wird, die hehre Freiheit der Wissenschaft einschränken zu wollen. Doch wozu ist diese Freiheit da, wenn nicht zum Nutzen derer, die sie durch ihr Geld erhalten -den Bürgern?

In einem solchen Klima gedeihen deutsche Untugenden besonders gut: Risikoallergie und politische Denkverbote. Auch große Teile der Wissenschaft sind heute auf Risikovermeidungs-Strategien abonniert. Dabei gilt oft: Nur eine tote Innovation ist eine gute Innovation. Über die Kernenergie als Zukunftstechnologie kann man auf keiner Party reden, ohne in Verdacht zu geraten, nicht mehr im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte zu sein. Von den technologischen Fortschritten der dritten Reaktorgeneration wissen selbst diejenigen so gut wie nichts, die sich für technisch interessiert halten. Fest in der Meinung, aber ohne jede Ahnung von der Materie wird so auch mit der Gentechnik verfahren. Das weltweit als extremes Verhinderungsgesetz bestaunte deutsche Haftungsgesetz für gentechnisch veränderte Pflanzen, das die rot-grüne Regierung im vergangenen Jahr verabschiedete, bedeutete das sichere Ende der grünen Gentechnik in Deutschland. "In 20 Jahren wird der Markt für grüne Gentechnik blühen", prophezeit Dieter Treichel. Nur eben anderswo. Deutschland wird sich dann die Anwendungen teuer einkaufen.

Die Feinde der Innovation summieren sich. Dagegen fehlt ein politisches Konzept für die technologische Zukunftsfähigkeit. Wie gesagt: Der Begriff der Innovation ist in der Politik angekommen und wabert wie ein Zauberwort durch die immer wiederholten Beschwörungsformeln der Standortsicherung. Tatsächlich ist die politische Klasse jedoch damit beschäftigt, den Konkurs des Landes zu verhindern. Die finanziellen Spielräume sind eng. Ein bisschen Elite-Uni, ein bisschen Innovationsgipfel, ein bisschen Greencard für ausländische Software-Entwickler werden aber nicht reichen. Die technologische Zukunft liegt in der Informations-, Bio- und Nanotechnologie sowie in den Schnittmengen-Anwendungen dieser drei Bereiche.

Um diese Chancen wahrnehmen zu können, fordert August-Wilhelm Scheer, muss Deutschland sich erst einmal klare Ziele stecken. "Nach dem Motto, im Jahr 2010 muss der Weltmarktanteil in der Nanotechnologie x Prozent betragen." Nur wer Ziele hat, kann sie auch erreichen. Dazu gehört Selbstbewusstsein und Selbstkenntnis. Denn Deutschlands Forschung ist besser, als selbst ihre obersten Verwalter ahnen. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn forderte bei einem Treffen mit Forschem, Deutschland müsse bei der Zahl der Patente in der Biotechnologie an der europäischen Konkurrenz vorbeiziehen. Hariolf Grupp gab einen sachdienlichen Hinweis: "Das geht leider nicht, Frau Ministerin. Wir haben in diesem Bereich bereits jährlich die meisten Patente." Leider gilt auch hier: Ein Patent ist noch kein Produkt. Und gerade in der Biotechnologie werden die aussichtsreichsten Patente frühzeitig kassiert und von US-amerikanischen Firmen zur Marktreife entwickelt.

Was machen andere Länder besser als Deutschland? In den USA macht es unter anderem die Masse. Harvard stellt sich gerade ein neues Biotech-Zentrum für eine Milliarde Dollar hin. Der Pharmariese Pfizer steckt jedes Jahr 7,5 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung. Das hat nicht nur etwas mit der Größe einer Volkswirtschaft zu tun, sondern auch mit den Prioritäten, die gesetzt werden. Die letzten Schritte von der Industrie- zur Informations- und Hochtechnologiegesellschaft scheinen hier zu Lande ein besonders schwerer Gang zu sein. Mühsam, aber nötig: Es wäre der Schritt ins Neue.